Die sieben Social-Media-Todsünden – Nr. 3. Die Sache mit dem Personal

Liebe Leser,

in meiner kleinen Reihe zu den sieben Todsünden im Bereich Social-Media kommen wir heute zur dritten Todsünde: falsche Personalentscheidungen.

Ich berate und begleite eine Vielzahl an Unternehmen und Institutionen im Bereich Social-Media und interessanter Weise werden gerade hier immer wieder die gleichen Fehler gemacht. Es beginnt mit der Frage: Wer soll jetzt eigentlich Social-Media machen? Auf diese Frage gibt es natürlich eine Vielzahl an spannenden Antworten und die Auswahlkriterien sind sehr oft nicht wirklich nachvollziehbar.

Ein oft gesehener Fehler ist das Delegieren der Aufgabe an Praktikanten oder andere Personengruppen, die nur für einen verhältnismäßig kurzen Zeitraum im Unternehmen bzw. in der Institution verfügbar sind. Diese Idee ist nachvollziehbar denn in vielen Fällen ist Social-Media eine zusätzliche Aufgabe, für die angeblich kein Personal zu Verfügung steht. Diese Aussage höre ich vor allem in Verbindung mit der Idee, man könne „ein bisschen“ Social-Media machen.  Aber wenn man ein bisschen genauer hinschaut merkt man sehr schnell, warum das nicht zu einem nachhaltigen Erfolg führen kann:

  1. Die genannten Personengruppen stehen dem Unternehmen bzw. der Institution in der Regel nur für ein paar Monate, vielleicht für ein Jahr zur Verfügung. Das mag für eine zeitlich begrenzte Social-Media-Kampagne ausreichen. Aber brauchen wir zeitlich begrenzte Social-Media-Kampagnen oder sollten wir nicht eher eine nachhaltige Strategie entwickeln und realisieren? Es gibt leider immer mehr Social-Media-Leichen im Netz. Damit sind Kampagnen oder Plattformen gemeint, die zumeist sogar ohne ein Austiegsszenario „beendet“ wurden, was bedeutet: man ist einfach nicht mehr aktiv. Der Aufbau einer Community im Social Web braucht Zeit, vor allem dann, wenn es nicht nur darum geht, so viele Fans und/oder Follower zu bekommen, sondern wenn eine nachhaltige Verbindung zwischen Unternehmen und Kunden etabliert werden soll.
  2. Praktikanten sind in der Regel keine ausgebildeten Social-Media-Manager. Liebe Praktikanten, versteht mich nicht falsch, ich bin Euer größter Fan, aber Social-Media ist mehr als posten auf Facebook, bloggen und twittern. Und unsere Schulen und Universitäten haben in der Breite bis heute nicht verstanden was das Thema Social-Media bedeutet. Und wenn dann doch mal ein Lehrer den Sprung in die digitale Welt wagt, wird er von noch in diesem Bereich weniger kompetenten „Bildungs-Politikern“ ausgebremst. Es mag natürlich sein, dass es einige Praktikanten gibt, die sehr wohl weitgehende Erfahrungen in diesem Bereich haben – in den meisten Fällen reichen diese Fähigkeiten aber nicht aus, um hier eigenständig aktiv zu werden.
  3. Social-Media bedeutet Dialog auf Augenhöhe. Menschen die erst gerade im Unternehmen angefangen haben und zudem sicherlich bald wieder gehen werden, können diesen Dialog nur schwer im Sinne des Unternehmens führen.

Mir ist bewusst, dass gerade bei Praktikanten zwei Gedankengänge zusammenkommen. Da ist zum Einen die Verfügbarkeit der Praktikanten und zum Anderen der Irrglaube, Social-Media wäre ein Jugendthema. Aber Social-Media hat nichts mit dem Alter zu tun. Im Gegenteil, es ist hilfreich, wenn ein Social-Media-Team aus Menschen besteht, die ein unterschiedliches Alter haben. Und es ist wichtig, die Mitarbeiter, die sich um Social-Media kümmern sollen, kontinuierlich weiterzubilden und sie zudem von anderen Aufgaben zu befreien.

Es ist wichtig zu verstehen, dass Social-Media nicht einfach eine neue PR-Variante ist. Es ist vielmehr eine Management- bzw. eine unternehmerische Querschnittsfunktion. Das bedeutet, es sollten so viele Mitarbeiter wie möglich in die Social-Media-Aktivitäten eines Unternehmens eingebunden werden. Aus diesem Grund empfehle ich auch immer, zuerst mit der internen Nutzung von Social-Media anzufangen.

Social-Media wird früher oder später nach innen wirken und damit die Unternehmenskultur verändern. Es stellt sich also nur die Frage, ob man diesen Prozess aktiv begleitet und unterstützt oder nicht. Und damit kommen wir zum nächsten Fehler. In den letzten Wochen habe ich mir sehr viele Stellenanzeigen aus unterschiedlichen Branchen angesehen. Nur äußerst selten wird bei den Anforderungen darauf verwiesen, dass das Unternehmen aktiv im Bereich Social-Media unterwegs ist und dass man erwartet, dass der neue Mitarbeiter Teil dieser Aktivitäten wird. Gerade wenn es um Aufgabengebiete wie Marketing, Sales, Produktmanagement, Wissensmanagement, Entwicklung, Personalentwicklung etc. geht, wird die Nutzung von Social-Media in der Zukunft eine bedeutende Rolle spielen. Besonders erschreckend ist die Situation in Berufen, die sich schon per Definition mit dem Erschließen, Vermitteln und Kommunizieren von Informationen beschäftigen. In den Stellenausschreibungen für Bibliotheken habe ich nur eine Stellenanzeige gefunden, in der das Thema Social-Media angesprochen wurde, obwohl die Stelle nicht ausdrücklich dafür vorgesehen war. (Natürlich ist dies keine repräsentative Statistik)

Dies sind nur ein paar Gedanken zum Thema Personalmanagement und Social-Media. Ich bin gespannt auf Eure Eindrücke und Gedanken zum Thema…

Beste Grüße

Christoph Deeg

6 thoughts on “Die sieben Social-Media-Todsünden – Nr. 3. Die Sache mit dem Personal

  1. Beim Personalmanagement liegen wohl die meisten Defizite. Das brachte Trendforscher Peter Wippermann im ichsagmal-Interview zum Ausdruck:

    “Man muss sich nur das Personalmanagement anschauen. Alle großen Unternehmen sind in irgendeiner Weise im Web 2.0 aktiv. Entweder in den branchenspezifischen Angeboten wie Xing oder LinkIn oder auf Portalen wie Facebook. Aber 64 Prozent der deutschen Mitarbeiter in Personalabteilungen schauen nicht ins Internet. Die Betreuung der Web-Angebote läuft nicht über die Personalabteilung, sondern über PR, Marketing oder IT. Das macht deutlich, dass wir ganz am Anfang stehen.“ Siehe: http://ichsagmal.com/2013/08/02/social-media-mimikry-der-unternehmen-ich-habe-prozesse-also-bin-ich/

  2. „Social-Media bedeutet Dialog auf Augenhöhe“, was leider so viele der sich im Sozialen Netz tummelnden Unternehmen noch nicht verstanden haben. Ein wichtiger und guter Beitrag, danke!

  3. Pingback: Die sieben Social-Media-Todsünden – ...

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