Archiv der Kategorie: Unternehmen

Vier Parameter für erfolgreiche Facebook-Posts

Liebe Leser,

ich bin gerade auf dem Weg von Meschede nach Bad Salzuflen. Eine weitere Woche meiner Social-Media-Tour geht bald zu Ende. Heute ging es u.a. um die Frage, wie man erfolgreich Facebook-Posts verfasst. Es gibt zu dieser Fragestellung einige Beiträge und Ansätze. In den meisten Fällen geht es um die eine oder andere Form von Mehrwerten. Und natürlich ist es wichtig, Inhalte zu posten, die einen Mehrwert für die Kunden bedeuten. Aber was ist ein solcher Mehrwert? Geht es darum, möglichst kurz und knapp eine Information weiter zu geben? Geht es um Entertainment?

In den letzten Monaten habe ich eine Vielzahl an Facebookseiten analysiert. Letztlich sind es vier Parameter, die über den Erfolg bzw. den Misserfolg eines Beitrages entscheiden:

1. Soziale Kommunikation
2. Verständliche Aussagen
3. Aktivierung der Leser
4. Bezug zum eigenen Produkt/Dienstleistung/Unternehmen/Institution

Im Folgenden möchte ich die Punkte kurz beschreiben:

1. Soziale Kommunikation

Hiermit ist eine menschliche Kommunikation gemeint. Niemand möchte mi einem Unternehmen oder einer Institution reden – wir wollen alle mit Menschen reden. Die Möglichkeiten der sozialen Kommunikation sind vielfältig. Am Beginn dieses Blogbeitrags habe ich z.B. einen kurzen Einblick in meine aktuelle Reisesituation gegeben. Auch die Wortwahl und die Form können einen Einfluss auf die Wahrnehmung des Beitrages haben. Gleiches gilt für positive oder negative Wertungen wie z.B. „Wir sind stolz“ oder „Wirklich bewegend“ oder „Ich finde das fürchterlich“.

2. Verständliche Aussagen

Auch wenn es komisch klingen mag, aber in ganz vielen Posts hat man das Gefühl, der Autor denkt nicht an den Leser. Es ist wichtig, so zu schreiben, dass ein neuer Besucher der Seite sofort vershet, um was es in dem Beitrag geht. Man sollte nicht voraussetzen, dass die Leser die drei vorherigen Beiträge ebenfalls gelesen haben. Es ist zudem sinnvoll, möglichst auf solche Fachtermini zu verzichten, die der Kunden nicht versteht, weil sie z.B. nur für die interne Nutzung gebraucht werden. Wichtig ist auch, dass man versteht, was nun die Aufgabe für den Leser ist.

3. Aktivierung der Leser

Auch wenn es komisch klingen mag: Facebook ist ein Dialogmedium. Es geht nicht darum, Informationen zu veröffentlichen und damit möglichst viele Menschen zu erreichen. Es geht vielmehr um einen Dialog zwischen Menschen und in sehr vielen Fällen wird dieser Dialog nicht gefördert. Dabei ist es gar nicht so schwer, die Fans zu aktivieren. Offene Fragen, Einladungen zum Mitdenken/Mitreden/Mitdiskutieren, Gemeinsame Erschließung von Inhalten etc., all das ist möglich und sinnvoll. Wenn man den Dialog mit den Fans in den Fokus der Facebook-Aktivitäten stellt, bekommt man nicht nur die Chance, eine echte Beziehung mit den Kunden aufzubauen. Man steigert ebenso die Sichtbarkeit der eigenen Facebookseite bei den eigenen Fans.

4. Bezug zum eigenen Produkt/Dienstleistung/Unternehmen/Institution

Natürlich möchte man auch einen Bezug zum eigenen Angebot herstellen. Dieser Wunsch sollte aber nicht dazu führen, dass man sich inhaltlich zu sehr einschränkt. Versteht mich nicht falsch: es geht nicht darum, einfach sinnlos irgendetwas zu posten um auf sich aufmerksam zu machen. Gleichzeitig gibt es aber Beiträge, die eine reine soziale Funktion haben, und dabei nicht mit dem eigenen Angebot verknüpft werden müssen. Immerhin ist Facebook eine soziale Community.

Werden diese vier Punkte beachtet, hat man eine gute Basis für erfolgreiche Beiträge auf Facebook geschaffen. Allerdings reicht dies alleine nicht aus. Ebenso wichtig sind spannende Themen/Inhalte, Monitoring, Storytelling und die Fähigkeit, die Kultur bzw. die Denk- und Arbeitsweisen aus der Social-Media-Welt in die eigene Kultur zu integrieren.

Beste Grüße

Christoph Deeg

Man kann nicht nicht Social Media machen…

Liebe Leser,

im Moment bin ich wieder on Tour Das bedeutet ich reise wieder durch Deutschland und Europa, um Unternehmen, Institutionen und Organisationen zu beraten. Wann immer ich Vorträge und Workshops veranstalte, werde ich von einigen Teilnehmern gefragt, ob man auf das Thema nicht verzichten könne? Und in manchen Fällen scheint es so, als wäre die Arbeit im Bereich Social Media wenig sinnvoll. Dies kann z.B. daran liegen, dass das Unternehmen keine End-Kunden hat, sondern im Bereich B2B tätig ist. Es kann auch sein, dass die Produkte und Dienstleistungen einer Zielgruppe angeboten werden, die sich vermeintlich gar nicht im Social Web bewegen. Und natürlich hört man auch die Standartargumente: „Es ging bis jetzt auch ohne…“ oder „Das ist eh nur ein Hype“ oder „Das ist nicht unsere Aufgabe“. Diese und viele weitere Argumente werden auch durch kontinuierliches Wiederholen nicht besser und vor allem nicht wahr.

Auch wenn man es nicht glauben mag, aber heute kann es sich kein Unternehmen und keine Institution/Organisation mehr leisten, nicht im Bereich Social Media aktiv zu sein. Dies liegt weniger an der allgemeinen Bedeutung von Social Media oder dem Wunsch „dort zu sein, wo die Menschen sind“, als vielmehr an der Tatsache, dass Mitarbeiter, Konkurrenten, Kunden etc. in weiten Teilen im Social Web aktiv sind. Dies führt zu einer Veränderung der Kommunikations- und Arbeitsgewohnheiten und es bedeutet zudem, dass es früher oder später zu einem öffentlichen Dialog über das Unternehmen selbst oder aber über Themengebiete aus dem Umfeld des Unternehmens kommen wird. Durch die Entscheidung nicht selber im Bereich Social Media aktiv zu sein, verhindert man also nicht, dass man Teil der Kommunikation auf diesen Plattformen wird.

Unabhängig davon ist die interne Nutzung von Social Media für nahezu alle Unternehmen und Institutionen sinnvoll. Die Nutzungsmöglichkeiten sind dabei vielfältig. Von der internen Kommunikation, über die Arbeitsorganisation und das Wissensmanagement bis hin zu Innovationsmanagement und Organisationsentwicklung kann Social Media nachhaltig zum Erfolg eines Unternehmens bzw. einer Institution beitragen.

In allen Fällen gilt aber, dass es primär nicht um die Einführungen von neuen Technologien geht. Die Nutzung von Social Media kann nur dann erfolgreich funktionieren, wenn man die damit verbundene Kultur versteht und diese in die Unternehmens- bzw. Institutionskultur integriert.

Beste Grüße

Christoph Deeg

Social Media als Querschnittsfunktion des Managements

Liebe Leser,
vorgestern durfte ich auf dem Treffpunkt Kulturmanagement zum Thema „Social Media als Querschnittsfunktion des Managements“ sprechen. Dieses Thema ist für mich besonders spannend.

Für Viele ist Social Media eine Aufgabe für PR- und/oder Marketingabteilungen. Diese Herangehensweise ist nicht falsch aber eben auch nicht richtig. Es gibt kein Unternehmen und keine Organisation, für die Social Media nicht relevant ist. Alle Geschäftsbereiche eines Unternehmens/einer Organisation werden direkt und/oder indirekt durch Social Media beeinflusst. Dabei geht es nicht nur um Plattformen und Technologien sondern vielmehr um eine neue Kultur bzw. eine neue Form zu Denken und zu Arbeiten. Möchte man als Unternehmen oder Organisation Social Media erfolgreich nutzen, kann dies nicht die Aufgabe der PR- oder Marketingabteilung sein. Es muss dann eine Management- bzw. Querschnittsfunktion des gesamten Unternehmens sein. Am Beispiel von Kulturinstitutionen habe ich versucht, zu beschreiben, was diese Idee in der konkreten Umsetzung bedeutet. Das wir dabei u.a. zu dem Schluss gekommen sind, dass Kulturinstitutionen letztlich kein strategisches Management kennen, war für mich sehr interessant – aber nicht weiter verwunderlich:-)

Natürlich wurde der Vortrag aufgezeichnet. Ich wünsche Euch viel Spass damit und freue mich auf die Diskussion…

Beste Grüße

Christoph Deeg

Willkommen bei der Social-Media-Academy-Berlin…

Liebe Leser,

ich hoffe Ihr seid alle gut ins Jahr 2014 gekommen? Seit meinem letzten Blogbeitrag ist mal wieder etwas Zeit vergangen. Ich war im Herbst/Winter 2013 18 Wochen am Stück unterwegs und habe Institutionen und Unternehmen auf ihrem Weg in die digitale Welt beraten und begleitet. Nun steht ein neues Jahr an und es sieht so aus, als würde dieses Jahr das Jahr der großen Veränderungen für mich werden. Es stehen unglaublich spannende Projekte an und wenn alles gut läuft, werde ich am Ende des Jahres auf ein paar ziemlich große Dinge zurückblicken können.

Das vielleicht größte Projekt ist die Social-Media-Academy-Berlin. Mit diesem Projekt verwirkliche ich einen meiner Träume. Seitdem ich im Bereich „Digitale Welten“ unterwegs ´bin, habe ich mit dem Gedanken gespielt, eine eigene Academy aufzubauen. Dabei ging es mir weniger darum, einfach eine weitere Ausbildungseinrichtung im Bereich Social-Media zu starten. Es gibt schon heute viele Möglichkeiten, sich in diesem Bereich weiter zu bilden. Aber es gab und gibt ein paar Punkte bzw. Inhalte, die mir bei den meisten dieser Einrichtungen fehlen. In vielen Fällen geht es beim Thema Social-Media um eine Aufgabe der PR-Abteilung oder des Marketing. Ich glaube aber, dass dieser Ansatz nicht ausreicht. Social-Media ist mehr als nur ein weiteres Kommunikationstool. Social-Media steht weniger für Plattformen und Technologien als vielmehr für eine neue Kultur bzw. neue Formen zu Arbeiten und zu Denken. Diese neuen Denk- und Arbeitsweisen haben einen tiefgreifenden Einfluss auch auf die analoge Welt. Möchte ein Unternehmen oder eine  Institution in diesem Bereich erfolgreich sein, geht es letztlich um die Frage, ob man mit dieser „Social-Media-Kultur“ als Ganzes kompatibel ist oder nicht.

Wenn man diese Zusammenhänge akzeptiert dann ist Social-Media keine Aufgabe einer oder mehrerer Abteilungen sondern eine Querschnittsfunktion des Unternehmens bzw. des Managements. Darüber hinaus ist Social-Media letztlich für jede Abteilung eines Unternehmens potentiell relevant. Dies betrifft also nicht nur Marketing und PR sondern ebenso Sales, HR, Entwicklung, Interne Revision etc. Zudem geht es um die interne und die externe Nutzung von Social-Media.

Wenn Social-Media eine Querschnittsfunktion eines Unternehmens ist, dann wird dieses Thema das Unternehmen verändern. Dieser Veränderungsprozess mag sehr unterschiedlich verlaufen aber stattfinden wird er auf jeden Fall. Wenn ein Unternehmen oder eine Institution Social-Media erfolgreich nutzen möchte, dann müssen diejenigen Mitarbeiter, die mit dieser Aufgabe primär vertraut werden, nicht nur auf die externe Nutzung als Kommunikationswerkzeug sondern ebenso auf den damit verbundenen Veränderungsprozess vorbereitet werden. Und genau dies möchten wir mit der Social-Media-Academy-Berlin erreichen.

Das Angebot der Academy umfasst in einem ersten Schritt vier Bereiche:

-          Die Ausbildung zum Social-Media-Koordinator

-          Die Ausbildung zum Social-Media-Manager

-          Workshops für Führungskräfte

-          Social-Media-Consulting

Alle Veranstaltungen sind Präsenzveranstaltungen, welche in Berlin durchgeführt werden. Wir starten am 01. April mit den ersten Kursen. Man kann die Academy auch auf Facebook, Twitter und Youtube finden.

Ich bin sehr gespannt wie sich die Academy entwickeln wird. Es liegt auf jeden Fall ein spannender Weg vor mir und ich werde im Laufe dieses Jahres immer wieder über den aktuellen Stand berichten…

 

Beste Grüße

 

 

Christoph Deeg

Deutschland ein digitaler Bildungs-Unfall?

Liebe Leser,

man mag es kaum glauben. Man mag wütend sein. Man mag sich schämen. Es ändert aber nichts: Deutschland hat ein tiefgreifendes Bildungsproblem. Und dieses mal sind es nicht die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die Probleme bereiten. Es sind vor allem die Erwachsenen, die offensichtlich ein großes Problem mit modernen Kommunikation- und Medientechnologien und dem Lesen und Verstehen von Texten haben. Im Rahmen der PIAAC-Studie der OECD wurden 166.000 Menschen im Alter zwischen 16 und 65 in 24 Ländern befragt bzw. getestet. Das Ergebnis ist niederschmetternd: 17,5% der Deutschen verfügen nur über die Lesekompetenz eines 10-Jährigen. Das allein reicht m.E. schon aus um sich zu fragen, ob sich eine der reichsten Industrienationen der Welt darüber bewusst ist, dass unser Reichtum kein Automatismus bzw. kein Naturgesetz ist.

Noch erschreckender ist für mich aber das Ergebnis im Bereich der digitalen Problemlösungskompetenz, also der Fähigkeit, den Computer zu nutzen: Gerade mal 7% der Deutschen verfügen über eine hohe Kompetenz in diesem Bereich. 45% verfügen nur über geringe Kenntnisse. 11,6% haben in diesem Bereich gar keine Erfahrung. Man könnte es auch anders ausdrücken: Deutschland hat eine sehr große Zahl an digitalen Analphabeten. Nur zum Verständnis: In einer Zeit, in der Social-Media und Co. unsere Gesellschaft nachhaltig verändern, leistet sich eine der größten Industrienationen der Welt den Luxus, ihre Bewohner in der Kreidezeit zu belassen.

Fast schon faszinierend ist die Reaktion der wichtigen und zumindest in Teilen verantwortlichen Institutionen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung sieht offensichtlich überhaupt keinen Bedarf für Veränderungen. Es handelt ganz klar nach der Devise “Weiter so!”. Weder die mangelnde Lesekompetenz der Älteren noch deren extreme Schwächen im Bereich der Nutzung digitaler Medien scheint hier eine Bedeutung zu haben. Dabei sind es die Älteren, die die jüngere Generation auf dem Weg in die digitale Welt begleiten müssten. In vielen Bildungsinstitutionen, seien es Schulen, Bibliotheken oder Universitäten ist der Altersdurchschnitt sehr hoch… Wo ist der Aufschrei des Deutschen Bibliotheksverband? Wo melden sich die Lehrer? Wäre nicht jetzt der ideale Zeitpunkt um öffentlich diese Herausforderung anzunehmen?

Die digitale Infrastruktur in Deutschland ist noch immer in einem desaströsen Zustand – das ist bekannt. Und ich habe schon vor einigen Monaten nach meiner Asienreise darauf hingewiesen, dass uns Länder wie Süd-Korea zeigen, wie man digitale Infrastruktur denkt, entwickelt und realisiert:

Das Beispiel Süd-Korea zeigt aber auch, dass es nicht nur um den Aufbau einer technischen Infrastruktur gehen kann. Man muss den Menschen die Möglichkeit geben, die digitale Welt kennen zu lernen und auch hier ist Süd-Korea ein gutes Beispiel: Im Rahmen des 1995 beschlossenen “Framework act of information” wurde nicht nur der Aufbau der digitalen Infrastruktur beschlossen. Es wurde ebenso ein Schulungsprogramm für bis zu 10.000.000 Koreaner gestartet, welches den Menschen, die durch ihren Beruf, Ihr Alter oder aus anderen Gründen, keinen intensiven Zugang zu digitalen Welt haben, einen Weg in ihre digitale Zukunft zu ermöglichen.

In Deutschland haben wir leider nichts vergleichbares. Im Gegenteil: unser Bildungssektor lebt in der Breite noch immer in der Kreidezeit. Und dieser Zustand hat leider viele erschütternde Facetten. Da gibt es die offenen und innovativen Lehrer wie Andre Spang, die versuchen, neue Wege in der Bildung zu gehen. Und immer mehr LehrerInnen möchten endlich etwas neues ausprobieren und die digitale Welt zu einer Querschnittsfunktion des Unterrichts werden lassen. Aber es gibt – zumindest nach meinen Erfahrungen – eine viel größere Zahl an Lehrern, die sich massiv dagegen wehren. Und nicht wenige Lehrer verfügen nicht ansatzweise über das dafür notwendige Know-How. Und noch immer ist der Zustand der digitalen Infrastruktur in vielen Schulen problematisch. Zudem erleben wir, wie in einigen Bundesländern die Nutzung von sozialen Netzwerken und anderen Angeboten verboten wird. So wird Schule zum Anti-Lernort. Dabei müssten wir die Lehrer unterstützen, die sich der digitalen Welt öffnen möchten und sie nicht ausbremsen. Denn in diesem Moment bremsen wir nicht die Lehrer sondern die Schüler aus. Sie verlieren damit die Chance, die digitalen Medien in all ihrer Breite zu nutzen. Schule ohne die digitale Welt als Querschnittsfunktion des Unterrichts ist möglich, aber in der heutigen Zeit sinnlos.

Oder nehmen wir als anderes Beispiel die öffentlichen Bibliotheken. Sie sind die wahrscheinlich wichtigsten Bildungs- und Kulturinstitutionen unserer Gesellschaft. Aber sie sind längst nicht mehr die Informations- und Medienexperten, für die man sie hält. Ihre digitale Infrastruktur ist in der Breite katastrophal. Und selbst wenn ein Zugang zum Internet vorhanden ist, bedeutet dies nicht, dass man dann wirklich Zugriff auf das Internet hat. Sehr viele Bibliotheken können eben nicht auf Plattformen wie Youtube, Facebook, Twitter etc. zugreifen. Bibliotheken den komplett freien Zugriff auf das Internet zu verwehren ist so als würde man ihnen die Arbeit mit Büchern verbieten. Und ja, auch im Bibliothekswesen mangelt es in der Breite an dem notwendigen Know-How. Im Bereich der öffentlichen Bildungs- und Kulturinstitutionen ist den Mitarbeitern in den letzten 20 Jahren in der Breite das so wichtige IT-Basiswissen vorenthalten worden. Aber wie wollen Bibliotheken Informations- und Medienexperten sein, wenn noch immer ein großer Teil Ihrer Mitarbeiter weder über den Zugang zur digitalen Welt noch über das damit verbundene notwendige Know-How verfügen? Ja es stimmt, die Berufsbilder von Bibliotheksmitarbeitern haben sich tiefgreifend verändert. Bibliotheksmitarbeiter ist ein IT-Job und viele Mitarbeiter haben diesen Beruf gewählt, um eben nichts mit diesen ganzen Technologien zu tun zu haben. Und ja, die Aus- und Weiterbildung von Bibliotheksmitarbeitern ist noch immer nicht auf einem Stand, der es den zukünftigen Bibliotheksmitarbeitern ermöglichen wird, die Bibliotheken zu Gestaltern von Bildung und Kultur umzubauen. Wir können aber an so vielen Stellen erleben, welches Potential diese Institutionen haben, wenn…

Der aktuelle Zustand sollte aber auch Warnschuss für Unternehmen sein. Noch immer ist die Weiterbildung von Mitarbeitern in Unternehmen schlecht aufgestellt. Auch hier fehlt es sehr oft an IT-Basiswissen. Sehr oft geht es nur darum, eine neue Software zu lernen. Schulungen und Workshops orientieren sich zu oft einzig und allein an einem konkreten Problem bzw. einer konkreten Aufgabenstellung. Dabei ist ein möglichst breites Wissen im Bereich der digitalen Welt bei allen Mitarbeitern sehr wichtig. Das mag manchem Vorgesetzten nicht gefallen, verliert er doch u.U. seine Deutungshoheit über manche Themen und Inhalte. Aber wenn unsere Unternehmen nicht irgendwann aufwachen und die digitale Welt als Querschnittsfunktion des Managements verstehen, kommen wir nicht weiter. Wie wollen Unternehmen Fachkräfte finden, wenn ihre Struktur und ihre Ressourcen unprofessionell sind?

Die Ergebnisse der OECD-Studie zeigen vor allem eines: es gibt noch sehr viel zu tun. Und wir stehen erst am Anfang einer langen Reise. Es ist kein Erfolg, durchschnittlich zu sein. Und die junge Generation wird es nicht richten können, wenn die ältere Generation weiterhin so dermaßen auf die Bremse drückt…

Beste Grüße

Christoph Deeg

Die sieben Social-Media-Todsünden – Nr. 3. Die Sache mit dem Personal

Liebe Leser,

in meiner kleinen Reihe zu den sieben Todsünden im Bereich Social-Media kommen wir heute zur dritten Todsünde: falsche Personalentscheidungen.

Ich berate und begleite eine Vielzahl an Unternehmen und Institutionen im Bereich Social-Media und interessanter Weise werden gerade hier immer wieder die gleichen Fehler gemacht. Es beginnt mit der Frage: Wer soll jetzt eigentlich Social-Media machen? Auf diese Frage gibt es natürlich eine Vielzahl an spannenden Antworten und die Auswahlkriterien sind sehr oft nicht wirklich nachvollziehbar.

Ein oft gesehener Fehler ist das Delegieren der Aufgabe an Praktikanten oder andere Personengruppen, die nur für einen verhältnismäßig kurzen Zeitraum im Unternehmen bzw. in der Institution verfügbar sind. Diese Idee ist nachvollziehbar denn in vielen Fällen ist Social-Media eine zusätzliche Aufgabe, für die angeblich kein Personal zu Verfügung steht. Diese Aussage höre ich vor allem in Verbindung mit der Idee, man könne “ein bisschen” Social-Media machen.  Aber wenn man ein bisschen genauer hinschaut merkt man sehr schnell, warum das nicht zu einem nachhaltigen Erfolg führen kann:

  1. Die genannten Personengruppen stehen dem Unternehmen bzw. der Institution in der Regel nur für ein paar Monate, vielleicht für ein Jahr zur Verfügung. Das mag für eine zeitlich begrenzte Social-Media-Kampagne ausreichen. Aber brauchen wir zeitlich begrenzte Social-Media-Kampagnen oder sollten wir nicht eher eine nachhaltige Strategie entwickeln und realisieren? Es gibt leider immer mehr Social-Media-Leichen im Netz. Damit sind Kampagnen oder Plattformen gemeint, die zumeist sogar ohne ein Austiegsszenario „beendet“ wurden, was bedeutet: man ist einfach nicht mehr aktiv. Der Aufbau einer Community im Social Web braucht Zeit, vor allem dann, wenn es nicht nur darum geht, so viele Fans und/oder Follower zu bekommen, sondern wenn eine nachhaltige Verbindung zwischen Unternehmen und Kunden etabliert werden soll.
  2. Praktikanten sind in der Regel keine ausgebildeten Social-Media-Manager. Liebe Praktikanten, versteht mich nicht falsch, ich bin Euer größter Fan, aber Social-Media ist mehr als posten auf Facebook, bloggen und twittern. Und unsere Schulen und Universitäten haben in der Breite bis heute nicht verstanden was das Thema Social-Media bedeutet. Und wenn dann doch mal ein Lehrer den Sprung in die digitale Welt wagt, wird er von noch in diesem Bereich weniger kompetenten “Bildungs-Politikern” ausgebremst. Es mag natürlich sein, dass es einige Praktikanten gibt, die sehr wohl weitgehende Erfahrungen in diesem Bereich haben – in den meisten Fällen reichen diese Fähigkeiten aber nicht aus, um hier eigenständig aktiv zu werden.
  3. Social-Media bedeutet Dialog auf Augenhöhe. Menschen die erst gerade im Unternehmen angefangen haben und zudem sicherlich bald wieder gehen werden, können diesen Dialog nur schwer im Sinne des Unternehmens führen.

Mir ist bewusst, dass gerade bei Praktikanten zwei Gedankengänge zusammenkommen. Da ist zum Einen die Verfügbarkeit der Praktikanten und zum Anderen der Irrglaube, Social-Media wäre ein Jugendthema. Aber Social-Media hat nichts mit dem Alter zu tun. Im Gegenteil, es ist hilfreich, wenn ein Social-Media-Team aus Menschen besteht, die ein unterschiedliches Alter haben. Und es ist wichtig, die Mitarbeiter, die sich um Social-Media kümmern sollen, kontinuierlich weiterzubilden und sie zudem von anderen Aufgaben zu befreien.

Es ist wichtig zu verstehen, dass Social-Media nicht einfach eine neue PR-Variante ist. Es ist vielmehr eine Management- bzw. eine unternehmerische Querschnittsfunktion. Das bedeutet, es sollten so viele Mitarbeiter wie möglich in die Social-Media-Aktivitäten eines Unternehmens eingebunden werden. Aus diesem Grund empfehle ich auch immer, zuerst mit der internen Nutzung von Social-Media anzufangen.

Social-Media wird früher oder später nach innen wirken und damit die Unternehmenskultur verändern. Es stellt sich also nur die Frage, ob man diesen Prozess aktiv begleitet und unterstützt oder nicht. Und damit kommen wir zum nächsten Fehler. In den letzten Wochen habe ich mir sehr viele Stellenanzeigen aus unterschiedlichen Branchen angesehen. Nur äußerst selten wird bei den Anforderungen darauf verwiesen, dass das Unternehmen aktiv im Bereich Social-Media unterwegs ist und dass man erwartet, dass der neue Mitarbeiter Teil dieser Aktivitäten wird. Gerade wenn es um Aufgabengebiete wie Marketing, Sales, Produktmanagement, Wissensmanagement, Entwicklung, Personalentwicklung etc. geht, wird die Nutzung von Social-Media in der Zukunft eine bedeutende Rolle spielen. Besonders erschreckend ist die Situation in Berufen, die sich schon per Definition mit dem Erschließen, Vermitteln und Kommunizieren von Informationen beschäftigen. In den Stellenausschreibungen für Bibliotheken habe ich nur eine Stellenanzeige gefunden, in der das Thema Social-Media angesprochen wurde, obwohl die Stelle nicht ausdrücklich dafür vorgesehen war. (Natürlich ist dies keine repräsentative Statistik)

Dies sind nur ein paar Gedanken zum Thema Personalmanagement und Social-Media. Ich bin gespannt auf Eure Eindrücke und Gedanken zum Thema…

Beste Grüße

Christoph Deeg

Die sieben Social-Media-Todsünden – Nr. 2: Nichtbereitschaft zur menschlichen Kommunikation

Liebe Leser,

in meiner kleinen Reihe zu den sieben Social-Media-Todsünden geht es heute um die Frage der menschlichen Kommunikation. Ich weiß, dass klingt jetzt komisch aber in vielen Unternehmen ist die Bereitschaft zu einem Dialog auf Augenhöhe mit Mitarbeitern, Kunden, Partnern etc. scheinbar eher gering – zumindest wenn man sich ihre Social-Media-Aktivitäten ansieht. Es scheint, als habe man eine der wichtigsten Informationen bezüglich des Internets nicht mitbekommen: Das Internet ist menschlich. Ok, wenn man den ganzen Tag vor dem Rechner, Smartphone, iPad etc. sitzt, mag man manchmal das Gefühl haben, man würde mit Maschinen reden. Aber das Internet ist keine Maschine.

Die Inhalte die wir im Netz finden sind von Menschen gemacht worden. Weder Google, noch Facebook noch irgendeine andere Plattformen haben jemals eigene Inhalte erstellt. Das Internet ist nicht voll von Maschinen oder Accounts sondern es ist voll von Menschen. Und wenn man als Unternehmen im Social-Web erfolgreich sein will, muss man bereit sein, als Mensch mit Menschen zu reden.

Niemand möchte mit einer Institution oder einer Presseabteilung reden – wir wollen mit Menschen reden. Aber mit Menschen zu reden bedeutet, offen zu sein und einen Dialog auf Augenhöhe anzustreben. Dies ist der Grund, warum Presseerklärungen im Social-Web nichts zu suchen haben. Wenn wir etwas „offizielles“ veröffentlichen möchten, dann sollten wir dies so tun, dass es die Menschen die wir erreichen wollen auch gerne lesen. In einer Welt, in der die meisten Menschen das Gefühl haben, in Bergen von Informationen zu ertrinken, erreicht eine Pressemitteilung nur geringe Aufmerksamkeit.

Es ist ebenso völliger Unsinn, eine Facebook-Seite zu betreiben und die Kommentarfunktion abzuschalten. Facebook und die meisten anderen Plattformen im Social-Web sind Dialogplattformen. Wenn ein Unternehmen keine Kommentare haben will, sollte es gar nicht erst mit Facebook etc. beginnen, sondern lieber die Tageszeitung anrufen. Das Social-Web ist auch kein Ort für immer noch langweiligere Werbung – auch wenn manch eine Agentur etwas anderes behauptet.

Wie gesagt, es geht im Social-Web um menschliche Kommunikation. Und dazu gehört nicht nur, Fakten weiter zu geben. Stellt Euch vor, man ist auf einer Party. Und da gibt es einen Gast, der, sobald man ihn anspricht, sofort mit Fakten loslegt. Einfach so. Ohne Luft zu holen, Ohne Fragen zu stellen. Ohne auf sein Gegenüber zu reagieren. Und er führt diese Handlung fort, auch wenn man sich bereits umgedreht hat und gegangen ist. Würdet man mit so einem Menschen gerne wieder einen Dialog beginnen wollen?

Oder stellt Euch vor, man hat einen Inhouse-Workshop bei mir gebucht. Der Workshop verlief gut und der Leiter möchte sich nochmal bei mir bedanken. Also schüttelt er mir zum Abschied die Hand, bedankt sich und wünscht mir eine gute Heimreise. Vielleicht deutet er auch an, dass dies nicht der letzte Workshop mit mir gewesen sein wird. Wie würden er wohl reagieren, wenn ich mich dann ohne ein Wort zu sagen umdrehen und gehen würde? Würden das nicht ein bisschen “strange” wirken?

Wenn wir aber in beiden Fällen eine andere Kommunikationsform erwarten, warum handeln so viele Unternehmen im Social-Web wie in den beiden beschriebenen Beispielen – adaptiert ins Social-Web?

Da gibt es Facebook-Seiten, auf denen man zwar Kommentare hinterlassen kann, das Unternehmen reagiert aber nicht. Und wenn es reagiert kommen Fakten aber keine menschliche Kommunikation. Bei vielen Unternehmen möchte man anrufen und fragen, ob sie sich in der analogen Welt genauso verhalten wie in der digitalen? Der Klassiker: Kunde hat ein Problem und fragt nach einer Lösung auf der Facebook-Seite von Unternehmen X. Unternehmen X antwortet in Fakten „Wenn Sie dieses Problem haben müssen Sie Schalter A nach rechts drehen“. Die Information ist richtig – der Kunde bedankt sich auf der Facebook-Seite und das Unternehmen? Es schweigt! Das ist der Klassiker – neben der Facebook-Seite auf der man überhaupt nicht kommuniziert bzw. keine Kommentare zulässt.

Derartige Beispiele kann man überall finden. Und es passiert nicht nur auf Facebook-Seiten sondern ebenso auf Blogs, Twitter, Google+ etc.

Wie bereits des öfteren gesagt: Im Social-Web bedeutet Dabei sein nicht alles. Wer im Social-Web aktiv sein möchte muss verstehen, dass es um eine neue Kommunikationsform bzw. eine neue Kultur geht. Möchte man nicht kommunizieren sondern nur laut brüllen, dann sollte man seine Social-Media-Aktivitäten nochmal überdenken…

Beste Grüße

Christoph Deeg