Dieser Blog ist umgezogen

Liebe Leser,

ich möchte Euch nochmal daran erinnern, dass dieser Blog umgezogen ist: Ihr findet meinen aktuellen Blog unter http://www.christoph-deeg.de und http://www.christoph-deeg.com. Dieser Blog wird zum 01.06.2015 gelöscht.

Herzliche Grüße

Christoph Deeg

Digitale Welten, Katzenvideos und das Recht einfach mal abzuhängen

Liebe Leser,

wir leben in verrückten Zeiten.  Die digitale Welt entwickelt sich und wenn wir uns selber und unser Umfeld beobachten,  erleben wir wie wenig digital unsere Gesellschaft bis heute geworden ist. Damit meine ich nicht nur die erschreckend schlechte Digitale Infrastruktur oder die Unfähigkeit eine Gesamtstrategie für die Digitalisierung unserer Gesellschaft zu entwickeln und zu realisieren. Mir geht es in diesem Beitrag um neue Denk- und Arbeitsweisen bzw. um eine neue Kultur. Zwei Dinge fallen mir immer wieder auf.

Da ist zum Einen die Arroganz und Ignoranz vieler Experten und Netzaktivisten. Immer wieder hat man das Gefühl es gäbe hier eine kleine Elite, die losgelöst vom Rest der Welt die digitale Deutungshoheit für sich beansprucht. Als vor ein paar Tagen unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel das Internet bzw. die digitale Welt als „Neuland“ bezeichnete war die Aufregung groß. Es brach ein regelrechter Shitstorm aus. Man tat so, als wäre diese Aussage ein Beleg für die Inkompetenz von Politikern im allgemeinen und von Frau Merkel im Speziellen. Nun bin ich weder ein Fan unserer Bundeskanzlerin noch bestreite ich, das die bundesdeutsche Politik große Schwierigkeiten hat, das Thema „Digitale Gesellschaft“ zu verstehen oder gar zu gestalten.  Ich kann aber nicht umhin festzustellen, das die Definition „Neuland“ für einen Großteil der Bevölkerung immer noch gilt. Ok, wenn wir definieren, dass jeder der bei Facebook ist auch alles über die digitale Welt weiß, dann ist es in der Tat kein Neuland mehr. Wenn ich aber sehe wie wenig viele Menschen in meinen Workshops über digitale Medien wissen,  wenn ich sehe wie gering das Verständnis vieler Unternehmen und Institutionen bezüglich der digitalen Welt ist, wenn ich erlebe, dass wir bis heute keine Vision für eine digital-analoge Gesellschaft haben, wenn ich sehe, wie viele tolle kreative Menschen für ihre Institution oder ihr Unternehmen etwas in der digitalen Welt bewegen möchten und doch an den Strukturen und Denkweisen in der analogen Welt scheitern, dann würde ich sagen es ist wirklich und noch immer Neuland.

Da ist zum Anderen eine etwas problematische Sichtweise gegenüber Lebensrealitäten. Ein oft gehörtes Argument gegen die digitale Welt ist die Zeitverschwendung. Die Idee dahinter ist die, dass viele Menschen anscheinend im Netz nur sinnlose Inhalte austauschen.  Katzenvideos, Chats,  Communitys etc. dies alles ist so herrlich ineffizient. Hinter dieser Kritik steckt eine extreme Fokussierung auf bzw. der Wunsch nach effizienten Arbeitsabläufen. Gleichzeitig wünscht man sich sehr oft, mehr Zeit zu haben. Viele Menschen haben das Gefühl, sie wären dauergestresst. Sie wünschen sich mehr Zeit, mehr Ruhe, mehr Raum um Mensch zu sein. Manchmal steht dann die digitale Welt für den Stress und den Druck. Ich kann das alles gut verstehen aber ich sehe hier ein Paradoxon. Die Generation der Eltern deren Kinder heute zur Schule oder zur Uni gehen, ist die, die zugelassen hat, dass die Lern- und Arbeitswelt Ihrer Kinder einem Effizienz-Wahn unterliegt.  Die Kids sollen immer schneller lernen.  Schule und Studium gleichen einem Marathon. Man soll lernen und nicht reifen. Man soll effizient sein und keine Fehler machen. Effizienz ist alles. Was aber ist so schlimm daran wenn mal ein bisschen abhängt?  Was ist so schlimm daran,  wenn man mit seinen Freunden via Chat kommuniziert? Was ist so schlimm daran,  das man sich Katzenvideos ansieht?  Sind denn Volksmusik, Quiz-Shows etc. besser als Katzenvideos?  Reicht es nicht, dass man das Lernen und Arbeiten von Kindern,  Jugendlichen und jungen Erwachsenen kontrolliert und in ein starres Korsett presst? Muss jetzt auch noch das Freizeitverhalten der jungen Generation verändert und reglementiert werden?  Und ist diese Elterngeneration wirklich so erfolgreich? Ist es nicht die Burn-Out-Generation, die Generation in der beinahe jede zweite Ehe scheitert, die Generation, der Geld und Konsum wichtiger ist als der Schutz unserer Umwelt? Und diese Generation möchte ihren Kindern vorschreiben, wie sie moderne Kommunikation- und Medientechnologien nutzen sollen – obwohl diese Elterngeneration in der Breite diese Technologien noch nicht einmal versteht?

So gesehen können wir meiner Meinung nach nur hoffen, dass unsere Kinder weiterhin Katzenvideos teilen und Spiele spielen, dass sie sich das Recht rausnehmen Zeit online zu verschwenden.  Dass sie chatten und posten was das Zeug hält. Und unserer Generation bleibt zu wünschen, von unseren Kindern zu lernen.  Nicht nur wie man Facebook bedient, sondern auch wie man Spass damit hat.

Beste Grüße Christoph Deeg

Update: ich habe diesen Beitrag auf meinem Smartphone geschrieben. Daraus resultieren ein paar kleine Fehler. Ich habe die Fehler nachträglich behoben….

Wahlkampf und Web 2.0 und was man davon lernen kann…

Liebe Leser,

es ist wieder Wahlkampf in Berlin. Die Parteien versuchen die Menschen dazu zu bringen sie zu wählen. Es gibt nicht viel neues. Keine neuen Programme oder innovative Ideen für die Stadt der Zukunft. Man beachtet die Wahlplakate nicht und man kennt den Trubel schon. Also alles beim Alten? Ich habe mich in den letzten Wochen ein bisschen intensiver mit der Wahl und der Politik dieser wundervollen Stadt beschäftigt. Ein paar der dabei entstandenen Gedanken werde ich als Blogbeiträge posten.

Beginnen möchte ich heute mit den Grünen. Sie haben eine interessante Onlineplattform gebaut. Unter dem Motto „Da müssen wir ran“ ist jeder Berliner eingeladen in eine interaktive Karte einen Ort zu taggen und zu diesem Ort eine Frage zu stellen. Diese soll dann von einem der Kandidaten beantwortet werden. Wenn so ein Angebot da ist, bin ich natürlich sofort dabei und so habe ich auch meine Frage gestellt:

„Ihr lieben Grünen, wir leben in einer Welt, die sich um das Internet erweitert. Leider passiert hier in diesem Bereich zu wenig. Hierzu gehört auch ein freies WLAN in der Stadt. Zum Einen als Angebot und zum Anderen als Zeichen. Allgemein gefragt: Was werdet Ihr tun, damit Berlin eine digitale Zukunft bekommt?“

Es dauerte nur ein paar Tage, und schon kam die Antwort:

„Bündnis 90/Die Grünen setzen sich dafür ein, dass es in ganz Berlin mobilen Netzzugang mit modernen Technologien gibt, angeboten von Bürgern, privaten Initiativen, Firmen, in Verkehrsmitteln und öffentlichen Einrichtungen. Wir unterstützen dabei Initiativen (wie z.B. Freifunk) für freie WLAN-Angebote in Berlin und wollen solche in und um öffentliche Einrichtungen (z.B. Bürgerämter) stärker als bisher entwickeln.“

Nun ist die Antwort nichts konkretes. Aber es ist eine Antwort und es ist zumindest ein Hauch von Dialog. Ich finde diese Plattform gut. Ich habe mir auch angesehen, wer sonst noch Fragen stellt und wie diese Fragen aussehen und es sind ein paar wirklich interessante Fragestellungen dabei. Ich kann übrigens das Statement kommentieren, was ich auch sofort gemacht habe.

Nun ist dieses Projekt bzw. diese Idee nicht neu. Im Gegenteil, Maps werden immer wieder für Plattformen wie diese benutzt. Trotzdem gefällt mir dieses Projekt. Gut gelungen ist denke ich, dass das Projekt durch die Offlineaktivitäten z.B. die Wahlplakate unterstützt wird.

Allerdings gibt es auch ein paar Dinge zu bemängeln. Auch hier stellt sich die Frage, ob die Partei so offen ist, wie sie gerade tut. Das Wahlprogramm der Grünen ist ja bereits erstellt worden, d.h. es ist fraglich, ob die Meinungsäußerungen der User überhaupt Einfluss auf die Politik der Partei haben. Eine Partei 2.0 ist dies auf jeden Fall noch nicht. Dafür müsste die Plattform eine dauerhafte Einrichtung sein. Es ist für mich – bis jetzt – eine PR-Aktion.

Trotzdem stellt sich die Frage, was Kulturinstitutionen und Unternehmen davon lernen könnten?
Zum einen eigenen sich Maps sehr gut für die Visualisierung von ortsbezogenen Inhalten. Ich selber habe ganz einfach eine Google-Map für das Social-Media-Gaming-Barbecue erstellt. Es geht aber weniger um die Technologie an sich, als vielmehr um die Frage, was ich damit mache bzw. welche Mehrwerte für die Kunden entstehen. Meine Map für das Barbecue zeigt zum Einen die Orte an denen es stattfindet. Zudem darf jeder Interessierte einen Ort eintragen, an dem ein Barbecue stattfinden soll.

Kulturinstitutionen könnten z.B. gemeinsam mit Unternehmen eine Plattform entwerfen, auf der alle Interessierten eingeladen sind, einen Ort einzutragen, an dem ihrer Meinung nach Kunst und Kultur fehlt. Also keine Map die zeigt wo Kultur stattfindet sondern eine die zeigt wo sie stattfinden sollte. Wichtig wäre dann nur, dass die Wünsche der User auch beachtet werden.

Dies wäre auch ein interessantes Modell für eine Stadt. In Berlin gibt es z.B. immer mehr Einkaufscenter. Sie werden geplant, gebaut, sind in der Regel langweilig und kundenfeindlich. Wie wäre es, wenn es in Zukunft von den Strassenzügen eine Map geben würde, auf der die Bewohner eintragen können, was ihrer Meinung nach an neuen Geschäften benötigt wird? Die Grundfrage, die bleibt ist aber die, ob ich als Unternehmen, Institution oder Organisation bereit bin, den Wunsch der Nutzer umzusetzen. Was wäre z.B. wenn alle Nutzer auf der Onlineplattform der Grünen einen Wunsch äußern würden, der dem Wahlkampfprogramm widerspricht?

Mein Vorschlag: Nehmt Euch 5 Minuten Zeit und erstellt einen eigenen Beitrag. Es ist egal welcher Partei man angehört – ich selber bin seit Jahren Mitglied der SPD:-)

Beste Grüße

Christoph Deeg