Wie wir unsere digitale Zukunft verbrennen….

Liebe Leser,

es mag vielleicht komisch klingen, aber ich glaube wir riskieren gerade unsere digitale Zukunft. Dabei ist es nicht die Datenschutz-Geheimdienst-Politik-weiß-von-nichts-Affäre direkt, sondern die Unfähigkeit von denen, die aus Angst vor Allem und der Nicht-Wiederwahl unsere digitale Zukunft zerstören.

Ich kann verstehen, dass man sich Sorgen macht. Datenschutz ist ein wichtiges Thema. Aber das was gerade in Baden Württemberg passiert, ist mehr als ärgerlich. Neue Social-Media-Richtlinien für Lehrer sorgen dafür, dass es Lehrern faktisch unmöglich gemacht wird, Facebook und Co. in den Unterricht zu integrieren.

Was bedeutet das? Wir leben in einer Zeit, in der sich unsere Gesellschaft verändert. Die digitale Welt gehört zur Lebensrealität von immer mehr Menschen. Sie ist Teil unserer Gesellschaft. Obwohl wir das wissen ist der Kultur- und Bildungssektor noch weit davon entfernt, den digitalen Teil unserer Gesellschaft aktiv zu gestalten. Schulen und Universitäten tun viel zu wenig und scheinen sich nicht zuständig zu fühlen.

Viele Lehrer haben sich aber auf den Weg gemacht. Sie versuchen, Teil des digitalen Teils unserer Gesellschaft zu werden. Gerade weil wir im schulischen Bereich nicht genug zukunftsorientierte Lehrer haben, ist es umso wichtiger, die Lehrer zu unterstützen, die unsere digitale Zukunft retten.

Wer von Euch kennt gute Beispiele von Lehrern, die aktiv die digitale Welt in den Unterricht implementieren und damit unsere Zukunft retten? Und brauchen wir nicht einen Zukunftspreis für diese Lehrer?

Beste Grüße Christoph Deeg

Auf dem Weg in das Archiv 2.0 – oder warum die Niederlande keinen Fussball brauchen:-)

Liebe Leser,

in der letzten Woche habe ich nicht nur weitere Social-Media-Coachingtage und Social-Media-Workshops durchgeführt – ich durfte auch auf einer sehr spannenden Konferenz sprechen. Es handelte sich um die Konferenz „Offene Archive“ und es war quasi die erste Archiv-2.0-Konferenz in Deutschland.

Wenn man sich mit dem Thema Archive 2.0 beschäftigt muss man zuerst verstehen, dass Archive etwas besonderes sind. Im Gegensatz zu Institutionen wie z.B. Bibliotheken haben Archive einen gesetzlichen Auftrag. Sie sind quasi das „Gedächtnis unserer Gesellschaft“ D.h. sie sammeln, sichern und erschließen die Informationen und Inhalte, die es heute und in der Zukunft ermöglichen sollen, zu verstehen, was in unserer Vergangenheit geschah.

Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, haben Archive eigene Denk- und Arbeitsweisen entwickelt, die auf lange Zeit den Bestand und den Zugang zu Archivalien sicherstellen sollen. Im Laufe der Jahrzehnte entstand eine eigene Kultur, die nicht ohne weiteres kompatibel zur Kultur der digitalen Welt erscheint. In Archiven geht es um fachliche Erschließung, Langzeitarchivierung, Sichern und Bewahren, im Social-Web und der Welt des Gamings geht es um Kooperation, Teilen, Dialog auf Augenhöhe, Prozesshaftigkeit und Interaktion. Dies soll keine Kritik an den Archiven sein. Es gibt gute Gründe, warum Archive so handeln. Und somit ging es auf der Konferenz auch nicht darum, das Archiv an sich in Frage zu stellen. Es ging vielmehr um eine Erweiterung der Archivarbeit, um die Entwicklung zum Archiv 2.0. Also ein Langzeit-Update:-)

Gleichzeitig wissen wir gerade über Archive noch weniger als über Bibliotheken oder Museen. Die Arbeit eines Archivars erscheint vielen wie ein Mythos. Eine Bibliothekarin können sich viele Menschen noch vorstellen – auch wenn das Bild der grauen Maus mit Dutt nicht wirklich die Wirklichkeit darstellt. Aber was macht ein Archivar? Und so wie viele Menschen nicht wissen, was ein Archivar tut, wissen auch viele Menschen nicht, was man alles in einem Archiv machen kann – und vielleicht wissen das einige Archivare auch nicht…

Auf der Konferenz ging es um neue Wege, um einen Aufbruch, um eine neue Kultur. Und so geschah es:-) Ich werde jetzt nicht alle einzelnen Vorträge beschreiben. Ich möchte vielmehr meine persönlichen Gedanken zur Konferenz und dem Thema mit Euch teilen. Da ist zuerst die Freude, dass ich auf der Konferenz zum Thema Gaming sprechen durfte. Auf vergleichbaren Konferenzen geht es zumeist um Social-Media und das mobile Internet. Ich bin auch in diesen Bereichen sehr aktiv und führe jede Menge Workshops und Projekte wie die „Mobile-Internet-Roadshow“ durch. Aber das Thema Gaming wird immer gerne vergessen. Dabei ist es letztlich Social-Media 2.0. Wenn man wissen möchte, wie wirklich professionelles Community-Management, Storytelling, Social-Media-Management, Wissensmanagement usw. aussehen kann, muss man nur die Welt des Gamings beobachten.

Es gab eine Vielzahl an spannenden Vorträgen u.a. von Ulrike Schmidt und Christian Spließ Für mich waren aber vor allem die Reaktionen der Zuhörer interessant. Die Teilnehmer dieser Konferenz waren nach Speyer gekommen, weil sie den Weg in die digitale Welt 2.0 gehen wollten. Es gab also keine Grundsatzdiskussionen über die Frage, ob die digitale Welt nicht gefährlich ist bzw. ob man den wirklich in diesem Bereich aktiv sein muss oder ob das alles nicht ein Hype sei. Ebenso interessant war die Tatsache, dass man sowohl einen Blick von außen also z.B. durch mich, als auch einen Blick von innen von Archivaren aus ganz Europa, die bereits im Social-Web aktiv sind, wagen wollte. Es ergaben sich spannende Diskussionen und dabei entwickelten sich viele Ideen.

Kurz vor meinem Vortrag gab es keine Diskussion um Digitalisierungs-Strategien. Diese Diskussion ist nicht neu. Archive haben in den letzten Jahren damit begonnen vor allem ihre Findmittel zu digitalisieren. Im nächsten Schritt geht es nun um die Archivierung der eigentlichen Archivalien. Ich habe den Wunsch nach einer solchen Strategie in meinem Vortrag aufgenommen, und darauf verwiesen, dass Archive (und auch Bibliotheken und Museen) keine Digitalisierungsstrategie sondern einen digitale Strategie benötigen. Es reicht m.E. nicht aus, Inhalte zu digitalisieren. Man muss sich im gleichen Zug darüber Gedanken machen, wie man diese Inhalte vermittelt. Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Es geht nicht darum, möglichst viele Inhalte zu sichern. Erst wenn die Digitalisate von einer möglichst breiten Öffentlichkeit wahrgenommen werden, macht der finanzielle Aufwand Sinn. Aus diesem Grund plädierte ich dafür eine digitale Strategie zu entwickeln, die sowohl die Digitalisierung als auch deren Vermittlung mittels Social-Media und Gaming beinhaltet. Und haben wir damit begonnen, uns Gedanken zu machen, wie diese Strategie aussehen könnte. Thomas Wolf hat in seinem Beitrag einen ersten Entwurf gepostet. Ich möchte nun heute meine Ideen zur Diskussion stellen. Damit wir besser arbeiten können habe ich bei Mindmeister.com eine öffentlich zugängliche Mindmap veröffentlicht.

Am Abend des ersten Tages gab es dann ein Kultup im Stadtarchiv in Speyer. Es war wirklich ein gelungener Abend. Und twittern aus Kulturinstitutionen macht wirklich Spass…

Mein persönliches Highlight war der Vortrag von Christian van der Ven zum Umgang mit der digitalen Welt in den Niederlanden. Er begann mit dem Beschreiben von Archiv-Barcamps und endete in einer niederländischen Version von 23things. Ich wusste schon länger, dass die Niederlande bei der Kultur- und Wissensvermittlung führend sind. In der Bibliothekswelt setzen sie den Standart. Bibliotheken wie die in Delft oder Amsterdam sind nur zwei Beispiele. Nun konnte ich erleben, dass auch die Archive in den Niederlanden führend sind. Wozu also braucht man erfolgreichen Fussball, wenn man solche erfolgreichen Bibliotheken und Archive hat?

Die Konferenz war ein voller Erfolg. Man kann den Organisatoren nur danken. Sie haben wirklich eine großartige Atmosphäre geschaffen. Nun gilt es, die Ideen und Visionen umzusetzen. Ein Archiv 2.0 ist möglich. Der Weg ist steinig aber er lohnt sich – für die Archive und für die Menschen.

Beste Grüße

Christoph Deeg

Die wollen nur Spielen! Mein Abschlussbericht zur Re:Publica 2012 – und ein #smgbbq bei Mainz

Liebe Leser,

es ist Sonntagnachmittag. Mein neuer Grill ist endlich geliefert worden – und es regnet. Kein Problem, widme ich mich eben meinem Abschlussbericht zur Re:Publica 2012. In den letzten Tagen habe ich schon über meine Eindrücke vom ersten und vom zweiten Tag berichtet. Insofern bleibt mir nun die Aufgabe über den dritten Tag zu schreiben und ein Resumé zu ziehen. Beginnen wir also mit dem dritten Tag:

Der dritte Tag trägt für mich die Überschrift „Verantwortung und Wandel“. Die erste Session, die ich besuchte war „Revolution on hold – China, Iran, Russia – Where do the revolutionary ideas catch on?“. Isaac Mao, Arash Abadpour, Markus Löning und Mathis Winkler diskutierten mit Kristin Zeier über die Nutzung des Internets als Kommunikationsplattform, Zensur und Gefahren für Aktivisten in China, Iran und Russland. Für mich waren die spannendsten Aussagen die über die Unmöglichkeit, das Internet zu kontrollieren. Trotz aller erschreckenden Versuche, den Zugang zum Internet zu beschränken und diejenigen die im Netz aktiv sind massiv zu bedrohen, lässt sich anscheinend der Wandel nicht aufhalten. Isaac Mao verwies u.a. darauf, dass alleine die schlichte Masse an Informationen, welche im Netz veröffentlicht werden, es unmöglich macht, alle Daten zu kontrollieren. Zudem werden wichtige Informationen nicht direkt vermittelt. Vielmehr werden sie in andere Kontexte „verpackt“. Die jeweiligen Zensur-Organe sind somit nicht mehr in der Lage zu verstehen, ob der jeweilige Text eine politische Bedeutung hat oder nicht. Es gibt aber nicht nur Zensur. Das Gegenstück zur Zensur scheint die „Vermüllung“ des Netztes zu sein. Es werden Massen an Informationen im Netz veröffentlicht. Dadurch soll die Aufmerksamkeit der User auf unwichtige Inhalte gelenkt werden. Alle Beteiligten waren der Meinung, dass die globale Wirtschaft, d.h. die Öffnung der lokalen Märkte letztlich dafür sorgen wird, dass geschlossene Netze nicht dauerhaft existieren und/oder die Regime nicht in der Lage sein werden alles zu kontrollieren. Je länger ich die Diskussion verfolgte desto deutlicher wurde mir klar, wie dankbar man sei sollte, dass wir hier ein freies Netz haben, und dass es eine Vielzahl an Organisationen gibt die dafür kämpfen, dass das auch so bleibt. Es bedeutet aber auch, dass wir wo immer möglich diejenigen unterstützen sollten, die in diesen Ländern leben bzw. die dortigen Gesellschaften reformieren möchten. Markus Löning hatte m.E. recht wenn er zudem forderte, dass sich Unternehmen, die in diesen Staaten aktiv sind, ihrer Verantwortung bewusst werden…

Daran anschließend besuchte ich die Session „Do it yourself – Netzwerke für die DIY-Education“. In dieser Session stellten Anja. C. Wagner, Jonas Liepmann und Michelle Thorne verschiedene Projekte für neue Bildungsformen vor. Es geht dabei weniger um den klassischen und m.E. überholten Frontalunterricht als vielmehr um offene Plattformen, auf denen Menschen zusammenkommen um gemeinsam zu lernen. Die Angebote sind unterschiedlich und beziehen sich sowohl auf die reale als auch auf die digitale Welt. Ich war von den Präsentationen sehr beeindruckt und wurde konnte viel für meine Arbeit an der Universität Hildesheim mitnehmen. Was mich allerdings skeptisch macht ist die Tatsache, dass unsere Schulen und Universitäten m.E. noch Lichtjahre von solchen neuen Konzepten entfernt sind. Ich weiß ich wiederhole mich aber wir dürfen nicht vergessen, dass Deutschland das Land ist, in dem gerade mal 15% der Schüler überhaupt im Unterricht täglich einen Computer nutzen dürfen. Wir leben also in einer Art schulischem Mittelalter. Dabei geht es nicht nur um die Technologie an sich sondern auch und vor allem um die damit verbundenen neuen Denk- und Arbeitsweisen. In diesem Zusammenhang wurde auch diskutiert, ob man eine Unterrichtsstunde „Medienkunde“ braucht. Ich halte davon wenig. Viel sinnvoller wäre m.E., dass Social-Media, Internet und Computer zu einer Querschnittsfunktion in allen Schulen werden, d.h. in möglichst jeder Unterrichtseinheit werden diese Werkzeuge aktiv genutzt. So schockierend die aktuelle Situation in den deutschen Schulen auch sein mag – und ja, ich weiß es gibt ein paar tolle Gegenbeispiele – sie zeigt einmal mehr unsere Verantwortung, hier in der Breite Druck zu machen. Wer für den Rücktritt von Christian Wulff als Bundespräsident eintritt, sollte auch für einen Wandel in den Schulen demonstrieren.

Nach dieser Session musste ich die Re:Publica kurz verlassen, denn ich nahm an der abschließenden Telefonkonferenz des „Movers&Shakers-Preises“ teil, bei dem ich Mitglied der Jury bin. Nach einer Stunde hatten wir die Sieger gefunden – und ich bin mächtig stolz darauf, dass meine Favoriten gewonnen haben:-)

Danach gab es noch ein kleines Vorgespräch für ein bald startendes Projekt ehe ich die letzte Session meines dritten Tages besuchte. Dieses mal ging es um Social-Gaming. Sina Kamala Kaufman sprach in ihrem Vortrag „In case of reality use magic wand; social games & digital identities“ über die verschiedenen Formen und Erscheinungen digitaler Identitäten. Wie bewegen wir uns auf Facebook, Twitter und Co? Was sind wir auf diesen Plattformen? Besonders gefiel mir die Erkenntnis, dass unsere Identitäten auf diesen Plattformen vielleicht 8-10 Jahre als sind. Wir sind quasi noch Online-Kinder. Man sollte sich m.E. mal ein paar Kinderbücher ausleihen – es gibt sie jetzt auch als animierte Apps – und dann würden wir glaube ich verstehen, warum wir noch immer in den Kinderschuhen stecken, wenn es um die digitale Welt geht. Natürlich sprach sie auch über „mein Thema“: Gaming. Wusstet Ihr, dass nahezu 50% aller Facebook-Nutzer dort auch spielen? Und dass ca. 10% dafür bezahlen? oder das 70% dieser Spieler Frauen sind? Gaming ist – da bin ich mir sicher – der Schlüssel zu einer Vielzahl an Möglichkeiten. Egal ob es um Innovationsmanagement, Wissens- und Kulturvermittlung, Marketing, Medizin oder einfach jede Menge Spass geht. Gaming und die damit verbundenen Modelle können uns helfen, besser zu lernen, zu lehren, zu arbeiten etc. In den nächsten Wochen gibt es mehr dazu:-) Ob Social Gaming wirklich das ganz große Thema werden wird bleibt abzuwarten. Sicher ist aber, das der Erfolg von Facebook ohne Gaming nicht möglich wäre. Durch die Spiele wurde Facebook noch menschlicher noch verbindender. Vergessen wir nicht: bevor Google auf Google+ Firmenseiten zuließ gab es zuerst die Spiele. D.h. erst Die Menschen, dann die Spiele und dann die Institutionen. Dann war sie vorbei die Re:Publica. Ich trank noch das eine oder andere Bier, unterhielt mich noch mmit ein paar Teilnehmern und dann ging es nach hause – um in Ruhe 4 Stunden Battlefield 2 Bad Company im Multiplayer-Modus zu spielen.

Mein Fazit zur Re:Publica:
Es war toll! Tschüss! Ok, ein bisschen was möchte ich schon schreiben. Wie schon gesagt: die Location war sensationell. Einziges Manko waren die beiden gegenüberliegenden Bühnen in der ersten Etage. Es war teilweise sehr schwer etwas zu verstehen. Ich weiß, dass sich einige wieder über das nur selten funktionierende WLAN beschwerten – ich kann allerdings nicht verstehen warum? Wer sich ein iPad leisten kann, kann sich auch die 3G-Version leisten und so ins Netz gehen. Das WLAN sollte m.E. für diejenigen nutzbar sein, die z.B. aus dem Ausland kommen und für die Datenroaming schlichtweg zu teuer wäre. Ansonsten habe ich nur iPads und Smartphones gesehen… Dann besonders wichtig: die Bratwurst! Wow! Danke! Sowieso das Catering – tolle Auswahl zu einem äußerst fairen Preis. Vielen Dank! Die beste Konferenz ist ohne gutes Catering gar nichts – das war großes Kino!!!

Die Re:Publica ist vor allem eines: harmlos. Und das hat seine Vor- und Nachteile. Die Konferenz lebt von ihrer Entspanntheit. Es wir geredet und gedacht aber nicht genervt. Alles geht ruhig und gesittet zu. Es ist keine Politik-Konferenz. Es ist mehr wie ein riesengroßes Buffet. Man probiert das eine oder das andere und lernt und genießt die Zeit. Diese Stärke ist m.E. zugleich die Schwäche der Re:Publica, denn von ihr geht nichts aus. Sicher, es gibt die Netzgemeinden-Popstars Lobo, Beckedahl, Sixtus etc. Aber das hat wenig mit einer digitalen Gesellschaft zu tun. Urheberrecht, Regierungssprecher-Twitter-Accounts und Crowdfunding sind 1000x wichtiger als die Frage, wie man endlich Schulen und Universitäten und vor allem den gesamten Kultursektor aus dem Mittelalter in die Gegenwart holt. Viele Projekte die ich mir angesehen habe, und die Probleme haben sich durchzusetzen, bewegen sich in einem Umfeld, in dem noch nicht einmal die Basis dafür vorhanden ist. Die kleine Session der Theater-Nerds zeigte das überdeutlich. Besonders problematisch: es wird nur sehr selten über die mit der digitalen Welt verbundenen neuen Denk- und Arbeitsweisen diskutiert. Allenfalls beim Urheberrecht flammt die Diskussion auf, wenn z.B. mal eben das gesamte Urheberrecht als nicht mehr zeitgemäß definiert wird. Das klingt cool und putzig ist aber Blödsinn, denn auch die Menschen, die sich selber für „Internetbewohner“ halten müssen verstehen, dass sie eine Verantwortung haben. Es reicht nicht zu sagen, das eine oder andere Modell wäre mal eben nicht mehr zeitgemäß – dann bitte mit Gegenvorschlägen, die nicht auf den kleinen Erfolgen ausgesuchter Künstler basieren.

Schauen wir uns die digitale Gesellschaft doch einfach mal aus Sicht eines Computerspiels an. Wenn ich ein Spiel beginne, weiß ich nicht, wohin mich die Reise führt. Ich weiß nicht, wie die Steuerung funktioniert und was meine Aufgabe ist und es gibt auch kein Handbuch. Damit man nun nicht nach kurzer Zeit genervt den Stecker zieht – Computerspiele sind nämlich sehr oft sehr kompliziert es sei denn es sind Social-Games – muss man das Spiel erlernen. Das oder die ersten Level sind bereits Teil des Spiels und doch geht es vor allem darum, dass man erstmal lernt wie alles funktioniert. Erst wenn man die ersten Level geschafft hat, kann man sich auf die eigentliche Reise machen. Die digitale Gesellschaft ist m.E. gerade dabei, die ersten Level abzuschließen. WIr befinden uns noch am Anfang. Es geht gerade erst los. Wir müssen verstehen, dass wir noch gar nichts erreicht haben. Der Kultur- und Bildungssektor versteht gerade erst, dass da etwas ist, Unternehmen merken – wenn sie überhaupt schon Teil der digitalen Welt sind – dass PR von Werbeagenturen, die so mal eben auch Social-Media machen nur bedingt weiterhilft. Wir erkennen die Stolpersteine und Herausforderungen und haben nun die Möglichkeit, sowohl die reale als auch die digitale Welt zu gestalten. Gewiss, einen Gang durch die Institutionen wird es nicht geben. In der digitalen Welt werden die meisten Institutionen zumindest in ihrer jetzigen Form gar nicht gebraucht. Diejenigen, die in den letzten Jahren aktiv waren haben also die Basis geschaffen, auf der es nun losgehen kann.

Social-Media-Gaming-Barbecue Rhein/Main

Auch für mich geht’s weiter. Nächste Woche bin ich zuerst in Mainz und werde der Universitätsbibliothek die Welt von Social-Media und Co. näherbringen. Danach geht es mit meiner https://crocksberlin.wordpress.com/mobile-internet-roadshow-fur-bibliotheken/ zur Universitäts- und Landesbibliothek nach Darmstadt. Das besondere ist der Ort an dem ich drei Nächte übernachten darf. Das Gästehaus Hochmann in Stadecken ist ein tolles Hotel – und der Ort Stadecken etwas ganz besonderes. Und deshalb möchte ich gerne am 09. Mai ein Social-Media-Gaming-Barbecue in Stadecken durchführen. Da ich dieses mal mit dem Flugzeug komme habe ich zwar keinen Grill dabei – es gibt aber in Stadecken einen unglaublich guten Italiener mit sensationellen und zugleich sehr preiswerten Weinen! Also ich hoffe, ich sehe ein paar der Menschen aus dem Raum Frankfurt/Main, Mainz, Darmstadt am 09. Mai in Stadecken. Und wenn Ihr am 09. Mai nicht könnt kann man sich auch am 08. und 10. Mai treffen.

Bis dahin viel Spass und spielt schön

Christoph Deeg

Ein zuhause für Deine Ideen – mein Beitrag zum stARTcamp in München

Liebe Leser,

ich sitze gerade in der S-Bahn zum Flughafen in München. Eben gerade habe ich das stARTcamp in München verlassen. Die Eindrücke sind noch ganz frisch und so schreibe ich nun meinen Beitrag zu dieser tollen Veranstaltung. Wenn ich in meinem Bekanntenkreis erzähle, dass ich in München war und den ganzen Tag die Sonne schien, dass es Samstag war und ich die ganze Zeit in geschlossenen Räumen saß und tollen Referenten folgte, dann erklären sie mich entweder für verrückt oder aber sie bekommen ein Gefühl für die Qualität der Veranstaltung.

Heute war es keine Tagung sondern ein Barcamp und es gab viel zu lernen. Es ging um Storytelling, mobile Apps, Cloud-Communitys, Inhalte und noch mehr Inhalte und um die Frage, wie man eine Institution so verändert, dass Sie kompatibel mit dem Web ist. Ich war sehr glücklich über die große Zahl an Interessierten in meiner Session und ich konnte zeigen, warum es so wichtig ist, das ganze Team mit zu nehmen und wie man das am besten macht. Social-Media als Querschnitts- oder Managementfunktinon ist m.E. der wichtigste Schritt für einen nachhaltigen Erfolg im Web.

Besonders spannend war für mich heute das lernen. Christian Henner-Fehr redete über verschiedene Formen von Inhalten, Frank Tentler zeigte, wie man strategisch Social-Media-Management betreiben kann – und dabei Spass hat. Ich konnte viele neue Videointerviews aufnehmen und es gab den leckersten Leberkäse seit langem. Leider kann man nicht alle Sessions erleben. Vor allem Ulrike Schmid und Sybille Greisinger hätte ich gerne zugehört. Es waren durchweg spannende Teilnehmer und ich hoffe sehr, dass ich alle Teilnehmer eines Tages wiedersehen kann.

Die wichtigste Lektion war aber eine andere. Möchte man im Social Web erfolgreich sein, dann muss man vor allem als Plattform denken und handeln. Anders ausgedrückt: man muss verstehen, dass das Internet menschlich ist und dass es darum geht, sowohl in der realen als auch in der virtuellen Welt ein zuhause für Ideen und Kreativität zu erschaffen. Kein Mensch möchte mit einer Institution kommunizieren. Kommunikation mit einer Institution ist das Gleiche wie Kommunikation mit einer Maschine. Das Social Web erfordert, dass ich als menschliches Wesen kommuniziere und agiere. Warum schreibe ich dies alles? Die Macher des stARTcamps und der gestrigen Tagung haben es geschafft die ideale Plattform zu sein. Es hat großen Spass gemacht. Es gab überall einen Dialog auf Augenhöhe. Es ist eine sehr hohe Kunst, ein zu Hause für Ideen, Kultur, Kreativität und Spass zu erschaffen und genau das ist den Organisatoren der letzten beiden Tage gelungen. Es gibt nur sehr selten Tagungen oder Konferenzen, die dies schaffen. Wer im Social Web erfolgreich sein möchte sollte versuchen, einen Ort zu schaffen, der so viel Spass macht wie die beiden letzten Tage. Auf der Tagung Aufbruch. Museen im Web 2.0 und auf dem stARTcamp ging es nicht um Social-Media. Beide Tage waren pures, reines Social-Media.

In Kürze werde ich nach Berlin fliegen. Nächste Woche bin ich u.a. in Berlin auf den Gamestagen. Dann habe ich noch ein wichtiges Meeting – drückt mir die Daumen! Und am Freitag beginnt dann mein Kurs an der Universität Hildesheim zum Thema „Neues Kulturmanagement! Wie Gaming und Social-Media die Kulturinstitution der Zukunft gestalten“. Natürlich werde ich berichten und schonmal Schokokuchen vorbereiten…

Euch allen ein schönes Wochenende

Christoph Deeg