Nehmt den Bibliotheken die Bücher weg!!!

Liebe Leser,

bevor jetzt Bibliotheksmitarbeiter oder Bibliothekskunden Schnappatmung bekommen möchte ich Euch beruhigen: Ich möchte auf keinen Fall den Bibliotheken die Bücher oder andere Medien wegnehmen. Und wenn jemand diese Forderung ernst meinen würde, wäre die Ablehnung zur recht riesengroß. Aber je mehr ich mir über die Zukunft und Gegenwart von Bibliotheken Gedanken mache, desto mehr habe ich das Gefühl, dass wir im Moment etwas vergleichbares tun.

In den letzten 15 Jahren hat sich die Welt der Bibliotheken rasant verändert. Vor allem die öffentlichen Bibliotheken sind von diesem Wandel betroffen. Dabei geht nicht nur aber auch um die Herausforderungen, welche sich aus der digitalen Welt ergeben. Ich habe in vielen Beiträgen auf diese Situation hingewiesen. Immer mehr Medien und Informationen lassen sich nicht mehr in Bibliotheken verorten. Dies liegt zum Einen daran, dass sie nur noch digital zur Verfügung stehen. Zum Anderen sind die damit verbundenen Vertriebsmodelle mit der klassischen Bibliothekswelt wenig kompatibel. Entweder sie sind online frei zugänglich oder aber sie werden in kommerziell-geschlossenen Systemen zur Verfügung gestellt. Oder anders ausgedrückt: Sowohl Blogs und Youtube-Videos als auch Musik bei iTunes und eBooks bei Amazon lassen sich von Bibliotheken nicht mehr in der klassischen Form bearbeiten. Dabei haben Sie heute die gleiche Relevanz wie gedruckte Bücher.

Immer mehr Bibliotheken machen sich auf den Weg und versuchen neue Aufgaben zu finden. Und da passiert so einiges. Bibliotheken sind längst mehr als bloße Verleihstationen. Der klassische Bestand einer öffentlichen Bibliothek verliert an Bedeutung – nun geht es darum, dass die Bedeutung von Bibliotheken trotzdem zunimmt. Für mich bedeutet dies u.a. dass Bibliotheken einen Weg finden müssen, mit den Medien zu arbeiten, die nicht mehr exklusiv über die Bibliothek zugänglich gemacht werden können. In einem anderen Beitrag hatte ich vor einigen Monaten bereits darauf verwiesen. Und sie sollten zu Orten werden, bei denen die digitale mit der analogen Welt vernetzt werden. Öffentliche Bibliotheken sind dann quasi das analoge „Facebook“ einer Stadt oder einer Gemeinde. Und was immer die Menschen auch interessiert, was immer sie auch ausprobieren und lernen möchten, die Bibliothek hilft ihnen dabei. Bibliotheken sind also nicht mehr die Informations- und Medienexperten. Sie sind vielmehr analog-digitale Plattformen und ihr Bestand ist ein Teil davon. Die Alleinstellungsmerkmale öffentlicher Bibliotheken wären dann u.a. 1. Der Ort; 2. Die Menschen die in der Bibliothek arbeiten und 3. die Neutralität, d.h. die Bibliothek ist ein un-kommerzieller Raum.

Was hat dies alles mit der Überschrift dieses Beitrages zu tun? Sehr viele Bibliotheken – vor allem öffentliche – haben sich auf den Weg in die Zukunft gemacht. Und man kann mit Sicherheit einiges an den Bibliotheken verbessern und kritisieren. Was mich im Moment aber am meisten „nervt“ ist das Umfeld der Bibliotheken. Wie bereits in meinem letzten Beitrag angedeutet, gibt es noch immer sehr viele Bibliotheken die keinen freien Zugang zum Internet haben. Von der Möglichkeit den Bibliothekskunden WLAN anzubieten ganz zu schweigen. Andere Bibliotheken müssen bei jeder Plattform, sei es Facebook, Twitter, Youtube oder ähnliches um einen Zugang betteln und sich dafür rechtfertigen, warum sie den nun auf diese Plattformen zugreifen möchten. Und selbst wenn das möglich ist, dürfen noch immer viele Bibliotheken nicht frei im Web agieren. Im Gegenteil, sie werden von ihren Trägern kontrolliert und müssen auch hier immer wieder Rechenschaft ablegen.

Und auch die Unternehmen, die Online-Services für Bibliotheken entwickeln sind nicht immer starke Partner. Gerade erst mussten viele öffentliche Bibliotheken, welche die Onleihe anbieten erleben, dass die dazugehörigen Apps fehlerhaft sind. Die Onleihe ist eine Plattform, auf der man als Bibliothekskunde eBooks ausleihen kann. Die Idee an sich ist wirklich toll aber die technische Umsetzung lässt zu Wünschen übrig. Die dazugehörigen Apps, damit man die Onleihe auch auf dem iPad oder einem Android-Tablet nutzen kann, verfügen weder über eine hinreichend funktionierende Suchfunktion noch sind sie übersichtlich gestaltet. In den Apps befand sich bis vor kurzem ein Button für Musik, der aber keine Funktion innehatte. Dieser wurde dann plötzlich durch einen Button mit der Aufschrift „SAP“ ersetzt, hinter dem sich zwar eine Ordnerstruktur aber keine Inhalte befanden. Warum dies so ist kann ich nur erahnen. Ich denke, die App wird wohl nicht nur den Bibliotheken angeboten worden sein. Für Bibliotheken bedeutet diese Situation aber einen erheblichen Mehraufwand. Sie müssen nicht nur dafür sorgen, dass alle Mitarbeiter die verschiedenen Funktionalitäten und Abläufe der Apps kennen und vermitteln können. Sie müssen zudem die jeweiligen Apps kontinuierlich beobachten. Gerade in kleinen Bibliotheken mit einer geringen Personaldecke sollte der Arbeitsaufwand für Angebote, die Bibliotheken unbedingt brauchen und für die sie sehr viel Geld bezahlen, so gering wie möglich sein. Und auch wenn seit heute zumindest die iOS-App ein Update bekommen hat: Im Bereich eBooks setzen im Moment kommerzielle Unternehmen die Standards.

Wenn wir die Ergebnisse der PIAAC-Studie ernst nehmen, und wenn wir zudem von den öffentlichen Bibliotheken erwarten, dass sie hier noch aktiver werden als sie es schon sind, dann muss auch das Umfeld stimmen. Dann müssen alle Bibliotheken endlich und in kurzer Zeit komplett auf das gesamte Internet zugreifen können. Dann müssen sie zudem im Web überall eigenständig aktiv sein dürfen und dann müssen die Unternehmen, die für die Bibliotheken Software entwickeln darauf achten, dass sowas wie die Situation bei der Onleihe nicht wieder passiert. Wenn wir dies nicht ändern, ist die Situation letztlich vergleichbar mit einem Verbot, mit Büchern zu arbeiten. Denn wenn die Arbeit mit Büchern die gleiche Restriktionen und Probleme mit sich gebracht hätte, wie wir sie beim Web und Plattformen wie der Onleihe finden, hätte sich die Bibliothek als Ganzes nie durchgesetzt.

Und natürlich lässt sich diese Situation auf den gesamten Bildungs- und Kulturbereich sowie auf Unternehmen übertragen. Die hier angesprochenen Punkte erlebe ich in ähnlicher Form in Theatern, Museen, Verwaltungen und Unternehmen. Und dadurch bleiben so viele Chancen und Möglichkeiten, die sich aus der Vernetzung der digitalen mit der analogen Welt ergeben ungenutzt. Oder aber sie werden von kommerziellen Unternehmen erschlossen, entwickelt und umgesetzt…

Beste Grüße

Christoph Deeg

Lernen in Zeiten von Social-Media und iPads – Vortragsreihe mit Michael Stephens (USA)

Liebe Leser,

heute möchte ich Euch eine ganz besondere Veranstaltung empfehlen. In zwei Wochen kommt der US-amerikanische Speaker Michael Stephens nach Deutschland. Michael Stephens beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Frage, wie neue Kommunikations- und Medientechnologien das Lernen und Arbeiten in der Zukunft verändern werden.

Seit 2009 bin ich ehrenamtlich im Verein Zukunftswerkstatt Kultur- und Wissensvermittlung e.V. aktiv. Im Rahmen dieser Arbeit haben wir zusammen mit unserem Kooperationspartner der US-Botschaft Berlin schon 2010 Michael Stephens nach Deutschland holen können. Damals ging es um einen Vortrag auf dem Bibliothekskongress in Leipzig:

Ich freue mich sehr, dass wir zusammen mit der US-Botschaft erneut die Möglichkeit haben, Michael Stephens nach Deutschland zu holen. Dieses mal werden wir eine kleine Deutschlandtournee veranstalten.

Die Termine und Orte sind:

22.10.2012 Ort: Berlin Zentral- und Landesbibliothek/Berlin-Mitte/Berlin-Saal Breite Str. 36, 10178 Beginn 20:00h

23.10.2012: Ort: Frankfurt/Main Nationalbibliothek Sitzungssal der Generaldirektion Deutsche Nationalbibliothek Adickesallee 1 D-60322 Frankfurt am Main Beginn 19:00h

25.10.2012: Ort: Köln Fachhochschule Köln Hörsaalgebäude in der Claudiusstraße 1, 50678 Köln Beginn: 19:30h  Achtung: die Veranstaltung in Köln beginnt schon um 19:00h Das Anmeldeformular findet Ihr hier: http://www.fbi.fh-koeln.de/vortraege/anmeldungen.php

26.10.2012: Ort: Hamburg TU Hamburg-Harburg Beginn 17:00h Weitere Informationen zur Veranstaltung an der TU Hamburg-Harburg findet Ihr hier.

Ich möchte Euch alle einladen, eine der Veranstaltungen zu besuchen. Die Teilnahme ist kostenlos!! Die Veranstaltung eignet sich für alle Menschen aus dem Kultur- und Bildungsektor. Bitte tragt diese Informationen in Eure Netzwerke….

Beste Grüße

Christoph Deeg

Kulturinstitutionen: Social-Media zur Kultur oder Kultur zu Social-Media?

Liebe Leser,

warum sollen wir eigentlich im Bereich Social-Media aktiv sein? Diese Frage stellen sich viele Unternehmen und Institutionen. Eine der Antworten auf diese Frage ist, dass man durch die Arbeit im Social-Web neue Zielgruppen erreichen kann. Und natürlich ist diese Antwort nicht total falsch. Social-Media steht für neue Kommunikationsformen und damit verbunden für neue Möglichkeiten der Vernetzung von Personen und/oder Inhalten. Wir können auf den verschiedenen Plattformen Menschen erreichen, die wir sonst über die klassischen Medienkanäle nicht erreichen würden. Wir können neue Services entwickeln und einen Dialog auf Augenhöhe über Produkte, kulturelle und gesellschaftliche Inhalte und Services beginnen.

Im Kultur- und Bildungssektor sowie in der freien Wirtschaft beginnt so langsam die Social-Media-Revolution. Waren es vor ein paar Jahren noch vereinzelte Institutionen und Unternehmen, die die digitale Welt gestalten wollten, ist die Bedeutung von Social-Media in der Breite zumindest verstanden worden. Es liegt noch immer ein sehr weiter Weg vor uns und natürlich bedeutet der Start eines Blogs, einer Facebook-Seite oder eines Twitter-Accounts noch nicht, dass man im Social-Web angekommen ist – die Reise beginnt jetzt erst. Aber es scheint, als würde das Thema (endlich) Fahrt aufnehmen.

Bleibt die Frage nach dem warum? In vielen Fällen geht man davon aus, Social-Media machen zu müssen. Schließlich seien dort die vermeindlich neuen Kundengruppen, schließlich müsse man mit der Zeit gehen, schließlich gibt es ja jetzt auch Geld dafür, schließlich will man ja vor allem die junge Zielgruppe erreichen. Schließlich, schließlich, schließlich.

Alle diese Argumente sind nachvollziehbar, sie greifen aber zu kurz. Es geht nicht darum, Social-Media zu nutzen weil man es muss, sondern weil man es will. Es geht darum, im Social-Web aktiv zu sein, weil man die damit verbundenen Möglichkeiten der Interaktion, der Offenheit, der Innovation, des Ausprobierens, des Dialogs auf Augenhöhe etc. für wichtig erachtet. Der Grund dafür ist einfach: Im Social-Web wird man selber aktiv sein. Man kann diese Aufgabe nicht einer externen Firma übertragen. Es geht nicht um Werbung und klassische Sender-Empfänger-Modelle. Es geht nicht um Werbeanzeigen die letztlich nichts anderes als faule Fire-and-Forgett-Systeme sind. Sicher, man kann eine Agentur beauftragen eine Social-Media-Kampagne zu beauftragen. Man kann sogar das Social-Media-Monitoring outsourcen. Aber am Schluss wird man es selbst machen müssen. Dies ist der Grund, warum ich für meine Kunden keine Accounts betreibe. Ich kann nicht im Namen eines Anderen im Social-Web nachhaltig aktiv sein. Einen Dialog auf Augenhöhe kann ich nicht mit einer dritten Person führen. Und die Community merkt früher oder später wer da spricht.

Social-Media bedeutet auch, ich brauche dafür Ressourcen. Ich brauche Personalressourcen um die Social-Media-Aktivitäten umzusetzen. Ich brauche finanzielle Ressourcen, um z.B. externe Berater und Trainer einzukaufen und kostenpflichtige Tools z.B. für das Social-Media-Monitoring zu bezahlen. Ich benötige die technischen Ressourcen wie z.B. Computer mit freiem Internetzugang, evtl. ein Samrtphone um mobil kommunizieren zu können etc. Social-Media kostet Ressourcen und es ist und war nie kostenlos zu bekommen. Zudem ist ein halbherziger Social-Media-Auftritt u.U. eher schädigend. Damit man mich nicht falsch versteht, man muss kein riesiges Feuerwerk abfeuern. Es geht vielmehr darum, mit dem vorhandenen Ressourcen das Maximum aus den Social-Media-Aktivitäten rauszuholen.

Wenn man also im Bereich Social-Media aktiv und erfolgreich sein möchte, muss man Social-Media wirklich wollen. Meine Kunden frage ich deshalb immer am Anfang eines Projektes:“Müssen Sie Social-Media oder wollen Sie es?“

Bleibt die Frage für wen mache ich Social-Media? Zumeist wird Social-Media für die Menschen gemacht, die in der digitalen Welt „leben“. Es geht um die sog. Digital Natives, eine Definition die putzig klingt aber letztlich nicht viel bringt. Natürlich klingt der Gedanke verlockend, einige hundertausend Menschen auf einer Plattform wie Facebook erreichen zu können. Also versucht man Social-Media zu nutzen um mit den Menschen, die in der digitalen Welt aktiv sind, und die in der Regel für jung und medienkompetent gehalten werden, zu kommunizieren. Aber ist das die digitale Realität? Wie reagieren wir auf die Tatsache, dass in Deutschland gerade mal 15% der Schüler täglich im Unterricht einen Computer nutzen dürfen? Was machen wir mit den Menschen, die noch nicht in der digitalen Welt angekommen sind? Wird man also Kunde 2.0 erst dann, wenn man einen Facebook-Account hat? Ist man erst dann interessant und muss man ansonsten mit den klassischen Holzmedien vorlieb nehmen?

Kommen wir zurück zu der Frage ob man Social-Media muss oder will. Wenn ich Social-Media will, dann möchte ich, dass soviele Menschen wie möglich in den Genuss der Möglichkeiten kommen, die sich aus der digitalen Welt ergeben. Und dann geht es um die Frage, wie bringe ich die Menschen in die digitale Welt, damit wir dort gemeinsam die digitale Welt gestalten können?

In den letzten Wochen habe ich einige spannende Social-Media-Projekte aus dem Kulturbereich kennengelernt. Besonders spannend fand ich die Idee der kulturellen Tweetups. Hierbei werden interessierte Twitter-Nutzer z.B. in ein Museum eingeladen und können dort an einer speziellen Führung teilnehmen. Das besondere daran ist, dass man direkt während des Museumsbesuchs twittert, d.h. man lässt die Community direkt an der Veranstaltung teilhaben. Erfunden wurde dies nach meinem Wissen von Christian Gries und seinem Team in München. Ulrike Schmid und Tanja Neumann veranstalten seit ein paar Wochen ähnliche Veranstaltungen in Frankfurt/Main. Social-Media wird hier benutzt, um neue Zielgruppen in das Museum zu bekommen. Gleichzeitig werden durch die Twitteraktivitäten der Teilnehmer eine Vielzahl an Menschen erreicht. Schließlich lässt jeder Teilnehmer seine Follower teilhaben. Zudem besteht die Möglichkeit virtuell via Twitter dabei zu sein. Man kann Fragen an die Teilnehmer stellen und sich über die kulturellen Inhalte austauschen. Ich finde diese Idee richtig gut und hoffe, dass es in naher Zukunft noch weitere solcher Ideen und Projekte geben wird.

Trotzdem fehlt mir ein wichtiger Gedanke. Im vorliegenden Fall geht es darum, mittels Social-Media-Tools Menschen für kukturelle Inhalte zu begeistern. Warum aber machen wir es mal nicht umgekehrt? Warum nutzen wir nicht kulturelle Inhalte, um Menschen für die Welt von Social-Media zu begeistern? Wenn wir als Institutionen oder Unternehmen Social-Media wollen, dann sollten wir hier der Gatekeeper sein. Wieviele Kulturinstitutionen werden von Menschen besucht, die die jeweiligen kulturellen Inhalte schätzen aber keinen Zugang zur digitalen Welt gefunden haben? Wieviele Unternehmen haben Kunden, die dem Unternehmen, seinen Produkten und Services vertrauen und gleichzeitig nie einen Einstieg in die Welt von Social-Media und Co. gefunden haben? Wieviele Menschen sind vielleicht schon im Netz aktiv oder besitzen ein Smartphone ohne die damit verbundenen Möglichkeiten verstanden zu haben?

Wenn wir die digitale Welt ernst nehmen, wenn wir sie gestalten möchten, wenn wir dort erfolgreich sein möchten, wenn wir neue Formen einer Kundenbeziehung aufbauen wollen, dann müssen wir auch damit beginnen, die Menschen mitzunehmen. Nun mag man sagen, dass das nicht die Aufgabe eines Unternehmens oder einer Institution sei. Aber ist das so? Ich glaube nicht. Denn es wird am Ende einen Return of Investment geben. Je größer meine Community ist desto mehr kann ich von ihr lernen, desto mehr Menschen kann ich erreichen. Je interessierter die Menschen in meiner Community sind und je interdisziplinärer deren Background ist, desto mehr Zielgruppen kann ich für mein Produkt oder meine kukturellen Inhalte begeistern. Je mehr Menschen ich über meine Social-Media-Kanäle erreiche, desto weniger muss ich für klassische Werbung ausgeben. Je mehr mir meine Community vertraut – und sie wird mir vor allem dann vertrauen, wenn ich derjenige war, der ihr die digitale Welt nähergebracht hat – desto mehr wird sie auch meinen anderen Aussagen Glauben schenken. Je offener und aktiver meine Community ist desto schneller kann ich auf Ihre Wünsche eingehen und die Qualität meiner Services steigern.

Was bedeutet das konkret?

Ich wünsche mir noch ganz viele Tweetups, am besten mit der Option, vor Ort ein Smartphone oder ein iPad/Android-Pad ausleihen und die Nutzung von Twitter lernen zu können. Jeder Teilnehmer, der auf diese Art und Weise Twitter erlernt sollte bei der nächsten Teilnahme einen freien Eintritt bekommen. Wie wäre es, wenn es das Ziel gibt, mittels Tweetups in ganz Deutschland innerhalb der nächsten 12 Monate 1000 neue und aktive Twitter-Accounts zu schaffen? Wie wäre es, wenn die Teilnehmer, die schon Twitterprofis sind, einen Tweetup-Newbee adoptieren und ihm helfen? Das könnte auch und vor allem die Vernetzung in der analogen Welt verstärken…

Die digitale Welt ist eine Welt voller Optionen. Wenn wir diese Optionen nutzen wollen lohnt es sich darüber nachzudenken, ob man nicht versucht, mehr Menschen für die vielfachen Möglichkeiten zu begeistern – es lohnt sich…

Beste Grüße

Christoph Deeg

Die wollen nur Spielen! Mein Abschlussbericht zur Re:Publica 2012 – und ein #smgbbq bei Mainz

Liebe Leser,

es ist Sonntagnachmittag. Mein neuer Grill ist endlich geliefert worden – und es regnet. Kein Problem, widme ich mich eben meinem Abschlussbericht zur Re:Publica 2012. In den letzten Tagen habe ich schon über meine Eindrücke vom ersten und vom zweiten Tag berichtet. Insofern bleibt mir nun die Aufgabe über den dritten Tag zu schreiben und ein Resumé zu ziehen. Beginnen wir also mit dem dritten Tag:

Der dritte Tag trägt für mich die Überschrift „Verantwortung und Wandel“. Die erste Session, die ich besuchte war „Revolution on hold – China, Iran, Russia – Where do the revolutionary ideas catch on?“. Isaac Mao, Arash Abadpour, Markus Löning und Mathis Winkler diskutierten mit Kristin Zeier über die Nutzung des Internets als Kommunikationsplattform, Zensur und Gefahren für Aktivisten in China, Iran und Russland. Für mich waren die spannendsten Aussagen die über die Unmöglichkeit, das Internet zu kontrollieren. Trotz aller erschreckenden Versuche, den Zugang zum Internet zu beschränken und diejenigen die im Netz aktiv sind massiv zu bedrohen, lässt sich anscheinend der Wandel nicht aufhalten. Isaac Mao verwies u.a. darauf, dass alleine die schlichte Masse an Informationen, welche im Netz veröffentlicht werden, es unmöglich macht, alle Daten zu kontrollieren. Zudem werden wichtige Informationen nicht direkt vermittelt. Vielmehr werden sie in andere Kontexte „verpackt“. Die jeweiligen Zensur-Organe sind somit nicht mehr in der Lage zu verstehen, ob der jeweilige Text eine politische Bedeutung hat oder nicht. Es gibt aber nicht nur Zensur. Das Gegenstück zur Zensur scheint die „Vermüllung“ des Netztes zu sein. Es werden Massen an Informationen im Netz veröffentlicht. Dadurch soll die Aufmerksamkeit der User auf unwichtige Inhalte gelenkt werden. Alle Beteiligten waren der Meinung, dass die globale Wirtschaft, d.h. die Öffnung der lokalen Märkte letztlich dafür sorgen wird, dass geschlossene Netze nicht dauerhaft existieren und/oder die Regime nicht in der Lage sein werden alles zu kontrollieren. Je länger ich die Diskussion verfolgte desto deutlicher wurde mir klar, wie dankbar man sei sollte, dass wir hier ein freies Netz haben, und dass es eine Vielzahl an Organisationen gibt die dafür kämpfen, dass das auch so bleibt. Es bedeutet aber auch, dass wir wo immer möglich diejenigen unterstützen sollten, die in diesen Ländern leben bzw. die dortigen Gesellschaften reformieren möchten. Markus Löning hatte m.E. recht wenn er zudem forderte, dass sich Unternehmen, die in diesen Staaten aktiv sind, ihrer Verantwortung bewusst werden…

Daran anschließend besuchte ich die Session „Do it yourself – Netzwerke für die DIY-Education“. In dieser Session stellten Anja. C. Wagner, Jonas Liepmann und Michelle Thorne verschiedene Projekte für neue Bildungsformen vor. Es geht dabei weniger um den klassischen und m.E. überholten Frontalunterricht als vielmehr um offene Plattformen, auf denen Menschen zusammenkommen um gemeinsam zu lernen. Die Angebote sind unterschiedlich und beziehen sich sowohl auf die reale als auch auf die digitale Welt. Ich war von den Präsentationen sehr beeindruckt und wurde konnte viel für meine Arbeit an der Universität Hildesheim mitnehmen. Was mich allerdings skeptisch macht ist die Tatsache, dass unsere Schulen und Universitäten m.E. noch Lichtjahre von solchen neuen Konzepten entfernt sind. Ich weiß ich wiederhole mich aber wir dürfen nicht vergessen, dass Deutschland das Land ist, in dem gerade mal 15% der Schüler überhaupt im Unterricht täglich einen Computer nutzen dürfen. Wir leben also in einer Art schulischem Mittelalter. Dabei geht es nicht nur um die Technologie an sich sondern auch und vor allem um die damit verbundenen neuen Denk- und Arbeitsweisen. In diesem Zusammenhang wurde auch diskutiert, ob man eine Unterrichtsstunde „Medienkunde“ braucht. Ich halte davon wenig. Viel sinnvoller wäre m.E., dass Social-Media, Internet und Computer zu einer Querschnittsfunktion in allen Schulen werden, d.h. in möglichst jeder Unterrichtseinheit werden diese Werkzeuge aktiv genutzt. So schockierend die aktuelle Situation in den deutschen Schulen auch sein mag – und ja, ich weiß es gibt ein paar tolle Gegenbeispiele – sie zeigt einmal mehr unsere Verantwortung, hier in der Breite Druck zu machen. Wer für den Rücktritt von Christian Wulff als Bundespräsident eintritt, sollte auch für einen Wandel in den Schulen demonstrieren.

Nach dieser Session musste ich die Re:Publica kurz verlassen, denn ich nahm an der abschließenden Telefonkonferenz des „Movers&Shakers-Preises“ teil, bei dem ich Mitglied der Jury bin. Nach einer Stunde hatten wir die Sieger gefunden – und ich bin mächtig stolz darauf, dass meine Favoriten gewonnen haben:-)

Danach gab es noch ein kleines Vorgespräch für ein bald startendes Projekt ehe ich die letzte Session meines dritten Tages besuchte. Dieses mal ging es um Social-Gaming. Sina Kamala Kaufman sprach in ihrem Vortrag „In case of reality use magic wand; social games & digital identities“ über die verschiedenen Formen und Erscheinungen digitaler Identitäten. Wie bewegen wir uns auf Facebook, Twitter und Co? Was sind wir auf diesen Plattformen? Besonders gefiel mir die Erkenntnis, dass unsere Identitäten auf diesen Plattformen vielleicht 8-10 Jahre als sind. Wir sind quasi noch Online-Kinder. Man sollte sich m.E. mal ein paar Kinderbücher ausleihen – es gibt sie jetzt auch als animierte Apps – und dann würden wir glaube ich verstehen, warum wir noch immer in den Kinderschuhen stecken, wenn es um die digitale Welt geht. Natürlich sprach sie auch über „mein Thema“: Gaming. Wusstet Ihr, dass nahezu 50% aller Facebook-Nutzer dort auch spielen? Und dass ca. 10% dafür bezahlen? oder das 70% dieser Spieler Frauen sind? Gaming ist – da bin ich mir sicher – der Schlüssel zu einer Vielzahl an Möglichkeiten. Egal ob es um Innovationsmanagement, Wissens- und Kulturvermittlung, Marketing, Medizin oder einfach jede Menge Spass geht. Gaming und die damit verbundenen Modelle können uns helfen, besser zu lernen, zu lehren, zu arbeiten etc. In den nächsten Wochen gibt es mehr dazu:-) Ob Social Gaming wirklich das ganz große Thema werden wird bleibt abzuwarten. Sicher ist aber, das der Erfolg von Facebook ohne Gaming nicht möglich wäre. Durch die Spiele wurde Facebook noch menschlicher noch verbindender. Vergessen wir nicht: bevor Google auf Google+ Firmenseiten zuließ gab es zuerst die Spiele. D.h. erst Die Menschen, dann die Spiele und dann die Institutionen. Dann war sie vorbei die Re:Publica. Ich trank noch das eine oder andere Bier, unterhielt mich noch mmit ein paar Teilnehmern und dann ging es nach hause – um in Ruhe 4 Stunden Battlefield 2 Bad Company im Multiplayer-Modus zu spielen.

Mein Fazit zur Re:Publica:
Es war toll! Tschüss! Ok, ein bisschen was möchte ich schon schreiben. Wie schon gesagt: die Location war sensationell. Einziges Manko waren die beiden gegenüberliegenden Bühnen in der ersten Etage. Es war teilweise sehr schwer etwas zu verstehen. Ich weiß, dass sich einige wieder über das nur selten funktionierende WLAN beschwerten – ich kann allerdings nicht verstehen warum? Wer sich ein iPad leisten kann, kann sich auch die 3G-Version leisten und so ins Netz gehen. Das WLAN sollte m.E. für diejenigen nutzbar sein, die z.B. aus dem Ausland kommen und für die Datenroaming schlichtweg zu teuer wäre. Ansonsten habe ich nur iPads und Smartphones gesehen… Dann besonders wichtig: die Bratwurst! Wow! Danke! Sowieso das Catering – tolle Auswahl zu einem äußerst fairen Preis. Vielen Dank! Die beste Konferenz ist ohne gutes Catering gar nichts – das war großes Kino!!!

Die Re:Publica ist vor allem eines: harmlos. Und das hat seine Vor- und Nachteile. Die Konferenz lebt von ihrer Entspanntheit. Es wir geredet und gedacht aber nicht genervt. Alles geht ruhig und gesittet zu. Es ist keine Politik-Konferenz. Es ist mehr wie ein riesengroßes Buffet. Man probiert das eine oder das andere und lernt und genießt die Zeit. Diese Stärke ist m.E. zugleich die Schwäche der Re:Publica, denn von ihr geht nichts aus. Sicher, es gibt die Netzgemeinden-Popstars Lobo, Beckedahl, Sixtus etc. Aber das hat wenig mit einer digitalen Gesellschaft zu tun. Urheberrecht, Regierungssprecher-Twitter-Accounts und Crowdfunding sind 1000x wichtiger als die Frage, wie man endlich Schulen und Universitäten und vor allem den gesamten Kultursektor aus dem Mittelalter in die Gegenwart holt. Viele Projekte die ich mir angesehen habe, und die Probleme haben sich durchzusetzen, bewegen sich in einem Umfeld, in dem noch nicht einmal die Basis dafür vorhanden ist. Die kleine Session der Theater-Nerds zeigte das überdeutlich. Besonders problematisch: es wird nur sehr selten über die mit der digitalen Welt verbundenen neuen Denk- und Arbeitsweisen diskutiert. Allenfalls beim Urheberrecht flammt die Diskussion auf, wenn z.B. mal eben das gesamte Urheberrecht als nicht mehr zeitgemäß definiert wird. Das klingt cool und putzig ist aber Blödsinn, denn auch die Menschen, die sich selber für „Internetbewohner“ halten müssen verstehen, dass sie eine Verantwortung haben. Es reicht nicht zu sagen, das eine oder andere Modell wäre mal eben nicht mehr zeitgemäß – dann bitte mit Gegenvorschlägen, die nicht auf den kleinen Erfolgen ausgesuchter Künstler basieren.

Schauen wir uns die digitale Gesellschaft doch einfach mal aus Sicht eines Computerspiels an. Wenn ich ein Spiel beginne, weiß ich nicht, wohin mich die Reise führt. Ich weiß nicht, wie die Steuerung funktioniert und was meine Aufgabe ist und es gibt auch kein Handbuch. Damit man nun nicht nach kurzer Zeit genervt den Stecker zieht – Computerspiele sind nämlich sehr oft sehr kompliziert es sei denn es sind Social-Games – muss man das Spiel erlernen. Das oder die ersten Level sind bereits Teil des Spiels und doch geht es vor allem darum, dass man erstmal lernt wie alles funktioniert. Erst wenn man die ersten Level geschafft hat, kann man sich auf die eigentliche Reise machen. Die digitale Gesellschaft ist m.E. gerade dabei, die ersten Level abzuschließen. WIr befinden uns noch am Anfang. Es geht gerade erst los. Wir müssen verstehen, dass wir noch gar nichts erreicht haben. Der Kultur- und Bildungssektor versteht gerade erst, dass da etwas ist, Unternehmen merken – wenn sie überhaupt schon Teil der digitalen Welt sind – dass PR von Werbeagenturen, die so mal eben auch Social-Media machen nur bedingt weiterhilft. Wir erkennen die Stolpersteine und Herausforderungen und haben nun die Möglichkeit, sowohl die reale als auch die digitale Welt zu gestalten. Gewiss, einen Gang durch die Institutionen wird es nicht geben. In der digitalen Welt werden die meisten Institutionen zumindest in ihrer jetzigen Form gar nicht gebraucht. Diejenigen, die in den letzten Jahren aktiv waren haben also die Basis geschaffen, auf der es nun losgehen kann.

Social-Media-Gaming-Barbecue Rhein/Main

Auch für mich geht’s weiter. Nächste Woche bin ich zuerst in Mainz und werde der Universitätsbibliothek die Welt von Social-Media und Co. näherbringen. Danach geht es mit meiner https://crocksberlin.wordpress.com/mobile-internet-roadshow-fur-bibliotheken/ zur Universitäts- und Landesbibliothek nach Darmstadt. Das besondere ist der Ort an dem ich drei Nächte übernachten darf. Das Gästehaus Hochmann in Stadecken ist ein tolles Hotel – und der Ort Stadecken etwas ganz besonderes. Und deshalb möchte ich gerne am 09. Mai ein Social-Media-Gaming-Barbecue in Stadecken durchführen. Da ich dieses mal mit dem Flugzeug komme habe ich zwar keinen Grill dabei – es gibt aber in Stadecken einen unglaublich guten Italiener mit sensationellen und zugleich sehr preiswerten Weinen! Also ich hoffe, ich sehe ein paar der Menschen aus dem Raum Frankfurt/Main, Mainz, Darmstadt am 09. Mai in Stadecken. Und wenn Ihr am 09. Mai nicht könnt kann man sich auch am 08. und 10. Mai treffen.

Bis dahin viel Spass und spielt schön

Christoph Deeg

Ein Angebot zur stARTconference – welches man nicht ausschlagen kann:-)

Liebe Leser,

das Osterfest ist vorbei. Ich habe mich für ein paar Tage auf die Insel Rügen begeben. Es war kalt und wunderschön. Wir haben Bernstein gefunden, ich konnte meinen neuen Lenkdrachen steigen lassen und es gab viel Zeit für den Spa-Bereich unseres Hotels. Nebenbei habe ich einiges über die Bäderarchitektur erfahren und konnte meinem Hotel ein paar Tipps zu Social-Media-Management und Onlinemarketing geben. Es waren alles in allem vier wirklich erholsame Tage. Mit diesem Beitrag möchte ich – mal wieder – etwas neues ausprobieren. Genauer gesagt möchte ich ein Projekt unterstützen, welches mir sehr am Herzen liegt: die stARTconference.

Es gibt in Deutschland jedes Jahr eine Vielzahl an Konferenzen und Tagungen. Sowohl für Unternehmen als auch für Institutionen ist immer etwas mit dabei. Viele der Konferenzen sind vergleichbar mit Klassentreffen. Hier treffen sich Menschen, die seit vielen Jahren in bestimmten Branchen arbeiten und sich nun wieder treffen. Man könnte sicherlich das ganze Jahr damit verbringen, von einer Konferenz zur anderen zu reisen. Welche Konferenz für wen interessant ist muss man letztlich selbst entscheiden. Ich persönliche kann drei Veranstaltungen empfehlen: die GamesCom, die DEMEXCO und die stARTconference. Diese drei Events lohnen sich m.E. für diejenigen, die nicht nur reden sondern lernen und vor allem handeln wollen.

In diesem Beitrag soll es um die stARTconference gehen. Diese Konferenz ist für alle Branchen interessant. Sie hat einen starken Fokus auf den Kulturbereich und die Frage, wie man dort mit dem Thema „modernes Internet“ in allen seinen Facetten umgehen kann. Ich war schon 2x auf dieser Konferenz und es hat mir immer sehr viel gebracht. Im letzten Jahr war ich zudem selber Teil des Programms. Aber auch wenn man nicht aus dem Kultursektor kommt ist diese Konferenz spannend. Ich arbeite sowohl mit Kulturinstitutionen als auch mit kleinen und mittelständischen Unternehmen zusammen. Auch wenn die jeweilige Ausrichtung und die Struktur unterschiedlich sein mögen – die Probleme sind letztlich die gleichen, d.h. man kann hier einen guten Blick über den Tellerrand werfen und lernen – so wie jeder Kulturmanager mindestens alle 5 Jahre die Gamescom besuchen sollte:-)

Die stARTconference geht immer wieder neue Wege. Dieses Jahr hat das Team beschlossen, die Konferenz mittels Crowdfunding zu finanzieren. Hierfür hat man sich auf der Plattform startnext angemeldet. Jeder kann nun Geld geben, damit die Konferenz stattfinden kann. Es sind aber keine Spenden sondern vielmehr Investitionen. Je mehr Geld man gibt desto mehr bekommt man an Zusatzleistungen. Das beginnt mit einem Ansteckbutton und endet mit Tickets und Sonderleistungen. Crowdfunding ist ein sehr interessantes Phänomen, denn es ermöglicht völlig neue Finanzierungswege. Jeder/Jede kann mit einer Idee starten und auf Plattformen wie startnext oder kickstarter um finanzielle Unterstützung werben. Das Projekt findet nur statt, wenn bis zu einem bestimmten Zeitpunkt die vorab benannte Summe erzielt wurde. Ansonsten geht das Geld zu 100% zurück an die Geldgeber.

Crowdfunding funktioniert nicht immer, aber immer öfter – ich werde in den nächsten Wochen ein paar Beispiele aus diesem Bereich bringen. Heute soll es aber um die stARTconference gehen. Eigentlich bin ich ja ein bisschen von den Machern der Konferenz enttäuscht. Der Termin für die Konferenz wurde in den Juni verlegt und dies ist genau der Monat, an dem ich definitiv in Kroatien bin. Für mich ist das besonders schade, denn es sollte wieder ein Social-Media-Battle stattfinden. Immerhin war die Premiere auf der letzten startconference ein voller Erfolg.

Ich bin also nicht da. Zudem verfüge ich nicht über die finanziellen Ressourcen, um einen nennenswerten Beitrag zum Gelingen der Konferenz beizusteuern – ich arbeite ja gerade an neuen spannenden Projekten deren Entwicklung nicht nur Zeit sondern auch Geld kosten. Bleibt die Frage wie kann ich der stARTconference helfen? Während ich über Ostern am Meer entlang spazierte kam mir eine Idee, die ich nun vorstellen möchte:

Die Idee:
Ich arbeite umsonst für die maximal fünf Personen oder Institutionen, die die stARTconference als „Kapitän“ supporten und sich zuerst bei mir melden. (Es zählt der Eingang der e-Mail). D.h. sie geben 1.100.- € an die stARTconference. Für diejenigen, die dies tun stehe ich einen ganzen Tag lang als Berater zur Verfügung. D.h ich verzichte auf mein Honorar. Es müssen nur die eventuellen Reise- und Übernachtungskosten übernommen werden (Bahnfahrt 2. Klasse mit bahncard 25 sowie Hotelübernachtung und evtl. Bustickets) Man bekommt also nicht nur alle Zusatzoptionen der stARTconference sondern auch noch mich für einen ganzen Tag. Was wir an diesem Tag machen ist den jeweiligen Geldgebern überlassen. Wir können einen Workshop zu Social-Media oder Gaming durchführen, wir können einen Social-Media-Battle oder ein Social-Media-Gaming-Barbecue durchführen.

Wenn eine Person und keine Institution die stARTconference unterstützt, kann sie mich gerne an eine Institution ihrer Wahl „abgeben“. Wir müssten dann nur klären, wer die Reise- und Übernachtungskosten übernimmt.

Wer kann mitmachen?
Mitmachen kann nur, wer ab jetzt die Konferenz als „Kapitän“ unterstützt. Wer schon Geld gegeben hat, kann nicht auf mich zurückgreifen. Es geht mir ja darum, neue Geldgeber zu finden. Natürlich kann man auch öfter Kapitän werden;-)

Und wie ist dann der Ablauf?
Der Ablauf ist denkbar einfach. Ihr schreibt mir eine Mail, dass Ihr die stARTconference unterstützen werdet und schickt mir dann eine Bestätigung, das Ihr das Geld zur Verfügung gestellt hat, und Voila: ich gehöre für einen Tag Euch.

Und wenn dann die stARTconference doch nicht stattfindet?
Natürlich kann es sein, dass die Konferenz nicht stattfindet, weil es zu wenig Geldgeber gibt. In diesem Fall ist auch mein kostenloser Arbeitstag hinfällig. Es soll aber trotzdem einen Mehrwert geben. Allen maximal fünf Geldgebern werde ich deshalb für jeweils eine Stunde via Skype oder Google-Hangout für eine einstündige Fragestunde zu Social-Media, Gaming, Kulturmanagement oder dem mobilen Internet zur Verfügung stehen.

Ich hoffe, dass ich auf diesem Weg etwas dazu beitragen kann, dass die stARTconference stattfinden kann. Ich werde zwar in Kroatien sein, aber ich werde dann ein kleines stARTcamp in Zadar durchführen:-)

Nun bin ich gespannt, ob wir auf diesem Weg 5.500.- € zusammenringen können…

Beste Grüße

Christoph Deeg

Von Kulturinfarkten, Reflexen und dem Untergang der keiner ist… erster Teil

Liebe Leser,

es ist gerade eine spannende Zeit angebrochen. Da gibt es ein Buch. Es nennt sich „Der Kulturinfarkt“ und ist im Knaus-Verlag erschienen. Die vier Autoren Pius Knüsel, Armin Klein, Dieter Haselbach und Stephan Opitz haben eine Idee: Kann es sein, dass unsere Kulturfinanzierung bzw. Kulturförderung in die falsche Richtung geht? Bedeutet immer mehr Geld auch ein immer mehr an Kultur? Das dieses Buch kommen würde war schon länger bekannt. Wer in den letzten Monaten öfter auf kulturpolitischen Tagungen unterwegs war wurde immer wieder darauf hingewiesen. Pius Knüsel sprach einige Punkte schon auf dem Kulturpolitischen Kolloquium in Loccum 2011 an.

Und mit Dieter Haselbach habe ich schon öfter über das Thema gesprochen. Ich hätte mir zugegeben gewünscht, dass diese Diskussion weniger über ein käuflich zu erwerbendes Buch als vielmehr auf einem Blog stattgefunden hätte – d.h. nun findet sie ja auch auf Blogs statt:-) Vielleicht wäre auch ein Open-Access-Modell interessant gewesen. Mit Simon A. Frank habe ich diesbezüglich schon auf Facebook diskutiert und ich glaube er hat recht wenn er sagt, dass die Klientel die damit erreicht werden soll und muss noch lange nicht in der Welt der Blogs etc. angekommen ist. Immerhin gibt es das Buch als eBook für den Kindle und ich reise morgen zu einem Vortrag zur Zukunft der Bibliotheken und anderer Kultur- und Bildungsinstitutionen nach Österreich – ich habe also Zeit zu lesen:-)

Aber kommen wir zurück zu dem Buch. Ich habe es noch nicht gelesen. Aus diesem Grund möchte ich diesen Beitrag aufteilen. Dieser Teil entsteht, bevor ich das Buch gelesen habe. Der zweite Teil entsteht, wenn ich es gelesen habe. Insofern geht es in diesem Teil weniger um das Buch an sich als vielmehr um ein paar persönliche Beobachtungen drumherum. Kaum wurde in verschiedenen Medien auf das Buch hingewiesen kam es zu den üblichen Reflexhandlungen. Alle möglichen Lobbyorganisationen inkl. der Kulturrat gingen auf die Barrikaden. Das war vielleicht nicht anders zu erwarten. Immerhin existieren sie ja in wesentlichen Teilen, um die Ressourcen ihrer Mitglieder zu sichern. Und zugegeben die Idee, die finanziellen Mittel um 50% zu kürzen ist eine Provokation. Aber ist es das wirklich? Ist diese Idee, die mit Sicherheit nicht umgesetzt werden wird, wirklich eine Provokation? Aus Sicht derjenigen, die sich primär um die finanziellen Mittel kümmern mit Sicherheit – für die anderen Menschen eher nicht. Die weitaus größere „Provokation“ sollte m.E. sein, dass an immer mehr Orten Kultur ohne Kulturinstitutionen stattfindet. Es geht den Menschen um Inhalte aber nicht um Institutionen. Es interessiert die Menschen auch nicht, ob eine kleine elitäre Gruppe an der Trennung zwischen der sog. Hoch- und der sog. Trivialkultur festhält. Kulturbereiche wie die Welt des Gamings könnten sich im Umfeld klassischer Kulturinstitutionen gar nicht entwickeln. Solche Kulturbereiche sind zu schnell, zu offen, zu innovativ und zu kopperativ. Ein Kulturbereich wie die Welt des Gamings hat sich bewusst für eine kommerzielle Basis entschieden – mit allen Vor- und Nachteilen.

Und das Web? Dort finden wir die Menschen und die kulturellen Inhalte – die Institutionen werden dort nicht gebraucht. Gäbe es nur noch Kultur im Netz – ein Zustand denn ich mir nicht wünsche – wären Kulturinstitutionen unnötig. Wir könnten das ganze Geld den Künstlern geben. Innovationsmanagement in Kulturinstitutionen? Wie wäre es damit? Wenn sich Kulturinstitutionen gegen die digitale Welt stellen, dann agieren sie nicht gegen die Technologie und für ein konservatives Menschenbild – sie agieren gegen die Lebensrealität der Menschen. Und natürlich ist die digitale Welt nicht alles – aber der Umgang damit ist ein Indiz für die Fähigkeit von Institutionen kreative, offene und kooperative Plattformen zu entwickeln und anzubieten. Die vielzitierte Deutungshoheit ist durch das Web nicht verschwunden – das Web zeigt vielmehr, dass diese Deutungshoheit nie existierte. Vielleicht sind ja Electronic Arts und Google die Kulturinstitutionen der Zukunft. Vielleicht sind Crowdfunding-Projekte die neuen Kulturförderprogramme.

Nun gut – es wird Zeit das Buch zu lesen. Und dann werde ich den zweiten Teil des Blogbeitrages veröffentlichen. Wenn es alles klappt kann ich sogar während des Lesens direkt aus dem Kindle meine Ideen und Kommentare mit Euch teilen. Die ganz große Frage ist aber eine andere: Wird es wie so oft wieder nur bei einer Diskussion einer sehr kleinen und elitären Gruppe bleiben oder wird es wirklich zu Veränderungen kommen? Ist das Werk nur eine weitere „Kulturpolitische-Rotwein-Diskussions-Anekdote“ oder wird es am Ende Ideen und Projekte für die Kulturinstitution der Zukunft geben? Schlimmstenfalls konzentriert sich die Diskussion darauf, bloß keine Kürzungen in den Etats zu bekommen – dabei geht es gar nicht um Geld sondern um die Frage was Kulturinstitutionen heute und in der Zukunft sein sollen. Mein Vorschlag: Ich lade die Autoren und alle Interessierten ein, in der realen Welt darüber zu diskutieren – diesen August auf der Gamescom:-)

Beste Grüße

Christoph Deeg