Archiv der Kategorie: Web

Warum Vernetzen kein Selbstzweck ist

Liebe Leser,

wenn Ihr diesen Beitrag lest, bin ich in der Bayerischen Staatsbibliothek aktiv. Heute werde ich Mitarbeitern aus bayerischen Bibliotheken das mobile Internet näher bringen. Sie werden lernen was es gibt, was es geben sollte und sie werden Smartphones, iPads, eBook-Reader etc. ausprobieren können. Oder anders ausgedrückt: heute findet in München die Mobile-Internet-Roadshow statt.

In diesem Beitrag geht es aber nicht um das mobile Internet sondern um das Denken und Handeln in Netzwerken. In den letzten Jahren hat sich soetwas wie eine Vernetzungs-Revolution entwickelt. Jeder ist scheinbar mit jedem vernetzt. Wir vernetzen uns so oft es geht. Jemand der gut vernetzt ist, ist zwangsweise erfolgreich – oder? Und so vernetzen wir uns auf Plattformen und je mehr Freunde, Follower, Kontakte wir haben desto glücklicher sind wir.

Ich habe Kontakte also bin ich?
Das ist putzig aber wann beginnen wir zu fragen, was wir mit den ganzen Kontakten eigentlich machen wollen? Versteht mich nicht falsch, auch ich vernetze mich kontinuierlich und ich werde damit auch nicht aufhören. Trotzdem sollten wir uns überlegen, warum wir das tun und mit wem. Und wir sollten uns überlegen, wie man sich vernetzt und wie vielleicht lieber nicht. Aus diesem Grund möchte ich zwei Varianten beschreiben, die m.E. die Vorteile und die Grenzen der Vernetzung zeigen.

Das XING-Problem
Beginnen wir zuerst mit einem Negativbeispiel: XING. Bevor jetzt der große Aufschrei kommt: XING ist ein gute Plattform. Das Problem sind viele der darauf aktiven Nutzer. Communityplattformen wie XING geben mir als Nutzer die Möglichkeit, mich mit anderen Business-Kontakten zu vernetzen. Die tausenden XING-Mitglieder vernetzen sich also nicht, um lustige Bilder oder Filme auszutauschen. Es geht vielmehr um einen beruflichen Austausch. Über XING konnte ich z.B. nachweisen, dass es bei Amazon wirklich Menschen gibt. Und es ist völlig normal, dass man sich in der analogen Welt kennen lernt und sich dann auf XING vernetzt. XING ist quasi die Visitenkarten-Datenbank 2.0 Leider entwickelt sich XING aber immer mehr zu einem Netzwerk von Pseudo-Gute-Laune-Vertretern, die zudem keine Profile lesen. Deshalb: Liebe Pseudo-Verkäufer auf XING. Bevor Ihr mir wieder ein kostenloses Einführungsseminar zum Thema Social-Media anbieten wollt, lest mein Profil! Und bevor Ihr mir mal wieder verkaufen wollt, wie man in 10 Minuten erfolgreich im Web agieren kann, investiert nochmal 10 Minuten und lest mein Profil. Und bitte schreibt mir nicht, dass Ihr Euch mit mir vernetzen wollt, weil es doch bei XING um vernetzen geht. Wir sind hier nicht bei Olympia…

Update: der Vergleich mit Amazon meint, dass es sehr schwer ist, einen normalen Mitarbeiter (kein Call-Center) kennen zu lernen. Auf XING war dies aber möglich. Danke an http://www.twitter.com/ertraeglichkeit für die Nachfrage…

Das Ende der vernetzten Nabelschau
Kommen wir nun zu meinem Positivbeispiel – und ich weiß, dass das vom manchen anders gesehen wird: In den letzten Wochen habe ich vermehrt gehört, dass in bestimmten Bereichen weniger die Kunden, als vielmehr Kollegen zur Zielgruppe werden. Gerade im Bereich der Institutionen ist dies zu beobachten und es wird immer wieder kritisiert. Und ja, es stimmt. Viele Bibliotheken haben Mitarbeiter anderer Bibliotheken als Fans/Follower/Kontakte. Und gleiches können wir bei Museen, Theatern etc. beobachten. Und auf den ersten Blick erscheint diese Kritik auch gerechtfertigt. Warum betreiben wir so einen großen Aufwand um diejenigen zu informieren und zu bespaßen, die doch gar nicht unsere Kunden sind? Wollen wir nicht völlig neue Kundengruppen erreichen? Wollen wir nicht bestehende Kundenverhältnisse vertiefen? Betreiben wir gar eine “digitale Inzucht”? Ja und Nein.

Digitale Komfortzonen
Das Problem entsteht eigentlich nur dann, wenn die Social-Media-Aktivitäten auf diese “erweitert internen” Kontakte ausgerichtet werden. Dann kommt es zu der in vielen Bereichen vorhandenen Nabelschau. Man beginnt, inhaltliche Komfortzonen zu errichten. Vor allem bei Berufsgruppen, die der digitalen Welt eher skeptisch gegenüber stehen, ist dies oft zu beobachten. Man benutzt die digitale Welt um das eigene Berufsbild und die eigene berufliche Identität zu retten. Dann werden Facebook-Seiten von Bibliotheken zu Bücheroasen, als gäbe es nicht viele andere und zudem gleichberechtigte Medien wie Computergames, Blogs, Youtube-Videos oder eBooks. Museen preisen dann die klassische Deutungshoheit und Theater beschreiben auf Facebook, warum Twitter nichts im Theater zu suchen hat. Gleiches gilt auch für Unternehmen. Schauen wir uns beispielsweise die Angebote von vielen Verlagen an, können wir feststellen, dass sie eigentlich gar nichts mit der digitalen Welt zu tun haben wollen. Wenn man sich dann aber mit den Personen vernetzt, die die gleichen Gedanken haben, wird das Ganze scheinbar erträglich. Die digitale Welt ist aber anders, größer, beweglicher. Sie ist keine weitere Werbeplattform sondern eine Welt voller Optionen – wenn ich mich darauf einlasse.

Ihr seid nicht vernetzt!?
Es ist aber kein Problem, wenn man dafür sorgt, dass es um wirkliche Vernetzung mit wirklichen Mehrwerten geht. Denn die meisten Institutionen sind alles andere als gut vernetzt. Gewiss, man glaubt man wäre es, aber bei genauem Hinsehen erkennen wir, dass die technische Vernetzung nicht ausreicht. Nehmen wir nur als Beispiel die öffentlichen Bibliotheken: Für öffentliche Bibliotheken gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten der Vernetzung – sowohl in der realen als auch in der digitalen Welt. Es gibt Konferenzen, Verbände, Fachmagazine, Mailingslisten etc. Auf den ersten Blick ist also alles in Ordnung. Vor ca. 1,5 Jahren hatte ich ein Gespräch mit einem Leiter einer öffentlichen Bibliothek, die ich seit längerem auf ihrem Weg in die digitale Welt begleitete. Er erzählte mir, dass er zu Beginn der Zusammenarbeit sehr skeptisch war. Warum sollte seine Institution z.B. eine eigene Facebook-Seite haben? Welcher Mehrwert könnte für die Bibliothek entstehen? Seine erste Idee war es, in kurzer Zeit viele neue Nutzer der Bibliothek generieren zu können. Aber nach einem Jahr merkte er, dass dies nicht so funktionierte wie er es sich gedacht hatte. Trotzdem war er sehr zufrieden, denn er hatte damit begonnen, andere Facebook-Seiten anderer Bibliotheken zu liken. Das Ergebnis war, dass er – so seine Aussage – zum ersten mal sehen und verstehen konnte, was seine Kollegen in anderen Bibliotheken taten. Und es handelte sich dabei zu einem großen Teil um Bibliotheken aus der Nachbarschaft bzw. institutionen, mit deren Leitungen er doch so gut vernetzt war. Facebook gewährte ihm aber einen anderen Blick in die Abeit seiner Kollegen und er konnte lernen.

Vernetzte Könige und vernetzte Völker
Auffallend ist zudem, dass in der Regel die Vernetzung auf der Ebene der Leitungen stattfindet. Aber viel wichtiger ist die Vernetzung der Teams. Das heißt nicht, dass sich die Leitungsebenen nicht vernetzen sollen, aber die Erfahrung zeigt, dass die Vernetzung der Teams den größeren Mehrwert bringt, denn dann kann Wissen von einer großen Gruppe erschlossen und vor allem weiterentwickelt werden. Damit geht natürlich auch die Verantwortung für den Einzelnen einher, sich an der Vernetzung zu beteiligen.

Lerne Dein Wissen zu teilen – auch ungefragt
Kommen wir zurück zu den öffentlichen Bibliotheken. Diese haben u.a. auch eine Mailingliste nämlich besagtes FroumOeb. Die Idee ist einfach. Jeder kann sich in dieser Mailingliste anmelden. Schreibt man eine Mail an die Liste, bekommen sie alle eingetragenen Listenmitglieder. Nun klingt das ziemlich nach Web 1.0 oder? Nun, man mag sich darüber streiten, ob man nun eine Mailingsliste oder eine Community oder ein Wiki oder ein Blog benötigt. Viel wichtiger ist aber, was wir dann mit der jeweiligen Plattform machen. Was auf ForumOeb gut funktioniert ist die gegenseitige Hilfe. Man hat ein Problem, z.B. eine rausgerissene Seite aus einem Buch oder eine fehlende Bedienungsanleitung oder den Wunsch nach einem guten Autor für eine Lesung und bekommt dann zumeist Hilfe von den anderen Mitgliedern. Was jedoch eher selten stattfindet ist eine Information über ein Problem, das man gelöst hat. Man kontaktiert die Liste damit man Hilfe bekommt. Man teilt aber nicht seine Erfahrungen und Lösungswege, vor allem dann nicht, wenn niemand vorher gefragt hat. Aber genau das wäre Vernetzung 2.0 Selbst wenn das Thema eine Vielzahl der Mitglieder gar nicht betrifft, dies gilt auch für die klassischen “Alarm, i need help!”-Themen, kann die Information den Horizont der Mitglieder erweitern und man kann gemeinsam beginnen, voneinander zu lernen. Ob man dies dann in einer Mailingliste oder einer geschlossenen Facebook-Gruppe macht ist erstmal zweitrangig auch wenn letzteres viele Vorteile bringt. Es geht also nicht nur um die Lösung von Problemen sondern auch um den Austausch von Erfahrungen und die gegenseitige Inspiration. Dann ist es letztlich egal mit wem man sich vernetzt…

Bleibt die Frage, wie managen wir das? Wie können wir wirklich interdisziplinäre Netzwerke aufbauen? Und wie definieren wir dann einen Return of Investment?

Beste Grüße

Christoph Deeg

Lernen in Zeiten von Social-Media und iPads – Vortragsreihe mit Michael Stephens (USA)

Liebe Leser,

heute möchte ich Euch eine ganz besondere Veranstaltung empfehlen. In zwei Wochen kommt der US-amerikanische Speaker Michael Stephens nach Deutschland. Michael Stephens beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Frage, wie neue Kommunikations- und Medientechnologien das Lernen und Arbeiten in der Zukunft verändern werden.

Seit 2009 bin ich ehrenamtlich im Verein Zukunftswerkstatt Kultur- und Wissensvermittlung e.V. aktiv. Im Rahmen dieser Arbeit haben wir zusammen mit unserem Kooperationspartner der US-Botschaft Berlin schon 2010 Michael Stephens nach Deutschland holen können. Damals ging es um einen Vortrag auf dem Bibliothekskongress in Leipzig:

Ich freue mich sehr, dass wir zusammen mit der US-Botschaft erneut die Möglichkeit haben, Michael Stephens nach Deutschland zu holen. Dieses mal werden wir eine kleine Deutschlandtournee veranstalten.

Die Termine und Orte sind:

22.10.2012 Ort: Berlin Zentral- und Landesbibliothek/Berlin-Mitte/Berlin-Saal Breite Str. 36, 10178 Beginn 20:00h

23.10.2012: Ort: Frankfurt/Main Nationalbibliothek Sitzungssal der Generaldirektion Deutsche Nationalbibliothek Adickesallee 1 D-60322 Frankfurt am Main Beginn 19:00h

25.10.2012: Ort: Köln Fachhochschule Köln Hörsaalgebäude in der Claudiusstraße 1, 50678 Köln Beginn: 19:30h  Achtung: die Veranstaltung in Köln beginnt schon um 19:00h Das Anmeldeformular findet Ihr hier: http://www.fbi.fh-koeln.de/vortraege/anmeldungen.php

26.10.2012: Ort: Hamburg TU Hamburg-Harburg Beginn 17:00h Weitere Informationen zur Veranstaltung an der TU Hamburg-Harburg findet Ihr hier.

Ich möchte Euch alle einladen, eine der Veranstaltungen zu besuchen. Die Teilnahme ist kostenlos!! Die Veranstaltung eignet sich für alle Menschen aus dem Kultur- und Bildungsektor. Bitte tragt diese Informationen in Eure Netzwerke….

Beste Grüße

Christoph Deeg

Digitale Demenz und digitale Kultur

Liebe Leser,

sind wir in der Gefahr an digitaler Demenz zu erkranken? Macht die digitale Welt  dumm und süchtig? Sollten wir zurück in die vordigitale Ära wandern?

Es ist uns ein Buch erschienen. Lesen soll ja bekanntlich bilden. Manfred Spitzer ist der Autor des Buches “Digitale Demenz “und er ist der festen Überzeugung, dass die digitale Welt unser Untergang ist.

Nun gibt es viele Menschen die Angst vor der digitalen Welt haben. Für sie ist die digitale Welt gefährlich, unberechenbar und unmenschlich. Ihnen spricht Manfred Spitzer sicherlich aus der Seele.

Ich könnte jetzt seitenweise darüber schreiben, warum Herr Spitzer keine Ahnung von der digitalen Welt hat und warum es gut ist, sich die digitale Welt zu erschließen. Aber ich möchte einen anderen Autor zu Wort kommen lassen:

Allen Interessierten möchte ich das Buch “Neue Intelligenz – warum Computerspiele und TV uns klüger machen“ von Steven Johnson empfehlen.

Zudem habe ich heute noch ein Interview zum Thema gegeben, bei dem ich u.a. erkläre warum Manfred Spitzer falsch liegt und warum wir digitale Medien noch mehr in Schulen, Bibliotheken, etc. nutzen sollten.

Ich bin auf Eure Gedanken zum Thema gespannt…

Euer

Christoph Deeg

Kulturinstitutionen: Social-Media zur Kultur oder Kultur zu Social-Media?

Liebe Leser,

warum sollen wir eigentlich im Bereich Social-Media aktiv sein? Diese Frage stellen sich viele Unternehmen und Institutionen. Eine der Antworten auf diese Frage ist, dass man durch die Arbeit im Social-Web neue Zielgruppen erreichen kann. Und natürlich ist diese Antwort nicht total falsch. Social-Media steht für neue Kommunikationsformen und damit verbunden für neue Möglichkeiten der Vernetzung von Personen und/oder Inhalten. Wir können auf den verschiedenen Plattformen Menschen erreichen, die wir sonst über die klassischen Medienkanäle nicht erreichen würden. Wir können neue Services entwickeln und einen Dialog auf Augenhöhe über Produkte, kulturelle und gesellschaftliche Inhalte und Services beginnen.

Im Kultur- und Bildungssektor sowie in der freien Wirtschaft beginnt so langsam die Social-Media-Revolution. Waren es vor ein paar Jahren noch vereinzelte Institutionen und Unternehmen, die die digitale Welt gestalten wollten, ist die Bedeutung von Social-Media in der Breite zumindest verstanden worden. Es liegt noch immer ein sehr weiter Weg vor uns und natürlich bedeutet der Start eines Blogs, einer Facebook-Seite oder eines Twitter-Accounts noch nicht, dass man im Social-Web angekommen ist – die Reise beginnt jetzt erst. Aber es scheint, als würde das Thema (endlich) Fahrt aufnehmen.

Bleibt die Frage nach dem warum? In vielen Fällen geht man davon aus, Social-Media machen zu müssen. Schließlich seien dort die vermeindlich neuen Kundengruppen, schließlich müsse man mit der Zeit gehen, schließlich gibt es ja jetzt auch Geld dafür, schließlich will man ja vor allem die junge Zielgruppe erreichen. Schließlich, schließlich, schließlich.

Alle diese Argumente sind nachvollziehbar, sie greifen aber zu kurz. Es geht nicht darum, Social-Media zu nutzen weil man es muss, sondern weil man es will. Es geht darum, im Social-Web aktiv zu sein, weil man die damit verbundenen Möglichkeiten der Interaktion, der Offenheit, der Innovation, des Ausprobierens, des Dialogs auf Augenhöhe etc. für wichtig erachtet. Der Grund dafür ist einfach: Im Social-Web wird man selber aktiv sein. Man kann diese Aufgabe nicht einer externen Firma übertragen. Es geht nicht um Werbung und klassische Sender-Empfänger-Modelle. Es geht nicht um Werbeanzeigen die letztlich nichts anderes als faule Fire-and-Forgett-Systeme sind. Sicher, man kann eine Agentur beauftragen eine Social-Media-Kampagne zu beauftragen. Man kann sogar das Social-Media-Monitoring outsourcen. Aber am Schluss wird man es selbst machen müssen. Dies ist der Grund, warum ich für meine Kunden keine Accounts betreibe. Ich kann nicht im Namen eines Anderen im Social-Web nachhaltig aktiv sein. Einen Dialog auf Augenhöhe kann ich nicht mit einer dritten Person führen. Und die Community merkt früher oder später wer da spricht.

Social-Media bedeutet auch, ich brauche dafür Ressourcen. Ich brauche Personalressourcen um die Social-Media-Aktivitäten umzusetzen. Ich brauche finanzielle Ressourcen, um z.B. externe Berater und Trainer einzukaufen und kostenpflichtige Tools z.B. für das Social-Media-Monitoring zu bezahlen. Ich benötige die technischen Ressourcen wie z.B. Computer mit freiem Internetzugang, evtl. ein Samrtphone um mobil kommunizieren zu können etc. Social-Media kostet Ressourcen und es ist und war nie kostenlos zu bekommen. Zudem ist ein halbherziger Social-Media-Auftritt u.U. eher schädigend. Damit man mich nicht falsch versteht, man muss kein riesiges Feuerwerk abfeuern. Es geht vielmehr darum, mit dem vorhandenen Ressourcen das Maximum aus den Social-Media-Aktivitäten rauszuholen.

Wenn man also im Bereich Social-Media aktiv und erfolgreich sein möchte, muss man Social-Media wirklich wollen. Meine Kunden frage ich deshalb immer am Anfang eines Projektes:”Müssen Sie Social-Media oder wollen Sie es?”

Bleibt die Frage für wen mache ich Social-Media? Zumeist wird Social-Media für die Menschen gemacht, die in der digitalen Welt “leben”. Es geht um die sog. Digital Natives, eine Definition die putzig klingt aber letztlich nicht viel bringt. Natürlich klingt der Gedanke verlockend, einige hundertausend Menschen auf einer Plattform wie Facebook erreichen zu können. Also versucht man Social-Media zu nutzen um mit den Menschen, die in der digitalen Welt aktiv sind, und die in der Regel für jung und medienkompetent gehalten werden, zu kommunizieren. Aber ist das die digitale Realität? Wie reagieren wir auf die Tatsache, dass in Deutschland gerade mal 15% der Schüler täglich im Unterricht einen Computer nutzen dürfen? Was machen wir mit den Menschen, die noch nicht in der digitalen Welt angekommen sind? Wird man also Kunde 2.0 erst dann, wenn man einen Facebook-Account hat? Ist man erst dann interessant und muss man ansonsten mit den klassischen Holzmedien vorlieb nehmen?

Kommen wir zurück zu der Frage ob man Social-Media muss oder will. Wenn ich Social-Media will, dann möchte ich, dass soviele Menschen wie möglich in den Genuss der Möglichkeiten kommen, die sich aus der digitalen Welt ergeben. Und dann geht es um die Frage, wie bringe ich die Menschen in die digitale Welt, damit wir dort gemeinsam die digitale Welt gestalten können?

In den letzten Wochen habe ich einige spannende Social-Media-Projekte aus dem Kulturbereich kennengelernt. Besonders spannend fand ich die Idee der kulturellen Tweetups. Hierbei werden interessierte Twitter-Nutzer z.B. in ein Museum eingeladen und können dort an einer speziellen Führung teilnehmen. Das besondere daran ist, dass man direkt während des Museumsbesuchs twittert, d.h. man lässt die Community direkt an der Veranstaltung teilhaben. Erfunden wurde dies nach meinem Wissen von Christian Gries und seinem Team in München. Ulrike Schmid und Tanja Neumann veranstalten seit ein paar Wochen ähnliche Veranstaltungen in Frankfurt/Main. Social-Media wird hier benutzt, um neue Zielgruppen in das Museum zu bekommen. Gleichzeitig werden durch die Twitteraktivitäten der Teilnehmer eine Vielzahl an Menschen erreicht. Schließlich lässt jeder Teilnehmer seine Follower teilhaben. Zudem besteht die Möglichkeit virtuell via Twitter dabei zu sein. Man kann Fragen an die Teilnehmer stellen und sich über die kulturellen Inhalte austauschen. Ich finde diese Idee richtig gut und hoffe, dass es in naher Zukunft noch weitere solcher Ideen und Projekte geben wird.

Trotzdem fehlt mir ein wichtiger Gedanke. Im vorliegenden Fall geht es darum, mittels Social-Media-Tools Menschen für kukturelle Inhalte zu begeistern. Warum aber machen wir es mal nicht umgekehrt? Warum nutzen wir nicht kulturelle Inhalte, um Menschen für die Welt von Social-Media zu begeistern? Wenn wir als Institutionen oder Unternehmen Social-Media wollen, dann sollten wir hier der Gatekeeper sein. Wieviele Kulturinstitutionen werden von Menschen besucht, die die jeweiligen kulturellen Inhalte schätzen aber keinen Zugang zur digitalen Welt gefunden haben? Wieviele Unternehmen haben Kunden, die dem Unternehmen, seinen Produkten und Services vertrauen und gleichzeitig nie einen Einstieg in die Welt von Social-Media und Co. gefunden haben? Wieviele Menschen sind vielleicht schon im Netz aktiv oder besitzen ein Smartphone ohne die damit verbundenen Möglichkeiten verstanden zu haben?

Wenn wir die digitale Welt ernst nehmen, wenn wir sie gestalten möchten, wenn wir dort erfolgreich sein möchten, wenn wir neue Formen einer Kundenbeziehung aufbauen wollen, dann müssen wir auch damit beginnen, die Menschen mitzunehmen. Nun mag man sagen, dass das nicht die Aufgabe eines Unternehmens oder einer Institution sei. Aber ist das so? Ich glaube nicht. Denn es wird am Ende einen Return of Investment geben. Je größer meine Community ist desto mehr kann ich von ihr lernen, desto mehr Menschen kann ich erreichen. Je interessierter die Menschen in meiner Community sind und je interdisziplinärer deren Background ist, desto mehr Zielgruppen kann ich für mein Produkt oder meine kukturellen Inhalte begeistern. Je mehr Menschen ich über meine Social-Media-Kanäle erreiche, desto weniger muss ich für klassische Werbung ausgeben. Je mehr mir meine Community vertraut – und sie wird mir vor allem dann vertrauen, wenn ich derjenige war, der ihr die digitale Welt nähergebracht hat – desto mehr wird sie auch meinen anderen Aussagen Glauben schenken. Je offener und aktiver meine Community ist desto schneller kann ich auf Ihre Wünsche eingehen und die Qualität meiner Services steigern.

Was bedeutet das konkret?

Ich wünsche mir noch ganz viele Tweetups, am besten mit der Option, vor Ort ein Smartphone oder ein iPad/Android-Pad ausleihen und die Nutzung von Twitter lernen zu können. Jeder Teilnehmer, der auf diese Art und Weise Twitter erlernt sollte bei der nächsten Teilnahme einen freien Eintritt bekommen. Wie wäre es, wenn es das Ziel gibt, mittels Tweetups in ganz Deutschland innerhalb der nächsten 12 Monate 1000 neue und aktive Twitter-Accounts zu schaffen? Wie wäre es, wenn die Teilnehmer, die schon Twitterprofis sind, einen Tweetup-Newbee adoptieren und ihm helfen? Das könnte auch und vor allem die Vernetzung in der analogen Welt verstärken…

Die digitale Welt ist eine Welt voller Optionen. Wenn wir diese Optionen nutzen wollen lohnt es sich darüber nachzudenken, ob man nicht versucht, mehr Menschen für die vielfachen Möglichkeiten zu begeistern – es lohnt sich…

Beste Grüße

Christoph Deeg

Social-Media as a service – Fragen beantworten – Probleme lösen – vernetzen: InboxQ

Liebe Leser,

heute soll es um ein spannendes Tool aus dem Twitter-Universum gehen. In den letzten Wochen benutze ich immer öfter die Plattform inboxq.com Die Idee der Plattform ist verhältnismäßig einfach. Auf Twitter werden immer wieder Fragen gestellt. Twitter-Nutzer fragen ihre Community, und die Community antwortet. Dies ist nichts ungewöhnliches. InboxQ geht nun einen Schritt weiter. Es analysiert Nachrichten auf Twitter ob der jeweilige Tweet eine Frage ist und wenn ja, worum es in der Frage geht. Ich kann nun gezielt nach bestimmten Fragen suchen und diese dann beantworten. Und das funktioniert ganz einfach:

Zuerst gebe ich auf der Seite von InboxQ mindestens drei Stichwörter ein:

Und noch einen Klick weiter und man bekommt eine Übersicht über die aktuellen Fragen:

Nun kann man sich einen Tweet bzw. eine Frage aussuchen und diese beantworten:

Dabei ist es egal, ob man ein Problem löst oder Teil einer Diskussion wird. Im nächsten Schritt kann man dem jeweiligen Twitter-User auch direkt folgen. In meinem Fall war es eine Game-Store in Großbritanien:

Was mich besonders freute, war die Tatsache, dass der Gaming-Store sofort antwortete:

Nun kann es aber auch sein, dass man auf eine Frage keine Antwort weiß. In diesem Fall kann ich aber die Frage an meine Follower weiterleiten:

Was kann man nun mit diesem Tool anfangen?

Es gibt eine Vielzahl an Nutzungsmöglichkeiten für InboxQ.com. Die einfachste ist sicherlich Fragen zu beantworten. Dies kann zum Einen bedeuten, dass man Probleme löst z.B. “was benötige ich für ein richtig gutes Barbecue?”. Zum Anderen kann man wie im ersten Beispiel Teil einer Diskussion werden. Wenn man es richtig anstellt, kann man so neue Follower generieren, die über einen Inhalt bzw. einen Service gewonnen wurden. Ich folge gerne Menschen, die mein Problem lösen können oder aber mit denen ich meine Ideen und Inhalte teilen kann.

Wenn also ein Unternehmen ein bestimmtes Produkt verkauft – z.B. einen tragbaren Grill – kann es auf diesem Weg auf sich aufmerksam machen. Gleiches gilt für Kultur- und Bildungsinstitutionen. Gerade Bibliotheken oder Museen können sich hier als kompetente Ansprechpartner zu ihren Themen positionieren. So entsteht eine Community, die nicht auf Werbung sondern auf realen Konversationen beruht. Der Aufwand ist verhältnismäßig gering. Hat man erstmal eine kompetente Community aufgebaut, kann man an diese Fragen weitergeben. Man muss dann also nicht mehr alle Fragen selber beantworten. Trotzdem ist man der “Gatekeeper” zur eigenen Community. Diese Community funktioniert auch in die andere Richtung, d.h. der eigene Name bzw. das eigene Produkt werden kontinuierlich weiter getragen.

Leider ist es so, dass die Plattform nur bei englischen Tweets funktioniert. Dies liegt wahrscheinlich daran, dass es sich hierbei nicht um eine Volltextsuche handelt. Vielmehr werden die einzelnen Tweets linguistisch analysiert. Man muss also für jede Sprache eine eigene Plattform bauen. Trotzdem ist InboxQ.com auch für deutsche Unternehmen und Institutionen interessant. Dafür sollten wir verstehen, dass wir es immer mehr mit globalen Communitys zu tun haben. Auch wenn ich ein regionales Produkt anbiete, kann bzw. sollte ich eine globale Community aufbauen.

Es gibt aber noch mehr Möglichkeiten: Man könnte z.B. ein Projekt mit Jugendlichen, Auszubildenden oder neuen Mitarbeitern durchführen. Die Teilnehmer bekommen die Aufgabe mittels InboxQ.com Fragen von Twitter-Nutzern zu beantworten, mit Twitter-Nutzern zu diskutieren und die Community des Unternehmens oder der Institution auf Twitter zu erweitern. Auf diesem Weg könnte man eine Vielzahl an wichtigen Kompetenzen vermitteln. Zum Einen müssen die Teilnehmer die Fragen inhaltlich beantworten. Das bedeutet sie müssen recherchieren. Auszubildende und neue Mitarbeiter können so spielerisch mehr über die Produkte und Services des Unternehmens sowie die damit verbundenen Fragestellungen erfahren. Und auch in der Schule oder in einer Bibliothek können auf diesem Weg neue Inhalte erschlossen werden. Zum Anderen lernen die Teilnehmer etwas für Social-Media im allgemeinen und Twitter im besonderen. Sie werden Teil der Social-Media-Aktivitäten. Die Fähigkeit die Denk- und Arbeitsweisen von Social-Media zu verstehen und in den täglichen Arbeitsablauf zu integrieren, wird in der Zukunft in nahezu allen Berufen eine sehr große Bedeutung haben. Schließlich wird auch die Fähigkeit englisch zu sprechen, zu lesen und zu schreiben geschult. Und auch diese Fähigkeit wird in der Zukunft an Bedeutung gewinnen.

Fazit:

InboxQ.com ist ein sehr spannendes Tool, wenn es darum geht Twitter aktiv zu nutzen. In den meisten Fällen wird Twitter – genauso wie Facebook oder Google+ – immer noch als Plakatwand genutzt. Man sendet Mitteilungen wie kleine Pressetexte. Dabei geht es bei Twitter nicht um das versenden von Nachrichten sondern um einen Dialog. Und dieser kann verschiedene Formen annehmen. Ich habe InboxQ.com nun ein paar Wochen genutzt und ich muss sagen. es funktioniert. Dabei geht es mir nicht nur darum, die Anzahl meiner Follower zu erhöhen bzw. deren Wertigkeit bezogen auf die Themen mit denen ich arbeite. Vielmehr lerne ich auf diesem Weg eine Vielzahl an spannenden Menschen kennen, die ich sonst vielleicht niemals kennengelernt hätte. Aber wie sehen Eure Erfahrungen mit der Plattform aus? Versucht Ihr im Social-Web aktiv Fragen zu beantworten, an Diskussionen teilzunehmen oder neue interdisziplinäre Communitys aufzubauen?

Beste Grüße

Christoph Deeg

Unternehmenskommunikation und Social-Media – Pierre Littbarski bloggt nicht

Liebe Leser,

Immer mehr Unternehmen nutzen verschiedenen Social-Media-Plattformen. In den meisten Fällen geht es dabei um Werbung bzw. PR-Aktivitäten. Daran ist grundsätzlich nichts auszusetzen, jedoch werden immer wieder wichtige Punkte übersehen. In vielen Fällen werden Social-Media-Aktivitäten durch Werbeaktivitäten in klassischen Medien begleitet. Dazu gehört z.B. der Hinweis auf einen Facebookseite oder einen Twitteraccount auf Flyern und Plakaten. Gerne werden in diesem Zusammenhang auch die berühmten Gewinnspiele benutzt. An sich ist an solchen Aktivitäten nichts auszusetzen. Problematisch wird es nur dann, wenn z.B. die Werbung für ein Gewinnspiel zur Unterstützung der unternehmenseigenen Facebook-Seite noch in den Filialen des Unternehmens ausliegt, das Gewinnspiel aber längst beendet ist. Ich hatte dies schon vor ein paar Monaten am Beispiel Segafredo beschrieben.

Nun ist mir ein ähnliches Beispiel aufgefallen. Auf dem Flughafen Berlin-Tegel wirbt die Fluggesellschaft “Finnair” für Flüge nach Asien. Mit dem deutschen Ex-Fussball-Nationalspieler Pierre Littbarski hat man einen interessanten Botschafter gefunden. Pierre Littbarski war nämlich als Spieler und später als Trainer in Japan aktiv. Er könnte also einiges erzählen und ich wäre sehr interessiert daran von seinen Erfahrungen zu lesen. Und so freute ich mich sehr, dass er anscheinend zu einem Blogger geworden war. Auf der Werbetafel von Finnair fand ich einen Hinweis zu seinem Blog:

Großes Kino! Ich begann schon im Flugzeug über einen Blogbeitrag nachzudenken, in dem es um eine tolle Social-Media-Kampagne mit einem spannenden Blog gehen sollte. Ich stellte mir vor, wie ich auf dem Blog von Pierre Littbarski einen Kommentar hinterlassen würde und er würde antworten. Wow! Wenn das kein Grund ist, mit Finnair zu fliegen, oder?

Leider wurde ich später bitterlich enttäuscht. Pierre Littbarski bloggt nicht. Wenn man die angegebene URL aufruft passiert folgendes:

Ich bin ja sehr geduldig – also habe ich jetzt ein paar Wochen lang diesen Link wieder und wieder aufgerufen – immer mit dem gleichen Ergebnis: Pierre Littbarski bloggt nicht. Nun mag es viele Gründe geben, warum der Blog nicht vorhanden ist. Es mag sein, dass der Blog wieder eingestellt wurde. Es kann ebenso sein, dass die Idee des Blogs verworfen wurde. Was genau passiert ist weiß ich nicht. Was ich aber weiß ist, dass die vorhandene Variante ein Worst-Case-Szenario darstellt.

Selbst wenn der Blog nicht mehr relevant ist oder nie existiert hat, man hätte zumindest eine statische Seite erstellen können, die die aktuelle Situation erklärt. Der Aufwand ist gering – er zeigt aber, dass man Social-Media ernst nimmt. An sich ist die Kombination von Social-Media-Aktivitäten mit klassischen PR-Aktivitäten eine gute Sache. Nur dann muss man es auch ernst meinen und daran arbeiten. Dazu gehört, dass man die gesamten Aktivitäten kontinuierlich überprüft. Wenn es also in einem Medium einen Hinweis auf Social-Media-Aktivitäten geben soll, dann ist dies Teil der Social-Media-Strategie und muss überwacht werden. Projektmanagement-Tools wie Gantt-Diagramme können hier helfen.

Grundsätzlich ist es wichtig zu verstehen, dass alles irgendwann wahrgenommen wird. D.h. jede Aussage, jede Kampagne und jede Idee wird irgendwann gefunden – nicht nur im Netz sondern auch in der analogen Welt. Man kann an diesem Beispiel auch erkennen, wie weitreichend eine Social-Media-Strategie sein sollte. Es geht nicht nur um Plattformen und Inhalte sondern um nahezu alle Arbeitsbereiche einer Institution bzw. eines Unternehmens. Abgesehen davon werden wir in Zukunft weitaus mehr nachhaltige Social-Media-Strategien benötigen. Kurzlebige Social-Media-Kampagnen sind wenig hilfreich – außer natürlich für die Agenturen, die sie umsetzen:-)

Beste Grüße

Christoph Deeg

Facebook, Zynga und der Untergang von Social-Media

Liebe Leser,

in den letzten 48 Stunden ist wieder einiges passiert. In den Wirtschaftsnachrichten konnte man es lesen: Zynga und Facebook machen Verluste, die Aktienkurse beider Unternehmen gehen in den Keller. Schon prophezeien einige Menschen den Untergang des digitalen Abendlandes. Ich bin über die Reaktionen ein bisschen verwundert und möchte ein paar Gedanken dazu formulieren:

Zuerst muss man zugeben, ja, es gibt Verluste bei den beiden Unternehmen und nicht nur dort. Und ja, die Aktienkurse dieser Unternehmen sind unter Druck geraten. Facebook machte im abgelaufenen Quartal einen Verlust von 157 Mio. Dollar bzw. 8 Cent je Aktie. Zwar konnte man den Umsatz um 32% steigern, dies reicht den Analysten aber nicht ansatzweise. Und auch Zynga hat Schwierigkeiten. Im letzten Quartal waren es 23 Millionen Dollar Verlust. Soweit zu den Zahlen. Nun zur Frage ob dies den Untergang der Social-Media-Welt bedeutet? In den letzten Stunden wurde ich gleich 2x darauf angesprochen. Es hieß, der Hype um Social-Media und Gaming wäre ja wohl jetzt vorbei. Diejenigen Unternehmen und Institutionen, die sich bis jetzt in diesen Bereichen zurückhielten hätten sehr weise gehandelt.

In der Regel werden solche Aussagen von Menschen getroffen, die selbst zu der Gruppe der passiven Kritiker gehören, d.h. sie sind gegen Social-Media, sehen in allen diesen Plattformen vor allem Gefahren und sind stolz darauf, bis jetzt darauf verzichtet zu haben. Es ist in solchen Fällen schwer zu diskutieren, trotzdem möchte ich ein paar wichtige Punkte ansprechen:

Es geht im Social-Web nicht um Plattformen, sondern um Menschen. Natürlich fokussieren sich Investoren auf Geschäftszahlen, aber in denen spiegelt sich nur der Erfolg oder Misserfolg eines Geschäftsmodells wieder. Wir bewegen uns auf diesen Plattformen, weil Sie uns eine Vielzahl an Möglichkeiten der Vernetzung, der Kommunikation, des Erschließens und Teilens von Inhalten und natürlich jede Menge Spass bieten.

Erinnert sich noch jemand an AOL oder StudiVZ? Waren wir nicht mal alle bei Myspace aktiv? Alle diese Plattformen haben an Bedeutung verloren oder sind ganz verschwunden – und niemand vermisst sie. Die Menschen wandern weiter. Heute Facebook, morgen vielleicht die ultimative Social-Media-Gaming-Barbecue-Community-Plattform. Wir wissen es nicht.

Warum glaubt man eigentlich, dass Social-Media und Gaming ein Hype seien? Schon beim Platzen der berühmten Dotcom-Blase konnte man beobachten, dass zwar sehr viele Unternehmen verschwanden – die letztlich nur existierten, weil gierige Geldgeber astronomische Gewinne erwarteten – aber die Anzahl der Internetnutzer kontinuierlich wuchs. Es war völlig egal ob da ein paar Unternehmen mehr oder weniger unterwegs waren. Die Menschen waren weiterhin aktiv und fuhren fort ihre digitale Welt zu gestalten. Gleiches gilt für das Thema Gaming.

Vor ein paar Wochen mussten wir alle den Niedergang der Drogeriekette “Schlecker” miterleben. Kommt irgendjemand auf die Idee, Drogerieketten wären out? Lassen wir unsere Autos stehen, wenn ein Automobilhersteller Verluste einfährt und steigen aufs Fahrrad um? Was nebenbei bemerkt unsere Umwelt helfen würde:-) Nein, natürlich nicht! Es ist uns egal. Wir wollen ein Auto, wir wollen Duschgel und Cremes und wenn es einen Anbieter nicht mehr gibt suchen wir uns den nächsten.

Besonders spannend: wenn man auf Tagungen und Kongressen im Rahmen eines Vortrages auf die wirtschaftliche Bedeutung von Social-Media und Gaming hinweist, wird immer wieder darauf verwiesen, dass dieses Zahlen doch keine Argumentationsgrundlage für eigene Aktivitäten auf den Plattformen seien. Schließlich würde man sich ja auch nicht einen Grill kaufen und Barbecues veranstalten, nur weil Millionen von Menschen gegrilltes mögen. Wenn aber die Quartalszahlen nicht stimmen, wird dieses Argument gerne benutzt um aufzuzeigen, dass das Thema doch gar nicht mehr wichtig wäre.

Das Web ist menschlich. Es wird von Menschen gestaltet. Facebook ist keine Community. Es ist eine Plattform mit Millionen an kleinen Communitys, die zumeist keinen Kontakt zueinander haben. Allein die Sprachbarriere erschwert eine wirkliche globale Vernetzung. Social-Media ist keine Technologie, es ist eine neue Kultur, eine neue Art zu Denken und zu Arbeiten. Diese Kultur befindet sich immer noch in der Entwicklungsphase. Wir erleben, wie neue Plattformen entstehen und andere verschwinden. An der Kultur des Web wird sich nichts ändern.

Wenn also demnächst mal wieder positive oder negative Quartalszahlen von Unternehmen aus der Social-Media- bzw. der Gaming-Welt veröffentlicht werden, können wir uns entspannt zurücklehnen und einfach weitermachen….

Beste Grüße

Christoph Deeg

Ein neues Projekt – Social-Media-Coaching für 15 Bibliotheken

Liebe Leser,

heute möchte ich über ein neues Projekt berichten. Genauer gesagt ist es die Fortführung eines Projektes, bei dem ich schön länger mitarbeiten darf. Das Ministerium für Familie, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen und die Bezirksregierung Düsseldorf haben vor mehr als drei Jahren das Projekt “Lernort Bibliothek” ins Leben gerufen. In diesem Projekt geht es um die Frage, wie öffentliche Bibliotheken zu einem Lernort 2.0 werden können. Dieses Projekt besteht aus verschiedenen Bereichen. Es gibt z.B. Arbeitsgruppen mit Vertretern der teilnehmenden Bibliotheken, und ausgesuchten Experten. In einigen Bibliotheken werden die Innenräume umgestaltet. Es gibt eine Vielzahl an Veranstaltungen zu verschiedenen Themen usw. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Beratung und Begleitung der Bibliotheken in die Digitale Welt – und da komme ich ins Spiel.

Die Digitale Welt bedeutet für Bibliotheken eine große Chance und eine ebenso große Herausforderung. Themen wie Social-Media oder Gaming verändern die Welt der Bibliotheken nachhaltig. Dabei geht es nicht um den Wandel von der Bestands- zur Serviceorientierung sondern vielmehr um eine Neu-Positionierung der Bibliotheken als ganzes. D.h. die Arbeit im Bereich Social-Media hat einen Einfluss auf alle anderen Aktivitäten inkl. der Verteilung der vorhandenen Ressourcen und die individuellen Strukturen. Bibliotheken sind den anderen Kultur- und Bildungsinstitutionen bezüglich der Nutzung morderner Medien in der Breite weit voraus. Gleichzeitig ist der Impact auf die Arbeit dieser Institutionen um ein Vielfaches größer, da sich auch die Medien bzw. die Inhalte mit denen Bibliotheken arbeiten verändern.

In den nächsten sechs Monaten werde ich 15 Bibliotheken in Social-Media-Welt begleiten. Es geht dabei um je zwei Coachingtage, die im Abstand von ca. drei Monaten stattfinden. Alle teilnehmenden Bibliotheken haben schon einen Einführungsworkshop sowie einen ersten Coachingtag hinter sich. Ziel der ersten Workshops war, den Bibliotheken einen Einblick in die Social-Media-Welt zu geben und zudem mit eigenen Aktivitäten zu starten. Die zweite Runde oder der zweite Level :-) hat nun die Aufgabe, im Rahmen von jeweils zwei weiteren Coachingtagen diese Aktivitäten zu professionalisieren. Dazwischen gibt es Videokonferenzen und einen Projektwiki, d.h. die Bibliotheken können auch mein Know-How die ganzen sechs Monate zurückgreifen.

Bleibt die Frage: Warum Social-Media-Coachingtage? In den meisten Fällen beginnt die Arbeit im Bereich Social-Media mit einem Einführungsworkshop. Dabei lernen die Teilnehmer, worum es im Social Web geht und was man dabei beachten muss. Man lernt verschiedene Plattformen kennen und startet mit eigenen Aktivitäten. Sehr oft wird davon ausgegangen, dass mit diesem Workshop alles geregelt worden ist und einer erfolgreichen Reise im Social Web nichts mehr im Wege steht. Dabei entstehen in der Regel drei wesentliche Probleme:

1. Viele Fragen ergeben sich erst dann, wenn man im Web aktiv ist. In einem Einführungsworkshop können nicht alle Eventualitäten geklärt werden. Im Gegenteil, es ist sogar wichtig, eigene Erfahrungen – auch negative – zu machen. Es gibt keine Gebrauchsanweisung für das Social Web.

2. Social-Media ist immer nur ein Teil der Aktivitäten einer Institution oder eines Unternehmens. Im Rahmen eines Workshops mag es einfach sein, zu bloggen oder zu twittern. Wie aber integriert man dieses Arbeit in das Tagesgeschäft? Und wie überzeugt man das Umfeld/den Träger davon, dass diese Aktivität wichtig ist, bzw. dass es eben nicht nur um PR sondern um eine den anderen Aufgaben gleichgestellte Arbeit geht? (Auch wenn in andere Arbeitsbereiche mehr Ressourcen fließen, sollte Social-Media nicht als optionales Add-On verstanden werden)

3. Die Aktivitäten im Web beginnen in der Regel mit einer Phase des Ausprobierens. Erst nach ein paar Monaten kann man mit dem Aufbau einer nachhaltigen Social-Media-Strategie beginnen. Erst wenn man die Grundfunktionen der einzelnen Plattformen und die Kultur des Social Web verstanden hat, kann man mit der eigenen Positionierung und Professionalisierung beginnen.

Aus diesen drei Gründen werde ich also im nächsten halben Jahr wieder durch Nordrhein-Westfalen reisen und über meine Erfahrungen auf meinem Blog berichten. Wer mehr über das Gesamtprojekt wissen möchte kann dies unter http://oebib.wordpress.com/ tun.

Beste Grüße

Christoph Deeg

Ist Social-Media und Gaming langweilig geworden?

Liebe Leser,

in den letzten Wochen habe ich wieder auf vielen Tagungen und Konferenzen zu Social-Media und Gaming und ihre Bedeutung für Kulturinstitutionen, Unternehmen, die Aus- und Weiterbildung und das Innovationsmanagement sprechen dürfen. Diese Vorträge machen mir immer sehr großen Spass. Ich kann meine Ideen zur Diskussion stellen, lerne spannende Menschen und Orte kennen und kann zudem neue Barbecue-Rezepte bekommen.

In meinen Vorträgen versuche ich immer die Balance zwischen Aktivieren und Anschieben zu finden. Für viele Menschen bedeutet die digitale Welt einen tiefen Einschnitt in ihr Leben. Ganze Berufsbilder verschwinden oder werden nachhaltig verändert. Und so kommt es immer wieder zu Situationen, bei denen ich vorsichtig ausgedrückt massiv kritisiert werde. Solche Situationen sind nie angenehm, denn sie bedeuten einen Konflikt, für den ich mit meinen Inhalten stehe, den ich aber nicht lösen kann. Und eigentlich müsste ich mich freuen, wenn alles entspannt verläuft. Und doch bin ich im Moment etwas ratlos.

Eigentlich müsste ich glücklich sein. Als ich auf dem Bibliothekartag in Hamburg darüber sprach, dass Bibliotheken vor allem von Gaming-Communitys etwas lernen können und sollten gab es keine Kritik. Und als ich eine Woche später auf dem Bibliothekskongress Villach (Österreich) darüber sprach, dass der Bestand einer Bibliothek immer unbedeutender wird und dass es um einen Wandel von der Bestands- zur Serviceorientierung geht, gab es keine Proteste. Wie gesagt, eigentlich müsste ich sehr froh sein – Viel Spass noch:-)

Aber wenn ich mir das Bild genauer ansehe, stimmt irgendetwas nicht. Auf der einen Seite scheinen sich alle an die Themen Social-Media und Gaming gewöhnt zu haben. Die stARTconference und das erstmalig angedachte Operncamp fallen erstmal aus. Also gibt es keinen Bedarf mehr an dem Thema? Ist Social-Media angekommen? Ist Gaming langweilig? Auf der anderen Seite sind immer noch die meisten Kultur- und Bildungsinstitutionen nicht im Social Web aktiv. Und auch bei den Unternehmen sieht es nicht besser aus. Zwar haben viele eine Facebookseite oder einen Blog aber sehr oft handelt es sich dabei um klassische Werbung und/oder PR oder – noch schlimmer – das ganze wird als Kampagne von einer der vielen Werbeagenturen umgesetzt. Die Kultur, die Denk- und Arbeitsweisen von Social-Media und Gaming sind noch nicht in der Breite verstanden und adaptiert worden. Das ist schade, denn hier liegen unglaubliche Möglichkeiten.

Also woran liegt es? Ich glaube Social-Media, Gaming etc. werden langweilig. Das Mobile Internet ist jetzt cool. Dabei wird sehr oft vergessen, dass das Mobile Internet nicht wirklich funktionieren kann, wenn man Social-Media und Gaming nicht verstanden hat. Auch in der digitalen Welt gibt es keine Abkürzungen. Wir, die wir Unternehmen und Institutionen beraten sollten dies nicht vergessen und wenn möglich offen ansprechen.

Zudem glaube ich, dass die stARTconference und das Operncamp vor allem deshalb in 2012 nicht funktionierten, weil wir es im Kultur- und Bildungssektor nicht geschafft haben die Entscheider zu aktivieren. Eine Bewegung von unten nach oben kann in einem streng hierarchischen System nur in Grenzen funktionieren. Weder die Politik noch die Direktoren von Bibliotheken, Museen, Opernhäusern, Theatern etc. haben in der Breite verstanden um was geht. Wir diskutieren zu oft über noch eine neue Idee – gestern noch transmedia storytelling heute schon social TV – und wir sorgen uns um Plattformen wie Facebook. Und natürlich darf man den Datenschutz und das Urheberrecht nicht vergessen. All das sind natürlich auch wichtige Themen, aber das reicht nicht aus. Solange die Kulturen des Web und des Gamings nicht in den Institutionen angekommen sind, werden wir nicht erfolgreich sein. Solange wir nicht die Politik und die Leitungsebenen der Institutionen und Organisationen überzeugen, können wir nichts erreichen.

Ich freue mich darüber, dass immer mehr Menschen verstehen, dass da gerade etwas großes passiert. Ich freue mich auch darüber, dass meine Vorträge entspannter verlaufen. Aber ich sorge mich um die Umsetzung um Kultur- und Bildungssektor. Wenn wir hier nicht beginnen, in der Breite einen Wandel zuzulassen, werden wir die Chancen des Web und der Welt des Gamings nicht nutzen – dann werden es andere tun…

Beste Grüße

Christoph Deeg

Social-Media & schlechte Werbung für den eigenen Facebook-Auftritt – Beispiel: Segafredo

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Liebe Leser,

ich bin gerade auf dem Weg nach Hamburg. Dort findet eine Ortsbegehung zum Bibliothekartag statt. Die Zukunftswerkstatt wird wieder eine eigene große Fläche haben. Heute werden die Details besprochen. An solchen Tagen brauche ich vor allem guten Kaffee:-) und den hole ich mir immer bei Segafredo.

Auch heute morgen gab es “Cappuccino to go“ und dabei ist mir dieser kleine Werbeschnipsel aufgefallen. An sich ist es eine gute Idee, auf den eigenen Facebookauftritt in der Offline-Welt hinzuweisen. Leider ist das Gewinnspiel schon seit längerem abgelaufen. Ich weiß nicht, ob Segafredo einen Social-Media-Manager hat, aber soetwas sollte nicht passieren. Der Kundenkontakt bzw. der Facebook-Kontakt beginnt nicht erst dann, wenn man den “Gefällt-mir-Button“ auf Facebook anklickt, sondern wenn man zum ersten mal darauf aufmerksam gemacht wird. Zudem sollte der einzige Grund warum man die Facebook-Seite besucht nicht ein Gewinnspiel sein. Vielmehr möchte ich wissen, was Segafredo mit Facebook machen möchte. Ansonsten ist es nur eine schlechte PR-Maßnahme…

Kennt Ihr ähnliche Fälle? Wie würdet Ihr den Facebook-Auftritt von Segafredo bewerben?

Beste Grüße

Christoph Deeg