Ich bin umgezogen…

Liebe Leser, Fans, sehr geehrte Damen und Herren,

mein Blog ist umgezogen. Ich habe nun einen neuen Blog, welchen man unter http://www.christoph-deeg.de oder http://www.christoph-deeg.com finden kann. Alle Beiträge, Kommentare und Abonnenten sind auch auf dem neuen Blog zu finden bzw. sind übernommen worden. Dieser Blog wird ab dem 01.06. offline gehen. Es wird auch keine weiteren Inhalte oder Updates mehr geben.

Herzliche Grüße

Christoph Deeg

Wie man nach guten Social-Media-Managern sucht:

Liebe Leser,

das Thema Social Media hat in den letzten Jahren massiv an Bedeutung gewonnen. Immer mehr Menschen, Unternehmen und Organisationen möchten in diesem Bereich aktiv sein. Wenn es nicht mehr um die private sondern die geschäftliche Nutzung von Social Media geht, ändert sich aber so einiges. In dem Moment, in dem man nicht mehr für sich, sondern für ein Unternehmen oder eine Organisation aktiv ist, sind weitreichende Kenntnisse und wenn möglich Erfahrungen notwendig.

Für Unternehmen und Organisationen bedeutet dies, dass man bei der Auswahl der dafür verantwortlichen Mitarbeiter einiges beachten sollte. Leider erlebe ich immer wieder, dass schon bei der Auswahl der Kandidaten schwere Fehler gemacht werden. Im Folgenden möchte ich sechs wichtige Empfehlungen für die Suche nach dem geeigneten Social-Media-Manager aussprechen:

  1. Vergessen Sie die Digital Natives! Es ist ein nettes Modewort geworden. Mit diesem Begriff sind die Menschen gemeint, die mit den neuen digitalen Kommunikationstechnologien aufgewachsen sind. Und ja es gibt diese Menschen wirklich. Nur haben diese Menschen deshalb nicht automatisch das Know How, um die Social-Media-Aktivitäten Ihres Unternehmens zu managen. Und nicht vergessen: in Schulen und Universitäten findet das Thema so gut wie gar nicht statt. Woher soll da Know How kommen?
  2. Es geht um Kommunikation und nicht um Kampagnen! Ein Social-Media-Manager ist nicht nur für kurzfristige Kampagnen relevant. Egal in welchem Bereich Sie aktiv sind, es geht letztlich um Kommunikation und das Ziel eine langfristige und nachhaltige Beziehung mit Menschen aufzubauen. Suchen Sie also nach Personen, die menschlich kommunizieren wollen und können.
  3. Denken Sie unbedingt an die Wirkung von Social Media nach innen! In vielen Unternehmen und Organisationen wird die interne Nutzung und die interne Wirkung von Social Media unterschätzt. Dabei entscheidet gerade der Umgang mit dieser Fragestellung, ob man im Bereich Social Media nachhaltig erfolgreich ist oder nicht. Suchen Sie nach Mitarbeitern, denen dieser Umstand bewusst ist.
  4. Social-Media-Manager sind auch analog aktiv! In vielen Gesprächen höre ich immer wieder, dass ein Social-Media-Manager vor allem vor dem Computer sitzen würde um mit der jeweiligen Community zu kommunizieren. Aber dem ist nicht so. Ein Social-Media-Manager wird natürlich einen großen Teil seiner Arbeitszeit online verbringen. Noch wichtiger ist aber z.B. die Kommunikation mit den einzelnen Abteilungen, um diese in die Social-Media-Aktivitäten zu integrieren.
  5. Fragen Sie nicht nach Abschlüssen, sondern nach Know How. Sehr viele sehr gute Social-Media-Manager haben dies nie studiert und auch keinen Abschluss in den Bereichen Marketing oder Kommunikation. Das ist aber keine Schwäche sondern vielmehr eine Stärke. Wenn Sie ausgesuchte Universtätsabschlüsse einfordern, dann schränken Sie den Kreis geeigneter Bewerber massiv ein.
  6. Gute Social-Media-Manager müssen sich immer seltener bewerben – denn sie werden gefunden. Deshalb: gehen Sie dorthin, wo sich Social-Media-Manager aufhalten. Besuchen Sie Barcamps und werden Sie Teil von themenbezogenen Gruppen auf Facebook oder LinkedIn.

Und dann noch ein wichtiger Tipp zum Anschluss: hegen und pflegen Sie gute Social-Media-Manager. Die digitale Revolution hat gerade erst begonnen. Social Media, Gamification, Smartplaces, Mobile Services etc. dies alles wird auf jedes Unternehmen und jeden Geschäftsbereich einen tiefgreifenden Einfluss haben. Klassische Medien werden massiv an Bedeutung verlieren. Sie können nicht nicht im Social Web aktiv sein! Social-Media-Manager – wie auch alle anderen Mitarbeiter – brauchen jetzt und in der Zukunft einen wirklich freien Zugang zum Internet. Dies beinhaltet auch die Möglichkeit, das Netz während der Arbeitszeit privat nutzen zu dürfen. Es geht nicht mehr um Öffentlichkeitsarbeit 1.0 – es geht um menschliche Kommunikation 2.0 Deshalb lassen Sie auf keinen Fall zu, dass Social Media einfach eine weitere Aufgabe für die Abteilungen PR/Öffentlichkeitsarbeit und/oder Marketing werden. Und die Nutzung von Social Media und Co. wird in Zukunft ein wesentlicher Faktor für den Unternehmenserfolg sein.

Beste Grüße

Christoph Deeg

Gedanken zu Digital-Analogen Kultur- und Bildungsinstitutionen

Liebe Leser,

wann habt Ihr Euch das letzte mal bewusst einen Kultur- oder Bildungsort angesehen? In unseren Städten können wir diesbezüglich überall regelrechte Tempel entdecken. Ein schönes Beispiel sind die verschiedenen Bibliotheksneubauten. Große Hallen – ein “zuhause für die Welt der Medien”. Modernes Design. Und manchmal sind es große ehrwürdige alte Bibliotheken, die uns einladen, in die Welt der Bücher einzutauchen. Ich liebe solche Orte! Auch wenn vor allem Bibliotheksneubauten nur selten heutigen Nutzungsansprüchen genügen, weil sie z.B. als große Hallen Orte der Ruhe sein müssen, was sie in vielen Aufgabenbereichen beschneidet, sind es immer noch beeindruckende Bauten. Und auch die Museen sind in vielen Fällen beeindruckend. Man weiß manchmal nicht, ob man das Museum wegen der ausgestellten Werke oder dem Gebäude an sich besuchen soll.

Vielleicht brauchen wir einmal im Jahr einen “Tag des Kultur- und Bildungsortes”. Und an diesem Tag besuchen wir die Museen, Opernhäuser, Theater und Bibliotheken nur um der Gebäude wegen. Ein solcher Ort ist immer ein Statement. Es sagt:”Seht her, das haben wir gebaut, um uns Bildung und Kultur zu widmen.” Die Mitarbeiter solcher Institutionen sind immer besonders stolz auf “Ihren” Ort. Und auf Fach-Konferenzen ist die Besichtigung der Bibliothek, des Museums etc. vor Ort immer Standardprogramm. Diese Gebäude sind ein Zeichen der Wertschätzung und unserer kulturellen Identität. Niemand würde auf die Idee kommen, Kunst und Kultur und Bildung in irgendwelche heruntergekommenen Barracken zu verfrachten. Wir wollen diese besondere Bedeutung der Orte und wir brauchen sie für unsere Identität. Selbst der kulturbabylonische Bau der Elbphilharmonie in Hamburg ist für uns nicht mehr als ein kleiner und letztlich nicht weiter problematischer Zustand.

Und so großartig wir die Bedeutung von Kunst, Kultur und Bildung in der analogen Welt auch hervorheben, so beeindruckend all diese Orte auch sind – in der digitalen Welt bewegen sich meiner Meinung nach Kunst, Kultur und Bildung auf dem Niveau eines Gartenhauses. Die digitalen Kulturorte, die Webseiten, Facebookseiten, Games, Smartplace, Apps etc. sind nur in Ausnahmefällen vergleichbar mit der Größe und Schönheit der analogen Kultur- und Bildungsorte. Gewiss, es tut sich was. Ja, wir freuen uns über jede Institution, die sich auf den Weg macht, die digitale Welt zu gestalten. Aber es bleibt sehr oft auf der Ebene des Freuens, dass da überhaupt etwas passiert.

In der analogen Welt gibt es Proteste, wenn Kultur- und Bildungsorte verfallen, zu klein und zu unmodern sind. Wir protestieren, wenn historische Bestände falsch gelagert werden, und sie damit Gefahr laufen, verloren zu gehen. Aber in der digitalen Welt geben wir uns mit Zweckbauten und Provisorien ab. Da heißt es dann schnell, man wäre ja nun zumindest mit dabei. Und man wisse ja nicht, ob das nicht alles nur ein Hype ist. Und man müsse ja nicht über jedes Stöckchen springen, das einem hingehalten werde. Da wird mal eben “was mit Gaming” gemacht, weil man die jungen Leute erreichen will. Super, Thema Gaming haben wir jetzt auch – jetzt sind wir wieder modern und aktuell.

Während man sich bei Neu- und Umbauten in der analogen Welt große Mühe macht, etwas besonderes zu schaffen, gibt es im digitalen Raum nur äußerst selten strategische und umfassende Ansätze. Die Arbeit im digitalen Raum ist etwas für Praktikanten und Nerds – Hauptsache sie sind jung und haben einen Facebookaccount und/oder sie zocken gerne, das reicht als Qualifikation. Gewiss, man findet dann das eine oder andere Talent. Aber diese Talente können dann nur selten frei agieren, von einer professionellen Weiterbildung ganz zu schweigen.

In vielen Städten und Gemeinden sollen Museen und Bibliotheken und Theater für Vielfalt sorgen. Niemand möchte die Innenstädte den immer gleichen Einzelhandelsketten überlassen. Das bedeutet nichts anderes, als die Idee, dass solche einzigartigen Orte unsere Städte und Gemeinden und damit unsere Gesellschaft aktiv gestalten. Sie tun dies als herausragender Ort, mit einzigartigen Inhalten und damit verbundenen weiteren Angeboten. Im digitalen Raum ist dies nicht der Fall. Dort lassen wir zu, dass Unternehmen den Raum gestalten, den sie uns zur Verfügung stellen. Von ein paar tollen Ausnahmen abgesehen, wird zwar gerne über die digitale Welt diskutiert. Und besonders gerne beschäftigt man sich dabei mit dem durchaus vorhandenen Gefahrenpotential. Aber letztlich handelt sich dabei um ein Verhalten, das weniger dem eines verantwortungsvollen Kulturpolitikers und mehr dem eines Fußballfans ähnlich zu sein scheint. Wir alle sind doch Fußballtrainer und wir wissen natürlich besser als der Bundestrainer, wie man Weltmeister wird. Und auch wenn wir uns kontinuierlich irren – beim nächsten Spiel sind wir wieder Trainer.

Aber wir tun dies von außen – bei Bier und Chips. Ich denke, wir brauchen keine Institutionen, keine Kulturpolitiker, die über die digitale Welt philosophieren. Wir brauchen einen Kultur- und Bildungssektor, der genauso professionell die digitale Welt gestaltet, wie es auch in der analogen Welt passiert. Denn eines ist mir klar geworden: wenn die digitalen Horrorszenarien eintreffen sollten, vor denen immer so gewarnt wird, wenn radikale Ökonomisierung, der Wegfall der Privatsphäre und des Datenschutzes Realität werden sollten, dann geschieht dies nicht aufgrund mangelnder Gesetze, sondern deshalb, weil niemand von denen, die es könnten, versucht hat, den digitalen Raum aktiv zu gestalten. Die digitale Welt sollte als Querschnittsfunktion von Kultur und Bildung verstanden werden. Erst dann kann Ihr Gestaltungsprozess beginnen. Und wenn wir feststellen, dass wir in der analogen Welt besser aufgestellt sind als in der digitalen, dann ist es Zeit, das Ruder rumzureißen, und Segel zu setzen – auch wenn man dann dann in unbekannte Gewässer segeln muss, in denen es die eine oder andere Untiefe gibt. Aus diesem Grund sollten wir vielleicht überlegen, ob wir z.B. Kulturförderung in der Zukunft davon abhängig machen sollten, ob eine analog-digitale Gesamtstrategie vorhanden ist. Ich freue mich auf die Diskussion….

Beste Grüße

Christoph Deeg

Social Media als Querschnittsfunktion des Managements – und eine Vortragsreise nach Sibirien

Liebe Leser,

ich sitze gerade in einem Cafe im Flughafen in Moskau. In ein paar Stunden geht mein Flug nach Tyumen in Sibirien. Ich darf dort mit Unternehmen über neue Formen des Managements sprechen. Es ist eine große Ehre für mich, dass ich diesen Workshop durchführen darf. Und ich bin sehr gespannt auf die Menschen, mit denen ich leben und arbeiten werde. Ich bin sehr glücklich, dass ich durch meine Arbeit so viele verschiedene Kulturen kennenlernen darf. Meine Vortrags-, Workshop- und Researchreisen nach China, Japan, Süd-Korea, USA, Russland und natürlich Schweiz, Österreich, Portugal und Litauen haben mir immer wieder die Augen geöffnet und sie helfen, meine Beratungstätigkeit in Deutschland stetig zu verbessern.

In Tyumen werde ich u.a. über eine meiner Kernthesen sprechen. Es geht um die Idee, dass Social Media bzw. die Digitale Welt nicht eine Aufgabe, ein Werkzeug oder ein Kommunikationsort bedeuten, sondern dass es sich dabei viel mehr um eine Querschnittsfunktion des Managements handeln sollte. Zusammengefasst geht es um folgende Punkte:

  1. In den meisten Fällen wird Social-Media/die Digitale Welt in Unternehmen nur als Werkzeug angesehen. Dabei liegt der Fokus auf der Nutzung ausgewählter Plattformen um die vorab definierten Unternehmensziele zu erreichen.
  2. Social-Media/die Digitale Welt als Querschnittsfunktion meint aber die Implementierung sowohl der Technologie als auch der damit verbundenen Kultur bzw. der damit verbundenen Denk- und Arbeitsweisen in alle Bereiche des Managements.
  3. Man kann nicht nicht im Social Web aktiv sein, denn Kunden, Partner, Stakeholder, Mitarbeiter etc. sind im Social Web aktiv und entwickeln daraus resultierend neue Formen zu Denken und zu Arbeiten.
  4. Social Media/die Digitale Welt hat zudem einen Einfluss auf alle Unternehmensbereiche.
  5. Wird Social-Media/die Digitale Welt als Querschnittsfunktion des Managements anerkannt, ergibt sich dadurch zwangsweise eine starke Beziehung zum Management, sowohl als Inhalt als auch als Werkzeug und Funktion.

Diese fünf Punkte stellen quasi die Basis meiner Beratungstätigkeit in Unternehmen und Institutionen in den letzten fünf Jahren da und ich bin gespannt, zu welchen Ergebnissen wir bei meinem Workshop in Tyumen kommen.

Beste Grüße

Christoph Deeg

Gaming/Gamification in Kultureller Bildung und Kulturvermittlung – Konferenzgedanken

Liebe Leser,

die letzte Woche war etwas ganz besonderes für mich. Die Bundesakademie für kulturelle Bildung veranstaltete eine Konferenz zu Gaming und Gamification in Kulturvermittlung und kultureller Bildung. Ich durfte bei der Entwicklung und der Umsetzung dieser Konferenz mitwirken und es war für alle Teilnehmer eine ganz besondere Veranstaltung. Als ich vor nunmehr zwei Jahren mit der Bundesakademie über Kulturvermittlung und Kulturelle Bildung durch und mit digitalen Angeboten diskutierte, entwickelten wir sehr früh erste Ideen für mögliche Aktivitäten. Schnell wurde klar, dass Gaming/Gamification sowie Digitale Strategien zu Kernthemen werden würden. Dass wir viele gute Ideen haben würden, hatte ich erwartet – dass wir das alles auch umsetzen würden konnte ich mir aber nicht vorstellen. Ich war skeptisch. Aber nicht, weil ich es dem einzigartigen Team der Bundesakademie und mir nicht zugetraut hätte, so einen Event zu veranstalten, sondern weil ich mich fragte, ob es wirklich Interesse an dieser Veranstaltung gibt? Und dies betraf sowohl die die Akademie als auch mögliche Sponsoren, Speaker und natürlich die Teilnehmer.

Wenn man sich mit dem Thema Gaming befasst, ist man entgegen der landläufigen Meinung nicht Teil eines Zukunftsthemas. Unternehmen und Institutionen, die sich intensiver mit Gaming befassen (möchten), werden durch Gaming und Gamification nicht zukunftsfähig sondern realitätsfähig. Und natürlich gibt es schon einige Veranstaltungen, die sich u.a. mit dem Verhältnis von Kultur und Spielen bzw. Kultur und Gaming befassen bzw. befasst haben. Gleichzeitig ist aber bis jetzt noch immer wenig passiert. In den meisten Fällen geht es um die Frage, wie man spezielle Spiele entwickelt und als neues Vermittlungs-Medium einsetzen kann. Was aber wäre, wenn Computerspiele bzw. Gaming/Gamification zu einer Querschnittsfunktion der Kulturellen Bildung und der Kulturvermittlung werden würden? Und was ist das wirklich besondere am Thema Gaming? Ist der spielerische Umgang mit Kunst und Kultur nicht schon seit vielen Jahrzehnten ja sogar Jahrhunderten vorhanden? Und was bedeutet Gaming und Gamification als Querschnittsfunktion für Institutionen und Organisationen?

Wir wollten diese Tagung zu etwas besonderem machen – und das haben wir geschafft. Die Teilnehmer und die Speaker aus Asien, Europa und den USA lebten miteinander, d.h. Sie übernachteten im selben Gebäude, sie sprachen miteinander und sie spielten miteinander. Es war mehr ein Labor, ein Marktplatz für Ideen und Visionen. Ein weiterer wesentlicher Punkt war, dass sich die Bundesakademie für kulturelle Bildung, also eine der „ehrwürdigen“ Institutionen auf das Thema einließ. Es war also nicht eine Institution, die quasi aus der „digitalen Ecke“ kommt – auch wenn die Bundesakademie eine sehr innovative digitale Vergangenheit hat. Ein weiteres Erfolgskriterium war die Tatsache, dass es während der ganzen Tagung nicht um Prävention und pädagogische Fachdiskussionen, sondern um die konkrete Umsetzung ging.

In den nächsten Tagen und Wochen werde ich immer wieder über die Ergebnisse der Konferenz schreiben. Alle Vorträge wurden auf Video aufgenommen. Wir schneiden gerade das Videomaterial und werden es ebenfalls online präsentieren. Die einzelnen Speaker hatten tolle Präsentationen und Videos mitgebracht und wir möchten diese in die jeweiligen Mitschnitte einbauen. Es wird noch ein bisschen dauern, bis wir alles fertig haben, aber das gesamte Material wird online verfügbar sein. Zudem sind wir bereits intensiv an den Planungen für die weiteren Schritte. Und wenn wir wieder alles umsetzen, was so angedacht worden ist, wird das eine sehr spannende Zeit werden.

Unabhängig davon möchte ich aber gerne meine ersten Erkenntnisse aus der Tagung niederschreiben. Es geht zum Einen um meine Eindrücke und zum Anderen um das Feedback der Teilnehmer.

1. Es geht nicht um Games

Es geht nicht alleine um Computerspiele, die für die Vermittlung von Inhalten genutzt werden, sondern vielmehr um den Umgang mit Spiel, Spielen, Partizipation und modernen Kommunikations- und Medientechnologien. Kulturinstitutionen müssen zuerst verstehen, was Gaming überhaupt bedeutet. Dies betrifft nicht nur die verschiedenen Games sondern auch die dahinter stehenden Muster und Mechaniken. Noch wichtiger ist aber die Frage, ob die Kulturinstitutionen mit dieser neuen Kulturform kompatibel sind. Oder anders ausgedrückt: was macht das Museum, das Theater, die Oper etc. , wenn die Gamer wirklich kommen?

2. Games und Gaming machen die Kulturinstitution nicht cooler sondern besser

Gaming/Gamification/Games sollten keine Marketingfunktionen sein. Es geht nicht darum, das vorhandene Angebot aufzuhübschen, sondern es geht darum, die Art der Kulturvermittlung zu verbessern bzw. weiter zu entwickeln. Gaming ist also kein Addon und auch kein PR-Tool, sondern es sollte als Querschnittsfunktion aller Aktivitäten einer Institution (und ebenso eines Unternehmens) verstanden werden. Das bedeutet nicht, dass man alle anderen Konzepte und Herangehensweisen über den Haufen wirft, sondern nur, dass man Gaming nicht als Projektthema versteht, welches keinen Einfluss auf die anderen Arbeitsbereiche hat.

3. Gaming funktioniert nicht immer – aber immer öfter

Gaming ist keine Wunderdroge. Es gibt Menschen, Inhalte und Situationen, bei denen Gaming nicht funktioniert. Und trotzdem ist es eine Optionswelt für kulturelle Bildung und Kulturvermittlung. Es geht nicht darum, eine Playstation in der Kulturinstitution aufzustellen. Klar ist aber auch, dass immer mehr Menschen durch Gaming sozialisiert wurden.

4. Gaming ist kein alleiniges Jugend- oder Kinderthema

Auch wenn man es nicht glauben mag, aber es gibt mehr weibliche erwachsene Gamer als männliche Gamer im Teenageralter. Viele 40-jährige wie ich haben eine Gaming-Vergangenheit und in meinem Fall waren Games der erste Grund, sich mit Technologien wie dem Computer zu befassen. Und Spielen ist wahrscheinlich die erste menschliche Kulturtechnik.

5. Games sind das Leitmedium des 21. Jahrhunderts

Dies ist der Moment in dem ich immer wieder darauf hinweisen muss, dass ich Bücher mag und viele Bücher lese:-) Aber Scherz beiseite, Games haben die Option, das Leitmedium des 21. Jahrhunderts zu sein. Sie können die Bücher in diesem Punkt ablösen und wenn sie dies schaffen, dann werden sie völlig neue Formen der Kultur- und Wissensvermittlung ermöglichen. Natürlich ist bis dahin ein weiter Weg zu gehen. Die bis jetzt in vielen Bereichen vorhandene Fokussierung auf Technik/Grafik im Gegensatz zu Inhalten ist ein gutes Beispiel. Jedoch erleben wir auch hier einen tiefgreifenden Wandel. Denn nicht Technik sondern Content wird King. Und sollten Kulturinstitutionen hier nicht mitmachen wollen, werden es die Unternehmen tun. Anders ausgedrückt: es geht nicht um Institutionen sondern um Inhalte.

6. Games sind keine Alternative zu Social Media und Co.

In der Frage nach Aktivitäten und einer Positionierung kommen manche Institutionen auf die Idee, Gaming als Alternative zu Social Media zu sehen. Gaming klingt so cool und modern und Social Media ist ja fast schon “Old School”. Sorry Folks, aber das funktioniert nicht. Oder wie es einer meiner drei Mentoren immer sagt:“Es gibt im Leben keine Abkürzungen“. Gaming ist kein „Modernitäts-Turbo“. Die Funktionen, die Aufgabenstellungen und Herausforderungen, die sich aus dem Thema Gaming ergeben, sind die gleichen, die wir auch beim Thema Social Media und anderen Aufgaben beobachten können. Gaming macht die Welt nicht leichter – es macht sie besser. Es geht also nie um „entweder Gaming oder Social Media“ sondern um Gaming als Querschnittsfunktion des Managements und zugleich als Kernelement einer digitalen Strategie.

7. Gaming erfordert vor allem einen Blick über den Tellerrand

Wer sich das Programm der Tagung angesehen hat, wird sich mit Sicherheit gefragt haben, warum kaum eine der in Deutschland bekannten Personen als Experte eingeladen wurde. Die Antwort ist einfach: wir wollten nicht immer die gleichen Speaker zu Wort kommen lassen. Und wir wollten einen breiten Blick auf das Thema ermöglichen. Es gibt in Deutschland eine Vielzahl an spannenden Projekten, Institutionen, Tagungen und Personen zum Thema Gaming. Aber wir müssen aufpassen, dass wir nicht immer im eigenen Saft schwimmen. Auch wenn es diese vielen Speaker und Projekte etc. gibt, bis jetzt ist im Kultur- und Bildungsbereich im Bereich Gaming bzw. in der Meta-Aufgabe „Digitale Welt“ erschreckend wenig passiert. Es gibt sehr viele Gründe für sie Situation. Meiner Meinung nach ist ein Grund der, dass es zu wenig interdisziplinäre Vernetzung gibt. Wenn wir aber neue Themen entwickeln wollen, müssen wir versuchen, aus sehr vielen verschiedenen Blickwinkeln die aktuelle Situation zu betrachten. Wir brauchen keine Veranstaltungen zu „Museen und Gaming“, „Bibliotheken und Gaming“ etc. Wir brauchen einen interdisziplinären und offenen Austausch, der vor allem konkrete Fragen und Probleme löst. Deshalb heißt das von mir gegründete Netzwerk auch „games4culture“ – schaut mal bei Facebook in die gleichnamige Gruppe. Der Blog ist in ein paar Tagen ebenfalls online:-)

8. Redet nicht – Probiert aus!

Ich weiß, dass wir gerade in Deutschland sehr gerne diskutieren und nachdenken. Und manchmal kommt dabei das handeln zu kurz. Ich kann dies alles sehr gut nachvollziehen. Wenn man nochmal über alles nachgedacht hat, kann man Chancen und Risiken besser verstehen und damit besser arbeiten. Aber jede Fachdiskussion ist sinnlos, wenn nicht parallel dazu ausprobiert wird. Worüber will man diskutieren, wenn man nicht eigene Erfahrungen sammelt? Auf der Konferenz – und dies findet auf nahezu allen mir bekannten Gaming-Tagungen statt – haben wir die bis in die Nacht gezockt und damit gelernt. Und mit Sicherheit wird das eine oder andere Gaming-Projekt scheitern, und das ist gut so. Wir brauchen sowohl in den Institutionen als auch und vor allem in Unternehmen eine Kultur des Scheiterns. Erst wenn wir Scheitern können wir aus Fehlern lernen.

9. Segelt mit denen, die segeln wollen

In den letzten Jahren haben wir alle sehr viel Energie in Überzeugungsarbeit in Sachen Digitale Welt inkl. Social Media, Gaming etc. geleistet. Die meisten Ressourcen werden für die Menschen aufgewendet, die das alles eigentlich nicht wollen. Hören wir auf damit! Arbeiten wir mit den Menschen, Institutionen, Projekten und Unternehmen die sich auf den Weg machen wollen. Sie brauchen unsere Hilfe. Wer immer noch glaubt, Gaming sei der Dämon der auf die Erde gekommen ist, um die menschliche Zivilisation zu versklaven, dem können wir nicht helfen. Nein, das ist keine Trotzreaktion – im Gegenteil. Auf dieser Konferenz gab es keine einzige Grundsatzdiskussion. Alle Teilnehmer hatten großes Interesse an dem Thema und sie wollten wissen, was man mit Gaming/Gamification machen kann. Es sind genügend Menschen vorhanden, die Interesse an diesem Thema haben. Und diese Menschen sind dabei nicht unkritisch, aber ihre Bereitschaft, zu starten, neue Wege zu gehen etc. ist vorhanden. Und wenn nur 5% der deutschen Kulturinstitutionen bereit sind, sich weiter zu entwickeln, dann sollten wir uns um diese 5% kümmern und ihnen helfen.

10. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel:-)

Das ist der letzte und für mich wichtigste Punkt. Es geht weiter! Und es freut mich vor allem, dass die Bundesakademie Vorreiter werden möchte. Es hat einen unglaublichen Spass gemacht, mit dem Team der Akademie zu arbeiten. Und schon jetzt sitzen wir an Workshops und neuen Ideen. Aber: das ist noch längst nicht alles. Es gibt bereits viele tolle Veranstaltungen und Projekte. Im Dezember findet die „Next Level Conference“ statt. Und wenn alles gut geht startet 2015 das „games4culture-Barcamp“. Es wird bald die Fortsetzung meines Buches „Gaming und Bibliotheken“ geben. Der Verlag DeGruyter und ich haben schon eine Idee. Ich will nicht zu viel verraten aber es geht dann um die Schwester der Bibliotheken:-)

Beste Grüße

Christoph Deeg

Digital-Analoge Widersprüche Teil 2 – Suchen und Finden vs. nicht gefunden werden wollen

Liebe Leser,

ja, es ist schon faszinierend, was die digitale Welt aus “uns” macht. Noch immer wird im Zusammenhang mit der digitalen Welt von “Neuen Medien” gesprochen. Und noch immer finde ich das ziemlich belustigend. Wahrscheinlich werden wir auch noch in 100 Jahren bei Internet und Gaming von neuen Medien sprechen. Die Technologien, die dann auf den Markt kommen heißen dann vielleicht “Neue Medien 2.0″ oder “Noch neuere Medien” etc. Dabei ist nur die Technologie neu. Das was die Menschen damit machen, ist letztlich gesehen alt: Sie kommunizieren, spielen, basteln, streiten etc. oder anders ausgedrückt: sie verhalten sich menschlich und daraus resultiert: das Internet ist menschlich.

Und wie es bei allen Menschen so ist, haben auch sehr viele Menschen sehr viel Angst vor allem möglichen, was da in der digitalen Welt passieren könnte. Das führt mitunter zu faszinierenden Ergebnissen. Im diesen Beitrag geht es um die Frage, ob man im Netz gefunden werden möchte oder nicht. Das Ergebnis ist bekannt: Manche Menschen möchten unbedingt verhindern, dass Sie im Netz gefunden werden. Hierfür nehmen diese Menschen einiges auf sich. So müssen sie kontinuierlich aufpassen, dass sie auf keinem Bild erscheinen, welches im Netz veröffentlicht wird. Und sie müssen intensiv darauf achten, dass Ihr Name nicht im Netz auftaucht. Es gibt natürlich Experten und Berater sowie öffentlich beauftragte Personen, die sich mit der Frage beschäftigen, wie man auf keinen Fall im Netz gefunden wird bzw. wie man einen Eintrag wieder los wird. Und dann gibt es die andere Gruppe von Menschen, die nun ihrerseits alles tun, damit sie unbedingt im Netz gefunden werden. Ihnen ist es extrem wichtig, im Netz nicht übersehen zu werden. Deshalb gibt es auch eine Menge Berater und Experten sowie öffentlich beauftragte Personen, die dafür sorgen sollen, dass man auf jeden Fall gefunden wird.

Interessant ist dabei: Es gibt zwar ein Recht zu vergessen, also ein Recht, dass man im Netz nicht zu finden ist. Aber warum gibt es kein Recht darauf, im Netz gefunden zu werden? Wäre das nicht ausgleichende Gerechtigkeit?

So oder fürchten beide Seiten etwas, was mit der digitalen Welt gar nichts zu tun hat. Die einen fürchten negative Folgen durch Menschen, wenn sie gefunden werden und die anderen fürchten ebenso negative Folgen durch Menschen, wenn sie nicht gefunden werden. In beiden Fällen geht es um das Verhalten von Menschen und nicht um das Verhalten von Plattformen im Netz. Und deshalb ist es letztlich nicht sinnvoll, über Ethik und Moral im Netz zu diskutieren, wenn man dabei die analoge Welt vergisst. Das Netz tut nichts, es ist einfach da. Die Menschen sind diejenigen, die aktiv sind und so geht es letztlich um die uralte Frage: Wie wollen wir miteinander leben?

Beste Grüße

Christoph Deeg

Kommuniziert wie Menschen – nicht wie PR-Berater

Liebe Leser,

in den letzten Monaten ging es in meinen Workshops immer wieder um die Frage, wie man denn nun in den sozialen Medien kommunizieren darf? Soll man Duzen oder Siezen? Soll man eher “locker” oder eher “seriös” schreiben? Diese Fragestellung scheint für viele Menschen relevant zu sein, und es gibt sogar spezielle Workshop-Angebote dafür. Ich selber biete keine Workshops für diesen Bereich an, denn ich glaube, dass man diese Workshops nicht braucht. In diesem Beitrag möchte ich kurz erläutern wieso ich dieser Meinung bin und was meiner Meinung wirklich wichtig bei der Kommunikation in den sozialen Medien ist.

In vielen Fällen entsteht der Wunsch nach solchen Workshops aus einer Unsicherheit gegenüber dem vermeintlich neuen Medium. Ein Workshop soll helfen, diese Unsicherheit los zu werden. Ein Dozent wird ja wohl wissen, wie man im Netz spricht und wie nicht. Das Problem ist aber, dass ein Dozent vielleicht Tipps geben kann, wenn es aber daraus resultierend zu einer Situation kommt, in der man jegliche Authentizität vergisst, wird man es schwer haben, erfolgreich zu sein. Authentisch kommunizieren ist natürlich nicht einfach. Das Problem ist weniger, dass Menschen nicht wissen, wie sie authentisch sind. Es geht vielmehr um die Adaption dieser Authentizität in die digitale Welt. Aus der schon besagten Unsicherheit verkrampft man und daraus resultierend ist man nicht mehr authentisch. Zudem sind sehr viele Mitarbeiter aus Unternehmen und Institutionen in der Situation, dass Sie gar nicht “frei” im Netz kommunizieren dürfen. Gefangen in PR-Guide-Lines und Festlegungen, die jede menschliche Kommunikation im keim ersticken, ist authentisches Kommunizieren kaum möglich. Deshalb versagt m.E. die Öffentlichkeitsarbeit in Unternehmen und Institutionen auch kontinuierlich, wenn es um Kommunikation im digitalen Raum geht.

Aber natürlich gibt es ein paar Dinge die man beachten sollte oder kann, wenn man Wert auf Authentizität liegt. Ein wichtiger Punkt ist: Kommunizieren Sie im Netz so, wie Sie es auch in der analogen Welt erleben möchten! Ich möchte diesen Punkt an einem ganz einfachen Beispiel beschreiben: Sehr oft erlebe ich, dass ein Unternehmen oder eine Institution auf Kommentare nicht mehr antwortet, weil man glaubt, dass doch alles erledigt sei. So ist vielleicht eine Veranstaltung erfolgreich zu Ende gegangen und ein Besucher bedankt sich auf der Facebook-Seite des Unternehmens bzw. der Institution. Oder aber man bedankt sich für einen Post oder die Antwort auf eine Frage etc. Immer wieder wird die Diskussion von seiten des Unternehmens oder der Institution an dieser Stelle beendet – und das ist falsch. Stellen Sie sich vor, Sie sprechen mich nach einem Workshop an, und teilen mir mit, dass Sie meinen Workshop toll fanden und viel gelernt haben. Und nun antworte ich Ihnen nicht, sondern drehe mich einfach um und gehe ohne ein Wort. Wären Sie mit diesem Verhalten einverstanden? Wahrscheinlich nicht… Und deshalb würde ich mich ebenfalls bedanken und Sie vielleicht fragen, was Ihnen besonders gefallen hat oder was ich besser machen kann. Nun ist dies keine Kommunikations-Rocket-Science. Es ist schlichtweg normale menschliche Kommunikation. Das Internet und vor allem Social Media haben nichts mit IT oder Maschinen, sondern mit Menschen zu tun. Alles dreht sich um menschliche Kommunikation. Natürlich gibt es Fallstricke. Natürlich gibt es Trolls. Natürlich gibt es Menschen, die sich im Ton vergreifen, die beleidigen oder verletzen. Aber diese Menschen sind in der Regel online genauso negativ wie offline. Sie haben keine zweite Psyche entwickelt.

Wenn wir also nun online kommunizieren möchten, dann sollten wir vor verstehen, dass es um menschliche Kommunikation im menschlichen Web geht. Wenn diese Erkenntnis zur Basis der Onlineaktivitäten wird, ist schon sehr viel erreicht…

Beste Grüße

Christoph Deeg