Dieser Blog ist umgezogen

Liebe Leser,

ich möchte Euch nochmal daran erinnern, dass dieser Blog umgezogen ist: Ihr findet meinen aktuellen Blog unter http://www.christoph-deeg.de und http://www.christoph-deeg.com. Dieser Blog wird zum 01.06.2015 gelöscht.

Herzliche Grüße

Christoph Deeg

Nehmt den Bibliotheken die Bücher weg!!!

Liebe Leser,

bevor jetzt Bibliotheksmitarbeiter oder Bibliothekskunden Schnappatmung bekommen möchte ich Euch beruhigen: Ich möchte auf keinen Fall den Bibliotheken die Bücher oder andere Medien wegnehmen. Und wenn jemand diese Forderung ernst meinen würde, wäre die Ablehnung zur recht riesengroß. Aber je mehr ich mir über die Zukunft und Gegenwart von Bibliotheken Gedanken mache, desto mehr habe ich das Gefühl, dass wir im Moment etwas vergleichbares tun.

In den letzten 15 Jahren hat sich die Welt der Bibliotheken rasant verändert. Vor allem die öffentlichen Bibliotheken sind von diesem Wandel betroffen. Dabei geht nicht nur aber auch um die Herausforderungen, welche sich aus der digitalen Welt ergeben. Ich habe in vielen Beiträgen auf diese Situation hingewiesen. Immer mehr Medien und Informationen lassen sich nicht mehr in Bibliotheken verorten. Dies liegt zum Einen daran, dass sie nur noch digital zur Verfügung stehen. Zum Anderen sind die damit verbundenen Vertriebsmodelle mit der klassischen Bibliothekswelt wenig kompatibel. Entweder sie sind online frei zugänglich oder aber sie werden in kommerziell-geschlossenen Systemen zur Verfügung gestellt. Oder anders ausgedrückt: Sowohl Blogs und Youtube-Videos als auch Musik bei iTunes und eBooks bei Amazon lassen sich von Bibliotheken nicht mehr in der klassischen Form bearbeiten. Dabei haben Sie heute die gleiche Relevanz wie gedruckte Bücher.

Immer mehr Bibliotheken machen sich auf den Weg und versuchen neue Aufgaben zu finden. Und da passiert so einiges. Bibliotheken sind längst mehr als bloße Verleihstationen. Der klassische Bestand einer öffentlichen Bibliothek verliert an Bedeutung – nun geht es darum, dass die Bedeutung von Bibliotheken trotzdem zunimmt. Für mich bedeutet dies u.a. dass Bibliotheken einen Weg finden müssen, mit den Medien zu arbeiten, die nicht mehr exklusiv über die Bibliothek zugänglich gemacht werden können. In einem anderen Beitrag hatte ich vor einigen Monaten bereits darauf verwiesen. Und sie sollten zu Orten werden, bei denen die digitale mit der analogen Welt vernetzt werden. Öffentliche Bibliotheken sind dann quasi das analoge „Facebook“ einer Stadt oder einer Gemeinde. Und was immer die Menschen auch interessiert, was immer sie auch ausprobieren und lernen möchten, die Bibliothek hilft ihnen dabei. Bibliotheken sind also nicht mehr die Informations- und Medienexperten. Sie sind vielmehr analog-digitale Plattformen und ihr Bestand ist ein Teil davon. Die Alleinstellungsmerkmale öffentlicher Bibliotheken wären dann u.a. 1. Der Ort; 2. Die Menschen die in der Bibliothek arbeiten und 3. die Neutralität, d.h. die Bibliothek ist ein un-kommerzieller Raum.

Was hat dies alles mit der Überschrift dieses Beitrages zu tun? Sehr viele Bibliotheken – vor allem öffentliche – haben sich auf den Weg in die Zukunft gemacht. Und man kann mit Sicherheit einiges an den Bibliotheken verbessern und kritisieren. Was mich im Moment aber am meisten „nervt“ ist das Umfeld der Bibliotheken. Wie bereits in meinem letzten Beitrag angedeutet, gibt es noch immer sehr viele Bibliotheken die keinen freien Zugang zum Internet haben. Von der Möglichkeit den Bibliothekskunden WLAN anzubieten ganz zu schweigen. Andere Bibliotheken müssen bei jeder Plattform, sei es Facebook, Twitter, Youtube oder ähnliches um einen Zugang betteln und sich dafür rechtfertigen, warum sie den nun auf diese Plattformen zugreifen möchten. Und selbst wenn das möglich ist, dürfen noch immer viele Bibliotheken nicht frei im Web agieren. Im Gegenteil, sie werden von ihren Trägern kontrolliert und müssen auch hier immer wieder Rechenschaft ablegen.

Und auch die Unternehmen, die Online-Services für Bibliotheken entwickeln sind nicht immer starke Partner. Gerade erst mussten viele öffentliche Bibliotheken, welche die Onleihe anbieten erleben, dass die dazugehörigen Apps fehlerhaft sind. Die Onleihe ist eine Plattform, auf der man als Bibliothekskunde eBooks ausleihen kann. Die Idee an sich ist wirklich toll aber die technische Umsetzung lässt zu Wünschen übrig. Die dazugehörigen Apps, damit man die Onleihe auch auf dem iPad oder einem Android-Tablet nutzen kann, verfügen weder über eine hinreichend funktionierende Suchfunktion noch sind sie übersichtlich gestaltet. In den Apps befand sich bis vor kurzem ein Button für Musik, der aber keine Funktion innehatte. Dieser wurde dann plötzlich durch einen Button mit der Aufschrift „SAP“ ersetzt, hinter dem sich zwar eine Ordnerstruktur aber keine Inhalte befanden. Warum dies so ist kann ich nur erahnen. Ich denke, die App wird wohl nicht nur den Bibliotheken angeboten worden sein. Für Bibliotheken bedeutet diese Situation aber einen erheblichen Mehraufwand. Sie müssen nicht nur dafür sorgen, dass alle Mitarbeiter die verschiedenen Funktionalitäten und Abläufe der Apps kennen und vermitteln können. Sie müssen zudem die jeweiligen Apps kontinuierlich beobachten. Gerade in kleinen Bibliotheken mit einer geringen Personaldecke sollte der Arbeitsaufwand für Angebote, die Bibliotheken unbedingt brauchen und für die sie sehr viel Geld bezahlen, so gering wie möglich sein. Und auch wenn seit heute zumindest die iOS-App ein Update bekommen hat: Im Bereich eBooks setzen im Moment kommerzielle Unternehmen die Standards.

Wenn wir die Ergebnisse der PIAAC-Studie ernst nehmen, und wenn wir zudem von den öffentlichen Bibliotheken erwarten, dass sie hier noch aktiver werden als sie es schon sind, dann muss auch das Umfeld stimmen. Dann müssen alle Bibliotheken endlich und in kurzer Zeit komplett auf das gesamte Internet zugreifen können. Dann müssen sie zudem im Web überall eigenständig aktiv sein dürfen und dann müssen die Unternehmen, die für die Bibliotheken Software entwickeln darauf achten, dass sowas wie die Situation bei der Onleihe nicht wieder passiert. Wenn wir dies nicht ändern, ist die Situation letztlich vergleichbar mit einem Verbot, mit Büchern zu arbeiten. Denn wenn die Arbeit mit Büchern die gleiche Restriktionen und Probleme mit sich gebracht hätte, wie wir sie beim Web und Plattformen wie der Onleihe finden, hätte sich die Bibliothek als Ganzes nie durchgesetzt.

Und natürlich lässt sich diese Situation auf den gesamten Bildungs- und Kulturbereich sowie auf Unternehmen übertragen. Die hier angesprochenen Punkte erlebe ich in ähnlicher Form in Theatern, Museen, Verwaltungen und Unternehmen. Und dadurch bleiben so viele Chancen und Möglichkeiten, die sich aus der Vernetzung der digitalen mit der analogen Welt ergeben ungenutzt. Oder aber sie werden von kommerziellen Unternehmen erschlossen, entwickelt und umgesetzt…

Beste Grüße

Christoph Deeg

Lasset die Kunden zu mir kommen – wie Bibliotheken mit eBooks und dem mobilen Internet arbeiten können bzw. sollten

Liebe Leser,

ich arbeite für viele verschiedene Kundengruppen. Die beiden größten Gruppen sind dabei Unternehmen und Bibliotheken. Die Arbeit mit mit beiden Zielgruppen macht großen Spass und es gibt mehr Gemeinsamkeiten als man denken mag. Die Ausgangslage und Aufgabenstellung ist auf jeden Fall vergleichbar. In beiden Fällen geht es um das Verständnis der Kultur der digitalen Welt und die Frage, inwieweit man in der Lage ist, diese Kultur in die tägliche Arbeit zu integrieren. Es geht um Veränderungen, neue Kommunikationsformen und sehr oft ein neues Verständnis des Bibliothek-Kunden- bzw. Unternehmen-Kunden-Verhältnisses.

Ich sehe die Tatsache, dass ich viele verschiedene Kundengruppen habe als großen Vorteil, denn so kann ich Ideen aus der einen Lebensrealität in die andere adaptieren. Es ist m.E. sehr wichtig den eigenen Horizont stetig zu erweitern. Deshalb empfehle ich z.B. Bibliotheksmitarbeitern auch immer wieder, nicht den Bibliothekartag sondern eher einen Event wie die Gamescom zu besuchen. Hat man als Bibliotheksmitarbeiter (oder auch Mitarbeiter eines Unternehmens) einmal die Gamescom besucht, hat man mehr gelernt als in fünf Jahren Fachkonferenz wie z.B. dem Bibliothekartag.

Kommen wir aber zum eigentlichen Thema dieses Beitrages. Für Bibliotheken hat sich in den letzten Jahren einiges verändert. Die digitale Revolution ist angekommen. Die Zeiten in denen man sich zurücklehnen konnte um zu diskutieren ob eBooks und iPads nur ein Hype sind, sind endgültig vorbei. Wir erleben nun die Massenverbreitung dieser Angebote und damit verbunden eine Änderung der Nutzungsformen von Medien jeglicher Art. Dabei geht es nicht nur um neue Medienformen oder neue Geräte. Bibliotheken erleben einen Wandel, der viel tiefer geht. In den letzten Jahrzehnten gab es eine mehr oder weniger klare Abgrenzung der Geschäftsmodelle zwischen Bibliotheken und Unternehmen aus der Buch- und Medienbranche. Bibliotheken verliehen die Medien und die Unternehmen verkauften sie. Dieses Nebeneinander war für beide Seiten von Vorteil. Aber diese Aufteilung ist nun Geschichte. Immer mehr Anbieter von Medien beginnen mit eigenen Verleihangeboten. Videos werden von Lovefilm, Maxdome, Sony etc. verliehen, Amazon verkauft nicht nur eBooks, sie haben zudem mit dem Verleih der Inhalte begonnen. Bertelsmann und Holtzbrink schicken mit „Skoobe“ ein eigenes Angebot ins Rennen. Auf der Playstation 3 habe ich ein Jahresabo für die aktuellen Games. Alle diese Angebote, und es gibt noch viel mehr davon, stehen in direkter Konkurrenz zu den Angeboten der Bibliotheken. Sie sind in der Regeln technisch ausgereifter, schneller und komfortabler und die Kosten fallen stetig.

Für Bibliotheken bedeutet dies, dass man sich überlegen muss, wie man mit dieser Situation umgeht. Meiner Meinung nach werden Bibliotheken als Verleihstationen für Medien keine große Zukunft haben. Die Angebote der Konkurrenz – auch Bibliotheken haben ein Angebot zum Verleihen von eBooks und Musik – sind in der Regel weiter entwickelt und durch den Konkurrenzkampf werden die Preise für diese Angebote weiter fallen. Zudem sind diese Unternehmen in der Breite besser aufgestellt und verfügen über die personellen und finanziellen Ressourcen um kontinuierlich spannenden Produkte auf den Markt zu bringen. Bibliotheken können in diesem Wettbewerb wahrscheinlich nicht bestehen. Es geht also darum eine Alternative zum klassischen Angebot zu finden. Eine Möglichkeit wäre das was ich den Wandel von der Bestands- zur Serviceorientierung nenne.

Zu Weihnachten 2012 wurden wieder eine riesige Zahl an eBook-Readern, Tablets, Smartphones etc. verschenkt. Das Interesse an diesen Produkten und den damit verbundenen Inhalten ist riesig und Bibliotheken könnten sich in diesem Bereich als Experten positionieren. Ein wäre es z.B. den Menschen, welche ein solches Gerät erworben haben, Unterstützung anzubieten. Ein klassisches Beispiel ist der Kunde, der zu Weihnachten einen Kindle-Reader von Amazon geschenkt bekommen hat. Sehr oft kommen diese Kunden in die Bibliothek und möchten erfahren, wie man auf diesem Gerät das eBook-Verleih-Angebot der Bibliothek nutzen kann. Leider sind die Kindle-Reader von Amazon nicht kompatibel mit dem Angebot der Bibliotheken. Aber Bibliotheken könnten dem Kunden nun zeigen, wo man bei Amazon kostenlose Bücher bekommt, wie man einen RSS-Reader auf dem Kindle installiert, wo man im Netz kostenlose eBooks findet und wie man diese legal in das Amazon-Format konvertieren kann. Gleiches gilt für die Nutzung von iPads und anderen Geräten.

Nun mag man einwenden, dass man damit ja Unternehmen wie Amazon oder Google unterstützt. Ich denke aber es geht darum, dem Kunden zu helfen. Der Kunde möchte lesen, lernen, spielen etc. und die Aufgabe der Bibliothek ist es dann, ihn auf diesem Weg zu unterstützen. Dies kann bedeuten, dass von diesem Kunden der Bestand der Bibliothek gar nicht mehr genutzt wird. Bekommt der Kunde aber in der Bibliothek diese spannenden Informationen und Hilfestellungen, wird er die Bibliothek damit als Experten für die Welt der Medien wahrnehmen. Somit ist dieser Kunde aufgrund seines geänderten Medien-Nutzungs-Verhalten nicht mehr für die Bibliothek verloren.

Zugegeben, diese Idee lässt sich nicht ohne weiteres umsetzen. Haupthinderungsgrund ist sicherlich die Tatsache, dass in vielen Bibliotheken das dafür notwendige Know How nicht oder nur teilweise vorhanden ist. Aber das kann man ändern. Eine Möglichkeit ist es, die Mitarbeiter mit diesen Angeboten vertraut zu machen. Um dies zu ermöglichen habe ich die Mobile-Internet-Roadshow für Bibliotheken ins Leben gerufen, bei der die Teilnehmer zuerst einen theoretischen Überblick über das Thema bekommen ehe sie dann eine Vielzahl an Geräten selber ausprobieren können. Die Mobile-Internet-Roadshow ist im letzten Jahren gestartet und erfreut sich großer Beliebtheit. Natürlich gibt es die Roadshow auch für andere Institutionen und natürlich auch für Unternehmen. Sie wird dann an die jeweiligen Gegebenheiten angepasst. Hat man sich dem Thema auf diese Art und Weise genähert, kann in einem zweiten Schritt im Umfeld der Bibliothek nach Menschen suchen, die Interesse an diesem Thema haben und mithelfen möchten. Die Bibliothek wird also zu einer Plattform für Themen und Menschen.

Bleibt die Frage, wie man das am besten bewerben könnte? Zu Weihnachten wäre es eine Möglichkeit gewesen, Gutscheine für Beratungen auszugeben. Wenn dann ein Kunden plant, zu Weihnachten einen eBook-Reader zu verschenken, kann er den Gutschein gleich mit dazu legen. Der Deal wäre einfach:“Sie kommen mit Ihrem gerät zu uns und wir zeigen Ihnen was man damit alles machen kann. Und wenn wir etwas nicht wissen gegen wir zusammen auf die Suche nach den Antworten“. Ich habe dieses Modell schon an einigen Bibliotheken sehen können. Wichtig ist dabei, dass man sich von dem Ansatz verabschiedet, als Bibliothek alles wissen zu müssen. Im Gegenteil, mit dieser Herangehensweise kann man nicht nur Wissen weitergeben. Man kann auch Wissen bekommen…

Was mich interessieren würde ist, wo Ihr solche Angebote von Bibliotheken gefunden habt? Arbeitet Ihr vielleicht selber in einer Bibliothek und setzt sowas um? Was sind Eure Erfahrungen?

Beste Grüße

Christoph Deeg

Bibliotheken und Foursquare – was man auch noch machen könnte

Liebe Leser,

am 12. Juli habe ich über Foursquare und Bibliotheken geschrieben. Mein Best-Practise-Beispiel war dabei die Stadtbücherei Münster. Diese Bibliothek gehört zu einer Gruppe von 24 Bibliotheken, die ich aktuell in die Welt des Web 2.0 begleite. Wie bereits geschrieben, fand ich die Art und Weise, wie die Stadtbücherei Münster mit Foursquare arbeitet vorbildlich.

Nun habe ich auf der Facebookseite der Bücherei einen interessanten Beitrag zur Onlineplattform „Muensterload“ gelesen:

Dabei geht um eine „Virtuelle Bibliothek“ mit vielen tausend unterschiedlichen digitalen Medien. Ich finde dieses Angebot ziemlich interessant und ich glaube, dass viel zu wenig Menschen wissen, das Bibliotheken so etwas anbieten. In diesem Beitrag möchte ich aber nicht über digitale Medien und die tollen Angebote von Bibliotheken schreiben. Mir geht es um den Satz: „Österreich, Ägypten, Japan, Peru … Die „24-Stunden-Bibliothek im Münsterland“ wird weltweit genutzt.“ Zuerst möchte ich sagen, dass ich es sehr begrüße, dass sich Bibliotheken nicht mehr nur auf die „lokalen“ Nutzer beschränken. Dieses und viele weitere Angebote machen die Bibliotheken global zu einer spannenden Institution. Es geht also nicht mehr alleine darum, die Menschen in meiner Stadt zu erreichen. Vielmehr geht es um den globalen Zugang zu digitalen Medien. Was hat das aber nun mit Foursquare zu tun?

In dem zitierten Satz wird beschreiben, dass Menschen aus aller Welt den Service von Muensterload nutzen. Nun könnte man meiner Meinung nach folgendes tun. Wie wäre es mit einem Aufruf an alle Menschen, die Muensterload nutzen und nicht in Münster leben? Wie wäre es, wenn man diese Gruppe bitten würde, immer dann bei Foursquare einzuchecken, wenn man gerade ein Stück aus dem digitalen Bestand von Muensterload konsumiert? Menschen würden also irgendwo auf diesem Planeten bei Foursquare einchecken und zudem posten, dass sie z.B. gerade ein eBook zu Innovationsmanagement lesen, welches sie bei Muensterload downgeloaded haben. Hierfür könnte man auch einen eigenen Hashtag wie z.B. #muenstld benutzen. Auf diese Art und Weise entstünde ein weltweites Netz von Nutzern. Die Menschen könnten sich also nicht nur über die Orte sondern auch die genutzten Medien austauschen. Es gäbe eine Verbindung zu Münster, zur Bücherei und zur Plattform.

Als nächsten Schritt könnte man dann fragen, ob die Menschen bereit wären, ein Foto von sich zu machen und upzuloaden, das sie bei der jeweiligen Lektüre zeigt. Auch dies wäre über Foursquare möglich. Nun beginnt man als Bibliothek die Menschen in Münster mit den Menschen überall auf der Welt zu vernetzen, die Muensterload nutzen und zudem sich bereit erklärt haben, mit den Menschen aus Münster Kontakt zu haben. Somit entsteht ein internationales, interdisziplinäres und interkulturelles Netzwerk mit der Bücherei bzw. ihren Inhalten als Zentrum.

Man könnte diese Idee noch weiter ausbauen. Man könnte z.B. andere Institutionen und Unternehmen einbinden. Man könnte auch einen kleinen Kulturaustausch etablieren. Es gibt viele Möglichkeiten – der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Wichtig wäre aber auf jeden Fall, auch die Menschen zu integrieren, die nicht wissen was Foursquare ist. Ihnen müsste man die Möglichkeit geben, die Plattform kennen zu lernen.

Ich denke dieses Beispiel zeigt, dass es vor allem darauf ankommt, wie man die einzelnen Plattformen die es gibt nutzt. Ich denke nicht, dass Institutionen oder Unternehmen versuchen sollten, eigene Plattformen zu entwickeln. Viel wichtiger ist es, die vorhandenen Plattformen aktiv zu gestalten.

Beste Grüße

Christoph

Die Sache mit Netvibes

Lieber Leser,

wie vor ein paar Wochen angekündigt möchte ich alle von mir genutzten Online-Plattformen dahingegen untersuchen, ob ich sie noch wirklich brauche oder nicht. In diesem Beitrag soll es um Netvibes gehen.

Was ist es?
Ursprünglich war Netvibes dafür da, sich eine eigene Startseite aufbauen zu können. Es gibt bestimmte Webseiten, RSS-Feeds etc. die man immer wieder besucht bzw. liest. Diese kann man bei Netvibes auf einer Startseite zusammenfassen. Auf diese Art und Weise kann man das Internet ein bißchen individuell strukturieren. Ich persönlich nutze solche Startseitenangebote nicht, da ich in der Regel sehr unterschiedliche Interessen beim Arbeiten mit dem Internet verfolge. Daraus resultierend gibt es vielleicht 15 Seiten, die ich immer wieder besuche. Für die Strukturierung des Internets nutze Social-Bookmarking-Dienste wie Delicious und meine 5 Topseiten werden durch das Speichern der aktuellen Session meines Browsers jeden Morgen neu geladen.

Warum nutzte/nutze ich es?
Der Grund, warum ich Netvibes nutzte ist der, dass man auch eine öffentliche Seite erstellen kann. Man kann also z.B. zu einem bestimmen Thema eine Seite erstellen, die verschiedenen Onlinequellen zusammenführt. Diese Seite kann man dann öffentlich machen. Diese Idee fand ich sehr spannend. Ich konnte z.B. für meine Kunden spezielle Seiten entwickeln, die es ermöglichten, aktuelle weitere Informationen zu bestimmten Themengebieten zu bekommen. Auch für Unternehmen und Instititutionen ist dies ein interessanter Ansatz. Der Aufwand ist verhältnismäßig gering. Es gibt bei Netvibes sog. Widgets, bei denen man letztlich via copy und paste den jeweiligen RSS-Feed oder andere Codes wie den zum Einbetten von Videos reinkopiert.

Ein gutes Beispiel ist die Netvibes-Seite der Stadtbibliothek Dublin
Hier werden relevante und mit der Bibliothek verbundene Inhalte dem Kunden zur Verfügung gestellt.

Ein weiterer Vorteil ist die Tatsache, dass dieser Service kostenlos ist. Auf diese Art und Weise kann also eine eigene Website bekommen. Ich habe eine eigene Netvibes-Seite zu Testzwecken erstellt. Ihr findet sie hier.

Die Entscheidung:
Nach reiflicher Überlegung habe ich beschlossen, auch meine Netvibes-Aktivitäten einzustellen. Die für mich interessanten Vorteile (kostenloser Webspace der einfach zu gestalten ist und die Möglichkeit, Menschen bestimmte Informationen zu einem bestimmten Themengebiet einfach präsentieren zu können) sind nur eine Doppelung meiner Aktivitäten auf anderen Seiten. Da dieser Blog die Zentrale meiner Onlineaktivitäten sein soll und ich hier ebenfalls auf Themen hinweise bzw. verlinke, schaffe ich letztlich nur einen großen Datencontainer, der für die Kunden keinen wirklichen Mehrwert schafft.

Aus diesem Grund werde ich mich nach Myspace auch bei Netvibes verabschieden. Wie sieht es mit Euch aus? Nutzt Ihr Netvibes oder vergleichbare Dienste? Und Warum?

Beste Grüße

Christoph Deeg

Die Sache mit Myspace

Liebe Leser,

heute möchte ich über eine der vielen Plattformen schreiben, bei der ich darüber nachdenke, in Zukunft nur noch wenig oder gar keine Aktivitäten zu starten: Myspace.

Wie bereits in meinem letzten Beitrag beschrieben habe ich festgestellt, dass ich bei über 80 Plattformen einen Account habe. Bei vielen dieser Plattformen stelle ich mir die Frage, ob ich sie noch weiterhin nutzen möchte. Den Prozess dieses „Onlinefrühjahrsputz“ möchte ich gerne online auf diesem Blog mit Euch teilen.

Myspace ist eine der ersten Plattformen mit denen ich gearbeitet habe. Der Grund hierfür war die Tatsache, dass ich zu dieser Zeit sehr viel Musik machte und Myspace eine scheinbar ideale Plattform für Musiker bzw. Künstler zu sein schien. Genauer gesagt war sie ursprünglich genau dafür entwickelt worden. Wie der Name schon sagt bekommt man mit Myspace ein kleines Stückchen Internet zur mehr oder weniger freien Gestaltung. Wie bei den meisten anderen Plattformen auch muss man zuerst einen Account anlegen. Dabei muss auch entschieden werden, ob ich ein privates oder ein Musikprofil haben will. Damit verbunden ist das Entwickeln eines passenden Profilnames. Auf diesem Weg entstand auch mein „Künstlername“ crocksberlin. Eigentlich sollte der der Name bedeuten: Christoph rockt Berlin (C für Christoph; rocks für rockt und berlin für Berlin). Im Ergebnis hat man nun eine kostenlose Myspace- bzw. Internetseite zur Verfügung. Sie ist zu finden unter der URL von Myspace http://www.myspace.com und dem individuellen Seitennamen. In meinem Fall lautete die URL also http://www.myspace.com/crocksberlin (die Seite gibt es übrigens immer noch). Diese Seite kann man nun sehr einfach mit weiteren Inhalten füllen. Zum Einen ist es möglich, Fotos, Musik, Videos etc. direkt bei Myspace hochzuladen und sie dann auf der Seite zu präsentieren. Besonders interessant war für mich der Musikplayer. Ich konnte meine Eigenkompositionen online zur Verfügung stellen. Der Player ist einfach zu bedienen. Man muss nur den Track hochladen, wenn gewünscht ein dazugehöriges Foto einfügen, dem Titel einen Namen geben und dann noch entscheiden, ob die Nutzer den Titel nur anhören oder ihn auch runterladen können. Natürlich gibt es dann noch viele weitere Features: einen Blog, einen Veranstaltungskalender für eigene Konzerte usw.

Mein aktuelles Profil

Des weiteren kann man mit wenigen Schritten die eigene Myspaceseite designen und gestalten. Dies geschieht über den Editor der Myspaceseite. Man muss dafür keine Programmierkenntnisse haben. Es gibt dafür u.a. die Seite http://www.pimp-my-profile.com/ Hier erstellt man sein eigenes Design und kopiert es über den Editor in die Myspaceseite. Und natürlich kann man über diesen Weg auch andere Inhalte wie Youtubevideos einbetten. Das System funktioniert also letztlich so wie die meisten erfolgreichen Systeme im Web 2.0. Sie sind einfach zu bedienen, ermöglichen es, Inhalte auch von anderen Plattformen zu integrieren und man kann sie individualisieren.

Auf der anderen Seite ist Myspace eine Community mit nahezu den gleichen Möglichkeiten wie bei Facebook inkl. Statusmeldungen und Co. Hier kann ich also mit allen meinen (Myspace-)Freunden kommunizieren. Myspace gibt einem also die Möglichkeit, sowohl eine individuell gestalltete Website als auch eine interessante Community zu haben.

Nun also hatte man seine eigene Myspaceseite – große Freude, große Party und dann die Erkenntnis: und was kommt jetzt? Liest das jemand? Hört jemand meine Musik? Hallo da draußen in den Weiten des Internets wißt Ihr schon, dass ich eine Myspaceseite habe?

Es folgte also der nächste logische Schritt: Traffic erzeugen! Bei Myspace geht das eigentlich ganz einfach. Man kann wie bei vielen anderen Communitys auch Freunde adden. Und so tat ich das, was wahrscheinlich viele in diesem Moment tun – man added alles und jeden. Hauptsache viel Traffic und viele Freunde. Mit dem Begriff „Freunde“ ist in Online-Communitys natürlich etwas anderes gemeint als wenn wir untereinander Freunde sagen – ich weiß, dass dies vielen bekannt ist, jedoch gibt es in meinen Workshops immer wieder die Frage, warum man denn unbedingt „Freunde“ sagen muss und nicht z.B. „Kontakte“. Nun hatte ich also ein bißchen Freizeit und opferte sie dafür, wildfremde Menschen anzuklicken und sie einzuladen mein Freund oder meine Freundin zu sein. Das klappte erstmal richtig gut. Schnell waren einige hundert Freunde aus verschiedenen Ländern zusammen. Jedoch gab es nun ein weiteres Problem: was macht man nun mit diesen Freunden? In Communitys wie Myspace ist es völlig normal Freund von wildfremden Personen zu werden. Zumal viele Myspacenutzer sich sehr gerne nach außen darstellen:-) Dieser Kontakt ist aber äußerst schwach – und man kann nicht erwarten, dass daraus eine langjährige Onlineverbindung entsteht. Dafür muss man einiges tun. Anders ausgedrückt: auch hier wie in allen anderen Communitys geht es letztlich um Qualität der Beziehungen und nicht um Quantität. Es bringt für Künstler mehr, ein paar Freunde zu haben, die sich mit der eigenen Musik beschäftigen oder gar zu Konzerten kommen als eine Vielzahl an nett visualisierten Unbekannten.

Zwei Angebote, die ich auf Myspace gefunden habe, finde ich aber immer noch spannend. Zum einen gibt es das Projekt Livingatheist, die es sich zur Aufgabe machten, Musik auf Myspaceprofilen zu analysieren und zu kritisieren. Es gibt auch eine wöchentliche und eine monatliche Hitparade. Wollte man nun, dass der eigene Track von dieser Gruppe gecheckt wurde musste man ihr Freund werden. Die Gruppe hatte nämlich eine eigene Myspaceseite auf der dann auch die Kritiken veröffentlicht wurden. Auf diesem Weg wurde eine „Freundschaft“ auf Myspace plötzlich sehr sinnvoll. Es gab einen inhaltlichen Grund eine Freundschaftsanfrage zu verschicken bzw. positiv zu beantworten. Zudem besuchte man diese Seite wieder, um die Kritik über das eigene Werk zu lesen – und wenn diese Kritik gut war, dann versendete man den Link zu dieser Seite an Freunde und Bekannte. Heute verschickt man die Tracks via Mail an Living Atheist – die sich übrigens selber „interstellar music magnet“ nennen. Living Atheist haben einen Mehrwert geschaffen – sowohl für die Anbieter als auch die Konsumenten von Musik. Die Anbieter erfreuen sich nicht nur daran, die eigene Musik verbreiten zu können, Sie erhalten auch eine faire Kritik und in der Regel ein paar Tips – mir hat das damals bei dem von mir angemeldeten Track sehr geholfen. Dieser Mehrwert hat seit 2007 dafür gesorgt, dass diese Seite erfolgreich ist – und man im Laufe der Zeit ein eigens Label geründet hat. Das Projekt bekommt nämlich auf dieses Art und Weise Zugang zu einer Vielzahl an Musikstücken. Der Erfolg, so schreiben es zumindest die Mitglieder von Living Atheist auf ihrer Website, basiert darauf, dass man seit 2007 bewiesen habe, dass man Ahnung von Musik habe. Inwieweit Livingatheist heute noch aktiv sind kann ich nicht abschätzen. Zwar gibt es ihre Myspaceseite noch aber es scheint als würde im Moment nichts mehr passieren…

Ein anderes Angebot waren die Myspaceseiten von bereits gestorbenen Künstlern. So gab es Myspaceseiten von Mozart, Beethoven, Shakespeare etc. Diese Personen können natürlich keine eigenen Myspaceseiten haben – wobei ich glaube dass Mozart und Co. auf jeden Fall bei Myspace aktiv wären. Diese Seiten werden vielmehr von Interessierten Personen oder genauer Fans betrieben. Diese Herangehensweise finde ich klasse und sie ist sicherlich eine Möglichkeit, kulturelle Inhalte bei Myspace zu vermitteln – und damit ein Produkt anzubieten, welches auf Seiten der User einen Mehrwert schafft bzw. u.U. neue Kundengruppen erschließen könnte. In meinen Workshops bitte ich die Teilnehmer immer, sich bei verschiedenen Plattformen zu überlegen, was man als Institution oder Unternehmen damit machen könnte. Interessanterweise kommen alle Teilnehmer zu dem Ergebnis eine Myspaceseite für Ihre Institutionen bzw. ihr Unternehmen zu entwickeln aber nicht für einen anderen Inhalt. Dabei könnte man gerade auf diese Art und Weise sehr viele spannende Themen bearbeiten und sie zudem mit Aktivitäten aus der sog. realen Welt vernetzen:

Myspaceseite von Mozart

Myspaceseite von Johannes Brahms

Blog von Johannes Brahms

Bleibt die Frage, was habe ich nun gelernt?
Zum Einen ist es m.E. sehr wichtig, sich eine Zeit des Ausprobierens zu genehmigen. Ich denke, bevor man Zielgruppen definiert und Strategien entwickelt sollte man die jeweilige Plattform erstmal ausprobieren. Dabei sollte es aber nicht alleine um das Erlangen des technischen Verständnisses gehen. Vielmehr sollte überlegt werden, was man auf dieser Plattform machen kann, welche Menschen sich auf dieser Plattform tummeln und was diese Menschen hier wollen und tun. Hierfür muss es nicht gleich der offizielle Account sein. Vielmehr kann man für diese Periode einen sog. Trümmeraccount einrichten also einen Account den man nur zum Ausprobieren nutzt – ich habe sehr viele solcher Accounts und ich nutze sie immer wieder, wenn ich incognito neue Dinge lernen will oder das Onlineverhalten von Unternehmen und Institutionen testen will. Auf Basis dieser Erkenntnisse können dann Konzepte und Strategien entwickelt werden. Dabei sollte natürlich imer überlegt werden, ob man mit der Plattform überhaupt die eigenen Ziele erreichen kann oder nicht.

Zum Anderen muss man sich immer wieder vergegenwärtigen, dass es um Inhalte geht und nicht um Pseudonetzwerke. 100 Millionen Milliarden Freunde auf der einen oder anderen Plattform bedeuten schlichtweg nichts. Das Web 2.0 bedeutet Kommunikation und Dialog auf Augenhöhe. Ich bin im Internet nicht erfolgreich, wenn ich tausende von Freunden habe, sondern wenn ich mit den vorhandenen Kontakten kommuniziere und wir am besten gemeinsam etwas entwickeln können – ganz egal ob es sich dabei um eine Grillparty oder aber um das ENtwickeln eines neuen Geschäftsmodells oder aber um den Austausch wissenschaftlicher Inhalte geht.

Was mache ich nun mit Myspace?
Myspace ist eine Art CMS mit angedockter Community – zumindest würde ich es so beschreiben. Seit jeher gab es einen Wettkampf zwischen Myspace und Facebook. Als Musiker landete man eher bei Myspace – und natürlich war ich ein Jahr später auch bei Facebook. Es stellt sich für mich nun die Frage, ob ich mich von meinen Myspace-Accounts trenne. Zum Einen ist die Myspace-Community nicht so interessant wie bei Facebook. Bei Facebook habe ich mich auch mit viele realen Freunden vernetzt. Die Myspaceseite an sich erscheint mir auch nicht besonders wichtig. Den Bands mit denen ich im Bereich Social media arbeite rate ich ich immer öfter einen Blog zu starten. Es gibt aber auch keine Inhalte mehr, für deren Verbreitung ich Myspace gebrauchen könnte. Zwar mache ich noch Musik, jedoch werde ich dieses Tracks anders verteilen.
Myspace hat den Wettlauf mit Facebook verloren – das heißt keinesfalls das Facebook in Zukunft der einzige interessante Ort im Internet sein wird. Ich glaube vielmehr, dass Facebook in nicht allzu ferner Zukunft an Bedeutung verlieren wird. Jedoch muss auch ich mich zwischen Myspace und Facebook entscheiden und deshalb heißt es: Bye Bye Myspace…

Sollte Myspace als Plattform für kulturelle Inhalte wieder interessant sein, komme ich gerne wieder. Dabei geht es mir weniger um die Gesamtanzahl der User als vielmehr umd die Nutzungsmöglichkeiten. Nun aber möchte ich Euch fragen: Was denkt Ihr über Myspace? Habt Ihr es genutzt? Nutzt Ihr es noch? Was spricht Eurer Meinung nach dafür und was dagegen?

Beste Grüße

Christoph Deeg