Von Computergames lernen: Umgang mit Komplexität

Liebe Leser,

heute soll es mal wieder um das Thema Gaming gehen. Eine meiner Ansätze ist das Thema „Computergames als Plattformen für die Vermittlung unterschiedlicher Inhalte“. Dies betrifft sowohl die Kultur- und Wissensvermittlung als auch Bereiche aus dem Marketing und der Kommunikation. Die Idee ist die, dass in der Zukunft unterschiedliche Inhalte über Computerspiele vermittelt werden können. Die Betonung liegt dabei auf „können“, da dies in der Breite noch nicht passiert. Ich rede also von einer Option. Natürlich gibt es schon längst erste Beispiele für die Nutzung von Computergames als Vermittlungsplattformen – sowohl in der Kultur- und Wissensvermittlung als auch im Bereich des Marketing (z.B. In-Game-Advertising). Mein Ansatz geht aber viel weiter. Ich glaube, dass Computergames neue Möglichkeiten der Erschließung und Verbreitung von Inhalten ermöglichen und dass sie letztlich in diesem Bereich die gleiche Relevanz bekommen können wie das moderne Internet.

Meiner Meinung nach gibt es bestimmte Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, damit Computergames als Vermittlungsplattform funktionieren können. Eine davon ist Komplexität. Damit ist gemeint, dass Computergames in der Lage sein müssen, komplexe Inhalte zu bearbeiten bzw. darzustellen. Dabei reicht es letztlich aus, dass dies nur bestimmte Genres bzw. bestimmte Spiele ermöglichen um zu beweisen, dass dies grundsätzlich möglich ist. Komplexität ist also nicht in allen Computerspielen auf die gleiche Art und Weise vorhanden.

Ich möchte heute anhand des Spiels: Fussball-Manager 10 von Electronic Arts aufzeigen, wie weit die Darstellung komplexer Inhalte gehen kann. Später werde ich in anderen Beiträgen sicherlich noch weitere Spiele und Genres hinsichtlich ihrer Fähigkeit zur Komplexität untersuchen. Aber nun zurück zum Fussball-Manager.

Worum geht es?
Im Fussball-Manager ist man der Chef eines Fussball-Vereins. Das Spiel spielt mit echten Mannschaften, Ligen und Spielern. Es ist also eine Kopie der Realität. Als Manager des Vereins ist man nicht nur Trainer sondern auch Marketingchef, Sportdirektor etc. Man kann die einzelnen Aufgaben auch an Mitarbeiter delegieren, was zumindest am Anfang hilft um nicht gleich alles falsch zu machen:-) Ich persönlich spiele das Spiel heute aber so, dass ich für alle Bereiche selbst verantwortlich bin. Aktuell habe ich die Verantwortung für den FC Bayern München (Nein dies ist nicht mein Lieblingsverein, aber Eintracht Braunschweig hatte mich wegen finanziellem Ruin und sportlicher Erfolglosigkeit entlassen). Ich habe einen sehr großen Kader:

1. Mannschaft: 31 Spieler
2. Mannschaft: 26 Spieler
A-Jugend: 25 Spieler
B-Jugend: 23 Spieler
C-Jugend: 23 Spieler
D-Jugend: 18 Spieler

Jeder Spieler muss kontinuierlich weiter entwickelt werden. Hierzu kann ich bei einem Torwart 28 und bei einem Feldspieler 35 Bereiche trainieren lassen. Zudem müssen die Spieler auch psychisch betreut bzw. beobachtet werden. Manche sind enttäuscht, weil sie nicht oft genug spielen dürfen, andere widerum haben Streit mit Mitspielern etc.

Zudem habe ich eine Viehzahl an Mitarbeitern: Co-Trainer, Ärzte, Scouts. Marketing-Manager, Jugendtrainer, Torwarttrainer, Juristen, Fanbeauftrage etc. Jede Person hat eigene Parameter die verändert werden können und die immer einen Einfluss auf das gesamte Spiel haben.

Um nun die Komplexität diess Spiels zu zeigen, habe ich eine stark vereinfachte Grafik erstellt. Diese Grafik zeigt die möglichen Handlungen und Entscheidungen innerhalb einer Spielrunde. Eine Spielrunde meint hier eine Spielwoche – also von Montag bis Sonntag inkl. der Spiele:

Die Grafik passt nicht nicht richtig auf diesen Blog – es sind einfach zu viele Parameter die ich in einer Runde bearbeiten kann bzw. muss. Ich habe aus diesem Grund die vier Einzelbereiche: Team, Transfers, Verein und Karriere zusätzlich einzeln dargestellt:

Team:

Karriere:

Transfers:

Verein:

Nun sind diese Darstellungen immer noch sehr vereinfacht. Es fehlen z.B. die eigentlichen Spiele. Diese werden u.a. auch in 3D also als richtiges Spiel mit Originalkommentaren gezeigt. Auch hat man mehrere Eingriffsmöglichkeiten. Zudem zeigen diese Grafiken auch nicht die einzelnen Verbindungen der Aktivitäten untereinander. Jeder beschriebene Punkt hat einen Einfluss auf das gesamte Spiel. Selbst der private Teil also die Beziehung, die privaten Geldanlagegeschäfte etc. sind bedeutend. Zum Einen kosten Sie Zeit. Ich muss Golf und Segeln lernen, mit meiner Partnerin Tanzen oder in die Oper gehen etc. Zum Anderen kann es aber sein, dass mein Traumclub anfragt und mein aktueller Arbeitgeber lässt mich nur gegen eine Ablösesumme gehen – die man selber zahlen muss, oder aber man ist zu einem sehr kleinen Verein gegangen der finanzielle Hilfe braucht und man möchte dem Verein Geld zur Verfügung stellen.

Ebenfalls nicht dargestellt sind die verschiedenen Parameter der Spieler. So gibt es nicht nur rechte Mittelfeldspieler oder Stürmer. Sie haben auch noch jeweils eine bestimmte Art und Weise Ihre Position zu definieren, z.B. offensiv oder defensiv. SIe verfügen auch über unterschiedliches Talent und verhalten sich auch unterschiedlich. Zudem gibt es auch noch die sog. MAT-Analyse die bei jedem Spieler im Spiel die genauen Laufwege etc. analysiert. Alles in allem ist es ein sehr komplexes Spiel in dem ich ständig lernen, ausprobieren und Entscheidungen treffen muss.

Was bedeutet das aber?

Ich finde drei wesentliche Punkte interessant:

1. Computerspiele sind m.E. in der Lage, beinahe jeden komplexen Inhalt darzustellen. Dabei geht es nicht nur um die reine Darstellung. Computerspiele ermöglichen es dem Spieler, komplexe Systeme zu erschließen und mit Ihnen zu arbeiten. Ich schreibe bewusst nicht spielen, denn der Fußballmanager ist vor allem eines: harte Arbeit.

2. Computerspiele werden von Menschen gespielt, die offensichtlich Spass dabei haben, komplexe Inhalte zu verstehen und zu nutzen. Computerspiele werden aber nicht von einer kleinen Gruppe hochintelligenter Genies gespielt. Sie sind vielmehr Teil der Gesellschaft, d.h. die Menschen spielen sie unabhängig von Alter, Geschlecht, Status, Bildungsstand etc. Das heißt, dass sie wahrscheinlich weitaus mehr Menschen dazu bringen, sich mit komplexen Systemen zu beschäftigen als die meisten anderen Angebote – inkl. Kulturinstitutionen.

3. Computerspiele scheinen einen anderen Weg der Vermittlung der Inhalte zu gehen. Sie erreichen eine Vielzahl an Menschen und – wie schon gesagt – bringen diese dazu, sehr viel Zeit und Kraft in die Beschäftigung mit komplexen Inhalten zu stecken. Sie könnten also als Vorbild für die Vermittlung von Inhalten dienen. Dafür ist es notwendig zu verstehen, was Computerspiele anders machen als andere Vermittlungsplattformen.

Ich war sicherlich immer schon Fußball-Fan. Aber ich habe erst durch den Fußballmananger etwas über die Taktik beim Fußball gelernt. Vor einigen Monaten war ich mal wieder im Stadion bei Eintracht Braunschweig und ich erkannte ein sauberes 4-4-2. Große Freude! Ich hatte etwas gelernt und konnte es in der Realität anwenden, d.h. das virtuelle Spiel hatte einen Einfluss auf meine reale Welt.

Ich werde in den nächsten Wochen versuchen, die Komplexität weiterer Computerspiele zu zeigen. Dabei werde ich darauf achten, unterschiedliche Genres zu bearbeiten. Komplexität in Computerspielen ist nämlich nicht nur eine Besonderheit von Simulationen.

Beste Grüße

Christoph Deeg

Ein Kommentar zu “Von Computergames lernen: Umgang mit Komplexität

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