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Das Buch zum Thema “Gaming und Bibliotheken”

Liebe Leser,

heute möchte ich Euch ein besonderes Projekt von mir vorstellen. In den letzten Monaten habe ich sehr viel Zeit und Energie in mein erstes Buch investiert und vor ein paar Tagen ist es endlich auf den Markt gekommen: Ab sofort könnt Ihr mein Buch zum Thema:”Gaming und Bibliotheken” käuflich erwerben:-) Es ist vielleicht das erste deutschsprachige Buch, welches sich so umfassend mit dem Thema Gaming aus Sicht von Bibliotheken beschäftigt aber es eignet sich ebenso als Einstieg für Museen, Archive und alle weiteren Bildungs- und Kulturinstitutionen.

Als ich anfing, mir über die Inhalte des Buches Gedanken zu machen, merkte ich, dass es gar nicht so einfach ist, ein Buch zu schreiben, welches Mitarbeiter in Bibliotheken und anderen Institutionen in Sachen Gaming nicht nur motiviert sondern auch informiert. Es mag auf den ersten Blick einfach sein, ein solches Buch zu verfassen. Schließlich muss man nur überlegen, was Bibliotheken mit dem Thema Gaming anfangen können. Und in den letzten Jahren habe ich eine Vielzahl an Gaming-Projekten und Gaming-Workshops u.a. in Bibliotheken realisiert. Aber reicht das? Sollte es in so einem Buch nur um ein paar Best-Practice-Beispiele gehen? Ist es das Ziel dafür zu Sorgen, dass möglichst alle Bibliotheken Games im Bestand haben und hier und da eine dazu passende Veranstaltung durchführen?

Ja, diese Zielsetzung ist vorhanden, aber es ist nur ein kleiner Teil dessen, was Bibliotheken mit Games machen können. Und nein, es geht nicht darum, Games zu nutzen, um damit dann Bibliothekskunden zu generieren, die man zum Lesen von Büchern animieren kann. Games sind vielleicht die größte Medienrevolution seit Erfindung des Buches und sie bedeuten für Bibliotheken Chance und Herausforderung zugleich.

In meinem Buch erkläre ich natürlich, was Gaming eigentlich bedeutet und warum sich Bibliotheken intensiv mit dem Thema auseinandersetzen sollten. Aber mir war von Anfang an bewusst, dass dies nicht so einfach ist. Denn Games sind nicht nur andere Medien mit teilweise anderen Zielgruppen. Gaming steht für ein eigene Kultur, eigene Formen der Kommunikation und Wahrnehmung von Inhalten. Erst wenn man diese Kultur versteht, kann man als Bibliothek in diesem Bereich nachhaltig erfolgreich sein.

Und natürlich ist eine Bibliothek immer eingebettet in ein komplexes Umfeld, welches vielleicht eine ganz eigene Sichtweise auf das Thema hat. Deshalb erfahren die Leser des Buchs auch, wie man das Umfeld in die Gaming-Aktivitäten integrieren kann.

Aber der größte Teil des Buches besteht aus Tipps und Hilfestellungen rund um das Thema “Gaming in Bibliotheken”. Angefangen von Informationen zu Hardware und den Games selber, bin hin zur Entwicklung einer individuellen Gesamtstrategie für das Thema ist alles vorhanden. Ich habe dabei bewusst so weit wie möglich auf Fachbegriffe verzichtet, damit sich nicht erst ein spezielles Fachvokabular aneignen muss, um das Buch zu verstehen.

Das Buch eignet sich für Anfänger und Fortgeschrittene, sowie für kleine und große Bibliotheken bzw. alle Kultur- und Bildungseinrichtungen. Aber das Buch ist nicht einfach nur ein Buch. Es stellt vielmehr den Beginn einer Vielzahl von Gamingaktivitäten dar:

In Kürze startet ein Blog zum Buch. Hier werde ich kontinuierlich Updates veröffentlichen. Die Welt des Gamings verändert sich stetig und zugleich rasend schnell. Schreibt man also ein Buch zu diesem Thema, muss man damit leben, dass viele Inhalte an Aktualität verlieren. Deshalb werde ich dazu immer wieder Updates veröffentlichen.

Gleichzeitig gibt es ab sofort ein neues erweitertes Angebot für Workshops, Vorträgen und Projekten zum Thema Gaming in Bibliotheken und anderen Kultur- und Bildungseinrichtungen.

Dazu gehört zum Einen das schon bekannte “Mobile Gaming-Labor”, mit dem ich in die Bibliotheken etc. komme, um den Mitarbeitern das Thema Gaming näher zu bringen. Nach einem kurzen Vortrag geht es an das aktive Spielen – die Konsolen, Monitore, Games etc. bringe ich alle mit.

Zudem gibt es den Workshop “games4bibs”. Hier geht es dann darum, konkrete Veranstaltungen, Aktivitäten aber auch den Bestandsaufbau und die Bestandspflege zu planen. Dazu gehört dann auch Gaming für die Leseförderung oder Literaturprogramme etc.

Schließlich gib es dann noch den Workshop mit dem Thema “Auf dem Weg zur spielenden Bibliothek”. In diesem Workshop geht es um die Entwicklung einer Gaming-Gesamtstrategie für eine Bibliothek.

Alle diese Workshops gibt es in abgewandelter Form auch für Archive und Museen. In den nächsten Wochen werde ich weitere Details zu den einzelnen Programmen posten.

Am 15./16.10.2014 findet zudem an der Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel eine spannende Tagung zum Thema statt, bei der Experten aus Nordamerika, Asien und Europa über Kulturvermittlung und kulturelle Bildung durch und mit Gaming diskutieren. Das ganze kostet 150.-€ inkl. Übernachtung und Verpflegung – es lohnt sich:-)

Ich bin nun sehr gespannt, wie sich das Thema Gaming in Kultur und Bildung entwickeln wird. In den letzten Jahren habe ich so viele Workshops durchgeführt und Vorträge gehalten, und ich glaube die Zeit ist reif für “Gaming und Bibliotheken”

Beste Grüße

Christoph Deeg

Brief an die digitalen Analphabeten

Liebe digitale Analphabeten,

hier schreibt kein Jugendlicher, kein jugendlicher Erwachsener, kein Kind. Ich bin aufgewachsen mit Telefonen, die eine Wählscheibe hatten. Mein erstes Handy kaufte ich glaube ich mit 20 Jahren. Meine Kindheit war analog – wenn wir mal diese heißen kleinen Gaming-Konsolen etc. herausrechnen. Ich bin kein Digital Native. Ich gehöre nicht zu der Generation, die Ihr gerne als solche bezeichnet, die aber von Euch in Eurer naiv-konservativ-analogen Welt gefangen gehalten wird, in der gerade mal 15% der Schüler den Computer täglich im Unterricht nutzen dürfen.

Ihr digitalen Analphabeten versteckt Euch hinter pseudo-moralischen Ideen. Ihr behauptet, Ihr wollt die Gesellschaft schützen. Ihr verdammt den Fortschritt als unmenschlich. Ihr wollt diskutieren und in Euren Holzmedien über “den Menschen” reden. Ihr redet von der Freiheit der Menschen und davon, dass Ihr diese Freiheit verteidigen wollt. Ihr schreibt Bücher wie „Payback“ und seid doch alles andere als Zurückzahlende oder Freiheitskämpfer. Voller Inkompetenz baut Ihr darauf, dass niemand das Gefängnis erkennt, in welches Ihr ganze Generationen einsperren wollt.

Ja, es hat sich etwas verändert. Ihr wolltet das nicht. Im Gegenteil, es war doch alles gut so wie es ist. Ihr hattet Eure Möglichkeiten und Euren Einfluss. Ihr hattet das goldene Kalb der Deutungshoheit. Es war alles so gut und so einfach. Und nun soll dies alles nicht mehr relevant sein? Ihr erlebt eine Welt, in der so etwas wie „Deutungshoheit“ eine Pointe in einem Witz geworden ist. Nein, Ihr habt die Deutungshoheit nicht an die digitale Welt verloren. Die digitale Welt zeigt Euch nur, dass es nie eine Deutungshoheit gab. Das mag wehtun – gewöhnt Euch daran.

Ich kann Euch verstehen. Ihr müsst alles verdammen, was nach Fortschritt aussieht. Ihr müsst alles tun, damit Eure Vision der digitalen Apokalypse nicht real wird, auch wenn es Euch nach meinem Gefühl weniger um „die Menschen“ oder „die Gesellschaft“ sondern vielmehr um Euch und Eure Macht geht.

Ihr habt lange gewartet. Zu lange gewartet. Längst sind Konzerne entstanden, die öffentliche Aufgaben übernehmen, die eigentlich Ihr hättet übernehmen müssen. Aber Ihr wolltet lieber noch ein bisschen diskutieren. Das passt zu Euch: Viel reden – aber nichts entscheiden.

Und nun werden Euch Entscheidungen abgenommen. Nun beginnen die Menschen zu handeln. Eure Gesetze und Kolumnen waren eh nur für eine kleine Mini-Elite bestimmt, nun erreichen sie fast niemanden mehr. Ihr habt Euch verloren im Beobachten und Reden. Ihr, und nicht die Konsumenten habt die digitale Welt den kommerziellen Unternehmen überlassen. Und nun wollt Ihr eben diese Unternehmen für etwas bestrafen, was Ihr selber zu verantworten habt. Wo sind Eure Konzepte? Wo sind Eure Ideen? Wo sind Eure Visionen? Ist ein bisschen konservativ daher quasseln in Euren kleinen Holzmedien alles was Ihr könnt? Hattet Ihr nicht Zeit und Geld genug, um eigene Ideen und Modelle zu entwickeln?

Wo ist der Unternehmergeist in Deutschland geblieben? Macht es Euch nicht nervös, dass selbst die Kanzlerin mahnt, Ihr solltet euch mehr Mühe geben? Glaubt Ihr eine kleine Gruppe von Pseudo-Kultur-Propheten mit Ihren schwachen Feuilletons könnten Euch retten? Nein! Werdet endlich erwachsen. Wir brauchen keine digitale Präventionsgesellschaft. Wir brauchen keine Möchtegern-Kultur-Menschen, die im Digitalen nichts anderes als Gefahren sehen. Was Ihr nicht verstanden habt ist: diese digitale Welt wird von Menschen gestaltet. Und diese Menschen entwickeln eine neue Kultur, in der Ihr zu einem Auslaufmodell werdet. Nicht Google, Amazon und Facebook sind die Feinde sondern diejenigen, die die Menschen entmündigen, indem sie ihnen sagen, dass man diese digital-analoge Welt nicht gestalten könne.

Wir brauchen keine Verwalter – wir brauen Gestalter. Die digitale Welt ist vor allem eine unglaubliche Chance. Gewiss, sie ist auch voller Risiken. Aber das größte Risiko sind diejenigen, die aus ihrer pseudokulturellen Oase beobachten und richten. Hört auf zu diskutieren und beginnt zu gestalten. Wir brauchen keine Talk-Shows und Interviews. Wir brauchen Menschen, die diese Gesellschaft gestalten wollen.

Ruht Euch nicht auf Eurem vermeintlichen Alter aus. Sätze wie „ich bin bald in Rente und will mich damit nicht mehr beschäftigen“ sind die Aussagen asozialer Konservativer. Es ist egal wie alt man ist – man muss einfach nur bereit sein, über den Tellerrand hinaus zu blicken. Nein, Ihr müsst keine digitalen Nerds werden. Niemand zwingt Euch einen Account bei Facebook und Co. zu eröffnen. Aber gebt denen den Raum und die Möglichkeiten, die sich auf den Weg in die digital-analoge Welt machen. Ihr braucht keine Angst zu haben. Wir haben vor Euch ja auch keine Angst.

Also: wacht auf! Nutzt die Potentiale der Veränderung! Lasst uns die digitalen Angebote nutzen und gestalten. Und wenn Ihr das nicht wollt, dann schweigt…

Beste Grüße

Christoph Deeg

Deutschland ein digitaler Bildungs-Unfall?

Liebe Leser,

man mag es kaum glauben. Man mag wütend sein. Man mag sich schämen. Es ändert aber nichts: Deutschland hat ein tiefgreifendes Bildungsproblem. Und dieses mal sind es nicht die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die Probleme bereiten. Es sind vor allem die Erwachsenen, die offensichtlich ein großes Problem mit modernen Kommunikation- und Medientechnologien und dem Lesen und Verstehen von Texten haben. Im Rahmen der PIAAC-Studie der OECD wurden 166.000 Menschen im Alter zwischen 16 und 65 in 24 Ländern befragt bzw. getestet. Das Ergebnis ist niederschmetternd: 17,5% der Deutschen verfügen nur über die Lesekompetenz eines 10-Jährigen. Das allein reicht m.E. schon aus um sich zu fragen, ob sich eine der reichsten Industrienationen der Welt darüber bewusst ist, dass unser Reichtum kein Automatismus bzw. kein Naturgesetz ist.

Noch erschreckender ist für mich aber das Ergebnis im Bereich der digitalen Problemlösungskompetenz, also der Fähigkeit, den Computer zu nutzen: Gerade mal 7% der Deutschen verfügen über eine hohe Kompetenz in diesem Bereich. 45% verfügen nur über geringe Kenntnisse. 11,6% haben in diesem Bereich gar keine Erfahrung. Man könnte es auch anders ausdrücken: Deutschland hat eine sehr große Zahl an digitalen Analphabeten. Nur zum Verständnis: In einer Zeit, in der Social-Media und Co. unsere Gesellschaft nachhaltig verändern, leistet sich eine der größten Industrienationen der Welt den Luxus, ihre Bewohner in der Kreidezeit zu belassen.

Fast schon faszinierend ist die Reaktion der wichtigen und zumindest in Teilen verantwortlichen Institutionen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung sieht offensichtlich überhaupt keinen Bedarf für Veränderungen. Es handelt ganz klar nach der Devise “Weiter so!”. Weder die mangelnde Lesekompetenz der Älteren noch deren extreme Schwächen im Bereich der Nutzung digitaler Medien scheint hier eine Bedeutung zu haben. Dabei sind es die Älteren, die die jüngere Generation auf dem Weg in die digitale Welt begleiten müssten. In vielen Bildungsinstitutionen, seien es Schulen, Bibliotheken oder Universitäten ist der Altersdurchschnitt sehr hoch… Wo ist der Aufschrei des Deutschen Bibliotheksverband? Wo melden sich die Lehrer? Wäre nicht jetzt der ideale Zeitpunkt um öffentlich diese Herausforderung anzunehmen?

Die digitale Infrastruktur in Deutschland ist noch immer in einem desaströsen Zustand – das ist bekannt. Und ich habe schon vor einigen Monaten nach meiner Asienreise darauf hingewiesen, dass uns Länder wie Süd-Korea zeigen, wie man digitale Infrastruktur denkt, entwickelt und realisiert:

Das Beispiel Süd-Korea zeigt aber auch, dass es nicht nur um den Aufbau einer technischen Infrastruktur gehen kann. Man muss den Menschen die Möglichkeit geben, die digitale Welt kennen zu lernen und auch hier ist Süd-Korea ein gutes Beispiel: Im Rahmen des 1995 beschlossenen “Framework act of information” wurde nicht nur der Aufbau der digitalen Infrastruktur beschlossen. Es wurde ebenso ein Schulungsprogramm für bis zu 10.000.000 Koreaner gestartet, welches den Menschen, die durch ihren Beruf, Ihr Alter oder aus anderen Gründen, keinen intensiven Zugang zu digitalen Welt haben, einen Weg in ihre digitale Zukunft zu ermöglichen.

In Deutschland haben wir leider nichts vergleichbares. Im Gegenteil: unser Bildungssektor lebt in der Breite noch immer in der Kreidezeit. Und dieser Zustand hat leider viele erschütternde Facetten. Da gibt es die offenen und innovativen Lehrer wie Andre Spang, die versuchen, neue Wege in der Bildung zu gehen. Und immer mehr LehrerInnen möchten endlich etwas neues ausprobieren und die digitale Welt zu einer Querschnittsfunktion des Unterrichts werden lassen. Aber es gibt – zumindest nach meinen Erfahrungen – eine viel größere Zahl an Lehrern, die sich massiv dagegen wehren. Und nicht wenige Lehrer verfügen nicht ansatzweise über das dafür notwendige Know-How. Und noch immer ist der Zustand der digitalen Infrastruktur in vielen Schulen problematisch. Zudem erleben wir, wie in einigen Bundesländern die Nutzung von sozialen Netzwerken und anderen Angeboten verboten wird. So wird Schule zum Anti-Lernort. Dabei müssten wir die Lehrer unterstützen, die sich der digitalen Welt öffnen möchten und sie nicht ausbremsen. Denn in diesem Moment bremsen wir nicht die Lehrer sondern die Schüler aus. Sie verlieren damit die Chance, die digitalen Medien in all ihrer Breite zu nutzen. Schule ohne die digitale Welt als Querschnittsfunktion des Unterrichts ist möglich, aber in der heutigen Zeit sinnlos.

Oder nehmen wir als anderes Beispiel die öffentlichen Bibliotheken. Sie sind die wahrscheinlich wichtigsten Bildungs- und Kulturinstitutionen unserer Gesellschaft. Aber sie sind längst nicht mehr die Informations- und Medienexperten, für die man sie hält. Ihre digitale Infrastruktur ist in der Breite katastrophal. Und selbst wenn ein Zugang zum Internet vorhanden ist, bedeutet dies nicht, dass man dann wirklich Zugriff auf das Internet hat. Sehr viele Bibliotheken können eben nicht auf Plattformen wie Youtube, Facebook, Twitter etc. zugreifen. Bibliotheken den komplett freien Zugriff auf das Internet zu verwehren ist so als würde man ihnen die Arbeit mit Büchern verbieten. Und ja, auch im Bibliothekswesen mangelt es in der Breite an dem notwendigen Know-How. Im Bereich der öffentlichen Bildungs- und Kulturinstitutionen ist den Mitarbeitern in den letzten 20 Jahren in der Breite das so wichtige IT-Basiswissen vorenthalten worden. Aber wie wollen Bibliotheken Informations- und Medienexperten sein, wenn noch immer ein großer Teil Ihrer Mitarbeiter weder über den Zugang zur digitalen Welt noch über das damit verbundene notwendige Know-How verfügen? Ja es stimmt, die Berufsbilder von Bibliotheksmitarbeitern haben sich tiefgreifend verändert. Bibliotheksmitarbeiter ist ein IT-Job und viele Mitarbeiter haben diesen Beruf gewählt, um eben nichts mit diesen ganzen Technologien zu tun zu haben. Und ja, die Aus- und Weiterbildung von Bibliotheksmitarbeitern ist noch immer nicht auf einem Stand, der es den zukünftigen Bibliotheksmitarbeitern ermöglichen wird, die Bibliotheken zu Gestaltern von Bildung und Kultur umzubauen. Wir können aber an so vielen Stellen erleben, welches Potential diese Institutionen haben, wenn…

Der aktuelle Zustand sollte aber auch Warnschuss für Unternehmen sein. Noch immer ist die Weiterbildung von Mitarbeitern in Unternehmen schlecht aufgestellt. Auch hier fehlt es sehr oft an IT-Basiswissen. Sehr oft geht es nur darum, eine neue Software zu lernen. Schulungen und Workshops orientieren sich zu oft einzig und allein an einem konkreten Problem bzw. einer konkreten Aufgabenstellung. Dabei ist ein möglichst breites Wissen im Bereich der digitalen Welt bei allen Mitarbeitern sehr wichtig. Das mag manchem Vorgesetzten nicht gefallen, verliert er doch u.U. seine Deutungshoheit über manche Themen und Inhalte. Aber wenn unsere Unternehmen nicht irgendwann aufwachen und die digitale Welt als Querschnittsfunktion des Managements verstehen, kommen wir nicht weiter. Wie wollen Unternehmen Fachkräfte finden, wenn ihre Struktur und ihre Ressourcen unprofessionell sind?

Die Ergebnisse der OECD-Studie zeigen vor allem eines: es gibt noch sehr viel zu tun. Und wir stehen erst am Anfang einer langen Reise. Es ist kein Erfolg, durchschnittlich zu sein. Und die junge Generation wird es nicht richten können, wenn die ältere Generation weiterhin so dermaßen auf die Bremse drückt…

Beste Grüße

Christoph Deeg

Der digitale Bildungs-GAU und was wir dagegen tun sollten…

Liebe Leser,

im Bereich der digitalen Welt ist in den letzten Wochen wieder Einiges passiert. Neben der Geheimdienst-Datenschutzaffäre ist vor allem die Diskussion um das Facebook- bzw. Social-Media-Verbot für Lehrer in einigen Bundesländern ein spannendes Thema. Ich habe bereits über das Thema geschrieben. In diesem Beitrag möchte ich jedoch auf ein paar Punkte eingehen, die meiner Meinung nach in der Diskussion zu wenig diskutiert wurden.

Beginnen wir mit ein paar grundsätzlichen Gedanken:

  1. Die digitale Welt ist eine Welt voller Chancen und Möglichkeiten – sie ist nicht nur eine Welt voller Gefahren und Risiken
  2. Der kompetente Umgang mit sozialen Medien bedeutet nicht nur die Vermeidung von Gefahren sondern vor allem das Verstehen und konsequente Nutzen der verschiedenen Werkzeuge – ganz egal ob es sich dabei um Wikis, Facebook, Twitter, Google+, Evernote, Pinterest oder WordPress handelt. Alle Seminare, Workshops und Vorträge, die sich primär oder ausschließlich mit der Frage nach Gefahren und Risiken beschäftigen, sind sinnlos, denn Sie behandeln nur einen Teil des ganzen Themas
  3. Die digitale Welt ist kein fremder Planet. Sie ist Teil unserer Lebensrealität. Es ist dabei völlig egal, ob alle Menschen in diesem Land online sind oder nur 50%. Es ist auch völlig egal, wie man selber zu Facebook oder Twitter steht. Aber alle diese Plattformen sind Teil unserer Gesellschaft und es ist unsere Aufgabe, sie aktiv mit zu gestalten.
  4. Auch wenn Facebook, Twitter, Smartphones etc. in allen Schulen und anderen Bildungseinrichtungen verboten werden würden. Ihr massenhafte Nutzung wird sich dadurch nicht verhindern lassen. Das bedeutet, wenn Lehrer mit Ihren Schülern nicht in Facebook-Gruppen arbeiten dürfen, wird dies nicht verhindern, dass sich die Schüler in solchen Gruppen z.B. über Lehrinhalte austauschen werden.

Natürlich darf kein Schüler gezwungen werden, einen Account bei Facebook oder Twitter anzulegen. Und natürlich sollen Lehrer auf Facebook mit Ihren Schülern nicht „befreundet“ sein. Ebenso sollen Lehrer keine Schulnoten oder andere Inhalte über Facebook verbreiten. Die Richtlinien und Verbote einiger Bundesländer gehen aber weit darüber hinaus und sie zeigen zudem, wie wenig diese „Bildungspolitiker“ von der digitalen Welt verstehen. Wie ließe sich sonst erklären, dass in einigen dieser Richtlinien sogar das gegenseitige Folgen (zwischen Lehrer und Schülern) auf Twitter verboten wird:-)

Kommen wir aber zurück zum Thema „Bildung und Lernen“. Auch wenn man es nicht glauben mag: Facebook, Twitter, Youtube und Co. sind nicht nicht nur Komunikationsplattformen. Sie sind ebenso die größten Bildungsplattformen auf diesem Planeten. Nicht nur in den Klassenräumen sondern ebenso im Internet wird global Wissen erschlossen, vermittelt, kommuniziert und weiter entwickelt. Die digitale Welt ist kein lustiges Freizeitvergnügen – sie ist Kommunikationsraum und Lernort zugleich. Und sie ist nicht(!) virtuell, sondern sie ist real. Wenn wir Lehrern verbieten, Teil dieser Welt zu werden, schließen wir sie nicht nur aus diesen Lernorten aus. Wir stigmatisieren damit auch die Lern- und Kommunikationswelt der Schüler. Verbote und Einschränkungen sagen nichts anderes aus als:“Wir wollen Eure Kommunikationswelt nicht“.

Schon lange bevor es Social Media etc. gab, genauer in den 70ern und 80ern wurde in pädagogischen Fachkreisen darüber diskutiert, ob es in einer modernen Informationswelt überhaupt noch um das Lernen von Fakten gehen kann. Muss Schule gerade in heutiger Zeit nicht vor allem dafür sorgen, dass die Schüler lernen, mit dieser digitalen Informationswelt umzugehen? Versteht mich nicht falsch. Natürlich sollen Schüler Lesen, Schreiben, Rechnen lernen. Aber das reicht nicht mehr.

Die digitale Welt ist keine Parallelwelt. Die digitale Welt ist menschlich. Die Inhalte, die Kommunikation, alles das ist von Menschen gemacht. Innerhalb von ein paar Jahren ist Google zu einem Verb geworden und mit der Wikipedia wurde die weltgrößte Enzyklopädie von Menschen in deren Freizeit erstellt. Unser technisches Wissen verdoppelt sich aktuell alle zwei Jahre und in einer Stunde werden beinahe 3.000 Stunden Videomaterial zu Youtube hochgeladen. Was macht Schule damit? Weder Lehrer noch Bibliothekare noch irgendjemand anderes ist in der Lage diese Datenmengen zu überblicken. Aber heute und noch mehr in der Zukunft wird der Umgang mit diesen Plattformen ein elementarer Bestandteil der Arbeitswelt sein.

Aber es geht nicht nur um Daten auf Servern. Das Social Web steht weniger für Technologien als vielmehr für eine neuen Kultur bzw. neue Denk- und Arbeitsweisen. Es geht um neue Formen gemeinsam zu Arbeiten und zu Lernen. Es geht um neue Berufe. Es geht um neue Sozialsysteme. Es geht um neue Hierachiemodelle und neue Formen der Zusammenarbeit. Das alles ist keine Science Fiction. Es passiert hier und jetzt und es ist längst kein Nischenthema mehr. Schule kann und muss die Schüler auf diese Zukunft vorbereiten. Tut sie das nicht, ist sie letztlich wertlos.

Nun mag man einwenden, dass man diese Denkmuster auch ohne Facebook und Twitter erlernen kann. Schließlich kann auch mit einem Wiki lernen, wie man Inhalte teilt, diskutiert und wie man offen, interaktiv und transparent handelt. Aber dies ist ein Denkfehler. Auf Facebook, Twitter und Co. Findet sowohl die private als auch die berufliche bzw. schulische Kommunikation zwischen den Schülern statt. Und die Nutzung dieser Plattformen verändert sich stetig. Ob Facebook in fünf Jahren noch die gleiche Relevanz hat und auf welche Art und Weise die Plattform dann genutzt wird, kann heute niemand sagen. Aber die Vernetzung der Kommunikation mit dem Lernen ist ein Bestandteil des Lernens – ob und das gefällt oder nicht.

Was bedeutet das?

Die Nutzung der digitalen Welt muss ein Bestandteil des Lernens an Schulen werden. Am besten wäre es, wenn es keine(!) Seminare zu Facebook und Co. geben würde, sondern stattdessen die sozialen Medien in ihrer Breite zu einer Querschnittsfunktion des Unterrichts werden würden.

Lernen ist kein individueller Prozess. Er findet in individuellen Lernnetzwerken statt. Zu diesen Netzwerken gehören sowohl die Institutionen als auch Freunde bzw. das persönliche Netzwerk. Die Verbindung zwischen diesen Elementen der Lernnetzwerke ist in zunehmendem Maße die digitale Welt. Schließen wir die digitale Welt aus den Schulen bzw. dem Unterricht aus. Es geht also nicht um die Frage, ob ein Lehrer auf Facebook mit Schülern befreundet ist – er sollte es auf keinen Fall! Es geht vielmehr um die Frage, ob Schule auch in Zukunft eine Verbindung mit der Lebensrealtität der Menschen haben soll oder nicht. Es geht dabei aber nicht um die Institutionen sondern um das Lernen an sich.

Was also muss passieren?

Wir müssen die vorhandenen Lernnetzwerke, zu denen nicht nur Schulen sondern auch die Eltern und Institutionen wie Bibliotheken gehören, zu einem Teil der digitalen Welt machen. Wir müssen dafür sorgen, dass die Ressourcen mit denen Lehrer und Schüler arbeiten online verfügbar und zudem im Social-Web nutzbar sind. Datenbanken, deren Inhalte ich nicht teilen kann, machen in heutigen Lernwelten keinen Sinn mehr. Wenn Schulen in manchen Bundesländern auch weiterhin nicht Teil des Social Web werden dürfen, müssen wir Netzwerke aufbauen, in denen die Schüler bei der Nutzung von sozialen Medientechnologien unterstützt werden. Hierzu gehören Eltern, Jugendclubs und vor allem die Bibliotheken. Unterstützung heißt in diesem Fall Aktivierung, Support, gemeinsames Ausprobieren, Risikovermeidung etc. Der Fokus liegt dabei auf dem Aktivieren und dem gemeinsamen Ausprobieren. Sollten Bibliotheken und weitere Institutionen diesen Weg nicht gehen dürfen, werden Eltern und letztlich Unternehmen in diesem Bereich aktiv werden müssen. Ich weiß, dass dieser Gedanke für viele Leser problematisch ist. Die Angst vor der radikalen Kommerzialisierung unserer Gesellschaft ist groß und nachvollziehbar. Aber in wenigen Jahren werden die Anforderungen für Mitarbeiter in Unternehmen direkt mit der digitalen Welt zusammenhängen. Dies betrifft sowohl das Verstehen der Technologien als auch der damit verbundenen Denk- und Arbeitsweisen. Das Wissen und Verstehen der digitalen Welt und der damit verbundenen Kultur wird bei der Suche nach einem Arbeitsplatz bei einem Großteil der Bevölkerung eine große Rolle spielen. Wenn unser Bildungssystem, wenn wir nicht in der Lage sind, Lernen an die Realität anzupassen werden die Folgen für alle tiefgreifend sein. Unternehmen suchen kompetente Mitarbeiter. Wenn Schulen und Universitäten wesentliche Kompetenzen nicht vermitteln dürfen oder wollen, werden Unternehmen in ihrem eigenen Interesse diese Lücke füllen müssen.

Besonders wichtig ist, dass wir alle die Lehrer, Bibliothekare etc., die bereits heute die digitale Welt in ihrer Breite aktiv nutzen, intensiv und aktiv unterstützen

Aus diesem Grund ist das Verhalten der Kultusministerien in den genannten Bundesländern nicht nur ärgerlich – es stellt ein Problem dar. Also wie sieht die Lösung aus, bzw. was werden wir nun tun?

Beste Grüße

Christoph Deeg

Digitale Welten, Katzenvideos und das Recht einfach mal abzuhängen

Liebe Leser,

wir leben in verrückten Zeiten.  Die digitale Welt entwickelt sich und wenn wir uns selber und unser Umfeld beobachten,  erleben wir wie wenig digital unsere Gesellschaft bis heute geworden ist. Damit meine ich nicht nur die erschreckend schlechte Digitale Infrastruktur oder die Unfähigkeit eine Gesamtstrategie für die Digitalisierung unserer Gesellschaft zu entwickeln und zu realisieren. Mir geht es in diesem Beitrag um neue Denk- und Arbeitsweisen bzw. um eine neue Kultur. Zwei Dinge fallen mir immer wieder auf.

Da ist zum Einen die Arroganz und Ignoranz vieler Experten und Netzaktivisten. Immer wieder hat man das Gefühl es gäbe hier eine kleine Elite, die losgelöst vom Rest der Welt die digitale Deutungshoheit für sich beansprucht. Als vor ein paar Tagen unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel das Internet bzw. die digitale Welt als “Neuland” bezeichnete war die Aufregung groß. Es brach ein regelrechter Shitstorm aus. Man tat so, als wäre diese Aussage ein Beleg für die Inkompetenz von Politikern im allgemeinen und von Frau Merkel im Speziellen. Nun bin ich weder ein Fan unserer Bundeskanzlerin noch bestreite ich, das die bundesdeutsche Politik große Schwierigkeiten hat, das Thema “Digitale Gesellschaft” zu verstehen oder gar zu gestalten.  Ich kann aber nicht umhin festzustellen, das die Definition “Neuland” für einen Großteil der Bevölkerung immer noch gilt. Ok, wenn wir definieren, dass jeder der bei Facebook ist auch alles über die digitale Welt weiß, dann ist es in der Tat kein Neuland mehr. Wenn ich aber sehe wie wenig viele Menschen in meinen Workshops über digitale Medien wissen,  wenn ich sehe wie gering das Verständnis vieler Unternehmen und Institutionen bezüglich der digitalen Welt ist, wenn ich erlebe, dass wir bis heute keine Vision für eine digital-analoge Gesellschaft haben, wenn ich sehe, wie viele tolle kreative Menschen für ihre Institution oder ihr Unternehmen etwas in der digitalen Welt bewegen möchten und doch an den Strukturen und Denkweisen in der analogen Welt scheitern, dann würde ich sagen es ist wirklich und noch immer Neuland.

Da ist zum Anderen eine etwas problematische Sichtweise gegenüber Lebensrealitäten. Ein oft gehörtes Argument gegen die digitale Welt ist die Zeitverschwendung. Die Idee dahinter ist die, dass viele Menschen anscheinend im Netz nur sinnlose Inhalte austauschen.  Katzenvideos, Chats,  Communitys etc. dies alles ist so herrlich ineffizient. Hinter dieser Kritik steckt eine extreme Fokussierung auf bzw. der Wunsch nach effizienten Arbeitsabläufen. Gleichzeitig wünscht man sich sehr oft, mehr Zeit zu haben. Viele Menschen haben das Gefühl, sie wären dauergestresst. Sie wünschen sich mehr Zeit, mehr Ruhe, mehr Raum um Mensch zu sein. Manchmal steht dann die digitale Welt für den Stress und den Druck. Ich kann das alles gut verstehen aber ich sehe hier ein Paradoxon. Die Generation der Eltern deren Kinder heute zur Schule oder zur Uni gehen, ist die, die zugelassen hat, dass die Lern- und Arbeitswelt Ihrer Kinder einem Effizienz-Wahn unterliegt.  Die Kids sollen immer schneller lernen.  Schule und Studium gleichen einem Marathon. Man soll lernen und nicht reifen. Man soll effizient sein und keine Fehler machen. Effizienz ist alles. Was aber ist so schlimm daran wenn mal ein bisschen abhängt?  Was ist so schlimm daran,  wenn man mit seinen Freunden via Chat kommuniziert? Was ist so schlimm daran,  das man sich Katzenvideos ansieht?  Sind denn Volksmusik, Quiz-Shows etc. besser als Katzenvideos?  Reicht es nicht, dass man das Lernen und Arbeiten von Kindern,  Jugendlichen und jungen Erwachsenen kontrolliert und in ein starres Korsett presst? Muss jetzt auch noch das Freizeitverhalten der jungen Generation verändert und reglementiert werden?  Und ist diese Elterngeneration wirklich so erfolgreich? Ist es nicht die Burn-Out-Generation, die Generation in der beinahe jede zweite Ehe scheitert, die Generation, der Geld und Konsum wichtiger ist als der Schutz unserer Umwelt? Und diese Generation möchte ihren Kindern vorschreiben, wie sie moderne Kommunikation- und Medientechnologien nutzen sollen – obwohl diese Elterngeneration in der Breite diese Technologien noch nicht einmal versteht?

So gesehen können wir meiner Meinung nach nur hoffen, dass unsere Kinder weiterhin Katzenvideos teilen und Spiele spielen, dass sie sich das Recht rausnehmen Zeit online zu verschwenden.  Dass sie chatten und posten was das Zeug hält. Und unserer Generation bleibt zu wünschen, von unseren Kindern zu lernen.  Nicht nur wie man Facebook bedient, sondern auch wie man Spass damit hat.

Beste Grüße Christoph Deeg

Update: ich habe diesen Beitrag auf meinem Smartphone geschrieben. Daraus resultieren ein paar kleine Fehler. Ich habe die Fehler nachträglich behoben….

Datenschutz – Missverständnisse im Un-Internet

Liebe Leser,

sie haben es getan. Sie haben es sogar öfter getan. Wahrscheinlich tun sie es immer noch: Geheimdienste wie die NSA lesen unsere Onlinekommunikation. Der mediale Aufschrei war groß. Mit Prism schien sich die größte aller Horrorvisionen zu bestätigen. Für diejenigen, die schon immer der Meinung waren, dass aus den USA alles böse kommt – man kann diese Idee je nach Tagesform wunderbar auch auf China und Russland anwenden – war dies Wasser auf ihre Mühlen. Wenn man weiß wer der Böse ist, hat der Tag Struktur:-) Diejenigen, die die digitale Welt für den Dämon halten, der die Erde versklaven wird konnten sich nun ebenfalls bestätigt fühlen. Datenschützer hatten sowieso einen guten Tag, denn wann bekommt man schonmal so eine Steilvorlage? Dann gibt es natürlich auch die Obama-Enttäuschten. Für Sie ist die Enttäuschung kaum auszuhalten. Sie glaubten, Obama wäre eine Art Weltpräsident, der alles wieder gut macht. “Yes we can” – das war nicht nur ein Wahlspruch sondern eine globale Vision. Nun erlebt diese Gruppe, dass Obama einfach nun ein weiterer US-Präsident ist und dass er vor allem ein US-Präsident ist.

Damit man mich nicht falsch versteht: Datenschutz ist wichtig und das Verhalten der Geheimdienste ist unerträglich. Ich sympathisiere auch nicht ansatzweise mit deren Herangehensweise. Trotzdem möchte ich hier ein paar allgemeine Gedanken zur Diskussion stellen. Sie sollen das Verhalten der Geheimdienste nicht relativieren aber vielleicht unser Verhalten erklären. Denn auch wenn das Thema in den Medien breit diskutiert wurde, gibt es immer noch einiges zu sagen.

Sicherheit und Datenschutz
Meiner Meinung nach ist die Diskussion um den Datenschutz und das Verhalten der Sicherheitsbehörden vor allem ein Spiegelbild unserer aktuellen gesellschaftlichen Situation. Glaubt man den Panikexperten zum Thema Datenschutz, stehen wir kurz vor dem absoluten Überwachungsstaat. Und in der Tat hat sich in den letzten Jahren einiges verändert. Die Nachrichtendienste rüsten auf. Sie wollen alles wissen. Und gleichzeitig soll niemand wissen, dass sie alles wissen. Unsere Behörden sowie die Politik halten sich mit Kommentaren zurück. Schließlich ist davon auszugehen, dass auch diese Institutionen aktiv am Datensammeln sind. Und was haben wir denn von den Sicherheitsbehörden erwartet? Sie sind die ultimativen Hofhunde. Ihre Aufgabe ist es “uns zu beschützen”. Sie sollen Daten sammeln und auswerten und sie sollen dafür sorgen dass die bösen Jungs nicht bei uns sondern gar nicht oder zumindest nicht bei uns böse Dinge tun. Nun kann aber Jeder ein böser Mensch sein, also müssen – nach der Logik der Nachrichtendienste – auch alle Menschen überwacht werden. Ob sie dies erfolgreich tun oder nicht wissen wir nicht. Das ist und bleibt geheim. Die Frage die wir uns stellen müssen ist letztlich die, ob es sicherer ist, dass die Behörden uns oder wir die Behörden überwachen.

Wen interessiert Datenschutz überhaupt?
Ob diese Frage wirklich in der gesamten Gesellschaft diskutiert wird bleibt abzuwarten. Im Moment bin ich da skeptisch. Die Prism-Affäre war zwar ein großes Thema in den Medien aber der Aufschrei in der Bevölkerung war eher gering. Es gab keine Massendemonstrationen und auch keine Massenaustritte aus Plattformen wie Facebook und Co. Die meisten Menschen gehen sicherlich davon aus, dass das Problem für Sie keine Bedeutung hat. Schließlich sind sie keine Terroristen. Wer sich nichts zu Schulden kommen lässt, muss auch keine Angst haben. Würde die DFL entscheiden, dass die Fussbal-Bundesliga nicht mehr im Free-TV zu sehen wäre, der gesamtgesellschaftliche Aufschrei wäre sicherlich um einiges größer. Ich behaupte, den meisten Menschen ist dies Thema egal bzw. sehen die keinen direkten Bezug zu ihrer Lebensrealität. Und auch ich habe mir keine so großen Sorgen gemacht. Ich bastel in meiner Freizeit keine Bomben, gehöre keiner extremistischen Organisation an und ich bin auch nicht Mitglied in einer Facebook-Gruppe mit dem Namen “Terroradmins”. Zudem habe ich in den letzten Jahren immer wieder in den Bereichen Gaming und Social-Media mit der US-Botschaft zusammengearbeitet. Mir war klar, dass ich irgendwann “durchleuchtet” worden bin – und offensichtlich bin ich harmlos:-) Das Problem ist aber nicht die Frage ob ich oder irgendjemand anders ein Terrorist ist. Staaten definieren ihre eigenen Interessen und Sie agieren gegen die Personen, die diesen Interessen widersprechen. Wir können aber nicht wissen, ob irgendetwas was wir heute tun oder posten in der Zukunft gegen das Interesse eines Landes oder Unternehmens verstößt. Wir wissen auch nicht, an wen diese Daten weitergegeben werden bzw. wer darauf Zugriff hat. Wie aber gehen wir damit um?

Daten sammeln und Daten konsumieren
Datensammeln ist ein Volkssport. Daten werden überall gesammelt und in vielen Fällen ist dieses Datensammeln gut und hilfreich. Das Problem lag nie bei den Daten sondern immer nur beim damit verbundenen Umgang. Unternehmen sammeln Daten um bessere Geschäfte zu machen. Und der Erfolg der meist gelesenen Tageszeitung in Deutschland – mit sehr großen Buchstaben – basiert auf dem Sammeln von persönlichen Daten von Personen, die dagegen nichts tun können. In diesem Fall dürfen sogar die Daten veröffentlicht und in teils extreme Sinnzusammenhänge gebracht werden. Welchen Datenschutz genießen diese Menschen? Versteht mich nicht falsch: die Pressefreiheit ist für unsere Gesellschaft von größter Bedeutung. Und sie sollte auch nicht infrage gestellt werden. Aber mit welchem Recht wird eine Person für öffentlich interessant erklärt, damit man dann ihre intimsten Geheimnisse an die Boulevard-Oberfläche zerrt?

Warum Obama kein Social-Media-Best-Practise-Beispiel ist
Im Onlinemarketing ist das Sammeln und Auswerten von Daten eine Kernaufgabe. Es ist fast schon paradox, dass gerade die Social-Media-Strategien von Barack Obama als Vorbild für viele Social-Media-Manager dienen. Und hier liegt m.E. auch das Kernproblem: In vielen Fällen wird Social-Media bzw. die digitale Welt nur als weiterer Vertriebskanal gesehen. Im Bereich Social-Media war Barack Obama der Superstar. Er nutzte Twitter, Facebook und Co. und er war damit erfolgreich. Aber letztlich haben er bzw. sein Team nur Social-Media-Werkzeuge genutzt. Eine wirklich Interaktion mit den Menschen oder gar ein Verständnis für die damit verbundenen Möglichkeiten vor allem für die analoge Welt ist offensichtlich nicht vorhanden. Das ist schade – aber es zeigt auch, wie weit wir noch von einer echten Digital-Analogen Kultur entfernt sind. Dabei darf man nicht vergessen, dass paradoxerweise gerade das US-State-Department in vielen Ländern Social-Media nutzt um Demokratie und Menschenrechte zu fördern. Wie passt das zusammen?

Die USA – das etwas andere Land
Für mich persönlich ist noch ein weiterer Aspekt interessant: Die aktuelle Situation der USA. Auf der einen Seite ist dort diese unglaubliche Innovationskraft. Gerade in der digitalen Welt ist dies sehr gut zu beobachten. Die wirklich relevanten Unternehmen kommen zumeist aus den USA. Facebook, Google, Twitter, Apple etc. stehen für den Aufstieg der digitalen Welt. Europäische bzw. Deutsche Unternehmen und Institutionen können bis heute nichts vergleichbares entwickeln. Dieser Zustand wird auch in den nächsten Jahren anhalten. Wir mögen in der Lage sein, Autos zu bauen und Fussball zu spielen. In der digitalen Welt bleiben wir weit hinter den USA und in Zukunft Asien zurück. Aber die USA sind kein globales Innovationslabor. Die USA schwächeln. Für immer mehr US-Amerikaner ist der “American Dream” zu einer Satire-Show verkommen. Städte wie Detroit sind nur noch ein Schatten ihrer selbst. Der Niedergang ist sichtbar – und er ist schockierend. Offensichtlich ist es Gesellschaften bis heute nicht möglich, die Kultur und Innovationskraft des Internets auf andere Gesellschaftsbereiche zu übertragen. Institutionen, Unternehmen, Behörden, Politikern etc. geht es zumeist um die Kontrolle der digitalen Medien bzw. deren Nutzung für ihre eigenen Interessen. Es geht zumeist um Kommunizieren aber nicht um einen Dialog.

Die Lösung kann nur von den Menschen kommen
Letztlich werden keine neuen Gesetze, keine Datenschützer und keine Talkshows irgendetwas ändern können. Wir werden auch nicht verhindern können, dass Sicherheitsbehörden weiterhin Daten sammeln und auswerten. Das einzige was wir tun können ist, die digitale Welt aktiv zu gestalten. Die aktuelle Diskussion darf nicht dazu führen, dass Unternehmen und Institutionen noch zaghafter mit dem Internet umgehen. Gerade der Kultur- und Bildungssektor hat hier eine wichtige Aufgabe zu erfüllen. Wir brauchen Digitale Gestalter. Und wir brauchen Internetbewohner, die sich die Mühe machen, die Internetbesucher mitzunehmen. Nicht der Gesetzgeber sondern der Bürger ist gefragt. Wir müssen uns überlegen, wie wir eine Digital-Analoge Gesellschaft gestalten können.

Beste Grüße

Christoph Deeg

Willkommen auf meiner Forschungsreise nach Asien zum Thema “Gaming”

Liebe Leser,

es ist Samstag der 23.02.2013 und ich sitze am Flughafen in Berlin-Tegel. In den letzten zwei Wochen war es auf meinem Blog wieder etwas ruhiger. Mein Ziel, in diesem Jahr 100 Blogbeiträge zu posten verfolge ich weiter, aber in den letzten Wochen musste ich einiges in der analogen Welt vorbereiten. Neben meinen Beratungstätigkeiten in den Bereichen Social-Media und Gamification für Unternehmen und Institutionen und der Tatsache, dass ich gerade mein erstes Buch schreibe (nein, es ist kein Buch über Barbecue sondern über Gaming) musste ich vor allem eine Reise vorbereiten, die heute beginnt: Meine Forschungsreise zum Thema „Gaming in Ost-Asien“.

Worum geht es genau?

In den nächsten 16 Tagen werde ich nach Hongkong, Shanghai, Tokio, Osaka und Seoul reisen um im Auftrag des Goethe-Instituts zum Thema Gaming in Asien zu forschen. Diese Reise ist der Auftakt zu einer längeren Forschungsarbeit und wenn alles gut läuft ist es nicht die letzte Reise nach Asien.

Warum Gaming in Asien?

Ich werde während meiner Reise sehr viele Menschen, Unternehmen, Institutionen und Orte kennenlernen. Ich möchte herausfinden, wie sich in diesen Ländern Gaming, Bildung, Wirtschaft und Kultur gegenseitig beeinflussen. Das Thema Gaming verbinden viele Menschen noch immer mit jungen männlichen Teenagern, Suchtgefahren und Gewaltdarstellungen. Aber Gaming ist viel mehr. Gaming ist ein Teil der digitalen Kultur und diese Kultur steht für neue Denk- und Arbeitsweisen, neue Formen der Kultur- und Wissensvermittlung, neues Lernen, neue Management-Modelle und jede Menge Spass. Wenn Social-Media Web 2.0 ist, dann ist Gaming Social-Media 2.0. Alle Themen, alle Ziele, alle Herangehensweisen, welche wir aus dem Bereich Social-Media kennen bzw. andenken sind im Gaming bereits seit Jahren vorhanden. Gaming bedeutet Lernen, Wissensmanagement, Marketing, Spielen, Austauch etc. Die besten Community-Manager können wir in der Gaming-Branche finden. Storytelling, Augmented Reality, Vernetzung, Recherchekompetenz, Leseförderung – all das ist in Gaming vorhanden. Wenn wir diese Kultur verstehen und uns zu eigen machen, wenn wir uns dieser Kultur öffnen, dann können diese Modelle helfen, bessere Kultur- und Bildungsinstitutionen, bessere Unternehmen und bessere Communitys zu entwickeln.

Natürlich ist in Asien nicht alles besser – aber ich glaube es ist anders. Dies betrifft auch die möglichen negativen Konsequenzen. Meine Asienreise basiert also nicht auf der Idee, den asiatischen Weg – wenn es dies überhaupt gibt – in Deutschland zu kopieren. Aber ich glaube, wir können voneinander lernen.

Für mich sind Social-Media und Gaming die zwei Seiten der selben Münze. Niemand braucht eine Social-Media-Strategie. Was wir benötigen sind digitale Strategien, die sowohl Social-Media als auch Gaming beinhalten.

In den nächsten Tagen werde ich sehr viele Fotos und Videos aufnehmen, sehr viele Menschen treffen und sehr viele Eindrücke sammeln. Ich bin gespannt auf das was mich erwartet. Natürlich werde ich versuchen, so oft wie irgend möglich zu bloggen. Ansonsten könnt Ihr mir natürlich auch auf Twitter, Facebook etc. folgen.

Beste Grüße

Christoph Deeg