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Die ultimative Vortragsreihe zur Zukunft der Kultur- und Wissensvermittlung mit Eli Neiburger im Februar 2013

Liebe Leser,

heute möchte ich Euch zu vier ganz besonderen Events einladen. Wie Ihr wisst beschäftige ich mich in meiner Arbeit nicht nur mit dem Thema Social-Media sondern auch mit dem Thema Gaming bzw. Gamification. Dieses Thema ist aus sehr vielen Gründen interessant. Zum Einen ist die Kultur der Gamer sehr spannend. Zum Anderen kann man durch die Beschäftigung mit diesem Thema innovative Konzepte für neue Formen des Managements, des Marketing, des Lernens und Lehrens etc. entwickeln. Gerade der Bereich Social-Media ist eng mit dem Thema Gaming verknüpft. Gaming ist quasi Social-Media 2.0. Die besten Community-Manager die ich kennenlernen durfte kommen aus der Welt des Gamings. Und es gibt noch vielmehr zu entdecken. Für sehr viele Spiele werden kontinuierlich Sekundärinformationen benötigt, welche man nicht in den Spielen sondern in Wikis, Blogs oder Foren findet. Gamer spielen nicht nur. Sie entwickeln ebenso eigene Systeme für das Informations- und Wissensmanagement. Aber Gaming hat ebenso einen großen Einfluss auf die reale Welt. In den USA hat man dies schon vor einigen Jahren verstanden. Es gibt Projekte wie „Quest to Learn“, bei dem der Lernplan einer ganz normalen Schule auf den Modellen der Games basiert. Es gibt eine Vielzahl an Bibliotheken die Gaming-Events veranstalten. So entstand eine eigene Gaming-Liga und der „National Gaming Day“.

Eine der wichtigsten Personen in diesem Bereich ist Eli Neiburger. Er arbeitet an der Ann Arbour District Library und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Frage, wie Bibliotheken in der Zukunft aussehen werden. Dabei geht es ihm nicht nur um Gaming. Das Thema steht für ihn vielmehr für einen tiefgreifenden Wandel. Für ihn können Bibliotheken schon heute nicht mehr von sich behaupten, dass Sie die Informationsexperten sind. In Zeiten des modernen Internets, mobiler Angebote und Social-Media ist die Informationskompetenz nicht mehr bei den Bibliotheken zu finden. Bibliotheken können Ihren Kunden also nicht mehr die besten Informationen bieten, aber sie können seiner Meinung nach einzigartige Erfahrungen bieten. Es geht also nicht um die Nutzung von Gaming um die Menschen zu den Büchern zu kriegen. Gaming ist ein gleichberechtigtes Medium. Es ist genauso wichtig und relevant wie Bücher, Musik, Filme, Oper, Theater etc. Aber Eli Neiburger geht noch einen Schritt weiter. Er hinterfragt Bibliotheken grundsätzlich. Er behauptet zum Beispiel:“ Würde es heute keine Bibliotheken geben, würde man ihre Errichtung nicht mehr erlauben“.

Warum schreibe ich das alles? Ich kenne Eli schon seit zwei Jahren. Er hat mir beim Aufbau der Gaming-Aktivitäten des Vereins Zukunftswerkstatt Kultur- und Wissensvermittlung e.V. geholfen. Und er ist ein wunderbarer Gesprächspartner wenn es darum geht, neue Ideen für das Lernen und die Kulturvermittlung der Zukunft zu entwickeln. Deshalb freut es mich sehr, dass ich ihn im Rahmen meiner Tätigkeiten für den Verein (Zukunftswerkstatt) und durch Unterstützung der US-Botschaft Berlin für eine kleine Vortragstour nach Deutschland holen darf. Und (Trommelwirbel) hier sind die Tourdaten:

11.02.2013: Berlin – Computerspielemuseum; Beginn 19:00h
13.02.2013: Karlsruhe – Badische Landesbibliothek; Beginn 19:00h
14.02.2013: München – Bayerische Staatsbibliothek; Beginn 19:00h
15.02.2013: Köln – Stadtbibliothek; Beginn 19:00h

Der Eintritt ist wie immer frei!

Ich kann Euch nur unbedingt empfehlen, an einem Termine dabei zu sein. Diese Vorträge eignen sich nicht nur für Mitarbeiter in Bibliotheken. Jeder Mensch, der sich mit der Kultur- und Wissensvermittlung beschäftigt sollte versuchen Eli Neiburger zu hören. Für Mitarbeiter in Museen und Archiven ist dies genauso relevant wie für Lehrer, Eltern und Kulturmanager.

Bitte verteilt diese Information weiter. Teilt sie mit Euren Communities informiert jeden den Ihr kennt und natürlich: kommt selber hin!!!!

Weitere Informationen und Updates gibt es auf http://www.zukunftswerkstatt.org

Euer Christoph Deeg

Willkommen im Jahr 2013 – das Jahr von Social-Media und Gaming?

Liebe Leser,

ich hoffe Ihr seid alle gut ins neue Jahr gekommen? Ich sitze gerade bei guten Freunden und genieße einen entspannten Start in das Jahr 2013. Ich möchte in diesem Beitrag über mein Jahr 2012 schreiben. Was lief gut? Was könnte man noch besser machen?

Der Rückblick auf das Vergangene ist für mich immer sehr wichtig. Dabei geht es nicht nur um eine Evaluation oder ein internes Monitoring. Es geht auch darum zu sehen, was man alles schon erreicht hat. Viele meiner Kunden begleite ich über einen längeren Zeitraum. Einmalige Workshops bringen in der Regel eher wenig. Viele Fragen entstehen erst dann, wenn man das Erlernte umsetzen möchte. Wenn man ein Unternehmen oder eine Institution über einen längeren Zeitraum begleitet, indem man z.B. alle vier Monate einen Social-Media-Coaching-Workshop durchführt, kann man weitaus mehr erreichen. Dies hat auch damit zu tun, dass Social-Media nicht nur die Arbeit auf Plattformen wie Facebook oder Twitter bedeutet. Es geht ebenso um die Wirkung von Social-Media nach innen. Social-Media und Gaming sind keine Technologien. Sie stehen für eine neue Kultur und Unternehmen und Institutionen werden in der digitalen Welt nur dann nachhaltig erfolgreich sein, wenn sie in der Lage sind, diese neue Kultur zu verstehen und in die eigene Kultur zu integrieren.

Dieser Prozess dauert in der Regel mindestens ein Jahr und er hat einen Einfluss auf nahezu alle Geschäftsbereiche. Dieser „Kulturwandel“ geht aber nicht ohne Rückschläge und Schwierigkeiten vonstatten. Für viele Menschen bedeutet die digitale Welt eine sehr große Herausforderung. Es entstehen völlig neue Berufsbilder. Immer wieder erzählen mir Mitarbeiter, dass sie ihren Beruf vor 10 oder 15 Jahren gelernt haben und nun erleben, dass alles oder vieles was sie damit verbinden und was sie gelernt haben nun keine Bedeutung mehr hat. Das betrifft nicht nur die neuen Aufgaben. Vielmehr wurden und werden sehr viele Menschen bis heute in der Aus- und Weiterbildung nicht auf ein „lebenslanges Lernen“ bzw. eine lebenslange und individuelle Weiterentwicklung vorbereitet.

Viele Menschen stehen der digitalen Welt sehr kritisch gegenüber. Andere haben sogar Angst davor. Gerade für diese Gruppen bedeutet die digitale Welt eine Herausforderung, der sie sich nicht gewachsen sehen. Sie haben das Gefühl vor einer unendlich hohen Wand zu stehen, die sie nicht bewältigen können. Ich habe diesen Effekt sehr oft beobachten können und deshalb „zwinge“ ich meine Kunden dazu, am Ende eines Jahres sich eine halbe Stunde Zeit zu nehmen und sich den bereits zurückgelegten Weg anzusehen. Wir neigen sehr oft dazu, nur das zu sehen was noch alles getan werden muss und vergessen dabei das, was wir alles erreicht haben.

Also schaue auch ich zurück auf das Jahr 2012 und ja, es war ein gutes Jahr. Ich habe wieder eine Vielzahl an Unternehmen und Institutionen in die digitale Welt begleiten dürfen. Insgesamt waren es mehr als 35 Unternehmen, Institutionen sowie Städte und Gemeinden. Dabei ging es nicht nur um Social-Media sondern auch um das mobile Internet und die Welt des Gamings. Meine Mobile-Internet-Roadshow für Bibliotheken ist ein großer Erfolg. Das Social-Media-Gaming-Barbecue hat sich auch weiter entwickelt. Insgesamt habe ich mehr als 160 Nächte im Hotel verbracht und meine Bahncard glühte:-) Ich durfte auf tollen Konferenzen sprechen und habe eine Vielzahl an spannenden Menschen kennengelernt. Auch meine Aktivitäten in dem von mir mitgegründeten Verein „Zukunftswerkstatt Kultur- und Wissensvermittlung e.V.“ waren erfolgreich.

Michael Stephens “Learning Everywhere” from Zukunftswerkstatt on Vimeo.

Die Tour mit Michael Stephens, die Gaming-Liga und viele weitere Aktivitäten lassen den Verein stetig wachsen. Das besondere Highlight in diesem Bereich sind aber die stetig wachsende Zahl an Zukunftsentwicklern. Ich bin immer öfter auch im Ausland aktiv und was besonders wichtig ist: es macht mir sehr großen Spass.

Natürlich lief nicht alles perfekt. Es gab Rückschläge und Niederlagen. Sicher, ich konnte am Ende alle Probleme lösen und ich konnte zudem sehr viel lernen. Aber manches blieb liegen. Im zweiten Halbjahr haben vor allem meine eigenen Onlineaktivitäten zurückstecken müssen. Es war nicht so, dass ich überhaupt nichts gemacht habe. Aber ich hatte weitaus mehr vor. Das ganze ist ein bisschen paradox. Ich berate und begleite Unternehmen und Institutionen in der analogen Welt auf ihrem Weg in die digitale Welt und bin damit so erfolgreich, dass mir die Zeit fehlt, selber online aktiv zu sein. Damit geht auch einher, dass ich nicht so viel ausprobieren konnte wie ich wollte.

Die wichtigste Erkenntnis war für mich aber die, dass Social-Media und Gaming nur dann funktioniert, wenn man sich die damit verbundene Kultur zu eigen macht, und das dies genau das die größte Herausforderung ist. Ich weiß, dass ich dies schon sehr oft geschrieben habe und natürlich ist diese Erkenntnis nicht neu. Aber im letzten Jahr ist mir sehr oft vor Augen geführt worden, dass dies (immer noch) das Kernthema ist.

Nun also beginnt ein neues Jahr und es zeichnet sich ab, dass es viele Veränderungen geben wird. Auch in diesem Jahr werde ich wieder Unternehmen und Institutionen bezüglich Social-Media, Gaming und dem mobilen Internet begleiten. Es gibt wieder sehr spannenden Kunden. U.a. werde ich einen „Social-Media-Aussendienst“ starten. Mehr dazu in Kürze auf meinem Blog. Ich werde aber zudem sehr viel Zeit in meine eigene Weiterbildung und ein kleines Forschungsprojekt investieren. In diesem Jahr werde ich auch mein erstes Buch zum Thema Gaming veröffentlichen. Die Mobile-Internet-Roadshow wird massiv ausgebaut. Und im Januar startet auch das mobile Gaming-Lab. Das Social-Media-Gaming-Barbecue werde ich komplett umbauen. Es wird zu einer Plattform werden, auf der man Rezepte für Barbecues und Social-Media-Aktivitäten austauschen kann. Im Januar startet auch ein weiterer Blog von mir. Dieser Blog wird sich mit Zukunftsszenarien für Unternehmen und Institutionen beschäftigen und „Nachrichten aus der Zukunft“ heißen. Ich werde dort fiktive Nachrichten aus dem Jahr 2023 veröffentlichen. Diese Nachrichten beziehen sich auf Aktivitäten und Nachrichten aus der jetzigen Zeit. Im Februar darf ich mit dem US-amerikanischen Experten Eli Neiburger auf Deutschland-Tour gehen. Eli Neiburger arbeitet an der Ann Arbour District Library und beschäftigt sich mit völlig neuen Konzepten für die Kultur- und Wissensvermittlung. Sein Fokus liegt dabei auf dem Thema Gaming. Er hat u.a. den „National-Gaming-Day“ ins Leben gerufen und er ist zudem mein „Partner in Crime“ beim Aufbau der Deutsch-Amerikanischen Gaming-Liga. Diese Tour ist ein Projekt der Zukunftswerkstatt Kultur- und Wissensvermittlung e.V. und der US-Botschaft Berlin. Zusammen mit der stARTconference möchte ich in Berlin ein stARTcamp zum Thema „Scheitern“ veranstalten.

Es liegt also sehr viel Arbeit vor mir. Ihr werdet die Veränderungen und Entwicklungen online verfolgen können. Über alle Projekte werde ich berichten und ich hoffe ich schaffe mein persönliches Ziel, in diesem Jahr mindestens 100 Blogbeiträge zu schreiben.

Nun bleibt mir nur noch Danke zu sagen. Danke an meine Partnerin und meine Freunde, die mich im letzten Jahr so gut wie gar nicht mehr gesehen haben. Danke an meine Kunden für fantastische Workshops und vor allem das Vertrauen in meine Person. Vielen Dank auch an meine Kooperationspartner und die vielen Hotels, die sich so toll um mich gekümmert haben.

Ich freue mich auf ein spannendes Jahr 2013…

Beste Grüße

Christoph Deeg

Mein Vortrag zur Zukunft der Kulturvermittlung…

Liebe Leser,

vor ein paar Wochen durfte ich auf dem Symposium zur Kulturvermittlung der Stiftung Pro Helvetia und der Migros Kulturprozent in Basel sprechen. Über diese tolle Konferenz habe ich schon in einem anderen Beitrag berichtet. Heute möchte ich Euch nun das Video zum Vortrag präsentieren. Ich gebe zu, ich bin ein bisschen stolz auf das Ergebnis und ich freue mich über Eure Kritik..

Beste Grüße

Christoph Deeg

Auf dem Weg in das Archiv 2.0 – oder warum die Niederlande keinen Fussball brauchen:-)

Liebe Leser,

in der letzten Woche habe ich nicht nur weitere Social-Media-Coachingtage und Social-Media-Workshops durchgeführt – ich durfte auch auf einer sehr spannenden Konferenz sprechen. Es handelte sich um die Konferenz „Offene Archive“ und es war quasi die erste Archiv-2.0-Konferenz in Deutschland.

Wenn man sich mit dem Thema Archive 2.0 beschäftigt muss man zuerst verstehen, dass Archive etwas besonderes sind. Im Gegensatz zu Institutionen wie z.B. Bibliotheken haben Archive einen gesetzlichen Auftrag. Sie sind quasi das „Gedächtnis unserer Gesellschaft“ D.h. sie sammeln, sichern und erschließen die Informationen und Inhalte, die es heute und in der Zukunft ermöglichen sollen, zu verstehen, was in unserer Vergangenheit geschah.

Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, haben Archive eigene Denk- und Arbeitsweisen entwickelt, die auf lange Zeit den Bestand und den Zugang zu Archivalien sicherstellen sollen. Im Laufe der Jahrzehnte entstand eine eigene Kultur, die nicht ohne weiteres kompatibel zur Kultur der digitalen Welt erscheint. In Archiven geht es um fachliche Erschließung, Langzeitarchivierung, Sichern und Bewahren, im Social-Web und der Welt des Gamings geht es um Kooperation, Teilen, Dialog auf Augenhöhe, Prozesshaftigkeit und Interaktion. Dies soll keine Kritik an den Archiven sein. Es gibt gute Gründe, warum Archive so handeln. Und somit ging es auf der Konferenz auch nicht darum, das Archiv an sich in Frage zu stellen. Es ging vielmehr um eine Erweiterung der Archivarbeit, um die Entwicklung zum Archiv 2.0. Also ein Langzeit-Update:-)

Gleichzeitig wissen wir gerade über Archive noch weniger als über Bibliotheken oder Museen. Die Arbeit eines Archivars erscheint vielen wie ein Mythos. Eine Bibliothekarin können sich viele Menschen noch vorstellen – auch wenn das Bild der grauen Maus mit Dutt nicht wirklich die Wirklichkeit darstellt. Aber was macht ein Archivar? Und so wie viele Menschen nicht wissen, was ein Archivar tut, wissen auch viele Menschen nicht, was man alles in einem Archiv machen kann – und vielleicht wissen das einige Archivare auch nicht…

Auf der Konferenz ging es um neue Wege, um einen Aufbruch, um eine neue Kultur. Und so geschah es:-) Ich werde jetzt nicht alle einzelnen Vorträge beschreiben. Ich möchte vielmehr meine persönlichen Gedanken zur Konferenz und dem Thema mit Euch teilen. Da ist zuerst die Freude, dass ich auf der Konferenz zum Thema Gaming sprechen durfte. Auf vergleichbaren Konferenzen geht es zumeist um Social-Media und das mobile Internet. Ich bin auch in diesen Bereichen sehr aktiv und führe jede Menge Workshops und Projekte wie die “Mobile-Internet-Roadshow” durch. Aber das Thema Gaming wird immer gerne vergessen. Dabei ist es letztlich Social-Media 2.0. Wenn man wissen möchte, wie wirklich professionelles Community-Management, Storytelling, Social-Media-Management, Wissensmanagement usw. aussehen kann, muss man nur die Welt des Gamings beobachten.

Es gab eine Vielzahl an spannenden Vorträgen u.a. von Ulrike Schmidt und Christian Spließ Für mich waren aber vor allem die Reaktionen der Zuhörer interessant. Die Teilnehmer dieser Konferenz waren nach Speyer gekommen, weil sie den Weg in die digitale Welt 2.0 gehen wollten. Es gab also keine Grundsatzdiskussionen über die Frage, ob die digitale Welt nicht gefährlich ist bzw. ob man den wirklich in diesem Bereich aktiv sein muss oder ob das alles nicht ein Hype sei. Ebenso interessant war die Tatsache, dass man sowohl einen Blick von außen also z.B. durch mich, als auch einen Blick von innen von Archivaren aus ganz Europa, die bereits im Social-Web aktiv sind, wagen wollte. Es ergaben sich spannende Diskussionen und dabei entwickelten sich viele Ideen.

Kurz vor meinem Vortrag gab es keine Diskussion um Digitalisierungs-Strategien. Diese Diskussion ist nicht neu. Archive haben in den letzten Jahren damit begonnen vor allem ihre Findmittel zu digitalisieren. Im nächsten Schritt geht es nun um die Archivierung der eigentlichen Archivalien. Ich habe den Wunsch nach einer solchen Strategie in meinem Vortrag aufgenommen, und darauf verwiesen, dass Archive (und auch Bibliotheken und Museen) keine Digitalisierungsstrategie sondern einen digitale Strategie benötigen. Es reicht m.E. nicht aus, Inhalte zu digitalisieren. Man muss sich im gleichen Zug darüber Gedanken machen, wie man diese Inhalte vermittelt. Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Es geht nicht darum, möglichst viele Inhalte zu sichern. Erst wenn die Digitalisate von einer möglichst breiten Öffentlichkeit wahrgenommen werden, macht der finanzielle Aufwand Sinn. Aus diesem Grund plädierte ich dafür eine digitale Strategie zu entwickeln, die sowohl die Digitalisierung als auch deren Vermittlung mittels Social-Media und Gaming beinhaltet. Und haben wir damit begonnen, uns Gedanken zu machen, wie diese Strategie aussehen könnte. Thomas Wolf hat in seinem Beitrag einen ersten Entwurf gepostet. Ich möchte nun heute meine Ideen zur Diskussion stellen. Damit wir besser arbeiten können habe ich bei Mindmeister.com eine öffentlich zugängliche Mindmap veröffentlicht.

Am Abend des ersten Tages gab es dann ein Kultup im Stadtarchiv in Speyer. Es war wirklich ein gelungener Abend. Und twittern aus Kulturinstitutionen macht wirklich Spass…

Mein persönliches Highlight war der Vortrag von Christian van der Ven zum Umgang mit der digitalen Welt in den Niederlanden. Er begann mit dem Beschreiben von Archiv-Barcamps und endete in einer niederländischen Version von 23things. Ich wusste schon länger, dass die Niederlande bei der Kultur- und Wissensvermittlung führend sind. In der Bibliothekswelt setzen sie den Standart. Bibliotheken wie die in Delft oder Amsterdam sind nur zwei Beispiele. Nun konnte ich erleben, dass auch die Archive in den Niederlanden führend sind. Wozu also braucht man erfolgreichen Fussball, wenn man solche erfolgreichen Bibliotheken und Archive hat?

Die Konferenz war ein voller Erfolg. Man kann den Organisatoren nur danken. Sie haben wirklich eine großartige Atmosphäre geschaffen. Nun gilt es, die Ideen und Visionen umzusetzen. Ein Archiv 2.0 ist möglich. Der Weg ist steinig aber er lohnt sich – für die Archive und für die Menschen.

Beste Grüße

Christoph Deeg

Die wollen nur Spielen! Mein Abschlussbericht zur Re:Publica 2012 – und ein #smgbbq bei Mainz

Liebe Leser,

es ist Sonntagnachmittag. Mein neuer Grill ist endlich geliefert worden – und es regnet. Kein Problem, widme ich mich eben meinem Abschlussbericht zur Re:Publica 2012. In den letzten Tagen habe ich schon über meine Eindrücke vom ersten und vom zweiten Tag berichtet. Insofern bleibt mir nun die Aufgabe über den dritten Tag zu schreiben und ein Resumé zu ziehen. Beginnen wir also mit dem dritten Tag:

Der dritte Tag trägt für mich die Überschrift “Verantwortung und Wandel”. Die erste Session, die ich besuchte war “Revolution on hold – China, Iran, Russia – Where do the revolutionary ideas catch on?”. Isaac Mao, Arash Abadpour, Markus Löning und Mathis Winkler diskutierten mit Kristin Zeier über die Nutzung des Internets als Kommunikationsplattform, Zensur und Gefahren für Aktivisten in China, Iran und Russland. Für mich waren die spannendsten Aussagen die über die Unmöglichkeit, das Internet zu kontrollieren. Trotz aller erschreckenden Versuche, den Zugang zum Internet zu beschränken und diejenigen die im Netz aktiv sind massiv zu bedrohen, lässt sich anscheinend der Wandel nicht aufhalten. Isaac Mao verwies u.a. darauf, dass alleine die schlichte Masse an Informationen, welche im Netz veröffentlicht werden, es unmöglich macht, alle Daten zu kontrollieren. Zudem werden wichtige Informationen nicht direkt vermittelt. Vielmehr werden sie in andere Kontexte “verpackt”. Die jeweiligen Zensur-Organe sind somit nicht mehr in der Lage zu verstehen, ob der jeweilige Text eine politische Bedeutung hat oder nicht. Es gibt aber nicht nur Zensur. Das Gegenstück zur Zensur scheint die “Vermüllung” des Netztes zu sein. Es werden Massen an Informationen im Netz veröffentlicht. Dadurch soll die Aufmerksamkeit der User auf unwichtige Inhalte gelenkt werden. Alle Beteiligten waren der Meinung, dass die globale Wirtschaft, d.h. die Öffnung der lokalen Märkte letztlich dafür sorgen wird, dass geschlossene Netze nicht dauerhaft existieren und/oder die Regime nicht in der Lage sein werden alles zu kontrollieren. Je länger ich die Diskussion verfolgte desto deutlicher wurde mir klar, wie dankbar man sei sollte, dass wir hier ein freies Netz haben, und dass es eine Vielzahl an Organisationen gibt die dafür kämpfen, dass das auch so bleibt. Es bedeutet aber auch, dass wir wo immer möglich diejenigen unterstützen sollten, die in diesen Ländern leben bzw. die dortigen Gesellschaften reformieren möchten. Markus Löning hatte m.E. recht wenn er zudem forderte, dass sich Unternehmen, die in diesen Staaten aktiv sind, ihrer Verantwortung bewusst werden…

Daran anschließend besuchte ich die Session “Do it yourself – Netzwerke für die DIY-Education”. In dieser Session stellten Anja. C. Wagner, Jonas Liepmann und Michelle Thorne verschiedene Projekte für neue Bildungsformen vor. Es geht dabei weniger um den klassischen und m.E. überholten Frontalunterricht als vielmehr um offene Plattformen, auf denen Menschen zusammenkommen um gemeinsam zu lernen. Die Angebote sind unterschiedlich und beziehen sich sowohl auf die reale als auch auf die digitale Welt. Ich war von den Präsentationen sehr beeindruckt und wurde konnte viel für meine Arbeit an der Universität Hildesheim mitnehmen. Was mich allerdings skeptisch macht ist die Tatsache, dass unsere Schulen und Universitäten m.E. noch Lichtjahre von solchen neuen Konzepten entfernt sind. Ich weiß ich wiederhole mich aber wir dürfen nicht vergessen, dass Deutschland das Land ist, in dem gerade mal 15% der Schüler überhaupt im Unterricht täglich einen Computer nutzen dürfen. Wir leben also in einer Art schulischem Mittelalter. Dabei geht es nicht nur um die Technologie an sich sondern auch und vor allem um die damit verbundenen neuen Denk- und Arbeitsweisen. In diesem Zusammenhang wurde auch diskutiert, ob man eine Unterrichtsstunde “Medienkunde” braucht. Ich halte davon wenig. Viel sinnvoller wäre m.E., dass Social-Media, Internet und Computer zu einer Querschnittsfunktion in allen Schulen werden, d.h. in möglichst jeder Unterrichtseinheit werden diese Werkzeuge aktiv genutzt. So schockierend die aktuelle Situation in den deutschen Schulen auch sein mag – und ja, ich weiß es gibt ein paar tolle Gegenbeispiele – sie zeigt einmal mehr unsere Verantwortung, hier in der Breite Druck zu machen. Wer für den Rücktritt von Christian Wulff als Bundespräsident eintritt, sollte auch für einen Wandel in den Schulen demonstrieren.

Nach dieser Session musste ich die Re:Publica kurz verlassen, denn ich nahm an der abschließenden Telefonkonferenz des “Movers&Shakers-Preises” teil, bei dem ich Mitglied der Jury bin. Nach einer Stunde hatten wir die Sieger gefunden – und ich bin mächtig stolz darauf, dass meine Favoriten gewonnen haben:-)

Danach gab es noch ein kleines Vorgespräch für ein bald startendes Projekt ehe ich die letzte Session meines dritten Tages besuchte. Dieses mal ging es um Social-Gaming. Sina Kamala Kaufman sprach in ihrem Vortrag “In case of reality use magic wand; social games & digital identities” über die verschiedenen Formen und Erscheinungen digitaler Identitäten. Wie bewegen wir uns auf Facebook, Twitter und Co? Was sind wir auf diesen Plattformen? Besonders gefiel mir die Erkenntnis, dass unsere Identitäten auf diesen Plattformen vielleicht 8-10 Jahre als sind. Wir sind quasi noch Online-Kinder. Man sollte sich m.E. mal ein paar Kinderbücher ausleihen – es gibt sie jetzt auch als animierte Apps – und dann würden wir glaube ich verstehen, warum wir noch immer in den Kinderschuhen stecken, wenn es um die digitale Welt geht. Natürlich sprach sie auch über “mein Thema”: Gaming. Wusstet Ihr, dass nahezu 50% aller Facebook-Nutzer dort auch spielen? Und dass ca. 10% dafür bezahlen? oder das 70% dieser Spieler Frauen sind? Gaming ist – da bin ich mir sicher – der Schlüssel zu einer Vielzahl an Möglichkeiten. Egal ob es um Innovationsmanagement, Wissens- und Kulturvermittlung, Marketing, Medizin oder einfach jede Menge Spass geht. Gaming und die damit verbundenen Modelle können uns helfen, besser zu lernen, zu lehren, zu arbeiten etc. In den nächsten Wochen gibt es mehr dazu:-) Ob Social Gaming wirklich das ganz große Thema werden wird bleibt abzuwarten. Sicher ist aber, das der Erfolg von Facebook ohne Gaming nicht möglich wäre. Durch die Spiele wurde Facebook noch menschlicher noch verbindender. Vergessen wir nicht: bevor Google auf Google+ Firmenseiten zuließ gab es zuerst die Spiele. D.h. erst Die Menschen, dann die Spiele und dann die Institutionen. Dann war sie vorbei die Re:Publica. Ich trank noch das eine oder andere Bier, unterhielt mich noch mmit ein paar Teilnehmern und dann ging es nach hause – um in Ruhe 4 Stunden Battlefield 2 Bad Company im Multiplayer-Modus zu spielen.

Mein Fazit zur Re:Publica:
Es war toll! Tschüss! Ok, ein bisschen was möchte ich schon schreiben. Wie schon gesagt: die Location war sensationell. Einziges Manko waren die beiden gegenüberliegenden Bühnen in der ersten Etage. Es war teilweise sehr schwer etwas zu verstehen. Ich weiß, dass sich einige wieder über das nur selten funktionierende WLAN beschwerten – ich kann allerdings nicht verstehen warum? Wer sich ein iPad leisten kann, kann sich auch die 3G-Version leisten und so ins Netz gehen. Das WLAN sollte m.E. für diejenigen nutzbar sein, die z.B. aus dem Ausland kommen und für die Datenroaming schlichtweg zu teuer wäre. Ansonsten habe ich nur iPads und Smartphones gesehen… Dann besonders wichtig: die Bratwurst! Wow! Danke! Sowieso das Catering – tolle Auswahl zu einem äußerst fairen Preis. Vielen Dank! Die beste Konferenz ist ohne gutes Catering gar nichts – das war großes Kino!!!

Die Re:Publica ist vor allem eines: harmlos. Und das hat seine Vor- und Nachteile. Die Konferenz lebt von ihrer Entspanntheit. Es wir geredet und gedacht aber nicht genervt. Alles geht ruhig und gesittet zu. Es ist keine Politik-Konferenz. Es ist mehr wie ein riesengroßes Buffet. Man probiert das eine oder das andere und lernt und genießt die Zeit. Diese Stärke ist m.E. zugleich die Schwäche der Re:Publica, denn von ihr geht nichts aus. Sicher, es gibt die Netzgemeinden-Popstars Lobo, Beckedahl, Sixtus etc. Aber das hat wenig mit einer digitalen Gesellschaft zu tun. Urheberrecht, Regierungssprecher-Twitter-Accounts und Crowdfunding sind 1000x wichtiger als die Frage, wie man endlich Schulen und Universitäten und vor allem den gesamten Kultursektor aus dem Mittelalter in die Gegenwart holt. Viele Projekte die ich mir angesehen habe, und die Probleme haben sich durchzusetzen, bewegen sich in einem Umfeld, in dem noch nicht einmal die Basis dafür vorhanden ist. Die kleine Session der Theater-Nerds zeigte das überdeutlich. Besonders problematisch: es wird nur sehr selten über die mit der digitalen Welt verbundenen neuen Denk- und Arbeitsweisen diskutiert. Allenfalls beim Urheberrecht flammt die Diskussion auf, wenn z.B. mal eben das gesamte Urheberrecht als nicht mehr zeitgemäß definiert wird. Das klingt cool und putzig ist aber Blödsinn, denn auch die Menschen, die sich selber für “Internetbewohner” halten müssen verstehen, dass sie eine Verantwortung haben. Es reicht nicht zu sagen, das eine oder andere Modell wäre mal eben nicht mehr zeitgemäß – dann bitte mit Gegenvorschlägen, die nicht auf den kleinen Erfolgen ausgesuchter Künstler basieren.

Schauen wir uns die digitale Gesellschaft doch einfach mal aus Sicht eines Computerspiels an. Wenn ich ein Spiel beginne, weiß ich nicht, wohin mich die Reise führt. Ich weiß nicht, wie die Steuerung funktioniert und was meine Aufgabe ist und es gibt auch kein Handbuch. Damit man nun nicht nach kurzer Zeit genervt den Stecker zieht – Computerspiele sind nämlich sehr oft sehr kompliziert es sei denn es sind Social-Games – muss man das Spiel erlernen. Das oder die ersten Level sind bereits Teil des Spiels und doch geht es vor allem darum, dass man erstmal lernt wie alles funktioniert. Erst wenn man die ersten Level geschafft hat, kann man sich auf die eigentliche Reise machen. Die digitale Gesellschaft ist m.E. gerade dabei, die ersten Level abzuschließen. WIr befinden uns noch am Anfang. Es geht gerade erst los. Wir müssen verstehen, dass wir noch gar nichts erreicht haben. Der Kultur- und Bildungssektor versteht gerade erst, dass da etwas ist, Unternehmen merken – wenn sie überhaupt schon Teil der digitalen Welt sind – dass PR von Werbeagenturen, die so mal eben auch Social-Media machen nur bedingt weiterhilft. Wir erkennen die Stolpersteine und Herausforderungen und haben nun die Möglichkeit, sowohl die reale als auch die digitale Welt zu gestalten. Gewiss, einen Gang durch die Institutionen wird es nicht geben. In der digitalen Welt werden die meisten Institutionen zumindest in ihrer jetzigen Form gar nicht gebraucht. Diejenigen, die in den letzten Jahren aktiv waren haben also die Basis geschaffen, auf der es nun losgehen kann.

Social-Media-Gaming-Barbecue Rhein/Main

Auch für mich geht’s weiter. Nächste Woche bin ich zuerst in Mainz und werde der Universitätsbibliothek die Welt von Social-Media und Co. näherbringen. Danach geht es mit meiner http://crocksberlin.wordpress.com/mobile-internet-roadshow-fur-bibliotheken/ zur Universitäts- und Landesbibliothek nach Darmstadt. Das besondere ist der Ort an dem ich drei Nächte übernachten darf. Das Gästehaus Hochmann in Stadecken ist ein tolles Hotel – und der Ort Stadecken etwas ganz besonderes. Und deshalb möchte ich gerne am 09. Mai ein Social-Media-Gaming-Barbecue in Stadecken durchführen. Da ich dieses mal mit dem Flugzeug komme habe ich zwar keinen Grill dabei – es gibt aber in Stadecken einen unglaublich guten Italiener mit sensationellen und zugleich sehr preiswerten Weinen! Also ich hoffe, ich sehe ein paar der Menschen aus dem Raum Frankfurt/Main, Mainz, Darmstadt am 09. Mai in Stadecken. Und wenn Ihr am 09. Mai nicht könnt kann man sich auch am 08. und 10. Mai treffen.

Bis dahin viel Spass und spielt schön

Christoph Deeg

Der zweite Tag der Re:Publica

Liebe Leser,

bevor ich wieder in den heiligen Hallen der sog. “Netzgemeinde” verschwinde, möchte ich Euch meine Eindrücke vom zweiten Tag der Re:Publica schildern:

Der Begriff “Netzgemeinde” ist übrigens m.E. nach Blödsinn – erfunden von Menschen, die über etwas reden, was sie nicht verstehen. Auf der Re:Publica treffen sich keine Online-Nerds. Es ist keine geschlossene Community mit Mate-trinkenden Weißgesichtern. Im Gegenteil, die Re:Publica ist einfach eine Konferenz, bei der sich Menschen treffen, die sowohl digital als auch analog Ideen austauschen. Der große Vorteil zu anderen Konferenzen ist der, dass hier nicht dauernd Menschen herumlaufen, die einem etwas verkaufen wollen. Und es gibt sogar Pop-Stars und -sternchen. Sascha Lobo fällt z.B. zuerst in der realen Welt auf – kleiner Tipp: die Haarfarbe:-) Markus Beckedahl ist zumeist einfach nur nett und Mario Sixtus ist Mario Sixtus. Das bedeutet nicht, dass diese drei genannten Personen keine Inhalte hätten. Im Gegenteil. Die Bekanntheit der Netz-Pop-Stars basiert auf Ihren Handlungen und Ideen, nicht auf der Pseudo-Arbeit drittklassiger PR-Agenturen. Ja, die digitale Welt ist eine große und zugleich sehr heterogene und offene Kultur. Und genau um diese Kultur ging es für mich auch am zweiten Tag der Re:Publica.

Es begann mit einer weiteren Session zu Open-Innovation. Innovationsmanagement ist ein unglaublich spannendes und zugleich wichtiges Thema. Durch meine Arbeit am Technologieradar der Zukunftswerkstatt zusammen mit der ETH-Bibliothek und der FH Potsdam habe ich mich länger damit beschäftigen dürfen. Die Frage, wie wir Produkte, Unternehmen und Institutionen verbessern können ist gerade in Zeiten einer sich immer schneller verändernden Kommunikations- und Medienwelt von großer Bedeutung.

Den Auftakt machte Julia Leihener mit Ihrem Vortrag “Open Innovation: eine wirtschaftliche Perspektive” Sie gab einen Einblick in die Arbeit der T-Labs der Telekom. Ich kenne die T-Labs schon ein bisschen und bin ein großer Fan. Besonders die Endkunden-Orientierung bei bzw. kontinuierliche Integration der Kunden in die Entwicklung von neuen Produkten und Angeboten war sehr spannend. In meiner Arbeit erlebe ich sehr oft, dass über die Kunden aber nicht mit den Kunden gesprochen wird. Das führt sehr oft dazu, dass Produkte und Dienstleistungen entstehen, die niemandem wirklich helfen oder sogar eher einen Schaden verursachen. Neben den Kunden sollen in kleinen Schritten auch die Mitarbeiter der Telekom in den Innovationsprozess eingebunden werden – und hier wird es richtig spannend. Ein T-Lab ist eine nette Einrichtung – wie aber werden z.B. die Berater in den Telekom-Shops eingebunden? Die Gundidee von Open Innovation ist ja die, auf die Ressourcen und die Kreativität möglichst vieler Menschen zurückgreifen zu können. Also muss genau dafür der Raum geschaffen werden. Und deshalb müsste die Telekom letztlich als Ganzes ein riesiges T-Lab sein.

Daran anschließend sprach Stefan Lindegaard in seinem Vortag “Open Innovation- Insights into the buzz” über seine Erfahrungen als Berater in diesem Bereich. Bei seinem Vortrag wurde wieder einmal deutlich, dass es nicht um ein paar neue moderne Werkzeuge, sondern um eine völlig neue Kultur geht. Gerade für Führungskräfte ist Open Innovation eine große Herausforderung denn Ihre Rolle wandelt sich vom “Leader” zum “Supporter”. D.h. sie sorgen dafür, dass Open Innovation passieren kann. Das mag banal klingen, es verändert aber alles. In meiner Arbeit kann ich dies sehr gut beobachten. Die Leitungen der Organisationen für die ich arbeite finden sich plötzlich in einer völlig neuen Rolle wieder. Die Strukturen und Modelle, die vorhanden sind werden verändert und müssen zudem hoch flexibel gestaltet werden. Open Innovation ist also kein neuer Service-Bereich sondern eine neue Denk- und Arbeitsweise.

Auch im nächsten Vortrag ging es um Kultur – sogar im doppelten Sinne. Tina Lorenz sprach in ihrem Vortrag “Theater und digitale Medien – ein Trauerspiel” über die massiven Probleme die in Theatern entstehen, wenn man sich auf die digitale Welt einlässt. Ihre Analyse war absolut richtig. Wenn überhaupt dann bewegen sich die meisten Theater in der digitalen Welt als Theater 1.0. Es geht um Öffentlichkeitsarbeit, d.h. Facebook wird zu einer Plakatwand. Die Kultur des Theaters ist mit der Kultur des Web nicht kompatibel. Man denke nur an den Versuch des Thalia-Theaters, die Community zu fragen, welche Stücke gespielt werden sollen. Es ging nicht um das gesamte Programm sondern nur um ein paar Vorstellungen. Nun entschied sich die Community leider nicht für die Inhalte, die man sich erhofft hatte. Und der Feuilleton war sowieso stinksauer. Und so wurde aus einer wirklich genialen Idee ein Problem. Bis heute kann ich nicht verstehen, warum dieses Projekt als Misserfolg gewertet wird? Was spricht dagegen, die Menschen zu fragen, was sie sehen wollen? Was spricht dagegen, dass ein Theater experimentiert? Was spricht dagegen, dass wir einfach nicht auf den Feuilleton hören – den sowieso niemand wirklich braucht? Theater sollte immer ein offener und kreativer Prozess sein – und nun ist es zumeist genau das Gegenteil. Dies betrifft aber nicht die Aufführungen sondern die Institutionen. Und gab es auch einen Kommentar eines Theater-Mitarbeiters, dass er auf keinen Fall Twitter und Co. in der Vorstellung haben will – und er sauer ist, dass auf Facebook niemand mit seinem Theater diskutiert? Aber die Menschen diskutieren über die Aufführungen, die Werke etc. Sie tun es nur nicht mit den Theatern. Und warum sollten sie es tun? Open Innovation in Theatern? Im Ergebnis sieht es so aus, dass die Computergames mehr und mehr die neuen Theaterbühnen werden. Es gibt dort große Geschichten, Auseinandersetzungen, Träume, Kreativität, Nachdenken und vor allem die Möglichkeit, Teil des Ganzen zu sein. Theatermacher sollten die Gamescom besuchen – im Moment tun dies verstärkt Dramaturgen, aber nicht um sich zu informieren, sondern um sich einen Job zu suchen…

Danach besuchte ich die Session “Cloud Music – Letzte Ausfahrt Abo-Streams”. Hier war vor allem interessant zu sehen, wie man mit dem Thema Streaming umgeht und welche neuen Angebote dabei entstehen. Plattformen wie Spotify oder Musicplayer suchen nach Wegen, in einer Welt ohne Datenträger Geld zu verdienen. Für mich war vor allem bedeutend, dass wir immer mehr Inhalte haben, die an geschlossene Systeme gebunden sind und gestreamt werden. Vor allem für Bibliotheken hat dies eine große Bedeutung. Das Verleihgeschäft bzw. die Bestandsorientierung wird verschwinden. Nicht so schnell wie prophezeit, aber Bibliotheken werden sich massiv verändern müssen. Musik, Filme, Bücher all das kommt aus der Cloud. Spätestens mit dem Aufkommen von eBooks, die nun animierte Apps. sind, und aus dem iTunes-Store runtergeladen werden, sind Bibliotheken “raus aus der Verlosung”. Die neuen Musikportale sind deshalb interessant, weil sie nicht nur den Zugang zu Inhalten ermöglichen, sondern vielmehr damit verbundene Services anbieten. Der Wandel von der Bestands- zur Serviceorientierung in Bibliotheken hat erst begonnen.

Es folgte eine längere Pause mit Gesprächen, Fritz-Cola und noch mehr Gesprächen – meine Festplatte war voll. Ich war müde gespielt. Aber ich wollte noch unbedingt dem Rat von Jin Tan folgen und Isaac Mao mit seinem Vortrag “How Sharism is unleashing liberty” erleben. Und ich wurde nicht enttäuscht. Isaac Mao zeigte, wie Teilen und Vernetzung völlig neue Möglichkeiten, Strukturen und Innovationen ermöglichen. Er redete über die Geschichte der Industrialisierung und wie das Teilen von Informationen nicht als Piraterie sondern als Motor von Innovationen gesehen werden sollte. Er zeigte zudem, wie Politik und Menschenrechte durch Teilen als Idee und als aktives handeln verändert werden können. Seine Fokussierung lag auf den Menschen und nicht auf den Unternehmen oder Regierungen. Als ein Beispiel zeigte er eine Landmaschine, die vor vielen Jahrhunderten in China entwickelt worden war. Europäer “übernahmen” – man könnte auch sagen klauten – diese Idee und entwickelten sie weiter. Was aus Sicht eines Urhebers problematisch ist, kann also aus Sicht der Gesellschaft von Vorteil sein. Isaac Mao ging es dabei nicht um eine Abschaffung von Rechten und Patenten etc. Es ging ihm um das Verständnis des Teilens und der daraus resultierenden Möglichkeiten.

Es war also wieder ein toller Tag. Bis auf die kleine Theatergemeinde gab es keine Nerds – aber sehr viel Spass.

Beste Grüße

Christoph Deeg

Willkommen auf der Re:Publica! #rp12

Liebe Leser,

ich bin gerade auf der Re:Publica angekommen. Diese Konferenz ist eine der spannendsten Konferenzen des Jahres. Es ist ist mehr als ein Nerd-Klassentreffen. Nur selten kann man so viele Menschen und Ideen kennenlernen und nur selten findet ein interdisziplinärer Austausch statt. Nach der Gamescom ist dies für mich der wichtigste Termin des Jahres.

Der Besuch der Re:Publica bedeutet aber auch, dass schon wieder ein Jahr vorüber ist. Ich kann mich noch gut an das letzte Jahr erinnern. Damals habe ich den ersten Tag verpasst, weil ich zusammen mit Christina Tribble vom US-State-Department Social-Media-Workshops für Mitarbeiter der US-Botschaft Berlin und den US-Konsulaten durchführte. Damals hatte gerade erst erfahren, dass nun ein weiteres großes Projekt für die Landesregierung Nordrhein-Westfalen ansteht.

Damals gab es noch keine Mobile-Internet-Roadshow, keine Deutsch-Amerikanische Gaming-Liga, usw. In diesem einen Jahr hat sich viel verändert. Ich bin auf dieser Konferenz, weil ich vor allem lernen möchte. Es sind drei Tage um den Horizont zu erweitern. Neue Menschen kennen zu lernen und vor allem Spass zu haben.

Die digitale Welt ist in Bewegung. Niemand weiß wo sie sich hinentwickeln wird. Wir stehen immer noch am Anfang und dieser Zustand wird wahrscheinlich auch immer so bleiben. Und natürlich läuft nicht alles perfekt. Im Gegenteil, es gibt genügend Dinge die mehr als nur nervig sind. Ein paar Beispiele:

Warum glaubt Klout, dass ich u.a. bedeutend für das Thema “Library of congress” bin? Ich habe nie darüber geschrieben!

Warum retweetet der Twitter-Bot von Eintracht Frankfurt alles, was ich zu Eintracht Braunschweig schreibe?

Warum werden im Netz andauernd mit schlechter Werbung gefoltert? Und warum geben Geld immer noch so viel Geld für Online-Werbung aus, anstatt zu beginnen zu kommunizieren?

Warum gibt es keinen Ad-Blocker für das iPad?

Warum ist Social-Media noch immer nicht in den Schulen und Universitäten und vor allem in den Kulturinstitutionen angekommen?

Ich könnte so noch lange weiterschreiben, aber ich möchte ja die Konferenz erleben…

Wie gesagt, die digitale Welt ist spannend, heterogen, bewegend und vor allem steckt sie immer noch in den Kinderschuhen. In den nächsten Tagen werde ich über Twitter und natürlich auf meinem Blog über die Konferenz berichten.

Beste Grüße

Christoph Deeg