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Bericht über meine Asienreise – Teil 2: Gaming in Japan

Liebe Leser,

es wird Zeit Euch über den zweiten Teil meiner Asienreise zu berichten. Für diejenigen, die nicht wissen um was es bei dieser Reise ging habe ich hier noch eine kleine Zusammenfassung:

Vom 26.02. bis zum 11.03.2013 war ich in Ost-Asien, genauer gesagt in China, Japan und Süd-Korea auf Einladung des Goethe-Instituts unterwegs. Ziel dieser Forschungsreise war eine erste Analyse der Gaming-Kultur in diesen Ländern. Es ging vor allem um die Frage, welchen Einfluss und Stellenwert Gaming für die jeweilige Gesellschaft hat und was man daraus resultierend lernen kann In einem der letzten Beiträge habe ich über meine Erfahrungen in China gesprochen. In diesem Beitrag geht es nun um Japan.

SAM_2436Tokio war meine erste Station. Dort traf ich mich am ersten Tag mit Jonathan deHaan. Er ist Professor an der University of Shizuoka und beschäftigt sich mit der japanischen Gaming-Kultur und der Nutzung von Computergames für neue Lernmodelle. Mit Jonathan deHaan besuchte ich die berühmte Akihabara. Für Technik-/ bzw. Gaming-Fans ist dieser Ort sicherlich ein Paradies Ursprünglich war die Akihabara ein Ort, an dem man alle möglichen elektronischen Geräte und Ersatzteile bekommen konnte und diese Funktion ist auch immer noch vorhanden. In den letzten Jahren bzw. Jahrzehnten hat sie sich aber immer mehr zu einer Bühne für die japanische Pop- und Medien- und Digitalkultur entwickelt. Dies betrifft auch das Thema Gaming. Es gibt dort riesige Kaufhäuser in denen es nur um die Welt der Computerspiele geht. Und nach wenigen Minuten an diesem für Gamer sicherlich heiligen Ort wird klar: Gaming ist ein elementarer Bestandteil der japanischen Alltagskultur. Natürlich haben wir uns auch intensiv über das Thema Gaming unterhalten. Jonathan war und ist selber Gamer wir hatten uns sehr viel zu erzählen.

Am nächsten Tag nahm ich den Shinkansen nach Osaka um James Konik zu treffen. James Konik ist – wie auch Jonathan deHaan – Gamer aus Leidenschaft. Er ist zudem Programmierer und Blogger. Sein Blog „Japan Gaming Guide“ ist einer der wichtigsten Blogs zu diesem Thema. SAM_2427Mit James Konik besuchte ich einen großen „Arcade“. Solch ein Ort mag für viele wie eine klasssiche „Spielhölle“ wirken. Mit europäischen „Spielhöllen“ hat dies aber wenig zu tun. Ein Arcade ist ein Games-Universum. Es gibt Formen von Glücksspielen aber viel interessanter sind die „echten“ Games wie z.B. Fussball, Autorennen etc. Diese Spiele werden zusammen gespielt, dass heißt mehrere Systeme sind miteinander vernetzt. Natürlich gibt es auch Spiele die man alleine spielen kann. Teile diese Spiele basieren auf Spielkarten, die man in bestimmten Geschäften kaufen kann. Das System erkennt dann diese Karten und man kann bestimmte Figuren wie z.B. einen Zauberer oder einen Kämpfer spielen. Es gibt auch Spiele, bei denen man sich zuerst fotografiert und dann virtuell „schminken“ kann. Dann gibt es eine Vielzahl an Musikspielen. Bei diesen Spielen geht es darum, durch Drücken von aufleuchtenden Tasten ein Musikstück zu erstellen. Die Musik ist vorgegeben. Dies mag sehr einfach klingen. Jedoch werden diese Spiele ins sehr hoher Geschwindigkeit gespielt. Ein Anfänger braucht einige Zeit um das Spiel wirklich spielen zu können und muss dafür intensiv trainieren.

An dritten Tag traf ich dann Herrn Robert Telschig. Er arbeitet im Deutschen Haus der Stadt Naruto. Robert Telschig ist selber Gamer und zudem schon seit längerem in Japan. Er konnte mir einiges zum Vergleich zwischen der Gaming-Kultur in Japan und Deutschland erzählen. Hier war besonders interessant etwas über die japanische Kultur an sich und aus Sicht eines Deutschen zu lernen.

Gaming in Japan:

SAM_2397Gaming in Japan ist ein Kulturphänomen. Mit Ausnahme von Süd-Korea findet man wahrscheinlich kein Land, in dem Gaming ein so elementarer Bestandteil der Alltagskultur ist. Gaming ist quasi überall. Nicht die Gamer sondern diejenigen die nicht spielen erscheinen seltsam. Die Inhalte der Gaming-Kultur beeinflussen auch viele andere Lebensbereiche. Als Beispiel möchte ich die Das Restaurant „Dragon Quest“ in Tokio benennen. Dieses Restaurant trägt nicht nur den Namen eines bekannten Computerspiels. Das Restaurant ist vielmehr die Erweiterung des Spiels in der realen Welt. Die Bedienung trägt die Kleidung aus dem Spiel. Das Essen wurde aus Inhalten des Spiels entwickelt. Die Einrichtung des Restaurants ist ebenfalls dem Design des Spiels entnommen. An vielen Stellen in Tokio finden wir kleine Läden, in denen man einen speziellen WLAN-Zugang in das Nintendo-Netzwerk bekommt, um sich neue Inhalte auf die mobilen Endgeräte downloaden zu können.

Dabei hat Gaming offensichtlich eine ebenso starke soziale Funktion. Die Arcades sind nicht nur Spiel-Räume sondern ebenso soziale Räume. Es ist völlig normal, dass man gemeinsam Freizeit mitSAM_2424 Gaming verbringt. Gleichwohl können wir auch hier eine strikte Trennung zwischen Gaming und Bildung finden. D.h. Auf der einen Seite ist Gaming ein elementarer Bestandteil der Kultur in Japan, auf der anderen Seite werden die damit verbundenen Potentiale nicht erkannt und nicht ausgeschöpft. Natürlich kann man Gaming in Japan nicht isoliert betrachten. Zum Einen gibt es sehr viele Menschen die Rollenspiele mit klassischen Spielkarten spielen. Der Gaming-Konzern „Nintendo“ ist selber aus einem Unternehmen hervorgegangen, welches sich mit der Produktion und dem Vertrieb solcher Spielkarten beschäftigte. Zum Anderen muss man verstehen, dass Gaming nur ein Element der Pop-Kultur in Japan darstellt. Ebenso wichtig sind Mangas und natürlich die Pop-Musik allen voran die bekannten Girl-Bands, welche aus Casting-Shows hervorgehen. Die Akihabara ist denn auch weniger ein Ort des Gamings als vielmehr der gesamten Pop- und Medienkultur Japans.

Beobachtet man japanische Gamer so fällt auf, dass sie eine unglaubliche Energie in dieses Hobby stecken. Jonathan deHaan erklärte mir, dass ein Hobby wie Gaming in Japan einen völlig anderen Stellenwert hat. Man spielt nicht ein bisschen – man ist vielmehr kontinuierlich am trainieren um besser zu werden. Das Erreichen einer wie auch immer gearteten Perfektion verbunden mit einem hohen Konkurrenzkampf in der japanischen Gesellschaft sorgt dafür, dass Gaming weitaus mehr ist als nur ein Hobby. SAM_2472Ebenso beeindruckend ist der soziale Faktor der Gaming-Kultur. Dies wird aktuell dadurch verstärkt, dass wir nun auch hier eine Elterngeneration haben, die selber eine Gaming-Tradition hat und diese nun an ihre Kinder weitergibt, bzw. durch ihre Kinder wieder aktiviert wird. Es geht dabei nicht nur um das Spielen aktueller Titel. Es gibt eine ebenso große Retro-Szene. Auch auf der Akihabara war dies sichtbar. Einige Gaming-Kaufhäuser haben sich ausschließlich auf alte Spiele und die dazugehörige Hardware spezialisiert. Diese Stores wirken wie riesige Museen, in denen die Exponate käuflich erworben werden können. Aber dieses Stores sind lebendig. Die Gaming-Kultur bedeutet nicht nur das Nutzen der jeweils aktuellen Hard- und Software. Es gibt eine immer größer werdende Retro-Kultur. Gaming ist also Teil der kulturellen Identität vieler Menschen geworden. Ohne diese Spiele bzw. diese Kultur – so waren sich alle Interviewpartner einig – wäre es zudem weitaus schwerer gewesen, eine breite Nutzung moderner Kommunikations- und Medientechnologien in der Bevölkerung zu ermöglichen.

In Japan geht es zudem mehr um die Figuren und Inhalte in den Spielen als z.B. in Süd-Korea. Die Identifikation mit den Figuren und Inhalten ist weitaus größer. Zudem werden die sozialen Medien insbesondere Facebook und Youtube intensiv genutzt um die Gaming-Kultur zu verbreiten. Vor allem zur Kultur der Arcades gibt es bei Youtube eine Vielzahl an Videos zu finden. Wer also mehr sehen möchte, sollte sich dort umsehen.

Soweit also ein erster Beitrag zu Japan. Im folgenden Beitrag geht es dann um Südkorea.

Beste Grüße

Christoph Deeg

Willkommen auf meiner Forschungsreise nach Asien zum Thema “Gaming”

Liebe Leser,

es ist Samstag der 23.02.2013 und ich sitze am Flughafen in Berlin-Tegel. In den letzten zwei Wochen war es auf meinem Blog wieder etwas ruhiger. Mein Ziel, in diesem Jahr 100 Blogbeiträge zu posten verfolge ich weiter, aber in den letzten Wochen musste ich einiges in der analogen Welt vorbereiten. Neben meinen Beratungstätigkeiten in den Bereichen Social-Media und Gamification für Unternehmen und Institutionen und der Tatsache, dass ich gerade mein erstes Buch schreibe (nein, es ist kein Buch über Barbecue sondern über Gaming) musste ich vor allem eine Reise vorbereiten, die heute beginnt: Meine Forschungsreise zum Thema „Gaming in Ost-Asien“.

Worum geht es genau?

In den nächsten 16 Tagen werde ich nach Hongkong, Shanghai, Tokio, Osaka und Seoul reisen um im Auftrag des Goethe-Instituts zum Thema Gaming in Asien zu forschen. Diese Reise ist der Auftakt zu einer längeren Forschungsarbeit und wenn alles gut läuft ist es nicht die letzte Reise nach Asien.

Warum Gaming in Asien?

Ich werde während meiner Reise sehr viele Menschen, Unternehmen, Institutionen und Orte kennenlernen. Ich möchte herausfinden, wie sich in diesen Ländern Gaming, Bildung, Wirtschaft und Kultur gegenseitig beeinflussen. Das Thema Gaming verbinden viele Menschen noch immer mit jungen männlichen Teenagern, Suchtgefahren und Gewaltdarstellungen. Aber Gaming ist viel mehr. Gaming ist ein Teil der digitalen Kultur und diese Kultur steht für neue Denk- und Arbeitsweisen, neue Formen der Kultur- und Wissensvermittlung, neues Lernen, neue Management-Modelle und jede Menge Spass. Wenn Social-Media Web 2.0 ist, dann ist Gaming Social-Media 2.0. Alle Themen, alle Ziele, alle Herangehensweisen, welche wir aus dem Bereich Social-Media kennen bzw. andenken sind im Gaming bereits seit Jahren vorhanden. Gaming bedeutet Lernen, Wissensmanagement, Marketing, Spielen, Austauch etc. Die besten Community-Manager können wir in der Gaming-Branche finden. Storytelling, Augmented Reality, Vernetzung, Recherchekompetenz, Leseförderung – all das ist in Gaming vorhanden. Wenn wir diese Kultur verstehen und uns zu eigen machen, wenn wir uns dieser Kultur öffnen, dann können diese Modelle helfen, bessere Kultur- und Bildungsinstitutionen, bessere Unternehmen und bessere Communitys zu entwickeln.

Natürlich ist in Asien nicht alles besser – aber ich glaube es ist anders. Dies betrifft auch die möglichen negativen Konsequenzen. Meine Asienreise basiert also nicht auf der Idee, den asiatischen Weg – wenn es dies überhaupt gibt – in Deutschland zu kopieren. Aber ich glaube, wir können voneinander lernen.

Für mich sind Social-Media und Gaming die zwei Seiten der selben Münze. Niemand braucht eine Social-Media-Strategie. Was wir benötigen sind digitale Strategien, die sowohl Social-Media als auch Gaming beinhalten.

In den nächsten Tagen werde ich sehr viele Fotos und Videos aufnehmen, sehr viele Menschen treffen und sehr viele Eindrücke sammeln. Ich bin gespannt auf das was mich erwartet. Natürlich werde ich versuchen, so oft wie irgend möglich zu bloggen. Ansonsten könnt Ihr mir natürlich auch auf Twitter, Facebook etc. folgen.

Beste Grüße

Christoph Deeg