Wir brauchen eine Konferenz über das Scheitern!

Liebe Leser,

ich glaube ich bin gerade ziemlich erfolgreich. Meine Projekte funktionieren. Ich erlebe überall, dass ich mit meinen Ideen und Herangehensweisen richtig lag. Das klingt toll oder? Aber es ist nur die halbe Wahrheit. Bei jedem Projekt, welches ich in meinem Leben bis jetzt angefangen habe, gab es immer auch ein Element des Scheiterns. Dies konnte bedeuten, dass etwas schief ging was man lösen konnte, es konnte aber auch bedeuten, dass das ganze Gebäude zusammenbrach. Wenn der erste Schock überwunden ist und man das Ganze mit ein wenig Abstand betrachtet, erkennt man immer wieder, dass man gerade aus dem Scheitern gelernt hat. Ich habe manchmal den Eindruck, dass ich vielmehr aus meinem Scheitern lerne, als durch meine Erfolge. Scheitern bedeutet, ich muss einen anderen Weg finden um ans Ziel zu kommen. Es kann natürlich auch bedeuten, dass ich erkennen muss, dass ich das falsche Ziel ausgewählt habe oder es aber nie erreichen werde.

In unserer Gesellschaft ist Scheitern nicht vorgesehen. Wer scheitert ist ein Looser. Wir reden nicht über die Dinge die schief gehen. Es könnte ja negative Auswirkungen auf unsere Zukunft haben. Verstärkt wird dieser Effekt sicherlich durch die vielen „Wilden“, die bei jedem noch so kleinen Projekt die große Keule rausholen. Ich kenne z.B. eine große Mailingliste für eine bestimmte Kultur- bzw. Bildungsinstitution, bei der es zwei dieser „Wilden“ geschafft haben ein Klima zu erzeugen, bei dem sich nur noch wenige trauen ein neues Projekt vorzustellen.

Was wir aber brauchen ist eine Kultur des Scheitern. Wir müssen akzeptieren, dass es nicht um die Tatsache geht, dass jemand einen Fehler gemacht hat. Es geht vielmehr darum gemeinsam aus diesen Fehlern zu lernen. Interessanterweise ist dieses Try-and-Fail-Prinzip ein elementarer Bestandteil des Gamings. Gamer sind es gewohnt Fehler zu machen und sich in den jeweiligen Communitys darüber auszutauschen. Die Gamer sind uns also einen Schritt voraus. Natürlich weiß ich, dass es Dinge im Leben gibt, bei denen Try-and-Fail nicht funktioniert bzw. nicht wünschenswert ist. Natürlich möchte ich nicht, dass mein Chirurg mal Lust hat, etwas neues auszuprobieren. Aber in der Breite fehlt uns die Bereitschaft Fehler anzuerkennen. Das wir sie machen ist klar – würden wir sie kommunizieren, würden wir alle und vor allem schneller lernen können.

Aus diesem Grund möchte ich gerne eine Konferenz des Scheiterns veranstalten. Ich weiß nicht ob es ein Barcamp sein sollte oder eher ein klassisches Modell oder eine Mischung aus beidem. Was mir aber klar ist folgendes: es darf auf dieser Konferenz nur über Projekte gesprochen werden, die gescheitert sind. Es geht auch nicht um Workshops die Scheitern verhindern sollen, weil man noch mehr neue Tools nutzt oder aber jeden morgen Yoga macht. Mir geht es um all diese Projekte und Ideen die wirklich und wahrhaftig gescheitert sind. Lasst uns darüber reden und lasst uns gemeinsam davon lernen. Also wer macht mit?

Beste Grüße

Christoph Deeg

21 Kommentare zu “Wir brauchen eine Konferenz über das Scheitern!

  1. I would love to present at this conference. So much of growing up and learning is about failure. All of my presentations seem to be about what has worked because that’s what people like to hear. I want to do a 30 minute presentation on nothing but failures. Great idea Christoph!

    • Lieber Christian,

      das stARTcamp könnte hier echt gut passen – nur kann ich es nicht alleine organisieren und bis Ende März 2013 bin ich komplett unterwegs – aber ansonsten bin ich dabei und mache mit:-)

      Beste Grüße

      Christoph

  2. Hallo Christoph, ich waere auch gerne dabei. Leider wohne ich sehr weit weg und bin nur selten in Deutschland, aber mir gefaellt Deine Idee sehr gut! Wir koennen soviel aus Fehlern lernen. Und darueber sprechen ist bestimmt interessant und andererseits auch lustig. Und sicherlich sehr lehrreich! liebe Gruesse! Julia Guitarshanghai

    • Hallo Julia,

      wir könnten das dann auch virtuell machen – wobei: so wie es aussieht werde ich Anfang 2013 nach Asien kommen. Wir können uns ja dann in Shanghai treffen?

      Ganz liebe Grüße

      Christoph Deeg

  3. Die Idee ist herrlich! nach zweimal scheitern ist ja nun mit dem zweiten Studium die Kette endlich mal beendet… scheitern ist wichtig, trial & error. Ich wäre sehr gerne dabei!

  4. Hallo Christoph, ich finde die Idee ebenso gut. Nicht zuletzt weil unlängst eine LIBREAS-Ausgabe zum Thema Scheitern existiert (http://libreas.eu/ausgabe20/texte/inhalt.htm), könnte ich mir eine Zusammenarbeit gut vorstellen und sehe Potential. Vor allem scheint ein Termin im zweiten Halbjahr 2013 realistisch. (Bei mir persönlich in jedem Fall.) Bei nächster Gelegenheit trage ich die Idee mal in die Redaktion bzw. in den Verein…

    • Hallo Matti,

      das ist klasse! Zumal wir dann stARTcamp und LIBREAS und andere Netzwerke zusammenführen könnten was eh schon lange fällig ist!!! Das wird also etwas größer:-)

      Sehr gut – lass uns das planen!!!

      Beste Grüße

      Christoph

  5. Gerade war in Berlin die Failcon, die ein ähnliches Konzept hat, siehehttp://blog.zdf.de/hyperland/2012/11/failcon-berlin-vom-scheitern-in-der-gruenderszene/

  6. Hallo Christoph, ich (emp)finde den Gedanken, die Idee des startCamps sowie Ort und Zeit für eine Konferenz zum Thema ‚Try & Fail – (k)eine Kultur des Scheiterns‘ sehr wichtig. Zumal, wie du ja selbst schon sagtest, gehört das Scheitern (scheinbar) nicht zu unserer deutschen/europäischen Kultur/Lebensweise obwohl man viel daraus lernen könnte, zum anderen gab es m.E. bisher keine Konferenz dieser Art und es ist auch Zeit für ein startCamp in Berlin.
    Ich werde Karin Janner (timeline e.V.), Hie-suk Yang (c/o Berlin) und einige weitere versuchen zu begeistern.
    Noch zum Try & Fail beim Gaming: Es liegt dort ja eher in der Natur der Sache, ein Level/Spiel zu beginnen und im Falle eines ‚Scheiterns‘ es noch einmal zu versuchen und und dabei aus den zuvor gemachten Fehlern gelernt zu haben. Aber ein Projekt im Kultur- oder Bildungsbereich ist leider kein Level dass man nach belieben oft wiederholen kann bis es dann endlich gelingt sein Ziel zu erreichen. Sicher, über ein verlorenes Level zu reden wir in der Gaming-Community nicht nur toleranter gesehen, sondern auch erwünscht um ein Level/Spiel dann doch zu meistern.

    In diesem Sinne bin ich gespannt auf eine hoff. bald stattfindende Konferenz.

    Beste Grüße
    Andreas Zinnow

  7. Vielleicht scheitert ja auch die Konferenz (kleiner Scherz), dann kann man auch darüber sprechen. Mach das Ganze doch als virtuelle Konferenz via Hangout On Air, dann vermindert man den organisatorischen Aufwand….

  8. Pingback: Von der Lust am Scheitern: “Jeder Peinlichkeit wohnt eine Erleuchtung inne” | Ich sag mal

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