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Die Legende von König Drossel-Bart – oder wie die Telekom das Nicht-Internet einführt

Liebe Leser,

ich sitze gerade im Zug nach Hildesheim. Heute startet mein neues Seminar an der Universität Hildesheim zum Thema Social-Media, Kulturvermittlung und Kulturmarketing. Ich bin gespannt, was mich dieses mal erwartet. Normalerweise backe ich immer einen Kuchen für meine Studenten aber in diesem Semester wird das nur schwer möglich sein. Immerhin haben sich 86 Studenten für das Seminar anmeldet, was nebenbei bedeutet, dass ich meine Konzept für das Seminar mal eben neu durchdenken musste.

Nun gut, wer etwas ausprobiert muss auch flexibel sein – das gilt auch für die Arbeit in der digitalen Welt. Die digitale Welt ist kein Ort für standardisierte Verwaltungsabläufe. Es geht um Kommunikation zwischen Menschen und nicht um Netzwerke zwischen Maschinen. Genauer gesagt ist die digitale Welt menschlich – in vielen Punkten sogar menschlicher als unsere sog. „Realität“.

Flexibilität hat aber auch ihre Grenzen. Spätestens dann, wenn einem die Ressourcen entzogen werden. Wenn man im ICE von Berlin nach Hildesheim fährt kann man dies am eigenen Leib spüren. Kurz hinter Berlin-Spandau ist eine Internetverbindung via UMTS kaum noch möglich. Ok, ab und zu schafft es eine kleine Mail durch die GPRS-Verbindung aber das war’s dann auch schon. Man kann es ertragen, denn man weiß ja: irgendwann kommt jeder Zug – ich meine wirklich jeder – der Bahn an seinem Ziel an. Wann und in welchem Zustand ist sicher eine andere Geschichte, aber da gerade kein Schnee liegt und es zudem zu kalt für einen Klimaanlagenausfall ist, werden es sicherlich nur wenige Minuten sein:-)

Kommen wir aber zurück zum Internetzugang. Wie gesagt, man weiß, irgendwann kommt man an seinem Reiseziel an und da wird es irgendwo einen Starbucks oder ähnliches geben, wo man kostenlos WLAN nutzen kann. Würde man dieses Nicht-Internet auch zu hause haben, hätte man ein großes Problem. Aber das wird ja nicht passieren – dachten wir alle bis die Telekom entschied eine Datendrosselung in ihre Neu-Verträge aufzunehmen. Nun ist die Telekom m.E. nicht gerade das modernste und innovativste und schon gar nicht das kundenfreundlichste Unternehmen, aber mit so einer Entscheidung hatte ich nun nicht gerechnet. Natürlich gab es in den letzten Monaten und Jahren erste Anzeichen. Die Netzneutralität, also die Tatsache, dass im Internet alle Daten gleich behandelt werden bzw. gleich schnell transportiert werden, wurde immer wieder in Frage gestellt. Und natürlich bedeutet das nicht, dass nun alle Anbieter von Internetanschlüssen den selben Weg gehen. Aber es ist ein deutliches Zeichen, dessen negative Folgen noch gar nicht abzuschätzen sind.

Es ist wirklich faszinierend. Der ehemalige Staatskonzern Telekom stellt sich gegen die Bevölkerung des Landes in dem er gegründet wurde. In vielen Sicherheitsbehörden werden die Abteilungen für Cyber-Kriminalität aufgestockt. Die Angst vor einem Cyber-Krieg macht die Runde. Die digitale Infrastruktur einer Nation wird bestmöglich geschützt. Die Telekom kann sich hier ganz legal in eine Richtung bewegen, die einen viel größeren Schaden anrichten könnte als alle möglichen Cyber-Attacken zusammen.

Die Argumentation der Telekom klingt auf den ersten Blick nachvollziehbar. Da das Datenvolumen im Netz ständig steige, müsse man ein anderes Geschäftsmodell entwickeln. Ansonsten würden die Kosten für die Telekom zu sehr steigen bzw. das Internet verstopfen. Dieses Argumentation ist nicht neu – und sie ist ein großer Blödsinn. Das Problem ist nicht die stetig wachsende Menge an Daten, sondern die offensichtliche Inkompetenz derer, die sich mit der digitalen Infrastruktur beschäftigen. Nun behauptet die Telekom, die meisten Nutzer würden von der Drosselung gar nichts merken, da sie das Grenzvolumen nicht erreichen würden. Das ist schon putzig. Die Steigerungen im Datenvolumen des Internets sind das Ergebnis neuer Services. Immer mehr Menschen nutzen z.B. Streaming-Angebote für Videos und Musik oder Cloudcomputing. Technologien wie das „Internet of things“ werden weiteres Datenvolumen erzeugen. Und was ist mit dem Thema Gaming? Das Datenvolumen jedes einzelnen Bürgers wird früher oder später massiv steigen – es sein denn wir wandern ab ins Nicht-Internet und beschränken uns auf Textnachrichten. Ein konkretes Beispiel gefällig?

Angenommen Ihr nutzt Dropbox um Eure Dateien online zu speichern und zu sichern. Vielleicht spielt Ihr auch Computerspiele am PC und habt Eure Gaming-Bibliothek bei Steam. Zudem nutzt Ihr die Amazon-Cloud um Eure Musik-Sammlung zu speichern und natürlich habt Ihr eine XBOX360 oder eine PS3 mit der Ihr nicht nur spielt sondern auch Videos streamt – z.B. mit Lovefilm oder Maxdome. Dann macht Ihr ab und zu Videos, die Ihr auf Youtube hochladet und Ihr nutzt Shoutcast und Icecast zum kostenlosen aber legalen hören von Internetradio. Natürlich nutzt Ihr auch Skype und Google-Hangout, weil Ihr mit Euren Freunden in anderen Ländern kommuniziert. Natürlich mag dies alles nicht von allen Menschen auf diesem Weg genutzt werden – aber es beschreibt z.B. meine Nutzung des Internets. Selbst wenn das Streaming und die Nutzung der Videokonferenz-Tools nicht die von der Telekom genannte Datenmenge erreichen sollte, ab der die Geschwindigkeit gedrosselt werden soll. Spätestens wenn ich einen neuen PC kaufen sollte, der dann die Daten von Dropbox, Steam etc. runterladen müsste, hätte ich ein Problem.

Aber warum kann so etwas überhaupt passieren? Es gibt viele verschiedene Gründe und ich möchte die benennen, die m.E. am wichtigsten sind. Der Hauptgrund liegt meiner Meinung nach darin, dass wir bis heute keinen nationalen Plan für den Auf- und Ausbau der digitalen Infrastruktur haben. Im Gegenteil die Politik verschläft in der Breite bis heute die digitale Revolution. Noch immer gibt es in Deutschland Gebiete, die nicht in ausreichender Geschwindigkeit an das Internet angeschlossen sind. Dabei muss das nicht sein. Wie Ihr wisst war ich vor kurzem auf einer Forschungsreise in Ost-Asien. Dabei habe ich auch und vor allem Süd-Korea besucht. Dort hat man schon Ende der 90er Jahre einen anderen Weg eingeschlagen. Das Land steckte 1997 in der Asienkrise und die Regierung suchte nach einem Ausweg aus der Krise. Moderne Kommunikations- und Medientechnologien wurden als große Chance angesehen. Aus diesem Grund wurde beschlossen, in kurzer Zeit die dafür notwendigen Rahmenbedienungen zu schaffen. Es wurde sehr viel Geld in die Hand genommen. Es ging um Zugang zum Internet an möglichst jedem Ort und für jeden Bürger. Kernelement dieser Strategie war der Ausbau der digitalen Infrastruktur. Nach wenigen Jahren verfügten fast alle Süd-Koreaner über einen Breitband-Internet-Anschluss. Breitband-Internet ist nicht zu vergleichen mit dem Pseudo-DSL in Deutschland… Parallel dazu wurden 30.000 Internet-Cafes eröffnet. Es ging um nicht mehr und nicht weniger als die Digitalisierung einer ganzen Gesellschaft. Während es also in Deutschland nette Konferenzen und Berichte gibt, werden in anderen Ländern Fakten geschaffen. Aber damit nicht genug. Die Internet-Cafes entwickelten sich zunehmend in neue soziale Zentren. 1998 wurde dann das Computerspiel „Starcraft“ veröffentlicht. Dieses Spiel hatte in sehr kurzer eine riesige Fangemeinde Im wesentlichen ging es dabei um den sog. Multiplayer-Modus, bei dem man nicht gegen den Computer sondern gegen einen echten Menschen spielt. Die Aufgabe des Spielers ist es, das Lager des jeweils anderes Spielers zu erobern. Hierfür müssen zuerst die passenden Einheiten produziert und dann mit der Eroberung des gegnerischen Lagers begonnen werden. Es ist ein Echtzeit-Strategie-Spiel – und es macht sehr großen Spass. Die Regierung Süd-Koreas erkannte den Erfolg des Spiels und das damit verbundene Potential. Es gab nicht den klassisch deutschen Kultur- und Technologie-Phobie-Reflex. Im Gegenteil, die koreanische Regierung entschied, das Spielen des Spiels und vieler weiterer Spiele aktiv zu fördern. Der Grund war einfach und genial: wenn Gaming eine Möglichkeit war, die Digitalisierung der koreanischen Bevölkerung voranzutreiben, dann muss man es aktiv fördern. Es gibt eine Vielzahl an positiven Konsequenzen aus diesem Ansatz. Die Nutzung moderner Kommunikations- und Medientechnologien ist in der koreanischen Gesellschaft in allen Altersklassen weit verbreitet. Süd-Koreas ist zudem zum größten Kultur-Exporteur aufgestiegen. Unternehmen wie Samsung oder LG stehen für einzigartige Erfolgsgeschichten. Natürlich gibt es in Korea auch negative Konsequenzen. Aber das Beispiel zeigt dass es möglich ist, mit einem Masterplan für eine funktionierende digitale Infrastruktur zu sorgen. Und es zeigt, dass sich daraus eine Vielzahl an positiven Konsequenzen ergeben können. Ein derartiger Masterplan ist in Deutschland nicht vorhanden. Dies betrifft sowohl die privaten Haushalte als auch den öffentlichen Sektor wie z.B. die Kultur- und Bildungsinstitutionen.

Zu einem Masterplan gehört aber nicht nur der Ansatz, jedem Mitbürger seinen eigenen Breitband-Internetanschluss zu ermöglichen. Es ist ebenso wichtig, die Kultur- und Bildungsinstitutionen sowie die öffentliche Verwaltung endlich in der Breite in der digitalen Welt zu verankern. Hier haben gerade die Bibliotheken wirklich Pionierarbeit geleistet. Vor allem die öffentlichen Bibliotheken trauen sich mehr und mehr aus dem klassischen digital-analogen Bestandsgeschäft heraus und beginnen mit neuen Services und Angeboten in Bereichen wie z.B das mobile Internet oder natürlich Social-Media. Vor allem im Vergleich zu öffentlichen Bibliotheken in Ländern wie Japan oder Süd-Korea kann man erkennen, wie weit manche deutsche Bibliotheken schon gekommen sind. Wenn alles gut geht, werde ich zur Gamescom ein paar meiner neuen Gesprächspartner aus Asien in Deutschland begrüßen können die ausdrücklich darum gebeten haben, dass ich mit Ihnen Bibliotheken und kleine und mittelständische Unternehmen besuche. Auch in den Museen und vielen weiteren Kulturinstitutionen sind erste Schritte zu erkennen und es bleibt zu hoffen, dass dies zarten Innovation-Pflänzlein wachsen und gedeihen. Trotzdem befindet sich der Kultur- und Bildungssektor immer noch am Anfang der Reise. Noch immer sind wir das Land in dem gerade mal 15% der Schüler den Computer täglich im Unterricht nutzen dürfen. Noch immer gibt es an Schulen Smartphone-Verbote. Gleiches gilt für die Unternehmen. Zwar kann man auch hier viele interessante Ansätze entdecken. Von einer breiten Nutzung der vorhandenen Möglichkeiten kann aber auch hier nur selten sprechen. Dabei wird die digitale Welt in den nächsten Jahren einen weitaus größeren Einfluss auf unsere Unternehmen haben, als es Unternehmer erahnen. Dies betrifft aber nicht nur den Bereiche Marketing/Kommunikation. Themen wie Organisationsentwicklung, Projektmanagement, Wissensmanagement, Innovationsmanagement etc. werden zunehmend durch die digitale Welt verändert und weiter entwickelt werden.

Am wichtigsten jedoch ist aber – und dies haben viele meiner Kollegen und ich schon so oft gesagt – das Verstehen, dass es sich bei der digitalen Welt nicht um Technologien sondern um eine völlig neue Kultur handelt. Es geht also weniger um Plattformen und Software sondern vielmehr um eine neue Art zu Denken und zu Arbeiten. Wenn die Telekom beginnt, die Internetgeschwindigkeit zu drosseln, dann erdrosselt sie letztlich das Weiterkommen unserer Kultur. Sie spaltet unsere Gesellschaft in zwei Gruppen: diejenigen, die es sich leisten können, die digitale Welt zu nutzen, mit ihr zu arbeiten, sich weiter zu bilden, sich zu vernetzen etc. und diejenigen, die ausgesperrt sind. Ein Grund mehr, warum ich gerade vom Deutschen Kulturrat, der Kulturpolitischen Gesellschaft und dem Kulturstaatsminister einen lauten Aufschrei erwartet hätte – oder ist diesen drei so wichtigen Institutionen die digitale Welt ein Dorn im Auge? Das ungeliebte Un-Kultur-Kind?

Aber die Kritik kann sich nicht alleine auf die „klassische“ Politik beziehen. Die aktuelle Situation zeigt auch den Netzaktivisten und Netzpolitikern ihre Grenzen auf. Zwar ist Netzpolitik mehr und mehr akzeptiert und die Enquete-Kommision des Bundestages zum Thema sowie weitere Konferenzen und Projekte sind durchaus als Erfolge zu werten. Jedoch wurde es bis heute nicht geschafft, die „breite Masse“ der Bevölkerung zu sensibilisieren. Die Piraten-Partei ist zu einem pseudo-politischen Kindergarten verkommen. Die anderen Protagonisten wirken auf viele Menschen vielleicht nerdig oder exotisch aber der Aufschrei beim Wechsel von Mario Götze vom BVB zum FCB war weitaus größer als die Reaktion auf die Entscheidung der Telekom. Wir haben es nicht geschafft, der breiten Bevölkerung aufzuzeigen, wie wichtig das Netz ist und welche Möglichkeiten sich daraus resultierend ergeben. Man winkt mit Schuhen vor dem Schloss Bellevue um einen Bundespräsidenten zu vertreiben – aber wie viele Menschen demonstrieren vor der Telekom-Zentrale? Wer Facebook oder Google gefährlich findet, müsste doch jetzt erst recht Angst vor bzw. Wut auf die Telekom haben. Die Telekom möchte eine Abhängigkeit zu ihren Services schaffen. Ihre Streaming-Angebote sind natürlich von der Drosselung ausgeschlossen. Da man es also nicht geschafft hat, gute und erfolgreiche Produkte zu entwickeln, die von den Menschen in ausreichender Form nachgefragt werden, versucht man es jetzt mit der Peitsche.

Noch können wir hoffen. Noch kann es sein, dass die anderen Unternehmen die Gunst der Stunde nutzen, um der Telekom Marktanteile abzunehmen. Wir können hoffen, dass das Nicht-Internet keine Realität wird. Dafür müssen die Konkurrenten der Telekom aber darauf verzichten, dass Geschäftsmodell der Telekom zu übernehmen. Und natürlich haben wir Verbraucher vielfältige Möglichkeiten um unseren Unmut zu zeigen. Zum Einen sollten möglichst viele Menschen überlegen, ob es nicht doch eine Alternative zu einem Anschluss der Telekom gibt. Des weiteren müssen wir dafür sorgen, dass öffentliche Räume wie Bibliotheken, Verwaltungen, Museen, Schulen, Universitäten etc. freies WLAN anbieten. Wir müssen aber auch und vor allem verstehen und einsehen, dass die fetten Jahre vorbei sind. Nun wird es darum gehen, unsere analog-digitale Zukunft zu gestalten. Wenn Unternehmen wie die Telekom so weiter machen wird das Netz nutzlos werden. Das mag die Technikskeptiker und Digitale-Kultur-Feinde vielleicht insgeheim freuen. Für den Kultur- und Wirtschaftsstandort Deutschland wäre es eine Katastrophe.

Beste Grüße

Christoph Deeg

Warum Vernetzen kein Selbstzweck ist

Liebe Leser,

wenn Ihr diesen Beitrag lest, bin ich in der Bayerischen Staatsbibliothek aktiv. Heute werde ich Mitarbeitern aus bayerischen Bibliotheken das mobile Internet näher bringen. Sie werden lernen was es gibt, was es geben sollte und sie werden Smartphones, iPads, eBook-Reader etc. ausprobieren können. Oder anders ausgedrückt: heute findet in München die Mobile-Internet-Roadshow statt.

In diesem Beitrag geht es aber nicht um das mobile Internet sondern um das Denken und Handeln in Netzwerken. In den letzten Jahren hat sich soetwas wie eine Vernetzungs-Revolution entwickelt. Jeder ist scheinbar mit jedem vernetzt. Wir vernetzen uns so oft es geht. Jemand der gut vernetzt ist, ist zwangsweise erfolgreich – oder? Und so vernetzen wir uns auf Plattformen und je mehr Freunde, Follower, Kontakte wir haben desto glücklicher sind wir.

Ich habe Kontakte also bin ich?
Das ist putzig aber wann beginnen wir zu fragen, was wir mit den ganzen Kontakten eigentlich machen wollen? Versteht mich nicht falsch, auch ich vernetze mich kontinuierlich und ich werde damit auch nicht aufhören. Trotzdem sollten wir uns überlegen, warum wir das tun und mit wem. Und wir sollten uns überlegen, wie man sich vernetzt und wie vielleicht lieber nicht. Aus diesem Grund möchte ich zwei Varianten beschreiben, die m.E. die Vorteile und die Grenzen der Vernetzung zeigen.

Das XING-Problem
Beginnen wir zuerst mit einem Negativbeispiel: XING. Bevor jetzt der große Aufschrei kommt: XING ist ein gute Plattform. Das Problem sind viele der darauf aktiven Nutzer. Communityplattformen wie XING geben mir als Nutzer die Möglichkeit, mich mit anderen Business-Kontakten zu vernetzen. Die tausenden XING-Mitglieder vernetzen sich also nicht, um lustige Bilder oder Filme auszutauschen. Es geht vielmehr um einen beruflichen Austausch. Über XING konnte ich z.B. nachweisen, dass es bei Amazon wirklich Menschen gibt. Und es ist völlig normal, dass man sich in der analogen Welt kennen lernt und sich dann auf XING vernetzt. XING ist quasi die Visitenkarten-Datenbank 2.0 Leider entwickelt sich XING aber immer mehr zu einem Netzwerk von Pseudo-Gute-Laune-Vertretern, die zudem keine Profile lesen. Deshalb: Liebe Pseudo-Verkäufer auf XING. Bevor Ihr mir wieder ein kostenloses Einführungsseminar zum Thema Social-Media anbieten wollt, lest mein Profil! Und bevor Ihr mir mal wieder verkaufen wollt, wie man in 10 Minuten erfolgreich im Web agieren kann, investiert nochmal 10 Minuten und lest mein Profil. Und bitte schreibt mir nicht, dass Ihr Euch mit mir vernetzen wollt, weil es doch bei XING um vernetzen geht. Wir sind hier nicht bei Olympia…

Update: der Vergleich mit Amazon meint, dass es sehr schwer ist, einen normalen Mitarbeiter (kein Call-Center) kennen zu lernen. Auf XING war dies aber möglich. Danke an http://www.twitter.com/ertraeglichkeit für die Nachfrage…

Das Ende der vernetzten Nabelschau
Kommen wir nun zu meinem Positivbeispiel – und ich weiß, dass das vom manchen anders gesehen wird: In den letzten Wochen habe ich vermehrt gehört, dass in bestimmten Bereichen weniger die Kunden, als vielmehr Kollegen zur Zielgruppe werden. Gerade im Bereich der Institutionen ist dies zu beobachten und es wird immer wieder kritisiert. Und ja, es stimmt. Viele Bibliotheken haben Mitarbeiter anderer Bibliotheken als Fans/Follower/Kontakte. Und gleiches können wir bei Museen, Theatern etc. beobachten. Und auf den ersten Blick erscheint diese Kritik auch gerechtfertigt. Warum betreiben wir so einen großen Aufwand um diejenigen zu informieren und zu bespaßen, die doch gar nicht unsere Kunden sind? Wollen wir nicht völlig neue Kundengruppen erreichen? Wollen wir nicht bestehende Kundenverhältnisse vertiefen? Betreiben wir gar eine “digitale Inzucht”? Ja und Nein.

Digitale Komfortzonen
Das Problem entsteht eigentlich nur dann, wenn die Social-Media-Aktivitäten auf diese “erweitert internen” Kontakte ausgerichtet werden. Dann kommt es zu der in vielen Bereichen vorhandenen Nabelschau. Man beginnt, inhaltliche Komfortzonen zu errichten. Vor allem bei Berufsgruppen, die der digitalen Welt eher skeptisch gegenüber stehen, ist dies oft zu beobachten. Man benutzt die digitale Welt um das eigene Berufsbild und die eigene berufliche Identität zu retten. Dann werden Facebook-Seiten von Bibliotheken zu Bücheroasen, als gäbe es nicht viele andere und zudem gleichberechtigte Medien wie Computergames, Blogs, Youtube-Videos oder eBooks. Museen preisen dann die klassische Deutungshoheit und Theater beschreiben auf Facebook, warum Twitter nichts im Theater zu suchen hat. Gleiches gilt auch für Unternehmen. Schauen wir uns beispielsweise die Angebote von vielen Verlagen an, können wir feststellen, dass sie eigentlich gar nichts mit der digitalen Welt zu tun haben wollen. Wenn man sich dann aber mit den Personen vernetzt, die die gleichen Gedanken haben, wird das Ganze scheinbar erträglich. Die digitale Welt ist aber anders, größer, beweglicher. Sie ist keine weitere Werbeplattform sondern eine Welt voller Optionen – wenn ich mich darauf einlasse.

Ihr seid nicht vernetzt!?
Es ist aber kein Problem, wenn man dafür sorgt, dass es um wirkliche Vernetzung mit wirklichen Mehrwerten geht. Denn die meisten Institutionen sind alles andere als gut vernetzt. Gewiss, man glaubt man wäre es, aber bei genauem Hinsehen erkennen wir, dass die technische Vernetzung nicht ausreicht. Nehmen wir nur als Beispiel die öffentlichen Bibliotheken: Für öffentliche Bibliotheken gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten der Vernetzung – sowohl in der realen als auch in der digitalen Welt. Es gibt Konferenzen, Verbände, Fachmagazine, Mailingslisten etc. Auf den ersten Blick ist also alles in Ordnung. Vor ca. 1,5 Jahren hatte ich ein Gespräch mit einem Leiter einer öffentlichen Bibliothek, die ich seit längerem auf ihrem Weg in die digitale Welt begleitete. Er erzählte mir, dass er zu Beginn der Zusammenarbeit sehr skeptisch war. Warum sollte seine Institution z.B. eine eigene Facebook-Seite haben? Welcher Mehrwert könnte für die Bibliothek entstehen? Seine erste Idee war es, in kurzer Zeit viele neue Nutzer der Bibliothek generieren zu können. Aber nach einem Jahr merkte er, dass dies nicht so funktionierte wie er es sich gedacht hatte. Trotzdem war er sehr zufrieden, denn er hatte damit begonnen, andere Facebook-Seiten anderer Bibliotheken zu liken. Das Ergebnis war, dass er – so seine Aussage – zum ersten mal sehen und verstehen konnte, was seine Kollegen in anderen Bibliotheken taten. Und es handelte sich dabei zu einem großen Teil um Bibliotheken aus der Nachbarschaft bzw. institutionen, mit deren Leitungen er doch so gut vernetzt war. Facebook gewährte ihm aber einen anderen Blick in die Abeit seiner Kollegen und er konnte lernen.

Vernetzte Könige und vernetzte Völker
Auffallend ist zudem, dass in der Regel die Vernetzung auf der Ebene der Leitungen stattfindet. Aber viel wichtiger ist die Vernetzung der Teams. Das heißt nicht, dass sich die Leitungsebenen nicht vernetzen sollen, aber die Erfahrung zeigt, dass die Vernetzung der Teams den größeren Mehrwert bringt, denn dann kann Wissen von einer großen Gruppe erschlossen und vor allem weiterentwickelt werden. Damit geht natürlich auch die Verantwortung für den Einzelnen einher, sich an der Vernetzung zu beteiligen.

Lerne Dein Wissen zu teilen – auch ungefragt
Kommen wir zurück zu den öffentlichen Bibliotheken. Diese haben u.a. auch eine Mailingliste nämlich besagtes FroumOeb. Die Idee ist einfach. Jeder kann sich in dieser Mailingliste anmelden. Schreibt man eine Mail an die Liste, bekommen sie alle eingetragenen Listenmitglieder. Nun klingt das ziemlich nach Web 1.0 oder? Nun, man mag sich darüber streiten, ob man nun eine Mailingsliste oder eine Community oder ein Wiki oder ein Blog benötigt. Viel wichtiger ist aber, was wir dann mit der jeweiligen Plattform machen. Was auf ForumOeb gut funktioniert ist die gegenseitige Hilfe. Man hat ein Problem, z.B. eine rausgerissene Seite aus einem Buch oder eine fehlende Bedienungsanleitung oder den Wunsch nach einem guten Autor für eine Lesung und bekommt dann zumeist Hilfe von den anderen Mitgliedern. Was jedoch eher selten stattfindet ist eine Information über ein Problem, das man gelöst hat. Man kontaktiert die Liste damit man Hilfe bekommt. Man teilt aber nicht seine Erfahrungen und Lösungswege, vor allem dann nicht, wenn niemand vorher gefragt hat. Aber genau das wäre Vernetzung 2.0 Selbst wenn das Thema eine Vielzahl der Mitglieder gar nicht betrifft, dies gilt auch für die klassischen “Alarm, i need help!”-Themen, kann die Information den Horizont der Mitglieder erweitern und man kann gemeinsam beginnen, voneinander zu lernen. Ob man dies dann in einer Mailingliste oder einer geschlossenen Facebook-Gruppe macht ist erstmal zweitrangig auch wenn letzteres viele Vorteile bringt. Es geht also nicht nur um die Lösung von Problemen sondern auch um den Austausch von Erfahrungen und die gegenseitige Inspiration. Dann ist es letztlich egal mit wem man sich vernetzt…

Bleibt die Frage, wie managen wir das? Wie können wir wirklich interdisziplinäre Netzwerke aufbauen? Und wie definieren wir dann einen Return of Investment?

Beste Grüße

Christoph Deeg

8 Gründe warum Unternehmen nicht mit Social-Media anfangen sollten

Liebe Leser,

in den letzten Jahren habe ich eine große Zahl an Unternehmen und Institutionen auf ihrem Weg in die digitale Welt begleitet. In vielen Fällen beginnt die Zusammenarbeit mit einem Einführungsworkshop. Die Mitarbeiter lernen die Welt von Social-Media und Co. kennen. Dieser Workshop bildet dann die Basis für die weitere Beratung und Begleitung. Im Rahmen dieses Workshops werde ich sehr oft mit sehr viel Kritik an dem Thema Social-Media konfrontiert. “Was soll das bringen?”, “Es ging bis jetzt doch auch ohne!”, “Das ist bestimmt nur ein Hype!”, dies sind nur drei der immer wieder aufkommenden Fragen und Aussagen. Ich kann diese Fragen und Gedankengänge zwar gut nachvollziehen, allerdings sind diese Grundsatzdiskussionen nicht immer zielführend. Natürlich muss man diese Themen diskutieren, aber irgendwann muss die Entscheidung getroffen werden ob man damit anfangen möchte oder nicht. Es ist eine strategische Entscheidung und man kann nicht mal eben ein bißchen Social-Media machen. Man ist ja auch nicht ein bißchen schwanger:-)

In diesem (satirischen) Beitrag möchte ich all denen helfen, die von Social-Media nichts halten. Hier sind acht Gründe, warum man als Unternehmen auf keinen Fall mit dem Thema Social-Media angangen sollte:

Liebe Social-Media-Kritiker,

Ihr hattet immer Recht! Social-Media braucht kein Mensch. Ich möchte Euch helfen und habe hier 8 Gründe gefunden, warum Unternehmen auf keinen Fall mit Social-Media anfangen sollten…

1. Social-Media kostet Zeit

Social-Media kostet Zeit. Ihr müsst nicht nur die Plattformen, die Technologien und die damit verbundene Kultur bzw. die damit verbundenen Denk- und Arbeitsweisen verstehen. Ihr müsst auch Community-Building betreiben, Euer Team mitnehmen und aktivieren, neue Tools ausprobieren, Monitoring betreiben usw. Das alles kostet Zeit und wie wir ja alle wissen, haben wir alle keine Zeit.

2. Social-Media kostet Geld

Es stimmt, dass die meisten Plattformen wie z.B. Facebook oder Twitter kostenlos genutzt werden können. Aber das bedeutet noch lange nicht, dass Social-Media kostenlos ist. Es entstehen Kosten für Social-Media-Management-Werkzeuge. Und nein, es reicht in der Regel nicht aus, den jeweiligen Free-Account zu nutzen. Es entstehen Kosten für externe Berater und für den Besuch von Konferenzen und Tagungen. Ihr braucht u.U. neue Hardware wie z.B. ein Smartphone und Ihr müsst natürlich Euren Social-Media-Manager bezahlen. Aber wollt Ihr dieses Geld wirklich investieren? Jetzt? Nur um dann irgendwann davon profitieren zu können? Es läuft doch gerade ganz gut, oder? Und Eure Zielgruppe will garantiert nicht auf die netten Mails und Werbeanzeigen in Zeitungen verzichten. Und natürlich habt Ihr in Eurem privaten Umfeld mal nachgefragt und da konnte sich keiner vorstellen, was Euer Unternehmen im Social Web eigentlich tun sollte?

3. Social-Media wirkt auch nach innen

Social-Media steht weniger für neue Technologien als vielmehr für eine neue Kultur. Die Frage ist also die, ob die Kultur Eures Unternehmens mit der Kultur des Social-Web kompatibel ist. Eine Fanseite auf Facebook ist ein Versprechen und nicht nur ein PR-Tool. Aber was passiert, wenn die Menschen in der analogen Welt merken, dass Ihr gar nicht so offen, interessant, kooperativ und cool seid, wie Ihr auf Facebook rüberkommt? Wenn Ihr nun mit Social-Media beginnt, wird dies auch nach innen wirken, d.h. Eure eigene Unternehmenskultur wird sich verändern und das kann doch nun wirklich kein erstrebenswertes Ziel sein. Damit Ihr so weitermachen könnt wie bisher, solltet Ihr unbedingt auf Social-Media verzichten.

4. Der Dialog auf Augenhöhe

Social-Media verändert die Art und Weise der Unternehmenskommunikation. Früher war alles besser. Da habt Ihr Euren Kunden gesagt, warum Euer Produkt so unglaublich gut ist und die haben es schnell verstanden und es gekauft. Im Social-Web geht aber um einen Dialog auf Augenhöhe. Wollt Ihr das wirklich zulassen? Mal ehrlich? Wisst Ihr nicht selbst am besten, wie Eure Produkte auszusehen haben? Und warum soll es gut sein, wenn Ihr in einer Community über die Fehler und Verbesserungsmöglichkeiten Eurer Produkte diskutiert? Dafür gibt es ein Formular auf Eurer Webseite und zudem einen Call-Center. Und die meisten Kunden sind doch total zufrieden mit Euren Produkten und Dienstleistungen, sonst würden sie die ja nicht kaufen.

5. Social-Media ist kein Add-on

Entweder man macht Social-Media oder man läßt es ein. Aber es ist kein freiwilliges Add-on. Es ist vielmehr eine umfassende Unternehmensaufgabe. Es geht sowohl um die interne als auch um die externe Kommunikation. Am Ende wird Social-Media zu einer Querschnittsfunktion Eures Unternehmens. Ich weiß, da ist diese PR-Agentur, die Euch für ein paar tausend Euro eine Social-Media-Kampagne basteln möchte. Und der Chef der Agentur fährt dieses große Auto und das zeigt doch wie gut die sind. Aber was passiert, wenn die Kampagne vorbei ist? Social-Media ist keine Schön-Wetter-Kommunikation. Wollt Ihr wirklich dauerhaft im Social-Web aktiv sein?

6. Prozesshaftigkeit

Facebook und Twitter sind echt coole Tools. Es gibt noch eine Vielzahl an weiteren Plattformen die jetzt gerade relevant sind. Aber leider kann niemand sagen, wie das in fünf Jahren aussieht. Hätte ich diesen Beitrag vor vier Jahren geschrieben würde es vielleicht um Myspace oder so gehen. Wir wissen nicht, wie das Social-Web in fünf Jahren aussieht und diese Prozesshaftigkeit ist doch anstrengend oder? Habt Ihr wirklich Lust und Zeit immer wieder nach neuen Plattformen Ausschau zu halten? Es muss doch ausreichen, dass Ihr eine Webseite habt, auf der der Kunde alles finden kann was er braucht. Und die tollen Flashanimationen waren ja auch sehr teuer.

7. Social-Media ist gefährlich

Social-Media ist gefährlich und wie! Schon mal von einem Shitstorm gehört? Das ist Krieg! Und dann der Datenschutz und das Urheberrecht. Ganz zu schweigen von den Suchtgefahren. Und Eure IT-Abteilung und die Datenschützer sagen das auch. Muss erst ein Abmahnanwalt an der Tür klingeln? Und eines ist doch klar: wenn Eure Mitarbeiter einen freien Zugang zum Internet haben, arbeiten die gar nicht mehr sondern bestellen was bei eBay oder tauschen illegale Filme und Musik.

8. Ihr müsst es selbst tun!

Selbst wenn Euch die letzten sieben Punkte nicht einleuchten wollten. Dieser Punkt wird es: Ihr müsst es selber tun! Ihr könnt nicht Eure PR-Agentur beauftragen, für Euch im Social-Web zu kommunizieren. Ich weiß, die behaupten das Gegenteil. Und die haben ja das große Auto und die hübschen Sekretärinnen aber das ändert nichts daran, dass es im Social-Web nur in kleinen Teilen um Werbung geht. Und es geht auch nicht um Kampagnen und Gewinnspiele. Es geht um Euer Unternehmen als Ganzes. Und es geht darum, unabhängig von externen Unternehmen agieren zu können. Holt Euch nur solche externen Berater, die Euch in die Lage versetzen, eigenständig im Social-Web aktiv zu sein. Das ist Pech für Eure Werbeagentur, aber keine Sorge, Ihr verzichtet ja auf Social-Media und macht das mit den Fähnchen….

Ich hoffe diese acht Punkte helfen Euch weiter, den Einstieg in die Social-Media-Welt zu verhindern. Und falls Ihr doch starten wollt und Hilfe braucht, wisst Ihr ja wo Ihr mich findet…

Beste Grüße

Christoph Deeg

Warum Social-Media eine analoge Aufgabe ist – und warum wir mehr Gamescom brauchen

Liebe Leser,

ich bin gerade in Olsberg in Nordrhein-Westfalen. Morgen werde ich wieder einen kleinen Verbund von drei sehr kleinen Kultur- und Bildungsinstitutionen auf Ihrem Weg in die digitale Welt begleiten. Morgen ist der Kick-Off-Workshop und der Abend vor so einem Workshop ist immer besonders spannend für mich. Wie werden die Teilnehmer reagieren? Welchen Weg werden wir einschlagen? Funktionieren die technischen Ressourcen? Und wie sehen dann die nächsten Monate aus? Ich werde diese Institutionen nämlich das ganze Jahr begleiten.

Mein vorletzter Blogbeitrag war sehr erfolgreich. Es gab eine Vielzahl an Diskussionen. Zum kleinen Teil fand die Diskussion hier auf meinem Blog und zum großen Teil auf Facebook, Twitter und Google+ statt. Warum dieses mal so wild diskutiert wurde kann ich ehrlich gesagt gar nicht nachvollziehen. Gewiss die Thesen mögen dem Einen oder Anderen etwas provokant erscheinen, aber letztlich habe ich diese Ideen schon seit mehr als zwei Jahren kommuniziert. Und sie sind seit dieser Zeit die gedankliche Basis meiner Arbeit. Die Grundgedanken, dass die digitale Welt keine neue Technologie sondern eine völlig neue Kultur darstellt vertrete ich schon lange und die damit verbundenen Herausforderungen und Fragestellungen gelten sowohl für Bibliotheken als auch für alle anderen Institutionen und ebenso für Unternehmen.

Ich bin immer mehr der Meinung, dass wir nun (endlich) in die Phase der Veränderung kommen. Immer mehr Institutionen und Unternehmen sind in der digitalen Welt aktiv. Und immer mehr Menschen setzen sich mit den damit verbundenen Konsequenzen auseinander. So langsam versteht man den Impact auf unsere Lebensrealität. Man versteht, dass man die klassischen PR- und Marketingwerkzeuge nicht mehr nutzen kann. Und das beschränkt sich nicht mehr alleine auf das Social Web. Offenheit, Transparenz, Kooperation, Community-Building und viele weitere Begriffe und Themen stehen nicht für eine abgeschlossene Enklave, welche sich digitale Welt nennt. Diese neuen Denk- und Arbeitsweisen werden in Zukunft nicht nur die Basis der Arbeit in der digitalen sondern auch der analogen Welt sein. Die Plattformen (Facebook, Twitter, Google+, Blogs, Wikis) die Technologien (Smartphones, Tablet-PC’s, Netbooks etc.) sind nur die Hülle für die Aktivitäten der Menschen. Sie sind nur die Werkzeuge. Das bedeutet, wer diese Plattformen verstanden hat, kann noch lange nicht erfolgreich mit ihnen umgehen. Deshalb ist es z.B. für viele Werbeagenturen so schwer, erfolgreich im Social Web zu agieren. Ihre Modelle und Herangehensweisen funktionieren im Social Web nicht mehr. Und auch Institutionen stehen vor neuen Herausforderungen. Gab es noch vor ein paar Jahren den Mythos der Deutungshoheit geht es heute darum, neue Kommunikations- und Arbeitsformen zu verstehen, zu entwickeln und umzusetzen. Und diese neuen Wege lassen sich nur schwer beschreiten, wenn die Strukturen und Ressourcen darauf nicht vorbereitet sind.

Aber ist dies wirklich eine digitale Revolution? Ich glaube nicht. Sicher, wir haben große Veränderungen bezüglich unsere Medien- und Kommunikationsformen und ja, das verändert alles. Andererseits kann die digitale Welt keine reale Bedeutung entfachen, wenn sie nicht in der analogen Welt verankert ist. Alle was wir im Internet sehen, alle Inhalte auf Facebook, Twitter, Google+ und Co. ist von Menschen gemacht. Die Inhalte entstehen in den Köpfen der Menschen und nicht in den Einsen und Nullen des Internets. Das Web verändert alles aber es ist nur ein Werkzeug. Die Herausforderungen, die sich aus der digitalen Welt ergeben sind letztlich nur ein Spiegelbild der Herausforderungen in der analogen Welt. Der digitale Wandel macht sichtbar und erfahrbar, wo die Probleme in der analogen Welt liegen.

Immer wenn ich das folgende Video sehe, wird mir klar, dass es um einen viel größeren Wandel geht. Und jenseits von drittklassigen Werbefilmchen und Möchtegern-PR-Agenturen entstehen neue Berufe, neue Plattformen und neue Inhalte. Schaut Euch dieses Video an und Ihr versteht (hoffentlich) was ich meine.

Die Diskussion über die Zukunft der Bibliotheken kann und werde ich auch über die Zukunft der Museen, der Schulen, der Unternehmen und der Verwaltungen führen. Und wir werden erkennen, dass sich die Herausforderungen ähneln. Wenn uns aber ein von Menschen gelebtes und mit Inhalten gefülltes System zeigt, wo unsere Probleme liegen, dann sollten wir zuerst beginnen, besser zu zu hören. Mich würde interessieren, wie viele Besucher des kommenden Bibliothekskongresses in Leipzig zuhören? Man muss keine großen Studien in Auftrag geben. Man muss nur die Diskussionen auf Google+ und Twitter über meinen Blogbeitrag verfolgen, um zu sehen was die Menschen denken. Der Bibliothekskongress ist aber kein Ort des Zuhörens. Es ist ein geschlossenes System. So wie sich die Bibliothekswelt zurecht über geschlossene Systeme wie z.B. Amazon aufregt, ist sie selber nicht offen. In Leipzig reden wir mal wieder über die Menschen, aber nicht mit ihnen. Dabei wäre es so einfach: Öffnet den Kongress für die Kunden, Nutzer, Nicht-Kunden und Nicht-Nutzer. Erlasst jedem Kunden/Nutzer die Jahresgebühr für ein Jahr, wenn er auch nach Leipzig kommt. Natürlich ohne Eintritt zu zahlen. Lasset die Kultur- und Bildungskonferenzen zur Gamescom 2.0 werden. Und wenn das nicht geht: Mieten wir doch einfach eine Halle der Köln-Messe während der Gamescom und schauen wir was passiert.

In diesem Sinne eine schöne Nacht

Christoph Deeg

Kulturinstitutionen: Social-Media zur Kultur oder Kultur zu Social-Media?

Liebe Leser,

warum sollen wir eigentlich im Bereich Social-Media aktiv sein? Diese Frage stellen sich viele Unternehmen und Institutionen. Eine der Antworten auf diese Frage ist, dass man durch die Arbeit im Social-Web neue Zielgruppen erreichen kann. Und natürlich ist diese Antwort nicht total falsch. Social-Media steht für neue Kommunikationsformen und damit verbunden für neue Möglichkeiten der Vernetzung von Personen und/oder Inhalten. Wir können auf den verschiedenen Plattformen Menschen erreichen, die wir sonst über die klassischen Medienkanäle nicht erreichen würden. Wir können neue Services entwickeln und einen Dialog auf Augenhöhe über Produkte, kulturelle und gesellschaftliche Inhalte und Services beginnen.

Im Kultur- und Bildungssektor sowie in der freien Wirtschaft beginnt so langsam die Social-Media-Revolution. Waren es vor ein paar Jahren noch vereinzelte Institutionen und Unternehmen, die die digitale Welt gestalten wollten, ist die Bedeutung von Social-Media in der Breite zumindest verstanden worden. Es liegt noch immer ein sehr weiter Weg vor uns und natürlich bedeutet der Start eines Blogs, einer Facebook-Seite oder eines Twitter-Accounts noch nicht, dass man im Social-Web angekommen ist – die Reise beginnt jetzt erst. Aber es scheint, als würde das Thema (endlich) Fahrt aufnehmen.

Bleibt die Frage nach dem warum? In vielen Fällen geht man davon aus, Social-Media machen zu müssen. Schließlich seien dort die vermeindlich neuen Kundengruppen, schließlich müsse man mit der Zeit gehen, schließlich gibt es ja jetzt auch Geld dafür, schließlich will man ja vor allem die junge Zielgruppe erreichen. Schließlich, schließlich, schließlich.

Alle diese Argumente sind nachvollziehbar, sie greifen aber zu kurz. Es geht nicht darum, Social-Media zu nutzen weil man es muss, sondern weil man es will. Es geht darum, im Social-Web aktiv zu sein, weil man die damit verbundenen Möglichkeiten der Interaktion, der Offenheit, der Innovation, des Ausprobierens, des Dialogs auf Augenhöhe etc. für wichtig erachtet. Der Grund dafür ist einfach: Im Social-Web wird man selber aktiv sein. Man kann diese Aufgabe nicht einer externen Firma übertragen. Es geht nicht um Werbung und klassische Sender-Empfänger-Modelle. Es geht nicht um Werbeanzeigen die letztlich nichts anderes als faule Fire-and-Forgett-Systeme sind. Sicher, man kann eine Agentur beauftragen eine Social-Media-Kampagne zu beauftragen. Man kann sogar das Social-Media-Monitoring outsourcen. Aber am Schluss wird man es selbst machen müssen. Dies ist der Grund, warum ich für meine Kunden keine Accounts betreibe. Ich kann nicht im Namen eines Anderen im Social-Web nachhaltig aktiv sein. Einen Dialog auf Augenhöhe kann ich nicht mit einer dritten Person führen. Und die Community merkt früher oder später wer da spricht.

Social-Media bedeutet auch, ich brauche dafür Ressourcen. Ich brauche Personalressourcen um die Social-Media-Aktivitäten umzusetzen. Ich brauche finanzielle Ressourcen, um z.B. externe Berater und Trainer einzukaufen und kostenpflichtige Tools z.B. für das Social-Media-Monitoring zu bezahlen. Ich benötige die technischen Ressourcen wie z.B. Computer mit freiem Internetzugang, evtl. ein Samrtphone um mobil kommunizieren zu können etc. Social-Media kostet Ressourcen und es ist und war nie kostenlos zu bekommen. Zudem ist ein halbherziger Social-Media-Auftritt u.U. eher schädigend. Damit man mich nicht falsch versteht, man muss kein riesiges Feuerwerk abfeuern. Es geht vielmehr darum, mit dem vorhandenen Ressourcen das Maximum aus den Social-Media-Aktivitäten rauszuholen.

Wenn man also im Bereich Social-Media aktiv und erfolgreich sein möchte, muss man Social-Media wirklich wollen. Meine Kunden frage ich deshalb immer am Anfang eines Projektes:”Müssen Sie Social-Media oder wollen Sie es?”

Bleibt die Frage für wen mache ich Social-Media? Zumeist wird Social-Media für die Menschen gemacht, die in der digitalen Welt “leben”. Es geht um die sog. Digital Natives, eine Definition die putzig klingt aber letztlich nicht viel bringt. Natürlich klingt der Gedanke verlockend, einige hundertausend Menschen auf einer Plattform wie Facebook erreichen zu können. Also versucht man Social-Media zu nutzen um mit den Menschen, die in der digitalen Welt aktiv sind, und die in der Regel für jung und medienkompetent gehalten werden, zu kommunizieren. Aber ist das die digitale Realität? Wie reagieren wir auf die Tatsache, dass in Deutschland gerade mal 15% der Schüler täglich im Unterricht einen Computer nutzen dürfen? Was machen wir mit den Menschen, die noch nicht in der digitalen Welt angekommen sind? Wird man also Kunde 2.0 erst dann, wenn man einen Facebook-Account hat? Ist man erst dann interessant und muss man ansonsten mit den klassischen Holzmedien vorlieb nehmen?

Kommen wir zurück zu der Frage ob man Social-Media muss oder will. Wenn ich Social-Media will, dann möchte ich, dass soviele Menschen wie möglich in den Genuss der Möglichkeiten kommen, die sich aus der digitalen Welt ergeben. Und dann geht es um die Frage, wie bringe ich die Menschen in die digitale Welt, damit wir dort gemeinsam die digitale Welt gestalten können?

In den letzten Wochen habe ich einige spannende Social-Media-Projekte aus dem Kulturbereich kennengelernt. Besonders spannend fand ich die Idee der kulturellen Tweetups. Hierbei werden interessierte Twitter-Nutzer z.B. in ein Museum eingeladen und können dort an einer speziellen Führung teilnehmen. Das besondere daran ist, dass man direkt während des Museumsbesuchs twittert, d.h. man lässt die Community direkt an der Veranstaltung teilhaben. Erfunden wurde dies nach meinem Wissen von Christian Gries und seinem Team in München. Ulrike Schmid und Tanja Neumann veranstalten seit ein paar Wochen ähnliche Veranstaltungen in Frankfurt/Main. Social-Media wird hier benutzt, um neue Zielgruppen in das Museum zu bekommen. Gleichzeitig werden durch die Twitteraktivitäten der Teilnehmer eine Vielzahl an Menschen erreicht. Schließlich lässt jeder Teilnehmer seine Follower teilhaben. Zudem besteht die Möglichkeit virtuell via Twitter dabei zu sein. Man kann Fragen an die Teilnehmer stellen und sich über die kulturellen Inhalte austauschen. Ich finde diese Idee richtig gut und hoffe, dass es in naher Zukunft noch weitere solcher Ideen und Projekte geben wird.

Trotzdem fehlt mir ein wichtiger Gedanke. Im vorliegenden Fall geht es darum, mittels Social-Media-Tools Menschen für kukturelle Inhalte zu begeistern. Warum aber machen wir es mal nicht umgekehrt? Warum nutzen wir nicht kulturelle Inhalte, um Menschen für die Welt von Social-Media zu begeistern? Wenn wir als Institutionen oder Unternehmen Social-Media wollen, dann sollten wir hier der Gatekeeper sein. Wieviele Kulturinstitutionen werden von Menschen besucht, die die jeweiligen kulturellen Inhalte schätzen aber keinen Zugang zur digitalen Welt gefunden haben? Wieviele Unternehmen haben Kunden, die dem Unternehmen, seinen Produkten und Services vertrauen und gleichzeitig nie einen Einstieg in die Welt von Social-Media und Co. gefunden haben? Wieviele Menschen sind vielleicht schon im Netz aktiv oder besitzen ein Smartphone ohne die damit verbundenen Möglichkeiten verstanden zu haben?

Wenn wir die digitale Welt ernst nehmen, wenn wir sie gestalten möchten, wenn wir dort erfolgreich sein möchten, wenn wir neue Formen einer Kundenbeziehung aufbauen wollen, dann müssen wir auch damit beginnen, die Menschen mitzunehmen. Nun mag man sagen, dass das nicht die Aufgabe eines Unternehmens oder einer Institution sei. Aber ist das so? Ich glaube nicht. Denn es wird am Ende einen Return of Investment geben. Je größer meine Community ist desto mehr kann ich von ihr lernen, desto mehr Menschen kann ich erreichen. Je interessierter die Menschen in meiner Community sind und je interdisziplinärer deren Background ist, desto mehr Zielgruppen kann ich für mein Produkt oder meine kukturellen Inhalte begeistern. Je mehr Menschen ich über meine Social-Media-Kanäle erreiche, desto weniger muss ich für klassische Werbung ausgeben. Je mehr mir meine Community vertraut – und sie wird mir vor allem dann vertrauen, wenn ich derjenige war, der ihr die digitale Welt nähergebracht hat – desto mehr wird sie auch meinen anderen Aussagen Glauben schenken. Je offener und aktiver meine Community ist desto schneller kann ich auf Ihre Wünsche eingehen und die Qualität meiner Services steigern.

Was bedeutet das konkret?

Ich wünsche mir noch ganz viele Tweetups, am besten mit der Option, vor Ort ein Smartphone oder ein iPad/Android-Pad ausleihen und die Nutzung von Twitter lernen zu können. Jeder Teilnehmer, der auf diese Art und Weise Twitter erlernt sollte bei der nächsten Teilnahme einen freien Eintritt bekommen. Wie wäre es, wenn es das Ziel gibt, mittels Tweetups in ganz Deutschland innerhalb der nächsten 12 Monate 1000 neue und aktive Twitter-Accounts zu schaffen? Wie wäre es, wenn die Teilnehmer, die schon Twitterprofis sind, einen Tweetup-Newbee adoptieren und ihm helfen? Das könnte auch und vor allem die Vernetzung in der analogen Welt verstärken…

Die digitale Welt ist eine Welt voller Optionen. Wenn wir diese Optionen nutzen wollen lohnt es sich darüber nachzudenken, ob man nicht versucht, mehr Menschen für die vielfachen Möglichkeiten zu begeistern – es lohnt sich…

Beste Grüße

Christoph Deeg

Social-Media as a service – Fragen beantworten – Probleme lösen – vernetzen: InboxQ

Liebe Leser,

heute soll es um ein spannendes Tool aus dem Twitter-Universum gehen. In den letzten Wochen benutze ich immer öfter die Plattform inboxq.com Die Idee der Plattform ist verhältnismäßig einfach. Auf Twitter werden immer wieder Fragen gestellt. Twitter-Nutzer fragen ihre Community, und die Community antwortet. Dies ist nichts ungewöhnliches. InboxQ geht nun einen Schritt weiter. Es analysiert Nachrichten auf Twitter ob der jeweilige Tweet eine Frage ist und wenn ja, worum es in der Frage geht. Ich kann nun gezielt nach bestimmten Fragen suchen und diese dann beantworten. Und das funktioniert ganz einfach:

Zuerst gebe ich auf der Seite von InboxQ mindestens drei Stichwörter ein:

Und noch einen Klick weiter und man bekommt eine Übersicht über die aktuellen Fragen:

Nun kann man sich einen Tweet bzw. eine Frage aussuchen und diese beantworten:

Dabei ist es egal, ob man ein Problem löst oder Teil einer Diskussion wird. Im nächsten Schritt kann man dem jeweiligen Twitter-User auch direkt folgen. In meinem Fall war es eine Game-Store in Großbritanien:

Was mich besonders freute, war die Tatsache, dass der Gaming-Store sofort antwortete:

Nun kann es aber auch sein, dass man auf eine Frage keine Antwort weiß. In diesem Fall kann ich aber die Frage an meine Follower weiterleiten:

Was kann man nun mit diesem Tool anfangen?

Es gibt eine Vielzahl an Nutzungsmöglichkeiten für InboxQ.com. Die einfachste ist sicherlich Fragen zu beantworten. Dies kann zum Einen bedeuten, dass man Probleme löst z.B. “was benötige ich für ein richtig gutes Barbecue?”. Zum Anderen kann man wie im ersten Beispiel Teil einer Diskussion werden. Wenn man es richtig anstellt, kann man so neue Follower generieren, die über einen Inhalt bzw. einen Service gewonnen wurden. Ich folge gerne Menschen, die mein Problem lösen können oder aber mit denen ich meine Ideen und Inhalte teilen kann.

Wenn also ein Unternehmen ein bestimmtes Produkt verkauft – z.B. einen tragbaren Grill – kann es auf diesem Weg auf sich aufmerksam machen. Gleiches gilt für Kultur- und Bildungsinstitutionen. Gerade Bibliotheken oder Museen können sich hier als kompetente Ansprechpartner zu ihren Themen positionieren. So entsteht eine Community, die nicht auf Werbung sondern auf realen Konversationen beruht. Der Aufwand ist verhältnismäßig gering. Hat man erstmal eine kompetente Community aufgebaut, kann man an diese Fragen weitergeben. Man muss dann also nicht mehr alle Fragen selber beantworten. Trotzdem ist man der “Gatekeeper” zur eigenen Community. Diese Community funktioniert auch in die andere Richtung, d.h. der eigene Name bzw. das eigene Produkt werden kontinuierlich weiter getragen.

Leider ist es so, dass die Plattform nur bei englischen Tweets funktioniert. Dies liegt wahrscheinlich daran, dass es sich hierbei nicht um eine Volltextsuche handelt. Vielmehr werden die einzelnen Tweets linguistisch analysiert. Man muss also für jede Sprache eine eigene Plattform bauen. Trotzdem ist InboxQ.com auch für deutsche Unternehmen und Institutionen interessant. Dafür sollten wir verstehen, dass wir es immer mehr mit globalen Communitys zu tun haben. Auch wenn ich ein regionales Produkt anbiete, kann bzw. sollte ich eine globale Community aufbauen.

Es gibt aber noch mehr Möglichkeiten: Man könnte z.B. ein Projekt mit Jugendlichen, Auszubildenden oder neuen Mitarbeitern durchführen. Die Teilnehmer bekommen die Aufgabe mittels InboxQ.com Fragen von Twitter-Nutzern zu beantworten, mit Twitter-Nutzern zu diskutieren und die Community des Unternehmens oder der Institution auf Twitter zu erweitern. Auf diesem Weg könnte man eine Vielzahl an wichtigen Kompetenzen vermitteln. Zum Einen müssen die Teilnehmer die Fragen inhaltlich beantworten. Das bedeutet sie müssen recherchieren. Auszubildende und neue Mitarbeiter können so spielerisch mehr über die Produkte und Services des Unternehmens sowie die damit verbundenen Fragestellungen erfahren. Und auch in der Schule oder in einer Bibliothek können auf diesem Weg neue Inhalte erschlossen werden. Zum Anderen lernen die Teilnehmer etwas für Social-Media im allgemeinen und Twitter im besonderen. Sie werden Teil der Social-Media-Aktivitäten. Die Fähigkeit die Denk- und Arbeitsweisen von Social-Media zu verstehen und in den täglichen Arbeitsablauf zu integrieren, wird in der Zukunft in nahezu allen Berufen eine sehr große Bedeutung haben. Schließlich wird auch die Fähigkeit englisch zu sprechen, zu lesen und zu schreiben geschult. Und auch diese Fähigkeit wird in der Zukunft an Bedeutung gewinnen.

Fazit:

InboxQ.com ist ein sehr spannendes Tool, wenn es darum geht Twitter aktiv zu nutzen. In den meisten Fällen wird Twitter – genauso wie Facebook oder Google+ – immer noch als Plakatwand genutzt. Man sendet Mitteilungen wie kleine Pressetexte. Dabei geht es bei Twitter nicht um das versenden von Nachrichten sondern um einen Dialog. Und dieser kann verschiedene Formen annehmen. Ich habe InboxQ.com nun ein paar Wochen genutzt und ich muss sagen. es funktioniert. Dabei geht es mir nicht nur darum, die Anzahl meiner Follower zu erhöhen bzw. deren Wertigkeit bezogen auf die Themen mit denen ich arbeite. Vielmehr lerne ich auf diesem Weg eine Vielzahl an spannenden Menschen kennen, die ich sonst vielleicht niemals kennengelernt hätte. Aber wie sehen Eure Erfahrungen mit der Plattform aus? Versucht Ihr im Social-Web aktiv Fragen zu beantworten, an Diskussionen teilzunehmen oder neue interdisziplinäre Communitys aufzubauen?

Beste Grüße

Christoph Deeg

Umgang mit kulturellen Lebensrealitäten: Wir sind (fast) alle Gamer

Liebe Leser,

ich gehöre zu den Menschen, für die Gaming Teil ihrer kulturellen Lebensrealität ist. Für mich hat ein gutes Computerspiel die gleiche kulturelle Wertigkeit wie eine Opernaufführung oder ein Salsakonzert. Nun glauben sehr viele Menschen immer noch, Gaming wäre etwas für ein paar Jugendliche mit zu viel Zeit. Das folgende Foto beweist das Gegenteil:

Es handelt sich dabei um das Fussball-Magazin “11Freunde” Es nennt sich Magazin für Fussballkultur und ich bin seit Jahren ein großer Fan. Das aktuelle Cover hat ein sehr eigenes Design. Es ist an das Spiel Grand Theft Auto 4 kurz GTA4 angelehnt. Für diejenigen, die sich mit Games auskennen ist das eine tolle Sache – für diejenigen die das Spiel nicht kennen ist immerhin noch eine spannende Grafik zu sehen, welche sich von der anderen Covern des Magazins abhebt.

Bleibt die Frage, was daran so besonders sein soll?

Ein Magazin wie 11Freunde hat eine Zielgruppe die sich nicht primär aus Jugendlichen rekrutiert. Wenn wir uns die Mediadaten des Magazins ansehen können wir erkennen, dass 72% der Leser zwischen 20 und 49 Jahre alt sind. 43% der Leser sind zwischen 30 und 49 Jahre alt. Das hört sich nicht nach dem klassischen Gamer-Publikum an oder? Doch! Denn Gaming ist kein Thema für ein paar Jugendliche, es ist ein Kulturgut für alle Menschen. Auf der letzten Gamescom wurde u.a. der 25 Geburtstag von Prinzessin Zelda gefeiert. Man hatte extra eine große Wand aufgestellt auf der man kleine Glückwunschkarten ausfüllen und anpinnen konnte:

Un dort standen dann erwachsene Menschen mit ihren Kindern. Sie hatten mit 10 oder 15 Jahren angefangen Zelda zu spielen und nun standen Sie da mit der nächsten Gamer-Generation. Ein Magazin wie 11Freunde hat verstanden, dass es eine große Zahl an Menschen gibt, die eine eigene Gamervergangenheit haben oder aber heute noch spielen. Eine Studie des Branchenverbandes Bitkom hat dies im Jahr 2010 ebenfalls nachgewiesen. Computergames sind ein kulturelles Massenphänomen. Ihre Symboliken sind Millionen von Menschen vertraut. Das bedeutet, dass die Modelle, die Kultur, die Denk- und Arbeitsweisen der Computerspiele einer großen Bevölkerungsgruppe ebenfalls vertraut sind. Es geht also nicht nur darum, mit Bildern oder Klängen aus Computerspielen zu arbeiten. Es lohnt sich auch die damit verbundenen Denk- und Arbeitsweisen zu analysieren. Wenn wir diese verstehen, können wir in einem nächsten Schritt versuchen, die Erkenntnisse in andere Bereiche zu adaptieren. Das erscheint sinnvoll, da wir hier defacto gezeigt bekommen, was Menschen Spass macht. Und dieser Spass, bzw. die Motivation sorgen dafür, dass hier hoch komplexe Inhalte erschlossen, kommuniziert und weiter entwickelt werden. Jedes Unternehmen, jeder Institution, die nach neuen Wegen sucht, Inhalte zu vermitteln, sollte von den Games lernen. Begriffe wie z.B. Gamification sind da nur ein erster Anfang…

Beste Grüße

Christoph

PS: Die 11Freunde hat dem gleichen Heft einen etwas anderen Bundesliga-Spielplan beigefügt: