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Warum Vernetzen kein Selbstzweck ist

Liebe Leser,

wenn Ihr diesen Beitrag lest, bin ich in der Bayerischen Staatsbibliothek aktiv. Heute werde ich Mitarbeitern aus bayerischen Bibliotheken das mobile Internet näher bringen. Sie werden lernen was es gibt, was es geben sollte und sie werden Smartphones, iPads, eBook-Reader etc. ausprobieren können. Oder anders ausgedrückt: heute findet in München die Mobile-Internet-Roadshow statt.

In diesem Beitrag geht es aber nicht um das mobile Internet sondern um das Denken und Handeln in Netzwerken. In den letzten Jahren hat sich soetwas wie eine Vernetzungs-Revolution entwickelt. Jeder ist scheinbar mit jedem vernetzt. Wir vernetzen uns so oft es geht. Jemand der gut vernetzt ist, ist zwangsweise erfolgreich – oder? Und so vernetzen wir uns auf Plattformen und je mehr Freunde, Follower, Kontakte wir haben desto glücklicher sind wir.

Ich habe Kontakte also bin ich?
Das ist putzig aber wann beginnen wir zu fragen, was wir mit den ganzen Kontakten eigentlich machen wollen? Versteht mich nicht falsch, auch ich vernetze mich kontinuierlich und ich werde damit auch nicht aufhören. Trotzdem sollten wir uns überlegen, warum wir das tun und mit wem. Und wir sollten uns überlegen, wie man sich vernetzt und wie vielleicht lieber nicht. Aus diesem Grund möchte ich zwei Varianten beschreiben, die m.E. die Vorteile und die Grenzen der Vernetzung zeigen.

Das XING-Problem
Beginnen wir zuerst mit einem Negativbeispiel: XING. Bevor jetzt der große Aufschrei kommt: XING ist ein gute Plattform. Das Problem sind viele der darauf aktiven Nutzer. Communityplattformen wie XING geben mir als Nutzer die Möglichkeit, mich mit anderen Business-Kontakten zu vernetzen. Die tausenden XING-Mitglieder vernetzen sich also nicht, um lustige Bilder oder Filme auszutauschen. Es geht vielmehr um einen beruflichen Austausch. Über XING konnte ich z.B. nachweisen, dass es bei Amazon wirklich Menschen gibt. Und es ist völlig normal, dass man sich in der analogen Welt kennen lernt und sich dann auf XING vernetzt. XING ist quasi die Visitenkarten-Datenbank 2.0 Leider entwickelt sich XING aber immer mehr zu einem Netzwerk von Pseudo-Gute-Laune-Vertretern, die zudem keine Profile lesen. Deshalb: Liebe Pseudo-Verkäufer auf XING. Bevor Ihr mir wieder ein kostenloses Einführungsseminar zum Thema Social-Media anbieten wollt, lest mein Profil! Und bevor Ihr mir mal wieder verkaufen wollt, wie man in 10 Minuten erfolgreich im Web agieren kann, investiert nochmal 10 Minuten und lest mein Profil. Und bitte schreibt mir nicht, dass Ihr Euch mit mir vernetzen wollt, weil es doch bei XING um vernetzen geht. Wir sind hier nicht bei Olympia…

Update: der Vergleich mit Amazon meint, dass es sehr schwer ist, einen normalen Mitarbeiter (kein Call-Center) kennen zu lernen. Auf XING war dies aber möglich. Danke an http://www.twitter.com/ertraeglichkeit für die Nachfrage…

Das Ende der vernetzten Nabelschau
Kommen wir nun zu meinem Positivbeispiel – und ich weiß, dass das vom manchen anders gesehen wird: In den letzten Wochen habe ich vermehrt gehört, dass in bestimmten Bereichen weniger die Kunden, als vielmehr Kollegen zur Zielgruppe werden. Gerade im Bereich der Institutionen ist dies zu beobachten und es wird immer wieder kritisiert. Und ja, es stimmt. Viele Bibliotheken haben Mitarbeiter anderer Bibliotheken als Fans/Follower/Kontakte. Und gleiches können wir bei Museen, Theatern etc. beobachten. Und auf den ersten Blick erscheint diese Kritik auch gerechtfertigt. Warum betreiben wir so einen großen Aufwand um diejenigen zu informieren und zu bespaßen, die doch gar nicht unsere Kunden sind? Wollen wir nicht völlig neue Kundengruppen erreichen? Wollen wir nicht bestehende Kundenverhältnisse vertiefen? Betreiben wir gar eine “digitale Inzucht”? Ja und Nein.

Digitale Komfortzonen
Das Problem entsteht eigentlich nur dann, wenn die Social-Media-Aktivitäten auf diese “erweitert internen” Kontakte ausgerichtet werden. Dann kommt es zu der in vielen Bereichen vorhandenen Nabelschau. Man beginnt, inhaltliche Komfortzonen zu errichten. Vor allem bei Berufsgruppen, die der digitalen Welt eher skeptisch gegenüber stehen, ist dies oft zu beobachten. Man benutzt die digitale Welt um das eigene Berufsbild und die eigene berufliche Identität zu retten. Dann werden Facebook-Seiten von Bibliotheken zu Bücheroasen, als gäbe es nicht viele andere und zudem gleichberechtigte Medien wie Computergames, Blogs, Youtube-Videos oder eBooks. Museen preisen dann die klassische Deutungshoheit und Theater beschreiben auf Facebook, warum Twitter nichts im Theater zu suchen hat. Gleiches gilt auch für Unternehmen. Schauen wir uns beispielsweise die Angebote von vielen Verlagen an, können wir feststellen, dass sie eigentlich gar nichts mit der digitalen Welt zu tun haben wollen. Wenn man sich dann aber mit den Personen vernetzt, die die gleichen Gedanken haben, wird das Ganze scheinbar erträglich. Die digitale Welt ist aber anders, größer, beweglicher. Sie ist keine weitere Werbeplattform sondern eine Welt voller Optionen – wenn ich mich darauf einlasse.

Ihr seid nicht vernetzt!?
Es ist aber kein Problem, wenn man dafür sorgt, dass es um wirkliche Vernetzung mit wirklichen Mehrwerten geht. Denn die meisten Institutionen sind alles andere als gut vernetzt. Gewiss, man glaubt man wäre es, aber bei genauem Hinsehen erkennen wir, dass die technische Vernetzung nicht ausreicht. Nehmen wir nur als Beispiel die öffentlichen Bibliotheken: Für öffentliche Bibliotheken gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten der Vernetzung – sowohl in der realen als auch in der digitalen Welt. Es gibt Konferenzen, Verbände, Fachmagazine, Mailingslisten etc. Auf den ersten Blick ist also alles in Ordnung. Vor ca. 1,5 Jahren hatte ich ein Gespräch mit einem Leiter einer öffentlichen Bibliothek, die ich seit längerem auf ihrem Weg in die digitale Welt begleitete. Er erzählte mir, dass er zu Beginn der Zusammenarbeit sehr skeptisch war. Warum sollte seine Institution z.B. eine eigene Facebook-Seite haben? Welcher Mehrwert könnte für die Bibliothek entstehen? Seine erste Idee war es, in kurzer Zeit viele neue Nutzer der Bibliothek generieren zu können. Aber nach einem Jahr merkte er, dass dies nicht so funktionierte wie er es sich gedacht hatte. Trotzdem war er sehr zufrieden, denn er hatte damit begonnen, andere Facebook-Seiten anderer Bibliotheken zu liken. Das Ergebnis war, dass er – so seine Aussage – zum ersten mal sehen und verstehen konnte, was seine Kollegen in anderen Bibliotheken taten. Und es handelte sich dabei zu einem großen Teil um Bibliotheken aus der Nachbarschaft bzw. institutionen, mit deren Leitungen er doch so gut vernetzt war. Facebook gewährte ihm aber einen anderen Blick in die Abeit seiner Kollegen und er konnte lernen.

Vernetzte Könige und vernetzte Völker
Auffallend ist zudem, dass in der Regel die Vernetzung auf der Ebene der Leitungen stattfindet. Aber viel wichtiger ist die Vernetzung der Teams. Das heißt nicht, dass sich die Leitungsebenen nicht vernetzen sollen, aber die Erfahrung zeigt, dass die Vernetzung der Teams den größeren Mehrwert bringt, denn dann kann Wissen von einer großen Gruppe erschlossen und vor allem weiterentwickelt werden. Damit geht natürlich auch die Verantwortung für den Einzelnen einher, sich an der Vernetzung zu beteiligen.

Lerne Dein Wissen zu teilen – auch ungefragt
Kommen wir zurück zu den öffentlichen Bibliotheken. Diese haben u.a. auch eine Mailingliste nämlich besagtes FroumOeb. Die Idee ist einfach. Jeder kann sich in dieser Mailingliste anmelden. Schreibt man eine Mail an die Liste, bekommen sie alle eingetragenen Listenmitglieder. Nun klingt das ziemlich nach Web 1.0 oder? Nun, man mag sich darüber streiten, ob man nun eine Mailingsliste oder eine Community oder ein Wiki oder ein Blog benötigt. Viel wichtiger ist aber, was wir dann mit der jeweiligen Plattform machen. Was auf ForumOeb gut funktioniert ist die gegenseitige Hilfe. Man hat ein Problem, z.B. eine rausgerissene Seite aus einem Buch oder eine fehlende Bedienungsanleitung oder den Wunsch nach einem guten Autor für eine Lesung und bekommt dann zumeist Hilfe von den anderen Mitgliedern. Was jedoch eher selten stattfindet ist eine Information über ein Problem, das man gelöst hat. Man kontaktiert die Liste damit man Hilfe bekommt. Man teilt aber nicht seine Erfahrungen und Lösungswege, vor allem dann nicht, wenn niemand vorher gefragt hat. Aber genau das wäre Vernetzung 2.0 Selbst wenn das Thema eine Vielzahl der Mitglieder gar nicht betrifft, dies gilt auch für die klassischen “Alarm, i need help!”-Themen, kann die Information den Horizont der Mitglieder erweitern und man kann gemeinsam beginnen, voneinander zu lernen. Ob man dies dann in einer Mailingliste oder einer geschlossenen Facebook-Gruppe macht ist erstmal zweitrangig auch wenn letzteres viele Vorteile bringt. Es geht also nicht nur um die Lösung von Problemen sondern auch um den Austausch von Erfahrungen und die gegenseitige Inspiration. Dann ist es letztlich egal mit wem man sich vernetzt…

Bleibt die Frage, wie managen wir das? Wie können wir wirklich interdisziplinäre Netzwerke aufbauen? Und wie definieren wir dann einen Return of Investment?

Beste Grüße

Christoph Deeg

8 Gründe warum Unternehmen nicht mit Social-Media anfangen sollten

Liebe Leser,

in den letzten Jahren habe ich eine große Zahl an Unternehmen und Institutionen auf ihrem Weg in die digitale Welt begleitet. In vielen Fällen beginnt die Zusammenarbeit mit einem Einführungsworkshop. Die Mitarbeiter lernen die Welt von Social-Media und Co. kennen. Dieser Workshop bildet dann die Basis für die weitere Beratung und Begleitung. Im Rahmen dieses Workshops werde ich sehr oft mit sehr viel Kritik an dem Thema Social-Media konfrontiert. “Was soll das bringen?”, “Es ging bis jetzt doch auch ohne!”, “Das ist bestimmt nur ein Hype!”, dies sind nur drei der immer wieder aufkommenden Fragen und Aussagen. Ich kann diese Fragen und Gedankengänge zwar gut nachvollziehen, allerdings sind diese Grundsatzdiskussionen nicht immer zielführend. Natürlich muss man diese Themen diskutieren, aber irgendwann muss die Entscheidung getroffen werden ob man damit anfangen möchte oder nicht. Es ist eine strategische Entscheidung und man kann nicht mal eben ein bißchen Social-Media machen. Man ist ja auch nicht ein bißchen schwanger:-)

In diesem (satirischen) Beitrag möchte ich all denen helfen, die von Social-Media nichts halten. Hier sind acht Gründe, warum man als Unternehmen auf keinen Fall mit dem Thema Social-Media angangen sollte:

Liebe Social-Media-Kritiker,

Ihr hattet immer Recht! Social-Media braucht kein Mensch. Ich möchte Euch helfen und habe hier 8 Gründe gefunden, warum Unternehmen auf keinen Fall mit Social-Media anfangen sollten…

1. Social-Media kostet Zeit

Social-Media kostet Zeit. Ihr müsst nicht nur die Plattformen, die Technologien und die damit verbundene Kultur bzw. die damit verbundenen Denk- und Arbeitsweisen verstehen. Ihr müsst auch Community-Building betreiben, Euer Team mitnehmen und aktivieren, neue Tools ausprobieren, Monitoring betreiben usw. Das alles kostet Zeit und wie wir ja alle wissen, haben wir alle keine Zeit.

2. Social-Media kostet Geld

Es stimmt, dass die meisten Plattformen wie z.B. Facebook oder Twitter kostenlos genutzt werden können. Aber das bedeutet noch lange nicht, dass Social-Media kostenlos ist. Es entstehen Kosten für Social-Media-Management-Werkzeuge. Und nein, es reicht in der Regel nicht aus, den jeweiligen Free-Account zu nutzen. Es entstehen Kosten für externe Berater und für den Besuch von Konferenzen und Tagungen. Ihr braucht u.U. neue Hardware wie z.B. ein Smartphone und Ihr müsst natürlich Euren Social-Media-Manager bezahlen. Aber wollt Ihr dieses Geld wirklich investieren? Jetzt? Nur um dann irgendwann davon profitieren zu können? Es läuft doch gerade ganz gut, oder? Und Eure Zielgruppe will garantiert nicht auf die netten Mails und Werbeanzeigen in Zeitungen verzichten. Und natürlich habt Ihr in Eurem privaten Umfeld mal nachgefragt und da konnte sich keiner vorstellen, was Euer Unternehmen im Social Web eigentlich tun sollte?

3. Social-Media wirkt auch nach innen

Social-Media steht weniger für neue Technologien als vielmehr für eine neue Kultur. Die Frage ist also die, ob die Kultur Eures Unternehmens mit der Kultur des Social-Web kompatibel ist. Eine Fanseite auf Facebook ist ein Versprechen und nicht nur ein PR-Tool. Aber was passiert, wenn die Menschen in der analogen Welt merken, dass Ihr gar nicht so offen, interessant, kooperativ und cool seid, wie Ihr auf Facebook rüberkommt? Wenn Ihr nun mit Social-Media beginnt, wird dies auch nach innen wirken, d.h. Eure eigene Unternehmenskultur wird sich verändern und das kann doch nun wirklich kein erstrebenswertes Ziel sein. Damit Ihr so weitermachen könnt wie bisher, solltet Ihr unbedingt auf Social-Media verzichten.

4. Der Dialog auf Augenhöhe

Social-Media verändert die Art und Weise der Unternehmenskommunikation. Früher war alles besser. Da habt Ihr Euren Kunden gesagt, warum Euer Produkt so unglaublich gut ist und die haben es schnell verstanden und es gekauft. Im Social-Web geht aber um einen Dialog auf Augenhöhe. Wollt Ihr das wirklich zulassen? Mal ehrlich? Wisst Ihr nicht selbst am besten, wie Eure Produkte auszusehen haben? Und warum soll es gut sein, wenn Ihr in einer Community über die Fehler und Verbesserungsmöglichkeiten Eurer Produkte diskutiert? Dafür gibt es ein Formular auf Eurer Webseite und zudem einen Call-Center. Und die meisten Kunden sind doch total zufrieden mit Euren Produkten und Dienstleistungen, sonst würden sie die ja nicht kaufen.

5. Social-Media ist kein Add-on

Entweder man macht Social-Media oder man läßt es ein. Aber es ist kein freiwilliges Add-on. Es ist vielmehr eine umfassende Unternehmensaufgabe. Es geht sowohl um die interne als auch um die externe Kommunikation. Am Ende wird Social-Media zu einer Querschnittsfunktion Eures Unternehmens. Ich weiß, da ist diese PR-Agentur, die Euch für ein paar tausend Euro eine Social-Media-Kampagne basteln möchte. Und der Chef der Agentur fährt dieses große Auto und das zeigt doch wie gut die sind. Aber was passiert, wenn die Kampagne vorbei ist? Social-Media ist keine Schön-Wetter-Kommunikation. Wollt Ihr wirklich dauerhaft im Social-Web aktiv sein?

6. Prozesshaftigkeit

Facebook und Twitter sind echt coole Tools. Es gibt noch eine Vielzahl an weiteren Plattformen die jetzt gerade relevant sind. Aber leider kann niemand sagen, wie das in fünf Jahren aussieht. Hätte ich diesen Beitrag vor vier Jahren geschrieben würde es vielleicht um Myspace oder so gehen. Wir wissen nicht, wie das Social-Web in fünf Jahren aussieht und diese Prozesshaftigkeit ist doch anstrengend oder? Habt Ihr wirklich Lust und Zeit immer wieder nach neuen Plattformen Ausschau zu halten? Es muss doch ausreichen, dass Ihr eine Webseite habt, auf der der Kunde alles finden kann was er braucht. Und die tollen Flashanimationen waren ja auch sehr teuer.

7. Social-Media ist gefährlich

Social-Media ist gefährlich und wie! Schon mal von einem Shitstorm gehört? Das ist Krieg! Und dann der Datenschutz und das Urheberrecht. Ganz zu schweigen von den Suchtgefahren. Und Eure IT-Abteilung und die Datenschützer sagen das auch. Muss erst ein Abmahnanwalt an der Tür klingeln? Und eines ist doch klar: wenn Eure Mitarbeiter einen freien Zugang zum Internet haben, arbeiten die gar nicht mehr sondern bestellen was bei eBay oder tauschen illegale Filme und Musik.

8. Ihr müsst es selbst tun!

Selbst wenn Euch die letzten sieben Punkte nicht einleuchten wollten. Dieser Punkt wird es: Ihr müsst es selber tun! Ihr könnt nicht Eure PR-Agentur beauftragen, für Euch im Social-Web zu kommunizieren. Ich weiß, die behaupten das Gegenteil. Und die haben ja das große Auto und die hübschen Sekretärinnen aber das ändert nichts daran, dass es im Social-Web nur in kleinen Teilen um Werbung geht. Und es geht auch nicht um Kampagnen und Gewinnspiele. Es geht um Euer Unternehmen als Ganzes. Und es geht darum, unabhängig von externen Unternehmen agieren zu können. Holt Euch nur solche externen Berater, die Euch in die Lage versetzen, eigenständig im Social-Web aktiv zu sein. Das ist Pech für Eure Werbeagentur, aber keine Sorge, Ihr verzichtet ja auf Social-Media und macht das mit den Fähnchen….

Ich hoffe diese acht Punkte helfen Euch weiter, den Einstieg in die Social-Media-Welt zu verhindern. Und falls Ihr doch starten wollt und Hilfe braucht, wisst Ihr ja wo Ihr mich findet…

Beste Grüße

Christoph Deeg

Warum Social-Media eine analoge Aufgabe ist – und warum wir mehr Gamescom brauchen

Liebe Leser,

ich bin gerade in Olsberg in Nordrhein-Westfalen. Morgen werde ich wieder einen kleinen Verbund von drei sehr kleinen Kultur- und Bildungsinstitutionen auf Ihrem Weg in die digitale Welt begleiten. Morgen ist der Kick-Off-Workshop und der Abend vor so einem Workshop ist immer besonders spannend für mich. Wie werden die Teilnehmer reagieren? Welchen Weg werden wir einschlagen? Funktionieren die technischen Ressourcen? Und wie sehen dann die nächsten Monate aus? Ich werde diese Institutionen nämlich das ganze Jahr begleiten.

Mein vorletzter Blogbeitrag war sehr erfolgreich. Es gab eine Vielzahl an Diskussionen. Zum kleinen Teil fand die Diskussion hier auf meinem Blog und zum großen Teil auf Facebook, Twitter und Google+ statt. Warum dieses mal so wild diskutiert wurde kann ich ehrlich gesagt gar nicht nachvollziehen. Gewiss die Thesen mögen dem Einen oder Anderen etwas provokant erscheinen, aber letztlich habe ich diese Ideen schon seit mehr als zwei Jahren kommuniziert. Und sie sind seit dieser Zeit die gedankliche Basis meiner Arbeit. Die Grundgedanken, dass die digitale Welt keine neue Technologie sondern eine völlig neue Kultur darstellt vertrete ich schon lange und die damit verbundenen Herausforderungen und Fragestellungen gelten sowohl für Bibliotheken als auch für alle anderen Institutionen und ebenso für Unternehmen.

Ich bin immer mehr der Meinung, dass wir nun (endlich) in die Phase der Veränderung kommen. Immer mehr Institutionen und Unternehmen sind in der digitalen Welt aktiv. Und immer mehr Menschen setzen sich mit den damit verbundenen Konsequenzen auseinander. So langsam versteht man den Impact auf unsere Lebensrealität. Man versteht, dass man die klassischen PR- und Marketingwerkzeuge nicht mehr nutzen kann. Und das beschränkt sich nicht mehr alleine auf das Social Web. Offenheit, Transparenz, Kooperation, Community-Building und viele weitere Begriffe und Themen stehen nicht für eine abgeschlossene Enklave, welche sich digitale Welt nennt. Diese neuen Denk- und Arbeitsweisen werden in Zukunft nicht nur die Basis der Arbeit in der digitalen sondern auch der analogen Welt sein. Die Plattformen (Facebook, Twitter, Google+, Blogs, Wikis) die Technologien (Smartphones, Tablet-PC’s, Netbooks etc.) sind nur die Hülle für die Aktivitäten der Menschen. Sie sind nur die Werkzeuge. Das bedeutet, wer diese Plattformen verstanden hat, kann noch lange nicht erfolgreich mit ihnen umgehen. Deshalb ist es z.B. für viele Werbeagenturen so schwer, erfolgreich im Social Web zu agieren. Ihre Modelle und Herangehensweisen funktionieren im Social Web nicht mehr. Und auch Institutionen stehen vor neuen Herausforderungen. Gab es noch vor ein paar Jahren den Mythos der Deutungshoheit geht es heute darum, neue Kommunikations- und Arbeitsformen zu verstehen, zu entwickeln und umzusetzen. Und diese neuen Wege lassen sich nur schwer beschreiten, wenn die Strukturen und Ressourcen darauf nicht vorbereitet sind.

Aber ist dies wirklich eine digitale Revolution? Ich glaube nicht. Sicher, wir haben große Veränderungen bezüglich unsere Medien- und Kommunikationsformen und ja, das verändert alles. Andererseits kann die digitale Welt keine reale Bedeutung entfachen, wenn sie nicht in der analogen Welt verankert ist. Alle was wir im Internet sehen, alle Inhalte auf Facebook, Twitter, Google+ und Co. ist von Menschen gemacht. Die Inhalte entstehen in den Köpfen der Menschen und nicht in den Einsen und Nullen des Internets. Das Web verändert alles aber es ist nur ein Werkzeug. Die Herausforderungen, die sich aus der digitalen Welt ergeben sind letztlich nur ein Spiegelbild der Herausforderungen in der analogen Welt. Der digitale Wandel macht sichtbar und erfahrbar, wo die Probleme in der analogen Welt liegen.

Immer wenn ich das folgende Video sehe, wird mir klar, dass es um einen viel größeren Wandel geht. Und jenseits von drittklassigen Werbefilmchen und Möchtegern-PR-Agenturen entstehen neue Berufe, neue Plattformen und neue Inhalte. Schaut Euch dieses Video an und Ihr versteht (hoffentlich) was ich meine.

Die Diskussion über die Zukunft der Bibliotheken kann und werde ich auch über die Zukunft der Museen, der Schulen, der Unternehmen und der Verwaltungen führen. Und wir werden erkennen, dass sich die Herausforderungen ähneln. Wenn uns aber ein von Menschen gelebtes und mit Inhalten gefülltes System zeigt, wo unsere Probleme liegen, dann sollten wir zuerst beginnen, besser zu zu hören. Mich würde interessieren, wie viele Besucher des kommenden Bibliothekskongresses in Leipzig zuhören? Man muss keine großen Studien in Auftrag geben. Man muss nur die Diskussionen auf Google+ und Twitter über meinen Blogbeitrag verfolgen, um zu sehen was die Menschen denken. Der Bibliothekskongress ist aber kein Ort des Zuhörens. Es ist ein geschlossenes System. So wie sich die Bibliothekswelt zurecht über geschlossene Systeme wie z.B. Amazon aufregt, ist sie selber nicht offen. In Leipzig reden wir mal wieder über die Menschen, aber nicht mit ihnen. Dabei wäre es so einfach: Öffnet den Kongress für die Kunden, Nutzer, Nicht-Kunden und Nicht-Nutzer. Erlasst jedem Kunden/Nutzer die Jahresgebühr für ein Jahr, wenn er auch nach Leipzig kommt. Natürlich ohne Eintritt zu zahlen. Lasset die Kultur- und Bildungskonferenzen zur Gamescom 2.0 werden. Und wenn das nicht geht: Mieten wir doch einfach eine Halle der Köln-Messe während der Gamescom und schauen wir was passiert.

In diesem Sinne eine schöne Nacht

Christoph Deeg

Social-Media oder wir haben doch keine Zeit…

Liebe Leser,

ich sitze gerade im Zug zum Flughafen Düsseldorf. In der letzten Woche war ich wieder im im Rahmen des Projektes “Lernort Bibliothek” der Landesregierung NRW und der Bezirksregierung Düsseldorf unterwegs um Bibliotheken in Nordrhein-Westfalen auf ihrem Weg in die Social-Media-Welt zu begleiten.

Heute Abend geht es noch nach Wien, damit ich morgen in Linz einen Vortrag zum Thema “Mobiles Internet” halten kann. Dabei wird es vor allem um die Frage gehen, wie eBooks, iPads, Smartphones und Co. die Arbeit von Kulturinstitutionen wie z.B. Biliotheken verändern werden.

Mit dieser Konferenz gehen drei Wochen Reisen vorbei. Ok, ich war dabei fünf Tage in Kroatien, aber es war vor allem sehr viel Arbeit. Ich merke immer wieviel Arbeit es gerade ist, wenn ich meinen Blog ansehe. Mittlerweile vergehen manchmal bis zu zehn Tage bis ich einen neuen Beitrag veröffentlichen kann. Ich lebe nicht von diesem Blog, sondern von meinen Beratungstätigkeiten vor Ort. Ich arbeite mit Menschen in der analogen um Ihnen die digitale Welt näher zu bringen. Auf Twitter und Facebook bin ich in solchen Zeiten immer aktiver. Diese Plattformen lassen sich schneller nutzen. Und gerade Twitter habe ich sehr gut organisiert. Müsste ich mich zwischen Twitter und Facebook entscheiden, ich würde mich ohne Bedenken für Twitter entscheiden, denn hier bekomme ich weitaus größere Mehrwerte. Dies ist aber eine individuelle Entscheidung. Für Unternehmen und Institutionen kann es da schon ganz anders aussehen.

Aber egal wie man es auch dreht und wendet, Social-Media kostet Zeit. Und sehr viele meiner Kunden haben genau das nicht. Zeit ist ein wertvolles, ein kostbares Gut. Ein wesentliches Erfolgskriterim meiner Arbeit ist das Konzept, möglichst alle Menschen eines Teams in die Social-Media-Aktivitäten zu integrieren. Es macht wenig Sinn, Social-Media-Aktivitäten nur von einer Person umsetzen zu lassen. Vor allem wenn man wie ich der Meinung ist, dass Social-Media nur in Teilen ein PR-Thema ist. Es geht m.E. vor allem darum einen Dialog mit Kunden, Nutzern, Freunden etc. zu beginnen um möglichst alle Bereiche des Unternehmens bzw. der Institution durch Social-Media-Aktivitäten zu erweitern bzw. zu verbessern.

Gerade in Institutionen ist Zeit eigentlich gar nicht vorhanden. Die meisten Teams arbeiten breits mit 110% Arbeitsleistung und sind sehr oft überlastet. Und nun kommt auch noch das Thema Social-Media dazu, welches nicht nur aber auch zeitliche Ressourcen erfordert. Die Arbeit im Bereich Social-Media führt sehr oft dazu, dass alle strukturellen Probleme einer Institution sichtbar werden. Wenn wir es mit starren und unflexiblen Hierachien zu tun haben, kann Social-Media nicht funktionieren. Die klassischen Pyramidenmodelle sind spätestens jetzt nicht mehr sinnvoll. Ich kann nicht offen, kreativ, interaktiv und flexibel reagieren, wenn ich es nicht bin.

Aber es sind nicht nur veraltete Hierachiemodelle, die wertvolle Zeit kosten. Ich erlebe immer wieder, dass sich die Mitarbeiter einer Institution oder eines Unternehmens nicht trauen zuzugeben, dass sie noch immer technische Schwierigkeiten im Umgang mit den verschiedenen Plattformen haben. Es fehlt hierfür schlichtweg der Raum um sich auszuprobieren. Dabei ist es ganz einfach. Ich kann geschlossene Blogs, Wikis und Facebookseiten einrichten. Diese für die Öffentlichkeit unsichtbaren Spielwiesen ermöglichen ein ausprobieren und Lernen. Und bei Twitter kann ich “Spass-Accounts” anlegen, also Accounts zu bestimmten Themen, die mit meiner eigentlichen Arbeit nichts zu tun haben. Aber auch dann muss den Mitarbeitern die Zeit gegeben werden, die Palltformen zu nutzen. Diese Investition lohnt sich aber, denn je mehr Mitarbeiter in die Social-Media-Aktivitäten eingebunden werden, desto mehr kann ich erreichen.

Ein weiterer Aspekt ist das Problem, dass viele Mitarbeiter meinen, sie würden keine spannenden Themen finden können. Man möchte ganz besondere, am besten perfekte Beiträge erstellen und verkrampft dabei zusehends. Hier können z.B. gemeinsame Treffen helfen, bei denen die Teilnehmer spielerisch mit verschiedenen Inhalten umgehen.

Letzlich sind auf seiten der Leiutungsebene zwei Dinge zu beachten. Zum Einen muss den Mitarbeitern der nötige inhaltliche und strukturelle Freiraum gegeben werden. Zum Anderen muss klar sein, dass Social-Media Ressourcen kostet und das man mittelfristig entweder weitere Ressourcen benötigt, oder aber sich von anderen Aufgaben trennt.

Beste Grüße

Christoph Deeg

Digital-Analoge Räume – mein Hotel und mein mobiles zuhause…

Liebe Leser,

ich bin wieder unterwegs. Social-Media-Workshops mit 10 Institutionen an 10 Tagen. Man kommt viel rum. Ich sitze im Zug, höre Keith Jarret und denke über Räume nach. Es mag vielleicht komisch klingen aber Räume sind in der digitalen Welt sehr wichtig. Dabei geht es nicht nur um virtuelle Räume sondern vielmehr um reale Räume, die sich mit dem Digitalen verbinden.

In den letzten Monaten konnte ich beobachten, das sowohl die digitale Welt als auch soziale Räume an Bedeutung gewinnen. Viele Unternehmen erleben gerade, dass die digitale Welt Ihren Arbeitsraum verändert. Kulturinstitutionen wie Bibliotheken erleben gerade, wie Ihr greifbarer bzw. in der Bibliothek verortbarer Bestand an Bedeutung verliert, während die Bibliothek als Service in der digitalen Welt und als Raum in der realen Welt an Bedeutung gewinnt.

Es geht dabei nicht nur um Technologie sondern vielmehr um neue Formen des Denkens, Arbeitens und Erlebens. Und es geht glaube ich weniger um Design und vielmehr um ein individuelles Erlebnis.

In meiner Arbeit bin ich sehr viel unterwegs. Im Durchschnitt bin ca. 150 Nächte pro Jahr im Hotel. Ich lebe sozusagen in virtuell-analogen Räumen. Jedes Hotelzimmer ist nicht mein Zimmer. Es ist eine Vision, eine Idee und es geht darum, mir ein Gefühl von zuhause zu geben. Es klappt nicht immer und es bedeutet nicht Luxus oder Design. Es soll Musiker geben, die sich vertraglich zusichern lassen, dass sie auf einer Tournee in jedem Hotelzimmer auf dem Kopfkissen einen grünen Apfel finden. Es ist eine Art Fixpunkt. Wenn man wie ich sehr viel reist geht es längst nicht mehr um Luxus sondern vielmehr um ein Gefühl des Wieder-Erkennens.

Manche Gegenstände bzw. manche Dinge haben für uns eine besondere Bedeutung. Wir verbinden mit Ihnen ein bestimmtes Gefühl oder auch eine bestimmte Tätigkeit. Am auffallendsten ist für mich bei Bibliotheken zu beobachten. Viele Menschen gehen mit ihren iPads, Laptops oder eBook-Readern in die Bibliothek um dort zu arbeiten bzw. zu lernen. Sie nutzen den Bestand der Bibliothek nicht. Die Bibliothek ist also ein Lernort auch wenn der Bestand gar nicht genutzt wird. Ich selber gehe gerne ins Museum. Manchmal interessieren mich die dort ausgestellten Werke gar nicht. Es ist vielmehr der Raum, der mich reizt. Natürlich gehören die ausgestellten Werke mit dazu, aber ich beschäftige mich nicht mit Ihnen.

Ich lese sehr gerne. Ehrlich gesagt kann ich nicht gut einschlafen, wenn ich vorher nicht ein paar Zeilen lesen konnte. Ich lese keine gedruckten Bücher. Ich nutze meinen Kindle-Reader. Seitdem ich dieses Gerät habe lese ich nicht nur mehr, ich gebe auch mehr Geld für Bücher aus. Für mich persönlich ist der eBook-Reader eine echte Bereicherung. Und trotzdem möchte ich nicht auf die Bücher in meinem Arbeitszimmer verzichten. Ich rühre sie nicht an aber sie verschwinden auch nicht in einem Karton im Keller. Dabei habe ich diese Bücher nahezu alle zusätzlich als eBook erworben.

Wie gesagt bin ich sehr viel unterwegs. Und neulich kam mir eine Idee. Wie wäre es wenn es Hotelzimmer gäbe, bei denen eine Wand ein riesiger Bildschirm wäre, auf dem ein Bücherregal dargestellt würde? Die Bücher in diesem Regal wären die Bücher, welche ich auf meinem Kindle habe. Ich weiß, dass es solche Wände gibt. Es wäre also technisch umsetzbar. Diese Wand wäre also der grüne Apfel, der Fixpunkt.

Es gibt tausende von Menschen, die wie ich sehr viel unterwegs sind. Und auch wenn dies kein neues Phänomen ist, gibt es z.B. von Kultur- und Bildungsinstitutionen so gut wie keine interessanten Angebote. Es gibt weder einen für alle Bibliotheken in Deutschland gültigen Bibliotheksausweis noch spezielle Angebote von Museen oder Opern. Es sind vielmehr Technologie- und Content-Anbieter die für die kulturelle Versorgung von viel reisenden Menschen sorgen.

Ich bin gespannt, was eher realisiert wird: das virtuelle Bücherregal oder der globale Bibliotheksausweis…

Beste Grüße

Christoph Deeg

Digitale Demenz und digitale Kultur

Liebe Leser,

sind wir in der Gefahr an digitaler Demenz zu erkranken? Macht die digitale Welt  dumm und süchtig? Sollten wir zurück in die vordigitale Ära wandern?

Es ist uns ein Buch erschienen. Lesen soll ja bekanntlich bilden. Manfred Spitzer ist der Autor des Buches “Digitale Demenz “und er ist der festen Überzeugung, dass die digitale Welt unser Untergang ist.

Nun gibt es viele Menschen die Angst vor der digitalen Welt haben. Für sie ist die digitale Welt gefährlich, unberechenbar und unmenschlich. Ihnen spricht Manfred Spitzer sicherlich aus der Seele.

Ich könnte jetzt seitenweise darüber schreiben, warum Herr Spitzer keine Ahnung von der digitalen Welt hat und warum es gut ist, sich die digitale Welt zu erschließen. Aber ich möchte einen anderen Autor zu Wort kommen lassen:

Allen Interessierten möchte ich das Buch “Neue Intelligenz – warum Computerspiele und TV uns klüger machen“ von Steven Johnson empfehlen.

Zudem habe ich heute noch ein Interview zum Thema gegeben, bei dem ich u.a. erkläre warum Manfred Spitzer falsch liegt und warum wir digitale Medien noch mehr in Schulen, Bibliotheken, etc. nutzen sollten.

Ich bin auf Eure Gedanken zum Thema gespannt…

Euer

Christoph Deeg

Social-Media as a service – Fragen beantworten – Probleme lösen – vernetzen: InboxQ

Liebe Leser,

heute soll es um ein spannendes Tool aus dem Twitter-Universum gehen. In den letzten Wochen benutze ich immer öfter die Plattform inboxq.com Die Idee der Plattform ist verhältnismäßig einfach. Auf Twitter werden immer wieder Fragen gestellt. Twitter-Nutzer fragen ihre Community, und die Community antwortet. Dies ist nichts ungewöhnliches. InboxQ geht nun einen Schritt weiter. Es analysiert Nachrichten auf Twitter ob der jeweilige Tweet eine Frage ist und wenn ja, worum es in der Frage geht. Ich kann nun gezielt nach bestimmten Fragen suchen und diese dann beantworten. Und das funktioniert ganz einfach:

Zuerst gebe ich auf der Seite von InboxQ mindestens drei Stichwörter ein:

Und noch einen Klick weiter und man bekommt eine Übersicht über die aktuellen Fragen:

Nun kann man sich einen Tweet bzw. eine Frage aussuchen und diese beantworten:

Dabei ist es egal, ob man ein Problem löst oder Teil einer Diskussion wird. Im nächsten Schritt kann man dem jeweiligen Twitter-User auch direkt folgen. In meinem Fall war es eine Game-Store in Großbritanien:

Was mich besonders freute, war die Tatsache, dass der Gaming-Store sofort antwortete:

Nun kann es aber auch sein, dass man auf eine Frage keine Antwort weiß. In diesem Fall kann ich aber die Frage an meine Follower weiterleiten:

Was kann man nun mit diesem Tool anfangen?

Es gibt eine Vielzahl an Nutzungsmöglichkeiten für InboxQ.com. Die einfachste ist sicherlich Fragen zu beantworten. Dies kann zum Einen bedeuten, dass man Probleme löst z.B. “was benötige ich für ein richtig gutes Barbecue?”. Zum Anderen kann man wie im ersten Beispiel Teil einer Diskussion werden. Wenn man es richtig anstellt, kann man so neue Follower generieren, die über einen Inhalt bzw. einen Service gewonnen wurden. Ich folge gerne Menschen, die mein Problem lösen können oder aber mit denen ich meine Ideen und Inhalte teilen kann.

Wenn also ein Unternehmen ein bestimmtes Produkt verkauft – z.B. einen tragbaren Grill – kann es auf diesem Weg auf sich aufmerksam machen. Gleiches gilt für Kultur- und Bildungsinstitutionen. Gerade Bibliotheken oder Museen können sich hier als kompetente Ansprechpartner zu ihren Themen positionieren. So entsteht eine Community, die nicht auf Werbung sondern auf realen Konversationen beruht. Der Aufwand ist verhältnismäßig gering. Hat man erstmal eine kompetente Community aufgebaut, kann man an diese Fragen weitergeben. Man muss dann also nicht mehr alle Fragen selber beantworten. Trotzdem ist man der “Gatekeeper” zur eigenen Community. Diese Community funktioniert auch in die andere Richtung, d.h. der eigene Name bzw. das eigene Produkt werden kontinuierlich weiter getragen.

Leider ist es so, dass die Plattform nur bei englischen Tweets funktioniert. Dies liegt wahrscheinlich daran, dass es sich hierbei nicht um eine Volltextsuche handelt. Vielmehr werden die einzelnen Tweets linguistisch analysiert. Man muss also für jede Sprache eine eigene Plattform bauen. Trotzdem ist InboxQ.com auch für deutsche Unternehmen und Institutionen interessant. Dafür sollten wir verstehen, dass wir es immer mehr mit globalen Communitys zu tun haben. Auch wenn ich ein regionales Produkt anbiete, kann bzw. sollte ich eine globale Community aufbauen.

Es gibt aber noch mehr Möglichkeiten: Man könnte z.B. ein Projekt mit Jugendlichen, Auszubildenden oder neuen Mitarbeitern durchführen. Die Teilnehmer bekommen die Aufgabe mittels InboxQ.com Fragen von Twitter-Nutzern zu beantworten, mit Twitter-Nutzern zu diskutieren und die Community des Unternehmens oder der Institution auf Twitter zu erweitern. Auf diesem Weg könnte man eine Vielzahl an wichtigen Kompetenzen vermitteln. Zum Einen müssen die Teilnehmer die Fragen inhaltlich beantworten. Das bedeutet sie müssen recherchieren. Auszubildende und neue Mitarbeiter können so spielerisch mehr über die Produkte und Services des Unternehmens sowie die damit verbundenen Fragestellungen erfahren. Und auch in der Schule oder in einer Bibliothek können auf diesem Weg neue Inhalte erschlossen werden. Zum Anderen lernen die Teilnehmer etwas für Social-Media im allgemeinen und Twitter im besonderen. Sie werden Teil der Social-Media-Aktivitäten. Die Fähigkeit die Denk- und Arbeitsweisen von Social-Media zu verstehen und in den täglichen Arbeitsablauf zu integrieren, wird in der Zukunft in nahezu allen Berufen eine sehr große Bedeutung haben. Schließlich wird auch die Fähigkeit englisch zu sprechen, zu lesen und zu schreiben geschult. Und auch diese Fähigkeit wird in der Zukunft an Bedeutung gewinnen.

Fazit:

InboxQ.com ist ein sehr spannendes Tool, wenn es darum geht Twitter aktiv zu nutzen. In den meisten Fällen wird Twitter – genauso wie Facebook oder Google+ – immer noch als Plakatwand genutzt. Man sendet Mitteilungen wie kleine Pressetexte. Dabei geht es bei Twitter nicht um das versenden von Nachrichten sondern um einen Dialog. Und dieser kann verschiedene Formen annehmen. Ich habe InboxQ.com nun ein paar Wochen genutzt und ich muss sagen. es funktioniert. Dabei geht es mir nicht nur darum, die Anzahl meiner Follower zu erhöhen bzw. deren Wertigkeit bezogen auf die Themen mit denen ich arbeite. Vielmehr lerne ich auf diesem Weg eine Vielzahl an spannenden Menschen kennen, die ich sonst vielleicht niemals kennengelernt hätte. Aber wie sehen Eure Erfahrungen mit der Plattform aus? Versucht Ihr im Social-Web aktiv Fragen zu beantworten, an Diskussionen teilzunehmen oder neue interdisziplinäre Communitys aufzubauen?

Beste Grüße

Christoph Deeg

Ein neues Projekt – Social-Media-Coaching für 15 Bibliotheken

Liebe Leser,

heute möchte ich über ein neues Projekt berichten. Genauer gesagt ist es die Fortführung eines Projektes, bei dem ich schön länger mitarbeiten darf. Das Ministerium für Familie, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen und die Bezirksregierung Düsseldorf haben vor mehr als drei Jahren das Projekt “Lernort Bibliothek” ins Leben gerufen. In diesem Projekt geht es um die Frage, wie öffentliche Bibliotheken zu einem Lernort 2.0 werden können. Dieses Projekt besteht aus verschiedenen Bereichen. Es gibt z.B. Arbeitsgruppen mit Vertretern der teilnehmenden Bibliotheken, und ausgesuchten Experten. In einigen Bibliotheken werden die Innenräume umgestaltet. Es gibt eine Vielzahl an Veranstaltungen zu verschiedenen Themen usw. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Beratung und Begleitung der Bibliotheken in die Digitale Welt – und da komme ich ins Spiel.

Die Digitale Welt bedeutet für Bibliotheken eine große Chance und eine ebenso große Herausforderung. Themen wie Social-Media oder Gaming verändern die Welt der Bibliotheken nachhaltig. Dabei geht es nicht um den Wandel von der Bestands- zur Serviceorientierung sondern vielmehr um eine Neu-Positionierung der Bibliotheken als ganzes. D.h. die Arbeit im Bereich Social-Media hat einen Einfluss auf alle anderen Aktivitäten inkl. der Verteilung der vorhandenen Ressourcen und die individuellen Strukturen. Bibliotheken sind den anderen Kultur- und Bildungsinstitutionen bezüglich der Nutzung morderner Medien in der Breite weit voraus. Gleichzeitig ist der Impact auf die Arbeit dieser Institutionen um ein Vielfaches größer, da sich auch die Medien bzw. die Inhalte mit denen Bibliotheken arbeiten verändern.

In den nächsten sechs Monaten werde ich 15 Bibliotheken in Social-Media-Welt begleiten. Es geht dabei um je zwei Coachingtage, die im Abstand von ca. drei Monaten stattfinden. Alle teilnehmenden Bibliotheken haben schon einen Einführungsworkshop sowie einen ersten Coachingtag hinter sich. Ziel der ersten Workshops war, den Bibliotheken einen Einblick in die Social-Media-Welt zu geben und zudem mit eigenen Aktivitäten zu starten. Die zweite Runde oder der zweite Level :-) hat nun die Aufgabe, im Rahmen von jeweils zwei weiteren Coachingtagen diese Aktivitäten zu professionalisieren. Dazwischen gibt es Videokonferenzen und einen Projektwiki, d.h. die Bibliotheken können auch mein Know-How die ganzen sechs Monate zurückgreifen.

Bleibt die Frage: Warum Social-Media-Coachingtage? In den meisten Fällen beginnt die Arbeit im Bereich Social-Media mit einem Einführungsworkshop. Dabei lernen die Teilnehmer, worum es im Social Web geht und was man dabei beachten muss. Man lernt verschiedene Plattformen kennen und startet mit eigenen Aktivitäten. Sehr oft wird davon ausgegangen, dass mit diesem Workshop alles geregelt worden ist und einer erfolgreichen Reise im Social Web nichts mehr im Wege steht. Dabei entstehen in der Regel drei wesentliche Probleme:

1. Viele Fragen ergeben sich erst dann, wenn man im Web aktiv ist. In einem Einführungsworkshop können nicht alle Eventualitäten geklärt werden. Im Gegenteil, es ist sogar wichtig, eigene Erfahrungen – auch negative – zu machen. Es gibt keine Gebrauchsanweisung für das Social Web.

2. Social-Media ist immer nur ein Teil der Aktivitäten einer Institution oder eines Unternehmens. Im Rahmen eines Workshops mag es einfach sein, zu bloggen oder zu twittern. Wie aber integriert man dieses Arbeit in das Tagesgeschäft? Und wie überzeugt man das Umfeld/den Träger davon, dass diese Aktivität wichtig ist, bzw. dass es eben nicht nur um PR sondern um eine den anderen Aufgaben gleichgestellte Arbeit geht? (Auch wenn in andere Arbeitsbereiche mehr Ressourcen fließen, sollte Social-Media nicht als optionales Add-On verstanden werden)

3. Die Aktivitäten im Web beginnen in der Regel mit einer Phase des Ausprobierens. Erst nach ein paar Monaten kann man mit dem Aufbau einer nachhaltigen Social-Media-Strategie beginnen. Erst wenn man die Grundfunktionen der einzelnen Plattformen und die Kultur des Social Web verstanden hat, kann man mit der eigenen Positionierung und Professionalisierung beginnen.

Aus diesen drei Gründen werde ich also im nächsten halben Jahr wieder durch Nordrhein-Westfalen reisen und über meine Erfahrungen auf meinem Blog berichten. Wer mehr über das Gesamtprojekt wissen möchte kann dies unter http://oebib.wordpress.com/ tun.

Beste Grüße

Christoph Deeg

Kulturinfarkt – wer schützt uns eigentlich vor dem Kulturrat?

Liebe Leser,

ich sitze gerade auf dem Balkon meiner Wohnung und denke an die letzten Woche zurück. Eine Woche Bibliothekartag in Hamburg mit tollen Gästen, Themen, Besuchern, der Zukunftswerkstatt, vielen Gesprächen, Vertragsunterzeichnungen etc. Es war eine tolle Woche und ich hoffe ich kann alle in Hamburg entstandenen Ideen und Projekte umsetzen. In diesem Beitrag möchte ich aber nicht auf die Zeit in Hamburg eingehen, sondern mich mit einem ganz anderen Thema befassen: dem Deutschen Kulturrat.

Wie die meisten von euch sicherlich wissen sorgt das Buch “Der Kulturinfarkt” gerade für lebhafte Diskussionen. Die vier Autoren Armin Klein, Pius Knüsel, Dieter Haselbach und Stephan Opitz beschäftigen sich darin mit der aktuellen Situation der deutschen Kulturlandschaft. Vor allem die abschließende Forderung, die Hälfte der Kulturinstitutionen zu schließen, um die dadurch frei werdenden Mittel neuen innovativen Kulturformen und -institutionen zur Verfügung stellen hat einen Sturm der Entrüstung hervorgerufen. Landauf landab wird der Untergang des Abendlandes prophezeit, sollten die Forderungen umgesetzt werden. Auch der Deutsche Kulturrat – eine Institution, die eigentlich wichtig für die Kultur in Deutschland ist, und die sich u.a. für die Anerkennung der Computergames eingesetzt hat – reagiert mit wütenden Angriffen auf das Buch.

Ich möchte jetzt nicht nochmal meine Meinung zu dem Buch niederschreiben. In meinem Blogbeitrag zum Buch habe ich meine Meinung bereits gesagt und zudem ein Gegenkonzept angedacht. In diesem Beitrag soll es um folgendes gehen: der Deutsche Kulturrat hat das Wort “Kulturinfarkt” zum Unwort des Jahres vorgeschlagen. Ich weiß nicht, warum dieser Vorschlag nicht ebenfalls für einen Sturm der Entrüstung in der Kulturlandschaft sorgt.

Man kann das Buch “Der Kulturinfarkt” ablehnen. Man kann wütend sein – ich war es an einigen Stellen auch. Aber es gibt überhaupt keinen Grund, einen solchen Vorschlag zu machen. Was soll damit erreicht werden? Soll gezeigt werden, dass das Imperium zurückschlagen kann? Soll ein Exempel statuiert werden? Ich habe mir sehr viele Beiträge und Kommentare zum Buch durchgelesen. In den meisten Fällen ging es entweder um pauschale Rechtfertigungen für den Status Quo oder aber um Anfeindungen gegen das Buch und seine Autoren. Nur selten gab es eine inhaltlich wertvolle Diskussion. Nur selten wurden Ideen und Konzepte entwickelt. Zumeist wurde so getan, als wäre doch alles in Ordnung – aber wenn alles in Ordnung ist, warum gibt es dann öffentlich geförderte Projekte, um Kulturinstitutionen weiter zu entwickeln? Warum gibt es Konferenzen, die sich mit der Frage beschäftigen, wie man die Kulturinstitution 2.0 entwickeln kann? Warum gibt es immer wieder Kulturmanager, die entnervt das Handtuch werfen weil sie mit den Strukturen sowie Denk- und Arbeitsweisen ihrer Institution nicht mehr klar kommen? Ich könnte noch viele weitere Fragen in die gleiche Richtung stellen und wie gesagt: ich bin nicht der Meinung der Autoren. Aber der Kulturinfarkt darf kein Unwort sein.

In vielen Kommentaren zur Kultur wird darauf verwiesen, dass Kultur unsere Gesellschaft hinterfrage und diskutiere – aber darf denn nicht auch Gesellschaft die Kultur hinterfragen und diskutieren? Bedeutet Gesellschaft 2.0 nicht auch, dass wir uns Gedanken machen müssen, ob wir mit unseren Institutionen und Förderprogrammen wirklich auf dem richtigen Weg sind? Haben wir nicht die gesellschaftliche Verpflichtung, den Kulturbereich stetig weiter zu entwickeln? Hat Kultur nicht immer etwas mit Experiment und Innovation zu tun?

Wenn das Wort Kulturinfarkt zu einem Unwort wird, ist dies ein deutliches Zeichen gegen Innovation und gegen Entwicklung. Ja man kann wütend sein auf die Autoren aber sie sind keine externen Beobachter, sie sind Teil des Systems und sie haben etwas zu sagen. Man mag nun anmerken, dass die Art und Weise, wie hier Gedanken geäußert wurden problematisch ist. In Deutschland wird gerne darauf verwiesen, dass man doch bitte alles gesittet und in einem gewissen sprachlichen Rahmen besprechen soll. Nur wann war Kunst und Kultur jemals gesittet oder im Rahmen? Wenn wir eine Kultur wollen, die angepasst in einem festen und akzeptierten Rahmen existiert, wird ihr jede Kraft und jeder Einfluss genommen. Dann ist es nur noch ein kleiner Event und dann sollten Computerspiele, das Web und viele Musiker, Maler und Schauspieler nicht mehr als Kultur gelten. Kultur als Idee wäre in so einem Fall keine Plattform sondern ein Gefängnis.

Noch immer gibt es Kulturinstitutionen, die letztlich Lehranstalten sind. Sie möchten nicht nur Kunst präsentieren, sondern auch vorschreiben, wie man die jeweiligen Werke zu sehen hat. Kulturvermittlung, Kulturelle Bildung, Kulturmarketing etc. dies alles wird nur in Form eines Dialogs auf Augenhöhe funktionieren. Wenn sich der Kulturrat mit seiner Forderung durchsetzt, entsteht ein weitaus größerer Schaden als es ein Buch wie der Kulturinfarkt jemals schaffen könnte – wenn es überhaupt einen Schaden anrichten kann. Was wäre der nächste Schritt? Werden in Zukunft Bücher zur Kulturlandschaft dem Kulturrat vorab vorgelegt, damit der Kulturrat entscheiden darf ob sie veröffentlicht werden oder nicht? Entsteht also eine Kultur-Bewahrungs-Lobby-Behörde die am besten auch gleich die Lehrinhalte an Hochschulen etc. vorschreibt? Und für wen spricht dieser Kulturrat dann?

Was wir im Kulturbereich brauchen sind Menschen, die neue Ideen entwickeln und sich trauen diese zu präsentieren. Sie werden Fehler machen, sie werden vielleicht nicht die passenden Worte finden. Immer dann brauchen wir Organisationen und Institutionen, die den Wandel unterstützen und vorantreiben. Nein, nicht alles muss verändert werden, ja, es gibt viele tolle Institutionen, nein, das Buch ist nicht der Weisheit letzter Schluss, ja, ich kann verstehen wenn sich Menschen durch das Buch angegriffen fühlen – aber wir müssen trotzdem ein Zeichen setzen, dass der Kulturrat nicht im Namen aller Kulturschaffenden, Kulturinstitutionen und Kulturrezipienten spricht, wenn der diese Forderung aufrecht erhält.

So wichtig der Kulturrat auch ist – wir müssen vielleicht in diesem Fall die Kultur vor ihm schützen…

Beste Grüße

Christoph Deeg

Videointerview zum Wochenstart: Christina Tribble – Social-Media-Trainerin des US-State-Departments

Liebe Leser,

im letzten Jahr habe ich zusammen mit Christina Tribble Social-Media-Workshops für die Mitarbeiter der US-Botschaft Berlin sowie der US-Konsulate durchgeführt. Dabei habe ich auch das folgende Interview mit Christina Tribble aufgenommen. Viel Spass damit…

Christoph Deeg