Archiv der Kategorie: Technologie

Wie Google mich über den Umgang mit Technologie nachdenken lässt…

Liebe Leser,

ich bin schon seit drei Tagen im schönen Würzburg um die dortige Stadtbücherei in die digitale Zukunft zu begleiten. Das Projekt macht sehr großen Spass und ich freue mich auf die kommenden Workshops in 2013. Doch obwohl mir die Arbeit in Würzburg große Freude bereitet, war ich gestern zumindest für einen Moment schlecht gelaunt. Und das hat folgenden Grund: Ich bin seit ein paar Monaten auf der Suche nach einem neuen Smartphone. Ich hatte mich in den letzten zwei Jahren sehr über Samsung geärgert. Mein Galaxy S sollte kein neues Android-Update mehr bekommen. So wurde aus einem tollen Werkzeug innerhalb weniger Augenblicke faktisch Elektroschrott. Ok, ja man kann das Smartphone weiter nutzen und es verrichtet seinen Dienst wirklich gut. Aber es war auch so langsam in die Jahre gekommen und man sah ihm an, dass ich es auf meinen Reisen intensiv benutzte.

Ich suchte überall nach einem passenden Nachfolger und dann entdeckte ich das Nexus 4 von Google. Für die Mobile-Internet-Roadshow für Bibliotheken habe ich eine Vielzahl an Geräten gekauft. Schließlich sollen die Teilnehmer ja so viele Geräte wie möglich ausprobieren können. Und so habe ich in den letzten Monaten verschiedene Tablets (iPad, Asus Transformer, Google Nexus 7 und Kindle Fire HD) sowie eBook-Reader und natürlich Smartphones mit verschiedenen Betriebssystemen angeschafft. Das Nexus 4 sollte mein Werkzeug für die nächsten ein bis zwei Jahre sein und zum Glück merkte ich früh genug, dass ich eine neue Simkarte (Micro-Sim) benötigte. Also bestellte ich eine neue Sim-Karte was wiederum bedeutete, dass meine alte Karte diesen Montag deaktiviert wurde. Aber da ich ja durch die Mobile-Internet-Roadshow über eine Vielzahl an Geräten verfüge konnte ich auf ein Windows-Phone von Nokia mit Micro-Sim zurückgreifen.

Also wartete ich gespannt auf den 13. November 2012 um dann mein neues Nexus 4 zu bestellen. Und damit begannen die Probleme. Ich hatte mich bei Google für eine Erinnerungsmail eingetragen. Ich sollte also eine Mail bekommen wenn das Nexus 4 verfügbar ist. Die Mail kam auch – aber ich konnte nicht bestellen. Egal was ich tat und probierte – es wollte einfach nicht funktionieren. Also fragte ich meine Community und musste erfahren, dass das System zusammengebrochen und das Nexus 4 ausverkauft war. Ich war zugegeben mehr als sauer. Ich war enttäuscht und ich hatte ein Problem – denn ein Windows-Phone eignet sich nicht gerade als Arbeits-Werkzeug. Ich begann gestern abend nach einer Alternative zu suchen. Doch je mehr ich suchte desto mehr fragte ich mich, was ich hier eigentlich gerade mache? Wenn ich ehrlich bin, würde das Galaxy S auch noch für ein paar Monate ausreichen. Es mag nicht so cool und manchmal auch langsam sein, aber es kann alles was es soll. Und es ist vorhanden und nicht kaputt. Ich vermisse keine Funktionalität. Je mehr ich darüber nachdachte desto mehr erinnerte ich mich daran, dass Technologie nur ein Werkzeug ist. Es geht nicht um die Frage ob ich die neueste Technologie nutze, sondern was ich damit mache. Es geht auch beim Fußball nicht um ein Stadion, sondern um das was darin passiert. Also bestellte ich bei Amazon einen Sim-Karten-Adapter:-)

Wann immer wir über Technologie nachdenken muss uns doch in Erinnerung bleiben, dass es letztlich um die Frage geht, was wir damit anstellen. Der Coolnesfaktor oder Reiz des Neuen ersetzt nicht die langfristigen Mehrwerte und diese ergeben sich aus den Ergebnissen meiner Arbeit für die ich die Technologie brauche. Es mag komisch klingen aber ich bin Google fast ein bisschen dankbar, dass ich daran wieder erinnert wurde.

Das ändert natürlich nichts daran dass ich nicht verstehen kann, wie sich ein Unternehmen wie Google so derart verschätzen kann. Oder anderes ausgedrückt: Hätte Gott gewollt, dass ich ein Nexus 4 bekomme, hätte er Google mit mehr Know-How ausgestattet:-)

Beste Grüße

Christoph Deeg

Digital-Analoge Räume – mein Hotel und mein mobiles zuhause…

Liebe Leser,

ich bin wieder unterwegs. Social-Media-Workshops mit 10 Institutionen an 10 Tagen. Man kommt viel rum. Ich sitze im Zug, höre Keith Jarret und denke über Räume nach. Es mag vielleicht komisch klingen aber Räume sind in der digitalen Welt sehr wichtig. Dabei geht es nicht nur um virtuelle Räume sondern vielmehr um reale Räume, die sich mit dem Digitalen verbinden.

In den letzten Monaten konnte ich beobachten, das sowohl die digitale Welt als auch soziale Räume an Bedeutung gewinnen. Viele Unternehmen erleben gerade, dass die digitale Welt Ihren Arbeitsraum verändert. Kulturinstitutionen wie Bibliotheken erleben gerade, wie Ihr greifbarer bzw. in der Bibliothek verortbarer Bestand an Bedeutung verliert, während die Bibliothek als Service in der digitalen Welt und als Raum in der realen Welt an Bedeutung gewinnt.

Es geht dabei nicht nur um Technologie sondern vielmehr um neue Formen des Denkens, Arbeitens und Erlebens. Und es geht glaube ich weniger um Design und vielmehr um ein individuelles Erlebnis.

In meiner Arbeit bin ich sehr viel unterwegs. Im Durchschnitt bin ca. 150 Nächte pro Jahr im Hotel. Ich lebe sozusagen in virtuell-analogen Räumen. Jedes Hotelzimmer ist nicht mein Zimmer. Es ist eine Vision, eine Idee und es geht darum, mir ein Gefühl von zuhause zu geben. Es klappt nicht immer und es bedeutet nicht Luxus oder Design. Es soll Musiker geben, die sich vertraglich zusichern lassen, dass sie auf einer Tournee in jedem Hotelzimmer auf dem Kopfkissen einen grünen Apfel finden. Es ist eine Art Fixpunkt. Wenn man wie ich sehr viel reist geht es längst nicht mehr um Luxus sondern vielmehr um ein Gefühl des Wieder-Erkennens.

Manche Gegenstände bzw. manche Dinge haben für uns eine besondere Bedeutung. Wir verbinden mit Ihnen ein bestimmtes Gefühl oder auch eine bestimmte Tätigkeit. Am auffallendsten ist für mich bei Bibliotheken zu beobachten. Viele Menschen gehen mit ihren iPads, Laptops oder eBook-Readern in die Bibliothek um dort zu arbeiten bzw. zu lernen. Sie nutzen den Bestand der Bibliothek nicht. Die Bibliothek ist also ein Lernort auch wenn der Bestand gar nicht genutzt wird. Ich selber gehe gerne ins Museum. Manchmal interessieren mich die dort ausgestellten Werke gar nicht. Es ist vielmehr der Raum, der mich reizt. Natürlich gehören die ausgestellten Werke mit dazu, aber ich beschäftige mich nicht mit Ihnen.

Ich lese sehr gerne. Ehrlich gesagt kann ich nicht gut einschlafen, wenn ich vorher nicht ein paar Zeilen lesen konnte. Ich lese keine gedruckten Bücher. Ich nutze meinen Kindle-Reader. Seitdem ich dieses Gerät habe lese ich nicht nur mehr, ich gebe auch mehr Geld für Bücher aus. Für mich persönlich ist der eBook-Reader eine echte Bereicherung. Und trotzdem möchte ich nicht auf die Bücher in meinem Arbeitszimmer verzichten. Ich rühre sie nicht an aber sie verschwinden auch nicht in einem Karton im Keller. Dabei habe ich diese Bücher nahezu alle zusätzlich als eBook erworben.

Wie gesagt bin ich sehr viel unterwegs. Und neulich kam mir eine Idee. Wie wäre es wenn es Hotelzimmer gäbe, bei denen eine Wand ein riesiger Bildschirm wäre, auf dem ein Bücherregal dargestellt würde? Die Bücher in diesem Regal wären die Bücher, welche ich auf meinem Kindle habe. Ich weiß, dass es solche Wände gibt. Es wäre also technisch umsetzbar. Diese Wand wäre also der grüne Apfel, der Fixpunkt.

Es gibt tausende von Menschen, die wie ich sehr viel unterwegs sind. Und auch wenn dies kein neues Phänomen ist, gibt es z.B. von Kultur- und Bildungsinstitutionen so gut wie keine interessanten Angebote. Es gibt weder einen für alle Bibliotheken in Deutschland gültigen Bibliotheksausweis noch spezielle Angebote von Museen oder Opern. Es sind vielmehr Technologie- und Content-Anbieter die für die kulturelle Versorgung von viel reisenden Menschen sorgen.

Ich bin gespannt, was eher realisiert wird: das virtuelle Bücherregal oder der globale Bibliotheksausweis…

Beste Grüße

Christoph Deeg

Digitale Demenz und digitale Kultur

Liebe Leser,

sind wir in der Gefahr an digitaler Demenz zu erkranken? Macht die digitale Welt  dumm und süchtig? Sollten wir zurück in die vordigitale Ära wandern?

Es ist uns ein Buch erschienen. Lesen soll ja bekanntlich bilden. Manfred Spitzer ist der Autor des Buches “Digitale Demenz “und er ist der festen Überzeugung, dass die digitale Welt unser Untergang ist.

Nun gibt es viele Menschen die Angst vor der digitalen Welt haben. Für sie ist die digitale Welt gefährlich, unberechenbar und unmenschlich. Ihnen spricht Manfred Spitzer sicherlich aus der Seele.

Ich könnte jetzt seitenweise darüber schreiben, warum Herr Spitzer keine Ahnung von der digitalen Welt hat und warum es gut ist, sich die digitale Welt zu erschließen. Aber ich möchte einen anderen Autor zu Wort kommen lassen:

Allen Interessierten möchte ich das Buch “Neue Intelligenz – warum Computerspiele und TV uns klüger machen“ von Steven Johnson empfehlen.

Zudem habe ich heute noch ein Interview zum Thema gegeben, bei dem ich u.a. erkläre warum Manfred Spitzer falsch liegt und warum wir digitale Medien noch mehr in Schulen, Bibliotheken, etc. nutzen sollten.

Ich bin auf Eure Gedanken zum Thema gespannt…

Euer

Christoph Deeg

Bibliotheken, eBooks, Apps, iPads – die “Mobile-Internet-Roadshow für Bibliotheken”

Liebe Leser,

in der der letzten Woche war ich wieder in Bibliotheken aktiv. Nachdem ich zwei Tage an der Universitätsbibliothek Mainz den zweiten Social-Media-Workshop durchgeführt hatte, ging es in dann in Darmstadt um das Thema „Mobiles Internet“.

Das mobile Internet erscheint zunehmend eine neue Herausforderung für Bibliotheken zu werden. Nachdem durch das sog. Web 2.0 eine völlig neue Form der Kultur- und Wissensvermittlung entstanden ist, geht es nun darum, dass Internet überall mit sich führen zu können. Smartphones, Tablet-PCs, Apps. und eBooks gewinnen zunehmend an Bedeutung. Aus dieser Situation entstehen neue Fragestellungen und Herausforderungen für die Bibliotheksarbeit. In diesem Blogbeitrag möchte ich stichpunktartig die wesentlichen Herausforderungen sowie einen von mir dafür entwickelten Workshop beschreiben. Beginnen wir mit den Herausforderungen:

eBooks gibt es schon länger aber jetzt scheinen sie sich durchzusetzen. Immer mehr Menschen lesen eBooks. Immer mehr Unternehmen bieten eBook-Reader und/oder eBook-Stores an. Für Bibliotheken ist dies gleich mehrfach bedeutend. Zum Einen müssen Sie überlegen, wie sie ein Angebot entwickeln können, mit dem sie eBooks verleihen. Ein erster Schritt ist sicherlich die sog. „Onleihe“. Die Onleihe ermöglicht es Bibliotheks-Kunden, eine Auswahl an eBooks digital auszuleihen. Benötigt wird nur ein kompatibler eBook-Reader oder ein Tablet-PC (z.B. ein iPad) oder aber ein Smartphone. Bei den beiden letztgenannten funktioniert das Ganze mittels einer App. Das Angebot an eBooks ist noch sehr klein und die Funktionalitäten sind sehr beschränkt aber es ist zumindest ein erster Schritt. Allerdings gibt es mit Skoobe und Amazon ernstzunehmende Konkurrenz. Skoobe ermöglicht gegen eine Gebühr das „Ausleihen“ von Büchern und Amazon verfügt zum jetzigen Zeitpunkt über die mit Abstand beste Hard- und Software und plant zudem ebenfalls ein eigenes Verleihangebot.

Zum Anderen verändern sich auch die eBooks an sich: sie werden zu animierten Apps. Auf meinem iPad habe ich z.B. ein paar Jugendbücher, bei denen der Text nur ein Teil des Gesamtproduktes ist. Ich kann neben dem Lesen die jeweilige Welt interaktiv erforschen, Aufgaben lösen und mir natürlich die Geschichte auch vorlesen lassen. In dem Moment, in dem eBooks zu Apps. werden, können Bibliotheken das klassische Geschäftsmodell, welches u.a. den kostenlosen Zugang zu verschiedenen Inhalten beinhaltet, nicht mehr aufrecht erhalten.

Neben den neuen eBook-Formaten stellen auch die „normalen“ Apps. eine Herausforderung für Bibliotheken dar. Gerade Plattformen wie das iPad ermöglichen neue Formen der Visualisierung unterschiedlichster Inhalte. Kombiniert mit spielerischen Elementen ermöglichen sie völlig neue Formen der Kultur- und Wissensvermittlung. Aber wie schon bei den neuen eBook-Formaten werden Bibliotheken auch hier keine kostenlose Alternative als Verleihgeschäft anbieten können.

Gleichzeitig werden viele Bibliothekare in zunehmendem Maße mit Anfragen zu eBooks und eBook-Readern, Smartphones, Tablet-PCs, Apps. etc. konfrontiert. Aber was sagt man einem Kunden, der einen Amazon Kindle gekauft hat und nun fragt, wie man damit Bücher aus der Onleihe lesen kann? „Tut mir leid, das geht nicht“? Welche alternativen Services können Bibliotheken anbieten, wenn das klassische Verleihgeschäft an Bedeutung verliert? Wie reagiert man auf die Tatsache, dass Bibliotheken zum Einen mit dem Verleihgeschäft gedruckter Werke noch immer mehr als ausgelastet sind, und zum Anderen sehr schnell mit der Entwicklung neuer Angebote begonnen werden muss? Wie also können Bibliotheken das mobile Internet für sich nutzen?

Um diese und noch viele weitere Fragen beantworten zu können habe ich die „Mobile-Internet-Roadshow“ aufgebaut. Ziel dieses Workshops ist es, den teilnehmenden Bibliotheksmitarbeitern einen ersten Einblick in dieses Thema zu ermöglichen. Die Teilnehmer sollen aber nicht nur theoretisches Wissen erlangen, sondern zudem die Geräte und Angebote selber ausprobieren. Aus diesem Grund bringe ich eine Sammlung an eigenen Tablet-PCs, Smartphones und eBook-Readern mit. Die Mitarbeiter der Bibliothek können also selber Apps. und eBooks runterladen und ausprobieren. Fotos und Videos aufnehmen und auf meinen extra dafür erstellten Accounts bei Facebook, Twitter etc. posten.

Im Anschluss daran diskutieren wir gemeinsam, was diese neuen Medien und Inhalte für die Bibliothek bedeuten und wie man sich erfolgreich in diesem Feld positioniert.

Wer mehr zur „Mobile-Internet-Roadshow“ wissen möchte kann mir entweder eine Mail an christoph.deeg@googlemail.com schreiben oder aber wir treffen uns nächste Woche auf dem Bibliothekartag 2012 in Hamburg vom 21.05. – 25.05.

Natürlich gibt es auch eine Mobile-Internet-Roadshow für andere Kultureinrichtungen und Unternehmen. Das Grundmodell ist gleich, es werden aber andere Themen behandelt.

Beste Grüße

Christoph Deeg

Innovationsmanagement: Tamagotschi, Second Life und Nintendogs

Liebe Leser,

heute möchte ich über ein Thema schreiben, welches immer wieder angesprochen wird: es geht um Innovationen. Alle Unternehmen und Institutionen möchten gerne innovativ sein. Man verspricht sich dadurch zumeist mehr Kunden bzw. mehr Erfolg. Ein Thema welches in Unternehmen schon länger diskutiert und angewendet, und nun anscheinend auch in Kultur- und Bildungsinstitutionen umgesetzt wird, ist das sog. Innovationsmanagement. Das Innovationsmanagement soll letztlich den Prozess der Innovationen steuern. Dabei geht es nicht nur um die Entwicklung sondern auch um die Umsetzung von Ideen.

Natürlich ist es gut, wenn man innovativ ist und natürlich ist ein Innovationsmanagement sinnvoll, zumindest dann, wenn es dadurch zur einer verbesserten Abfrage und Nutzung des Kreativpotentials der Mitarbeiter eines Unternehmens bzw. einer Institution kommt. Meiner Meinung gibt es aber ein paar Gedankengänge, die bei der Suche nach Innovationen berücksichtigt werden sollten. Ich möchte in diesem Beitrag einen ersten Vorschlag für ein “innovatives Verhalten” machen. Genauer gesagt möchte ich behaupten: “Wenn Ihr innovativ sein wollt, macht einfach mal die Augen auf.”

In den letzten Monaten werde ich immer wieder mit der Behauptung konfrontiert, dass man auf viele neue Kommunikations- und Medientechnologien nicht vorbereitet sei. Als ein Hauptgrund für diese Situation wird die zunehmende Geschwindigkeit von Produktlebenszyklen und Technologieentwicklungen benannt. Nehmen wir z.B. das Thema mobiles Internet. Es scheint so, als würden wir gerade von einer neuen Welle überrollt werden. Ich selber genieße diese Zeit – ich habe ein neues Samsung Galaxy S und ich habe jede Menge Spass. Viele Unternehmen und Institutionen tun sich aber sehr schwer mit der neuen mobilen Welt. Dabei geht s nicht nur um die Nutzung neuer Technologien, sondern auch um die Frage der damit verbundenen Kultur und zudem der Entwicklung und Realisierung dazu passender Produkte und Dienstleistungen. Ich behaupte, dass vieles von dem was wir heute erleben, schon seit Jahren voraussehbar war. Nur wurden die “Zeichen” nicht erkannt. Kommen wir zurück zum mobilen Internet. Wer erinnert sich noch an die guten alten Tamagotchis? Dieses kleine Spielzeug war ein virtuelles Küken, also ein virtuelles Haustier. Es sah aus wie ein größerer Schlüsselanhänger und man konnte es überall hin mitnehmen – das musste man auch, denn es wollte dauernd “versorgt” werden. Dafür meldete sich das Tamagotchi und wehe man umsorgte es dann nicht sofort – es konnte schlimmstenfalls eingehen. Nur sehr wenige Unternehmen und Institutionen kamen damals auf die Idee, dass dieses Spielzeug für ihren Lebensalltag relevant werden könnte. Es war ja nur ein nerviges Spielzeug. Man übersah die Tatsache, dass wir hier eine neue Form der Mobilität von Inhalten hatten. Zudem wurden tausende Kinder mit dem mobilen Umgang von Inhalten vertraut gemacht. Ca. 10 Jahre später kam der Nintendo DS auf den Markt. Im Vergleich zum klassischen Gameboy gab es hier zwei Screens, Multitouch, WLAN und vieles mehr. Ein sehr erfolgreiches Spiel auf dieser mobilen Konsole waren die sog. Nintendogs. Wieder ging es um virtuelle Tiere und das virtuelle Umsorgen. Auch diese Konsole wurde sehr lange nur wenig beachtet – außer von Gamern und der Games-Industrie:-)

Und heute? Ich möchte behaupten, dass es ohne Tamagotchis keinen Nintendo DS und ohne Nintendo DS keine Smartphones geben würde. Ich meine damit nicht nur die Entwicklung der Technologie sondern auch deren kommerziellen Erfolg sprich die Massenverbreitung. Sicherlich sind dies keine linearen Verbindungen. So sollte man nicht vergessen, dass die Serie “Raumschiff Enterprise” letztlich das Design von Handys inspirierte usw. Worum es mir aber geht, ist die Idee, dass ich als Unternehmen und Institution viel öfter überlegen sollte, was die eine oder andere erfolgreiche Technologie für meine eigene Zukunft bedeutet. Es wäre m.E. sinnvoll gewesen, wenn Ende der 90er bzw. gegen 2006 vor allem in Kulturinstitutionen aber auch in Unternehmen mehr mit Tamagotchis und Nintendo DS-Systemen gespielt worden wäre. Dabei geht es gar nicht um die Entwicklung von Produkten für die jeweilige Plattform, sondern um das Verstehen der damit verbundenen Kultur. Es geht also nicht um die Frage, ob es ein Apple-IPhone, ein Android-Phone oder ähnliches gibt. Es geht vielmehr um die Frage, was das in der Zukunft bedeuten kann und vor allem was man heute tun kann, um sich auf diese Zukunft vorzubereiten. Ich habe zugegeben bis jetzt nur äußerst selten eine App einer Kultur- und Bildungsinstitution gesehen, die einen wirklichen Mehrwert für die Nutzer brachte. In Bibliotheken wird gerne versucht, den Bibliothekskatalog mobil zu machen – aber ist das etwas, was der mobile Nutzer braucht? Anstatt zu versuchen den Katalog auf das Smartphone zu packen sollte man m.E. eher überlegen, wie man den Katalog an sich neu definiert. Es geht also sowohl für Unternehmen als auch für Institutionen nicht darum, das Vorhandene anzupassen, sondern es zuerst insgesamt zu hinterfragen.

Hätte man mehr mit Tamagotchis und dem Nintendo DS experimentiert, hätte man auch ein Gefühl für das, was Kunden haben möchten und was nicht. Ähnliches kann man übrigens beim Thema Second Life sehen. Ich habe aufgehört zu zählen, wie oft mir in den letzten Monaten gesagt wurde, dass man froh sei, bei dieser Plattform nicht dabei gewesen zu sein. Schließlich wäre ja der Hype (endlich) vorbei. Dabei wird vergessen, das diejenigen, die Second Life genutzt haben, in sehr vielen Disziplinen Know How erworben haben. Dieses Know How werden sie früher oder später wieder anwenden können. Ich schlage deshalb vor, zumindest den MitarbeiterInnen aus Kultur- und Bildungsinstitutionen, die mit Second Life gearbeitet haben, das Bundesverdienstkreuz zu verleihen. Sie haben dafür gesorgt, dass zumindest punktuell Erfahrungen und Kenntnisse in einer Zukunftstechnologie vorhanden sind.

Wenn wir innovativ sein wollen, wenn wir Ideen entwickeln wollen, reicht es manchmal schon aus, die Augen zu öffnen und mit dem zu arbeiten, was man um sich herum sieht. Und selbst wenn die eine oder andere ausprobierte Technologie keinen Einfluss auf die eigene Zukunft hat, lohnt es sich damit zu arbeiten. Zum Einen, weil man damit kontinuierlich mit Neuem konfrontiert wird. Der oft zitierte “Blick über den Tellerrand” ist ein sehr mächtiges Tool:-) Und zum Anderen, weil man damit trainiert wird, mit neuen Inhalten und Kulturen zu arbeiten. Abgesehen davon gibt es noch einen weiteren Grund: Es kann richtig Spass machen:-)

Beste Grüße

Christoph Deeg

Quellenangaben:

Tamagotchi: http://www.flickr.com/photos/relish_me/5517402357/sizes/l/in/photostream/

Wird Facebook überschätzt?

Liebe Leser,

nach dem kleinen wichtigen Update zum Social-Media-Gaming-Barbecue in Gütersloh möchte ich nun noch den „regulär geplanten“ Beitrag posten. Ich bin gerade in Wuppertal angekommen. Hier werde ich bis Sonntagmittag auf dem Workshop der Helfer und Unterstützer des Vereins Zukunftswerkstatt Kultur- und Wissensvermittlung e.V. aktiv sein. Ich habe den Verein zusammen mit Julia Bergmann und Jin Tan gegründet und aufgebaut und er liegt mir sehr am Herzen. Bis Sonntagmittag werden wir gemeinsam über neue und alte Projekte nachdenken, Ideen entwickeln und natürlich Spass haben:-) Übrigens kann jeder Interessierte gerne mitmachen. Der Verein ist offen für alle, die die Kultur- und Wissensvermittlung der Zukunft denken und gestalten wollen. Weitere Infos dazu findet Ihr unter: http://www.zukunftswerkstatt.org

Der heutige Tag startete mit einem Meeting in der US-Botschaft. Dort haben wir vor allem über das Social-Media-Coaching für die Mitarbeiter der US-Botschaft und der US-Konsulate gesprochen. Übernächste Woche geht es mit dem Coaching weiter – und ja das könnte der ideale Zeitpunkt für das erste Social-Media-Gaming-Barbecue in Berlin sein. Ich werde darüber noch einen seperaten Beitrag posten.

Gestern habe ich auch eine Seite für das Barbecue-Projekt bei Facebook eingerichtet und zudem für die Barbecues in Gütersloh, Münster und Frankfurt/Main Veranstaltungen angelegt. Dabei habe ich mir ein paar Gedanken zu Facebook gemacht, die ich heute niederschreiben möchte.

Worum es mir geht ist – überspitzt gesagt – ob wir Facebook nicht ein bißchen überbewerten? Ich bin gerne bei Facebook und es ist sicherlich eine spannende, mächtige, große Plattform. Aber es kommt mir so vor, als würde sich – bei allem Respekt vor dem Erfolg – alles nur noch um dieses Netzwerk drehen. Teilweise scheinen manche Unternehmen und Institutionen zu glauben, dass man nur bei Facebook sein müsse und alles weitere würde sich automatisch ergeben. Immerhin sind hier ja hunderte Millionen User. Es soll ja der Ort sein, an dem man unbedingt sein muss.

Ich denke es gibt durchaus Punkte, die aus Sicht von Unternehmen und Institutionen gegen die Nutzung von Facebook sprechen. Das wichtigste Argument gegen Facebook ist m.E. die Tatsache, dass ich hier nur mit Menschen kommunizieren kann, die ebenfalls bei Facebook sind. Wenn Facebook die einzige Web 2.0-Plattform ist mit der ich als Unternehmen oder als Institution arbeite, schließe ich viele Menschen aus. Und ich glaube nicht, dass man ernsthaft als Zielgruppe die Facebookuser als Ganzes definieren sollte.

Ein weiteres Argument gegen Facebook ist die Tatsache, dass andauernd Funktionalitäten geändert werden. Auf diese Änderungen muss kontinuierlich reagiert werden. Die Beherrschung der Technik kostet Zeit. Es gibt Facebookgruppen in denen sich Admins von Facebookseiten treffen um sich gegenseitig bei der Suche nach der richtigen Nutzung der neuen Funktionalitäten zu unterstützen. Ich finde es toll, wenn sich Menschen miteinander vernetzen und sich gegenseitig unterstützen. Jedoch sollte es bei der Arbeit im Web nicht um die Beherrschung von Technologien sondern vielmehr um das Erstellen von Inhalten gehen, die wirkliche Mehrwerte für die Kunden bedeuten.

Was bedeutet das?
Man ist nicht cool oder innovativ oder kreativ und schon gar nicht automatisch im Web 2.0 angekommen, wenn man einen Account bei Facebook hat. Man ist nicht Teil einer Community sondern man ist Teil einer Plattform mit tausenden von unterschiedlichen Communitys geworden. Sicher, man sollte feiern, dass man es geschafft hat. Ich weiß wie lange manche dafür kämpfen mussten, aber das ist erst der Anfang. Jetzt geht die eigentliche Arbeit los. In vielen Workshops aber auch in einigen Foren wird sehr oft über bestimmte Funktionalitäten aber selten über die Erfahrungen mit bestimmten Inhalten gesprochen. Aber gerade das wäre ein spannendes Thema, über das man sich austauschen kann und sollte.

Als einzige Social-Media-Aktivität – neben einer statischen Webseite – sehe ich Facebook kritisch. Auch wenn 25% der Deutschen bei Facebook angemeldet sind, bedeutet dies immer noch, dass 75% nicht mit Facebook arbeiten. Ein Blog kombiniert mit Twitter kann eine Alternative sein. Gerade wenn nur begrenzte Zeitressourcen vorhanden sind, sollte man sich genau überlegen, wo man diese Ressourcen investiert.

Wie gesagt, ich will mich damit nicht grundsätzlich gegen Facebook ausprechen. Ich nutze es gerne und oft. Allerdings sollte bei der Wahl der passenden Plattform die Anzahl der Nutzer nicht das alleinige Kriterium sein.

Bleibt die Frage: In welcher Form sollte Facebook in eine Onlinestrategie eingebunden werden – gerade wenn man nur wenig Ressourcen zur Verfügung hat und zudem nicht an einer kurzfristigen Kampagne sondern einer langen und nachhaltigen Aktivität interessiert ist?

Beste Grüße

Christoph

Die Bahn oder wie man Mitarbeitern den Fortschritt verweigert?

Liebe Leser,

heute möchte ich über eine Erfahrung berichten, die Ihr vielleicht so oder so ähnlich auch schonmal gemacht habt. Vor ein paar Wochen war ich in Bonn und habe dort einen zweitägigen Workshop zum Thema Social Media für die Kulturpolitische Gesellschaft (KUPOGE) durchgeführt. Im Anschluss an den Workshop wollte ich mit der Bahn nach Hildesheim fahren um dort am nächsten Tag an der Universität Hildesheim ein Studentenprojekt zum Bundeskongress der KUPOGE zu leiten.

Ich werde jetzt nicht über all das schreiben, was mir an der Bahn nicht gefällt. Alle die, die mir vor allem bei Twitter folgen wissen, dass ich zumindest im letzten Jahr scheinbar alle Verspätungen, Ausfälle uns sonstige Katastrophen mitnehmen musste. Und trotzdem fahre ich gerne Bahn – ich könnte diesen Artikel nämlich nicht schreiben, wenn ich ein Auto steuern müsste. So sitze ich im Zug und kann arbeiten:-) Und es schont die Umwelt…

Was aber ist nun in Bonn passiert? Auch an diesem Tag war mein Zug plötzlich mehr als 45 Minuten verspätet. Ich stand also am Bahnsteig und wusste, dass ich meine Anschlusszüge nicht erreichen würde. Was tut man in diesem Fall? Man geht zum Service-Point und fragt nach Alternativen. Ich bekam eine neue Reiseverbindung ausgedruckt – es war die gleiche Verbindung nur eine Stunde später. Na toll, eine Stunde später in Braunschweig bei meinen Freunden ankommen. Und ich war schon sehr müde. Kurz bevor ich also in die S-Bahn genauer gesagt Strassenbahn stieg, hatte ich die logische Idee, einfach mal die App der Bahn aufzurufen. Das Ergebnis war faszinierend. Es gab eine Verbindung, die ich nutzen konnte und bei der ich nur 10 Minuten später in Braunschweig ankommen würde. D.h. die App der Bahn wusste es besser als die Mitarbeiter der Bahn. Ich habe mich also fleißig bei der App bedankt – leider ohne Reaktion:-)

Wenig später musste ich in Köln umsteigen. Hier wurden aber die Gleise geändert von denen man abfahren sollte. Ich fragte also einen anwesenden Mitarbeiter der sofort in seinem Smartphone nachschaute. Und was nutzte er? Richtig: die App der Bahn.

Warum schreibe ich das alles? Ich denke, dieses Beispiel zeigt, wieviel Potential bei der Nutzung moderner Technologien in Unternehmen und auch Institutionen verschenkt wird. Es macht mir nichts aus dass ich vielleicht manchmal „mehr weiß“ als ein Mitarbeiter der Bahn. Aber kann es sein, dass man es versäumt hat, die Nutzung der Technologien in ein Dienstleistungskonzept einzubetten? Ich wäre schon glücklich, wenn man mir neben der falschen Auskunft bereits am Service-Point empfohlen hätte auch die App zu fragen.

Die Bahn bietet eine App an, die ich sehr gerne und oft nutze. Aber was tut sie, um ihre Mitarbeiter Teil dieser Technologie bzw. dieser Kultur werden zu lassen? Traut die Bahn ihren Mitarbeitern die Nutzung dieser Technologien bzw. das Verständnis der dahinter stehenden Kultur nicht zu?

Ein Beispiel wie man es besser machen kann hat mir vor längerer Zeit ein Freund aus der Schweiz erzählt. Er war in der Schweiz unterwegs und auch sein Zug kam zu spät. Er twitterte die Verspätung und nutzte den hashtag #sbb für die Schweizer Staatsbahn. Wenige Minuten später wurde er via Twitter gefragt, in welchem Zug er denn sitzen würde. Nachdem er diese Information getwittert hatte wurde ihm wieder über Twitter erklärt, was schief gelaufen war und man bat um Entschuldigung. Die SBB scheint also Twitter zu scannen um sofort auf etwaige Probleme reagieren zu können. Auch wenn die Verspätung an sich nicht geändert werden konnte. Die Wahrnehmung beim Kunden war nun eine völlig andere.

Was kann man daraus lernen? Es reicht meiner Meinung nach nicht aus, einfach eine interessante App oder einen neuen Onlineservice anzubieten. Man sollte immer auch überlegen, wie man das neue Produkt in die tägliche Arbeit bzw. die Kultur des Unternehmens oder der Institution integrieren kann. Nehmen wir als Beispiel ein Museum. Wenn ein Museum eine spannende App oder eine interessante Facebookseite hat, sich aber ansonsten nicht weiter entwickelt, wird es wahrscheinlich keinen nachhaltigen Erfolg geben. Das neue Angebot verspricht etwas, was im Alltag nicht eingehalten werden kann. Was nützt mir ein tolle App, wenn ich im Museum mein Handy ausschalten soll und/oder es kein offenes und kostenloses WLAN gibt? Was nützt mir ein Twitteraccount, wenn ich auf Fragen und Nachrichten bei Twitter keine Antworten seitens des Museums bekomme?

Der Erfolg von Onlineaktivitäten hängt nicht nur vom Verständnis einer Technologie und dem Bereitstellen von Ressourcen ab. Es geht vielmehr um die Frage ob ich als Unternehmen oder Institution Teil dieser neuen Kultur werden will.

Euer Christoph