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Warum Social-Media eine analoge Aufgabe ist – und warum wir mehr Gamescom brauchen

Liebe Leser,

ich bin gerade in Olsberg in Nordrhein-Westfalen. Morgen werde ich wieder einen kleinen Verbund von drei sehr kleinen Kultur- und Bildungsinstitutionen auf Ihrem Weg in die digitale Welt begleiten. Morgen ist der Kick-Off-Workshop und der Abend vor so einem Workshop ist immer besonders spannend für mich. Wie werden die Teilnehmer reagieren? Welchen Weg werden wir einschlagen? Funktionieren die technischen Ressourcen? Und wie sehen dann die nächsten Monate aus? Ich werde diese Institutionen nämlich das ganze Jahr begleiten.

Mein vorletzter Blogbeitrag war sehr erfolgreich. Es gab eine Vielzahl an Diskussionen. Zum kleinen Teil fand die Diskussion hier auf meinem Blog und zum großen Teil auf Facebook, Twitter und Google+ statt. Warum dieses mal so wild diskutiert wurde kann ich ehrlich gesagt gar nicht nachvollziehen. Gewiss die Thesen mögen dem Einen oder Anderen etwas provokant erscheinen, aber letztlich habe ich diese Ideen schon seit mehr als zwei Jahren kommuniziert. Und sie sind seit dieser Zeit die gedankliche Basis meiner Arbeit. Die Grundgedanken, dass die digitale Welt keine neue Technologie sondern eine völlig neue Kultur darstellt vertrete ich schon lange und die damit verbundenen Herausforderungen und Fragestellungen gelten sowohl für Bibliotheken als auch für alle anderen Institutionen und ebenso für Unternehmen.

Ich bin immer mehr der Meinung, dass wir nun (endlich) in die Phase der Veränderung kommen. Immer mehr Institutionen und Unternehmen sind in der digitalen Welt aktiv. Und immer mehr Menschen setzen sich mit den damit verbundenen Konsequenzen auseinander. So langsam versteht man den Impact auf unsere Lebensrealität. Man versteht, dass man die klassischen PR- und Marketingwerkzeuge nicht mehr nutzen kann. Und das beschränkt sich nicht mehr alleine auf das Social Web. Offenheit, Transparenz, Kooperation, Community-Building und viele weitere Begriffe und Themen stehen nicht für eine abgeschlossene Enklave, welche sich digitale Welt nennt. Diese neuen Denk- und Arbeitsweisen werden in Zukunft nicht nur die Basis der Arbeit in der digitalen sondern auch der analogen Welt sein. Die Plattformen (Facebook, Twitter, Google+, Blogs, Wikis) die Technologien (Smartphones, Tablet-PC’s, Netbooks etc.) sind nur die Hülle für die Aktivitäten der Menschen. Sie sind nur die Werkzeuge. Das bedeutet, wer diese Plattformen verstanden hat, kann noch lange nicht erfolgreich mit ihnen umgehen. Deshalb ist es z.B. für viele Werbeagenturen so schwer, erfolgreich im Social Web zu agieren. Ihre Modelle und Herangehensweisen funktionieren im Social Web nicht mehr. Und auch Institutionen stehen vor neuen Herausforderungen. Gab es noch vor ein paar Jahren den Mythos der Deutungshoheit geht es heute darum, neue Kommunikations- und Arbeitsformen zu verstehen, zu entwickeln und umzusetzen. Und diese neuen Wege lassen sich nur schwer beschreiten, wenn die Strukturen und Ressourcen darauf nicht vorbereitet sind.

Aber ist dies wirklich eine digitale Revolution? Ich glaube nicht. Sicher, wir haben große Veränderungen bezüglich unsere Medien- und Kommunikationsformen und ja, das verändert alles. Andererseits kann die digitale Welt keine reale Bedeutung entfachen, wenn sie nicht in der analogen Welt verankert ist. Alle was wir im Internet sehen, alle Inhalte auf Facebook, Twitter, Google+ und Co. ist von Menschen gemacht. Die Inhalte entstehen in den Köpfen der Menschen und nicht in den Einsen und Nullen des Internets. Das Web verändert alles aber es ist nur ein Werkzeug. Die Herausforderungen, die sich aus der digitalen Welt ergeben sind letztlich nur ein Spiegelbild der Herausforderungen in der analogen Welt. Der digitale Wandel macht sichtbar und erfahrbar, wo die Probleme in der analogen Welt liegen.

Immer wenn ich das folgende Video sehe, wird mir klar, dass es um einen viel größeren Wandel geht. Und jenseits von drittklassigen Werbefilmchen und Möchtegern-PR-Agenturen entstehen neue Berufe, neue Plattformen und neue Inhalte. Schaut Euch dieses Video an und Ihr versteht (hoffentlich) was ich meine.

Die Diskussion über die Zukunft der Bibliotheken kann und werde ich auch über die Zukunft der Museen, der Schulen, der Unternehmen und der Verwaltungen führen. Und wir werden erkennen, dass sich die Herausforderungen ähneln. Wenn uns aber ein von Menschen gelebtes und mit Inhalten gefülltes System zeigt, wo unsere Probleme liegen, dann sollten wir zuerst beginnen, besser zu zu hören. Mich würde interessieren, wie viele Besucher des kommenden Bibliothekskongresses in Leipzig zuhören? Man muss keine großen Studien in Auftrag geben. Man muss nur die Diskussionen auf Google+ und Twitter über meinen Blogbeitrag verfolgen, um zu sehen was die Menschen denken. Der Bibliothekskongress ist aber kein Ort des Zuhörens. Es ist ein geschlossenes System. So wie sich die Bibliothekswelt zurecht über geschlossene Systeme wie z.B. Amazon aufregt, ist sie selber nicht offen. In Leipzig reden wir mal wieder über die Menschen, aber nicht mit ihnen. Dabei wäre es so einfach: Öffnet den Kongress für die Kunden, Nutzer, Nicht-Kunden und Nicht-Nutzer. Erlasst jedem Kunden/Nutzer die Jahresgebühr für ein Jahr, wenn er auch nach Leipzig kommt. Natürlich ohne Eintritt zu zahlen. Lasset die Kultur- und Bildungskonferenzen zur Gamescom 2.0 werden. Und wenn das nicht geht: Mieten wir doch einfach eine Halle der Köln-Messe während der Gamescom und schauen wir was passiert.

In diesem Sinne eine schöne Nacht

Christoph Deeg

Willkommen auf der Re:Publica! #rp12

Liebe Leser,

ich bin gerade auf der Re:Publica angekommen. Diese Konferenz ist eine der spannendsten Konferenzen des Jahres. Es ist ist mehr als ein Nerd-Klassentreffen. Nur selten kann man so viele Menschen und Ideen kennenlernen und nur selten findet ein interdisziplinärer Austausch statt. Nach der Gamescom ist dies für mich der wichtigste Termin des Jahres.

Der Besuch der Re:Publica bedeutet aber auch, dass schon wieder ein Jahr vorüber ist. Ich kann mich noch gut an das letzte Jahr erinnern. Damals habe ich den ersten Tag verpasst, weil ich zusammen mit Christina Tribble vom US-State-Department Social-Media-Workshops für Mitarbeiter der US-Botschaft Berlin und den US-Konsulaten durchführte. Damals hatte gerade erst erfahren, dass nun ein weiteres großes Projekt für die Landesregierung Nordrhein-Westfalen ansteht.

Damals gab es noch keine Mobile-Internet-Roadshow, keine Deutsch-Amerikanische Gaming-Liga, usw. In diesem einen Jahr hat sich viel verändert. Ich bin auf dieser Konferenz, weil ich vor allem lernen möchte. Es sind drei Tage um den Horizont zu erweitern. Neue Menschen kennen zu lernen und vor allem Spass zu haben.

Die digitale Welt ist in Bewegung. Niemand weiß wo sie sich hinentwickeln wird. Wir stehen immer noch am Anfang und dieser Zustand wird wahrscheinlich auch immer so bleiben. Und natürlich läuft nicht alles perfekt. Im Gegenteil, es gibt genügend Dinge die mehr als nur nervig sind. Ein paar Beispiele:

Warum glaubt Klout, dass ich u.a. bedeutend für das Thema “Library of congress” bin? Ich habe nie darüber geschrieben!

Warum retweetet der Twitter-Bot von Eintracht Frankfurt alles, was ich zu Eintracht Braunschweig schreibe?

Warum werden im Netz andauernd mit schlechter Werbung gefoltert? Und warum geben Geld immer noch so viel Geld für Online-Werbung aus, anstatt zu beginnen zu kommunizieren?

Warum gibt es keinen Ad-Blocker für das iPad?

Warum ist Social-Media noch immer nicht in den Schulen und Universitäten und vor allem in den Kulturinstitutionen angekommen?

Ich könnte so noch lange weiterschreiben, aber ich möchte ja die Konferenz erleben…

Wie gesagt, die digitale Welt ist spannend, heterogen, bewegend und vor allem steckt sie immer noch in den Kinderschuhen. In den nächsten Tagen werde ich über Twitter und natürlich auf meinem Blog über die Konferenz berichten.

Beste Grüße

Christoph Deeg