Dieser Blog ist umgezogen

Liebe Leser,

ich möchte Euch nochmal daran erinnern, dass dieser Blog umgezogen ist: Ihr findet meinen aktuellen Blog unter http://www.christoph-deeg.de und http://www.christoph-deeg.com. Dieser Blog wird zum 01.06.2015 gelöscht.

Herzliche Grüße

Christoph Deeg

Zu Hilfe, der Deeg kommt!

Liebe Leser,

mein Job macht wirklich großen Spass und obwohl ich immer wieder blogge und poste etc. ist es immer nur meine Sicht der Dinge, die Euch erreicht. Hier mal ein Blogbeitrag einer Institution, die ich berate und begleitet. Mittlerweile sind wir schon beim nächsten Schritt und bauen die ganze Bibliothek um…

Ganz liebe Grüße

Christoph Deeg

Leseoase

Liebe Leser,

wie ihr ja wisst, sind wir seit einigen Monaten schwer beschäftigt, dass Internet für uns zu gewinnen und haben für Euch diesen Blog ins Leben gerufen. Das ist aber noch nicht alles: Wir haben inzwischen eine kleine Fangemeinde bei Facebook und seit einigen Wochen sind wir auch noch fleißig am twittern.

Damit wir das auch alles gut hinbekommen, haben wir von der Bezirksregierung Düsseldorf einen Coach zur Seite bekommen: Christoph Deeg. Er hat uns innerhalb der letzten zwölf Monate dreimal besucht und uns einige Tipps und Tricks verraten, wie wir uns noch besser in der Social-Media-Welt zurecht finden – und was wir alles können sollten, um Euch, liebe Leser, zu interessieren und vielleicht manchmal auch zu inspirieren.

… Im Grunde kommen wir klar …

das war die Aussage, mit der wir Herrn Deeg im vergangenen August begrüßt haben. Inzwischen sind wieder einige Monate vergangen, und im Dezember…

Ursprünglichen Post anzeigen 899 weitere Wörter

Willkommen im Jahr 2013 – das Jahr von Social-Media und Gaming?

Liebe Leser,

ich hoffe Ihr seid alle gut ins neue Jahr gekommen? Ich sitze gerade bei guten Freunden und genieße einen entspannten Start in das Jahr 2013. Ich möchte in diesem Beitrag über mein Jahr 2012 schreiben. Was lief gut? Was könnte man noch besser machen?

Der Rückblick auf das Vergangene ist für mich immer sehr wichtig. Dabei geht es nicht nur um eine Evaluation oder ein internes Monitoring. Es geht auch darum zu sehen, was man alles schon erreicht hat. Viele meiner Kunden begleite ich über einen längeren Zeitraum. Einmalige Workshops bringen in der Regel eher wenig. Viele Fragen entstehen erst dann, wenn man das Erlernte umsetzen möchte. Wenn man ein Unternehmen oder eine Institution über einen längeren Zeitraum begleitet, indem man z.B. alle vier Monate einen Social-Media-Coaching-Workshop durchführt, kann man weitaus mehr erreichen. Dies hat auch damit zu tun, dass Social-Media nicht nur die Arbeit auf Plattformen wie Facebook oder Twitter bedeutet. Es geht ebenso um die Wirkung von Social-Media nach innen. Social-Media und Gaming sind keine Technologien. Sie stehen für eine neue Kultur und Unternehmen und Institutionen werden in der digitalen Welt nur dann nachhaltig erfolgreich sein, wenn sie in der Lage sind, diese neue Kultur zu verstehen und in die eigene Kultur zu integrieren.

Dieser Prozess dauert in der Regel mindestens ein Jahr und er hat einen Einfluss auf nahezu alle Geschäftsbereiche. Dieser „Kulturwandel“ geht aber nicht ohne Rückschläge und Schwierigkeiten vonstatten. Für viele Menschen bedeutet die digitale Welt eine sehr große Herausforderung. Es entstehen völlig neue Berufsbilder. Immer wieder erzählen mir Mitarbeiter, dass sie ihren Beruf vor 10 oder 15 Jahren gelernt haben und nun erleben, dass alles oder vieles was sie damit verbinden und was sie gelernt haben nun keine Bedeutung mehr hat. Das betrifft nicht nur die neuen Aufgaben. Vielmehr wurden und werden sehr viele Menschen bis heute in der Aus- und Weiterbildung nicht auf ein „lebenslanges Lernen“ bzw. eine lebenslange und individuelle Weiterentwicklung vorbereitet.

Viele Menschen stehen der digitalen Welt sehr kritisch gegenüber. Andere haben sogar Angst davor. Gerade für diese Gruppen bedeutet die digitale Welt eine Herausforderung, der sie sich nicht gewachsen sehen. Sie haben das Gefühl vor einer unendlich hohen Wand zu stehen, die sie nicht bewältigen können. Ich habe diesen Effekt sehr oft beobachten können und deshalb „zwinge“ ich meine Kunden dazu, am Ende eines Jahres sich eine halbe Stunde Zeit zu nehmen und sich den bereits zurückgelegten Weg anzusehen. Wir neigen sehr oft dazu, nur das zu sehen was noch alles getan werden muss und vergessen dabei das, was wir alles erreicht haben.

Also schaue auch ich zurück auf das Jahr 2012 und ja, es war ein gutes Jahr. Ich habe wieder eine Vielzahl an Unternehmen und Institutionen in die digitale Welt begleiten dürfen. Insgesamt waren es mehr als 35 Unternehmen, Institutionen sowie Städte und Gemeinden. Dabei ging es nicht nur um Social-Media sondern auch um das mobile Internet und die Welt des Gamings. Meine Mobile-Internet-Roadshow für Bibliotheken ist ein großer Erfolg. Das Social-Media-Gaming-Barbecue hat sich auch weiter entwickelt. Insgesamt habe ich mehr als 160 Nächte im Hotel verbracht und meine Bahncard glühte:-) Ich durfte auf tollen Konferenzen sprechen und habe eine Vielzahl an spannenden Menschen kennengelernt. Auch meine Aktivitäten in dem von mir mitgegründeten Verein „Zukunftswerkstatt Kultur- und Wissensvermittlung e.V.“ waren erfolgreich.

Michael Stephens „Learning Everywhere“ from Zukunftswerkstatt on Vimeo.

Die Tour mit Michael Stephens, die Gaming-Liga und viele weitere Aktivitäten lassen den Verein stetig wachsen. Das besondere Highlight in diesem Bereich sind aber die stetig wachsende Zahl an Zukunftsentwicklern. Ich bin immer öfter auch im Ausland aktiv und was besonders wichtig ist: es macht mir sehr großen Spass.

Natürlich lief nicht alles perfekt. Es gab Rückschläge und Niederlagen. Sicher, ich konnte am Ende alle Probleme lösen und ich konnte zudem sehr viel lernen. Aber manches blieb liegen. Im zweiten Halbjahr haben vor allem meine eigenen Onlineaktivitäten zurückstecken müssen. Es war nicht so, dass ich überhaupt nichts gemacht habe. Aber ich hatte weitaus mehr vor. Das ganze ist ein bisschen paradox. Ich berate und begleite Unternehmen und Institutionen in der analogen Welt auf ihrem Weg in die digitale Welt und bin damit so erfolgreich, dass mir die Zeit fehlt, selber online aktiv zu sein. Damit geht auch einher, dass ich nicht so viel ausprobieren konnte wie ich wollte.

Die wichtigste Erkenntnis war für mich aber die, dass Social-Media und Gaming nur dann funktioniert, wenn man sich die damit verbundene Kultur zu eigen macht, und das dies genau das die größte Herausforderung ist. Ich weiß, dass ich dies schon sehr oft geschrieben habe und natürlich ist diese Erkenntnis nicht neu. Aber im letzten Jahr ist mir sehr oft vor Augen geführt worden, dass dies (immer noch) das Kernthema ist.

Nun also beginnt ein neues Jahr und es zeichnet sich ab, dass es viele Veränderungen geben wird. Auch in diesem Jahr werde ich wieder Unternehmen und Institutionen bezüglich Social-Media, Gaming und dem mobilen Internet begleiten. Es gibt wieder sehr spannenden Kunden. U.a. werde ich einen „Social-Media-Aussendienst“ starten. Mehr dazu in Kürze auf meinem Blog. Ich werde aber zudem sehr viel Zeit in meine eigene Weiterbildung und ein kleines Forschungsprojekt investieren. In diesem Jahr werde ich auch mein erstes Buch zum Thema Gaming veröffentlichen. Die Mobile-Internet-Roadshow wird massiv ausgebaut. Und im Januar startet auch das mobile Gaming-Lab. Das Social-Media-Gaming-Barbecue werde ich komplett umbauen. Es wird zu einer Plattform werden, auf der man Rezepte für Barbecues und Social-Media-Aktivitäten austauschen kann. Im Januar startet auch ein weiterer Blog von mir. Dieser Blog wird sich mit Zukunftsszenarien für Unternehmen und Institutionen beschäftigen und „Nachrichten aus der Zukunft“ heißen. Ich werde dort fiktive Nachrichten aus dem Jahr 2023 veröffentlichen. Diese Nachrichten beziehen sich auf Aktivitäten und Nachrichten aus der jetzigen Zeit. Im Februar darf ich mit dem US-amerikanischen Experten Eli Neiburger auf Deutschland-Tour gehen.

Eli Neiburger arbeitet an der Ann Arbour District Library und beschäftigt sich mit völlig neuen Konzepten für die Kultur- und Wissensvermittlung. Sein Fokus liegt dabei auf dem Thema Gaming. Er hat u.a. den „National-Gaming-Day“ ins Leben gerufen und er ist zudem mein „Partner in Crime“ beim Aufbau der Deutsch-Amerikanischen Gaming-Liga. Diese Tour ist ein Projekt der Zukunftswerkstatt Kultur- und Wissensvermittlung e.V. und der US-Botschaft Berlin. Zusammen mit der stARTconference möchte ich in Berlin ein stARTcamp zum Thema „Scheitern“ veranstalten.

Es liegt also sehr viel Arbeit vor mir. Ihr werdet die Veränderungen und Entwicklungen online verfolgen können. Über alle Projekte werde ich berichten und ich hoffe ich schaffe mein persönliches Ziel, in diesem Jahr mindestens 100 Blogbeiträge zu schreiben.

Nun bleibt mir nur noch Danke zu sagen. Danke an meine Partnerin und meine Freunde, die mich im letzten Jahr so gut wie gar nicht mehr gesehen haben. Danke an meine Kunden für fantastische Workshops und vor allem das Vertrauen in meine Person. Vielen Dank auch an meine Kooperationspartner und die vielen Hotels, die sich so toll um mich gekümmert haben.

Ich freue mich auf ein spannendes Jahr 2013…

Beste Grüße

Christoph Deeg

Wie Google mich über den Umgang mit Technologie nachdenken lässt…

Liebe Leser,

ich bin schon seit drei Tagen im schönen Würzburg um die dortige Stadtbücherei in die digitale Zukunft zu begleiten. Das Projekt macht sehr großen Spass und ich freue mich auf die kommenden Workshops in 2013. Doch obwohl mir die Arbeit in Würzburg große Freude bereitet, war ich gestern zumindest für einen Moment schlecht gelaunt. Und das hat folgenden Grund: Ich bin seit ein paar Monaten auf der Suche nach einem neuen Smartphone. Ich hatte mich in den letzten zwei Jahren sehr über Samsung geärgert. Mein Galaxy S sollte kein neues Android-Update mehr bekommen. So wurde aus einem tollen Werkzeug innerhalb weniger Augenblicke faktisch Elektroschrott. Ok, ja man kann das Smartphone weiter nutzen und es verrichtet seinen Dienst wirklich gut. Aber es war auch so langsam in die Jahre gekommen und man sah ihm an, dass ich es auf meinen Reisen intensiv benutzte.

Ich suchte überall nach einem passenden Nachfolger und dann entdeckte ich das Nexus 4 von Google. Für die Mobile-Internet-Roadshow für Bibliotheken habe ich eine Vielzahl an Geräten gekauft. Schließlich sollen die Teilnehmer ja so viele Geräte wie möglich ausprobieren können. Und so habe ich in den letzten Monaten verschiedene Tablets (iPad, Asus Transformer, Google Nexus 7 und Kindle Fire HD) sowie eBook-Reader und natürlich Smartphones mit verschiedenen Betriebssystemen angeschafft. Das Nexus 4 sollte mein Werkzeug für die nächsten ein bis zwei Jahre sein und zum Glück merkte ich früh genug, dass ich eine neue Simkarte (Micro-Sim) benötigte. Also bestellte ich eine neue Sim-Karte was wiederum bedeutete, dass meine alte Karte diesen Montag deaktiviert wurde. Aber da ich ja durch die Mobile-Internet-Roadshow über eine Vielzahl an Geräten verfüge konnte ich auf ein Windows-Phone von Nokia mit Micro-Sim zurückgreifen.

Also wartete ich gespannt auf den 13. November 2012 um dann mein neues Nexus 4 zu bestellen. Und damit begannen die Probleme. Ich hatte mich bei Google für eine Erinnerungsmail eingetragen. Ich sollte also eine Mail bekommen wenn das Nexus 4 verfügbar ist. Die Mail kam auch – aber ich konnte nicht bestellen. Egal was ich tat und probierte – es wollte einfach nicht funktionieren. Also fragte ich meine Community und musste erfahren, dass das System zusammengebrochen und das Nexus 4 ausverkauft war. Ich war zugegeben mehr als sauer. Ich war enttäuscht und ich hatte ein Problem – denn ein Windows-Phone eignet sich nicht gerade als Arbeits-Werkzeug. Ich begann gestern abend nach einer Alternative zu suchen. Doch je mehr ich suchte desto mehr fragte ich mich, was ich hier eigentlich gerade mache? Wenn ich ehrlich bin, würde das Galaxy S auch noch für ein paar Monate ausreichen. Es mag nicht so cool und manchmal auch langsam sein, aber es kann alles was es soll. Und es ist vorhanden und nicht kaputt. Ich vermisse keine Funktionalität. Je mehr ich darüber nachdachte desto mehr erinnerte ich mich daran, dass Technologie nur ein Werkzeug ist. Es geht nicht um die Frage ob ich die neueste Technologie nutze, sondern was ich damit mache. Es geht auch beim Fußball nicht um ein Stadion, sondern um das was darin passiert. Also bestellte ich bei Amazon einen Sim-Karten-Adapter:-)

Wann immer wir über Technologie nachdenken muss uns doch in Erinnerung bleiben, dass es letztlich um die Frage geht, was wir damit anstellen. Der Coolnesfaktor oder Reiz des Neuen ersetzt nicht die langfristigen Mehrwerte und diese ergeben sich aus den Ergebnissen meiner Arbeit für die ich die Technologie brauche. Es mag komisch klingen aber ich bin Google fast ein bisschen dankbar, dass ich daran wieder erinnert wurde.

Das ändert natürlich nichts daran dass ich nicht verstehen kann, wie sich ein Unternehmen wie Google so derart verschätzen kann. Oder anderes ausgedrückt: Hätte Gott gewollt, dass ich ein Nexus 4 bekomme, hätte er Google mit mehr Know-How ausgestattet:-)

Beste Grüße

Christoph Deeg

Wir brauchen eine Konferenz über das Scheitern!

Liebe Leser,

ich glaube ich bin gerade ziemlich erfolgreich. Meine Projekte funktionieren. Ich erlebe überall, dass ich mit meinen Ideen und Herangehensweisen richtig lag. Das klingt toll oder? Aber es ist nur die halbe Wahrheit. Bei jedem Projekt, welches ich in meinem Leben bis jetzt angefangen habe, gab es immer auch ein Element des Scheiterns. Dies konnte bedeuten, dass etwas schief ging was man lösen konnte, es konnte aber auch bedeuten, dass das ganze Gebäude zusammenbrach. Wenn der erste Schock überwunden ist und man das Ganze mit ein wenig Abstand betrachtet, erkennt man immer wieder, dass man gerade aus dem Scheitern gelernt hat. Ich habe manchmal den Eindruck, dass ich vielmehr aus meinem Scheitern lerne, als durch meine Erfolge. Scheitern bedeutet, ich muss einen anderen Weg finden um ans Ziel zu kommen. Es kann natürlich auch bedeuten, dass ich erkennen muss, dass ich das falsche Ziel ausgewählt habe oder es aber nie erreichen werde.

In unserer Gesellschaft ist Scheitern nicht vorgesehen. Wer scheitert ist ein Looser. Wir reden nicht über die Dinge die schief gehen. Es könnte ja negative Auswirkungen auf unsere Zukunft haben. Verstärkt wird dieser Effekt sicherlich durch die vielen „Wilden“, die bei jedem noch so kleinen Projekt die große Keule rausholen. Ich kenne z.B. eine große Mailingliste für eine bestimmte Kultur- bzw. Bildungsinstitution, bei der es zwei dieser „Wilden“ geschafft haben ein Klima zu erzeugen, bei dem sich nur noch wenige trauen ein neues Projekt vorzustellen.

Was wir aber brauchen ist eine Kultur des Scheitern. Wir müssen akzeptieren, dass es nicht um die Tatsache geht, dass jemand einen Fehler gemacht hat. Es geht vielmehr darum gemeinsam aus diesen Fehlern zu lernen. Interessanterweise ist dieses Try-and-Fail-Prinzip ein elementarer Bestandteil des Gamings. Gamer sind es gewohnt Fehler zu machen und sich in den jeweiligen Communitys darüber auszutauschen. Die Gamer sind uns also einen Schritt voraus. Natürlich weiß ich, dass es Dinge im Leben gibt, bei denen Try-and-Fail nicht funktioniert bzw. nicht wünschenswert ist. Natürlich möchte ich nicht, dass mein Chirurg mal Lust hat, etwas neues auszuprobieren. Aber in der Breite fehlt uns die Bereitschaft Fehler anzuerkennen. Das wir sie machen ist klar – würden wir sie kommunizieren, würden wir alle und vor allem schneller lernen können.

Aus diesem Grund möchte ich gerne eine Konferenz des Scheiterns veranstalten. Ich weiß nicht ob es ein Barcamp sein sollte oder eher ein klassisches Modell oder eine Mischung aus beidem. Was mir aber klar ist folgendes: es darf auf dieser Konferenz nur über Projekte gesprochen werden, die gescheitert sind. Es geht auch nicht um Workshops die Scheitern verhindern sollen, weil man noch mehr neue Tools nutzt oder aber jeden morgen Yoga macht. Mir geht es um all diese Projekte und Ideen die wirklich und wahrhaftig gescheitert sind. Lasst uns darüber reden und lasst uns gemeinsam davon lernen. Also wer macht mit?

Beste Grüße

Christoph Deeg

Vom Bloggen, Social-Media-Aktivitäten und dem Problem mit der Zeit

Liebe Leser,

ich sitze gerade in Stuttgart im Hotel. Morgen werde ich einen weiteren Social-Media-Workshop für ein Unternehmen durchführen. Bis Ende des Jahres werde ich Berlin nur am Wochenende sehen. Dieses Jahr verläuft wirklich beeindruckend. Ich verbringe mehr Tage im Hotel als in Berlin. Es ist ein großartiges Jahr – aber es klappt nicht alles was ich mir vorgenommen habe. Eigentlich wollte ich mindestens jeden zweiten Tag bloggen. Mein Blog ist die für mich wichtigste und spannendste Plattform. Die Anzahl der Entwürfe für Blogbeiträge steigt nahezu täglich an. Aber ich möchte nicht irgendetwas schreiben. Ein Blog ist nicht Facebook oder Twitter. Auch viele meiner Kunden nehmen die Arbeit mit einem Blog sehr ernst. Während man auf Facebook oder Twitter verhältnismäßig schnell kommunizieren kann, möchte man sehr oft, dass der Blog etwas besonderes ist. Und so erlebe ich immer wieder, dass dieser Anspruch bei vielen meiner Kunden zu einem Problem wird. Sehr oft hat hat man noch Schwierigkeiten mit der Nutzung der Software und dann soll es inhaltlich auch noch besonders sein. Es enstehen also mindestens zwei Hürden. Und viele Menschen, die sich erst langsam dem Thema Social-Media nähern, haben das Gefühl, keinen richtigen Zugang zu diesem Thema zu finden. Ihre „anderen“ Aufgaben oder genauer gesagt das klassische Tagesgeschäft erfordern Ihre ganze Energie und Aufmerksamkeit.

Für mich ist es ein bisschen anders. Ich bin durch meine Arbeit jeden Tag mit dem Thema Social-Media verbunden. Selbst wenn ich nicht blogge, arbeite ich an den Blogs meiner Kunden mit. Selbst wenn ich nicht twittere erlebe ich Twitter beinahe jeden Tag hautnah. Jeder Kunde steht für eine andere individuelle Social-Media-Strategie und so ist jeder Kunde bzw. jeder Tag anders – aber immer voller Social-Media und/oder Gaming. Ich bin also immer im Bereich Social-Media aktiv – auch wenn Ihr es auf meinen eigenen Plattformen nicht merkt. Das soll keine Entschuldigung sein. Aber ich merke immer wieder, dass ich manchmal in meine Hotel komme und nicht mehr bloggen oder twittern möchte. In diesen Momenten ist mir eher nach einem guten analogen Gespräch bei einem guten Glas Wein – oder einem guten Computergame. Oder anders ausgedrückt: Ich blogge und twittere nicht nur für meine Community sondern auch für mich. Es macht mir Spass, ich möchte es nicht missen, aber ich möchte auch nicht aktiv sein, nur weil ich es scheinbar muss.

Unabhängig davon ist aber klar: Social-Media kostet Zeit. Wenn man mit Social-Media beginnt, kann dies kein freiwilliges Add-On sein. Es ist eine Aufgabe, die gleichberechtigt zu anderen Aufgaben angesehen werden sollte. Natürlich kann es passieren, dass man für die eine oder andere Aufgabe und für einen gewissen Zeitraum mehr oder weniger Ressourcen zur Verfügung stellt. Aber es bleibt eine gleichwertige Aufgabe. Für die meisten Institutionen und Unternehmen bedeutet dies entweder, dass man hierfür weitere Ressourcen zur Verfügung stellt oder sich von anderen Aktivitäten trennt.

An meiner Situation – über die ich mich nebenbei bemerkt sehr freue – wird sich in den nächsten Monaten nichts ändern. Im Gegenteil, es scheint als würde sich mein Leben in den kommenden Monaten nachhaltig ändern. In den nächsten Wochen werde ich einige neue Projekte vorstellen und ehrlich gesagt hatte ich schon lange nicht mehr so viel Spass – und soviel Arbeit – wie in den letzten 1,5 Jahren. Aber ich werde mich trotzdem bzw. gerade aus diesem Grund auch wieder mehr um meine Social-Media-Aktivitäten insbesondere meinen Blog kümmern. Das bedeutet auf der anderen Seite, dass ich mich von anderen Aufgaben trennen werde – auch darüber werde ich berichten.

Was mich aktuell interessiert ist die Frage, wie Ihr mit der manchmal mangelnden Zeit umgeht? Bloggt und twittert Ihr nur um etwas geschrieben zu haben? Und was macht Ihr, wenn für einen gewissen Zeitraum auf einem Eurer Lieblings-Blogs nichts mehr passiert? Fragt Ihr nach?

Bevor ich diesen Blogbeitrag beende, möchte ich mich noch bei Christian Henner-Fehr für die Nachfrage bezüglich meines Blogs bedanken:-)

Beste Grüße

Christoph Deeg

Warum die Internetbewohner keine besseren Menschen sind

Liebe Leser,

ich bin gerade in Gütersloh im Hotel. Nachdem ich heute zum ersten mal mein neues Workshop-Angebot genauer gesagt die Mobile-Internet-Tablet-Smartphone-Roadshow erfolgreich durchgeführt habe, geht es morgen um einen Vortrag zur Nutzung von Social-Media und Klimaschutz. Eigentlich wollte ich heute über die Frage schreiben, ob wir eine Gesellschaft von „Digitalen Analphabeten“ schaffen. Allerdings gehen mir seit einigen Tagen eine Vielzahl an Gedanken durch den Kopf und ich habe beschlossen, heute darüber zu schreiben. Schon seit einigen Wochen habe ich das Gefühl, dass irgendwas nicht stimmt im Internet-Land. Wir haben erlebt, wie wir online das Thema des ehemaligen Bundespräsidenten Wulff bearbeiteten. Ich habe fleißig mitgemacht. Auch ich habe meine Beiträge zu #wulffilme auf twitter gepostet, habe mich aufgeregt über die Verstrickung von Wirtschaft und Politik etc. Aber irgendwas stimmt hier nicht.

Ich wurde nervös, als am Dienstagmorgen im Frühstücksfernsehen von ARD/ZDF die Vertreterin der Partei „Die Linke“ Gesine Lötzsch über ihre ablehnende Haltung zu Joachim Gauck sprach. Versteht mich nicht bitte nicht falsch. Es geht mir überhaupt nicht um ein Pro oder Contra zu Gauck – es ist mir ehrlich gesagt so langsam egal und Blixa Bargeld oder meine Mutter werden wohl nicht nominiert werden. Was mich aber verwunderte war, dass sich Gesine Lötzsch in ihrer Kritik – zumindest war das meine Wahrnehmung – u.a. auf die Internetgemeinde berief. Es gäbe dort ja „Shit-Storms“ gegen Gauck. Ich war etwas verwundert. Natürlich gab und gibt es online Kritik an Gauck – und ich halte Kritik für etwas wichtiges und positives – aber es gab doch mitnichten eine klare Tendenz für oder gegen eine Person. Und eben gerade bei Anne Will hieß es wieder, die Internetgemeinde wäre doch so kritisch und gegen Gauck eingestellt.

Ja, es gab und gibt sehr viele kritische Stimmen bezüglich Gauck. Es geht dabei u.a. um angebliche oder reale Äußerungen zu Sarrazin, Occupy und die Vorratsdatenspeicherung. Ich saß gerade beim Frühstück im Hotel als ich auf Twitter die vielen Tweets lesen durfte, die Gauck für unwählbar erklärten. Ich wollte diese ganzen Tweets sofort retweeten. Das was ich da lesen musste war zu schockierend. Was mich davon abhielt war die Tatsache, dass ich mir noch ein bißchen Obstsalat holen wollte und irgendwie landete ich dann mit meinem Smartphone auf Seiten von Zeitungen, denen Gauck ein Interview gegeben hatte. Dabei ging es nun auch um die benannten Themen aber es zeigte sich nun ein ganz anderes Bild. Zumindest nach meinen Recherchen sind die Vorwürfe so nicht haltbar. Wenn ich alles richtig verstanden habe, haben einige der Twitterer ihre Aussagen auch zurück gezogen.

Warum schreibe ich das alles? Ich glaube wir erleben gerade eine oder mehrere Verzerrungen der Realität. Zum Einen erkennt man, wie wenig Medien und Politiker über das Internet wissen. Die Internetuser sind eine sehr heterogene Gruppe und sie sind alles andere als eine neue politische Größe. Es gibt nicht die Internetgemeinde. Ich habe keine genauen Zahlen aber bei aller Sympathie für Menschen, die im Web politische Bewegungen aufbauen wollen, ist es nach meiner Beobachtung doch so, dass es immer noch sehr kleine Gruppen sind, die hier diskutieren. Nur weil es eine Seite auf Facebook für oder gegen einen Politiker gibt, und da einige tausend Menschen mitmachen, ist es doch keine Massenbewegung. Und die Fixierung der Medien auf einen verhältnismäßig kleinen Personenkreis im Netz sorgt doch letztlich nur dafür, dass die großen Gruppen, z.B. die Gamer gar nicht wahrgenommen werden. Und wir dürfen doch auch den Entertainment-Charakter des Web nicht vergessen. Die vielen Beiträge z.B. zu #wulffilme waren doch nicht alle politische Aussagen. Es war doch sehr viel Spass und Entertainment dabei.

Zum Anderen sind doch Menschen, die im Internet aktiv sind keine besseren Menschen. Sicher, einige sind gegen den Kapitalismus und andere – und dazu zähle ich mich auch – möchten gerne eine bessere Welt erschaffen. Aber wir wissen doch z.B. auch, dass auf den vielen Konferenzen u.a. mittels iPads getwittert wird. Und bei allem Respekt, gerade wir, die wir uns für besonders informiert halten wissen, unter welchen Bedienungen diese netten kleinen Spielzeuge hergestellt werden. Wo also gibt es den großen Shitstorm zu Apple? Wo gibt es einen Boykott zu Apple-Produkten, bis nicht ganz transparent nachgewiesen wird, dass unsere Standarts auch für die Arbeiter in China gelten? Bei Wulf demonstrieren wir und werfen Schuhe, bei Apple konsumieren wir und werfen unsere Geldscheine. Ich bin nicht besser – dieser Beitrag entsteht auf einem iPad.

Ich glaube wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht für zu wichtig halten. Die Tatsache, dass wir im Web aktiv sind, macht uns nicht automatisch zu einer neuen oder gar besseren Gesellschaftsklasse. Wir müssen m.E. vor allem dafür sorgen, dass noch viel mehr Menschen im Netz aktiv sein wollen. Aktivität im Netz bedeutet aber nicht, dass wir vorgeben, was denn da gedacht werden soll. Im Gegenteil, wenn wir ein freies Netz haben möchten, dann gehört dazu auch, Pluralität zu ermöglichen. Ich denke wir sollten des weiteren den Medien bewusst machen, dass es keine Internetgemeinde gibt. Das Internet ist einfach nur eine Plattform für Ideen und Kommunikation. Niemand ist klüger oder cooler oder besser, nur weil er eine Gruppe von Menschen im Netz aktivieren kann.

Vielleicht bräuchten wir wirklich weitaus mehr aktive Bibliothekare im Netz. Diese Berufsgruppe ist u.a. darauf trainiert, Quellen zu analysieren. Sie hätten vielleicht schneller herausgefunden, dass einige Aussagen bezüglich Gauck nicht stimmen. Ich für meinen Teil möchte zumindest nicht, dass sich jemand wie Gesine Lötzsch auf mich oder die Internetgemeinde berufen darf. Und ich hätte mir gewünscht, dass der Protest gegen eine solche Instrumentalisierung genauso groß wäre, wie der Protest gegen Gauck.

Beste Grüße

Christoph Deeg

PS: Ich glaube, es hat hat heute mehr Menschen beschäftigt, dass der FC Bayern gegen den FC Basel verloren hat, als es Menschen interessierte, ob Gauck der einzig wahre Bundespräsident ist oder nicht. Aber dafür wird sich Anne Will keine Gäste einladen:-)