Archiv der Kategorie: Kulturmanagement

Gaming in Asien oder wie ich VIP-Kunde von China Eastern Airlines wurde – Teil 1

Liebe Leser,

auf meiner Forschungsreise zum Thema “Gaming in Ost-Asien” für das Goethe-Institut bin ich mittlerweile in Tokio angekommen. Eigentlich wollte ich diesen Beitrag mit ein paar Worten zu Shanghai beginnen aber leider war es dort nicht möglich, auf meinen Blog zuzugreifen – obwohl ich einen VPN-Tunnel benutze. Nun kann ich also erst in Tokio über meine kurze Zeit in Hongkong und Shanghai schreiben. In Tokio zu sein ist ein gutes Gefühl. Bereits am Flughafen hat man kostenloses High-Speed-Wlan und hier im Hotel habe ich sogar eine Breitband-Verbindung. Und dann gibt es noch diese High-Tech-Toilette in meinem Zimmer, die – mit einer Vielzahl an Sensoren ausgestattet- unglaubliche Funktionen aufweist. Ich gehe hier jetzt nichts ins Detail aber eines ist sicher: im Badezimmer meines Hotels ist wahrscheinlich mehr Hochtechnologie vorhanden als in mancher deutschen Bildungs- oder Kulturinstitution. Ich weiß, dass dieser Vergleich ein bisschen hinkt aber andererseits ist es wirklich beeindruckend was hier in Tokio passiert.

Die Eindrücke der letzten Tage waren so vielfältig, dass ich im Moment gar nicht weiß, wie ich das alles verarbeiten soll. Und ich weiß auch nicht, wie ich einen einzigen Blogbeitrag darüber schreiben soll. Ich werde diesen Beitrag deshalb in zwei bis drei Beiträge aufteilen, die ich dann im Abstand von einigen Stunden posten werde. Beginnen möchte ich mit einer Beschreibung der letzten Tage. Im folgenden Beitrag möchte ich dann ein paar allgemeine Gedanken zu meiner Asienreise posten, ehe ich dann im dritten Beitrag noch mal auf den aktuellen Stand meiner Recherche zum Thema “Gaming in Asien” eingehen möchte.

In meinem letzten Beitrag ging es um den ersten Tag in Hongkong. Deshalb beginne ich nun mit dem zweiten Tag in Hongkong – der auch gleichzeitig der erste Schritt hin zu einem VIP-Kunden der Eastern Airlines wurde. Der Tag begann mit einem Treffen mit Dr. Leino von der School of Media an der City University Hongkong. Wir sprachen über mögliche Unterschiede zwischen Asien und Europa im Bereich Gaming. Ein Unterschied war für ihn der Zeitfaktor. In Hongkong hätten die Menschen viel weniger freie Zeit zur Verfügung. Zudem würde freie Zeit nicht wirklich frei sein. Auch hier gäbe es Verbindlichkeiten wie z.B. die “Erwartung” der Community auch jetzt noch etwas für das eigene Weiterkommen zu tun. Diese Sichtweise deckt sich mit den Aussagen meiner Gesprächspartner in Hongkong, die im Bereich Social-Gaming auf Facebook das Problem haben, dass sehr viele Nutzer nicht möchten, dass auf Facebook und damit verbunden in Ihrer Community bekannt wird, dass sie spielen. Dr. Leino konnte aber noch von einer weiteren spannenden Erfahrung berichten. Der wesentliche Unterschied zwischen Euorpa und Hongkong sei für ihn bei seinen Studenten zu finden. Würde er in Europa fragen, welche Spiele seine Studenten am meisten spielen würden bzw. für die besten Spiele hielten, würde er eine lange Liste mit unterschiedlichen Spielen bekommen. In Hongkong sei dies nicht der Fall. Den Studenten würde es schlichtweg an Gaming-Erfahrung mangeln. Dies bedeute nicht, dass diese Studenten schlechter wären. Der Impact von Gaming auf die Lebensrealität der Studenten sei aber geringer gewesen. Allerdings könne es auch sein, dass sich die Menschen, die sehr viele Spiele spielen, für einen anderen Beruf entscheiden – der u.U. angesehener sei. Die individuelle Entwicklung sei also eine ganz andere. Zudem würden die vorhandenen Medienplattformen (Smartphone, Tablets etc.) anders genutzt.

Dieser Gedankengang geht auch in die Richtung von Aram Armstrong, den ich am Vortag auf dem Barcamp Hongkong getroffen hatte. Für ihn waren u.a. unterschiedliche Zielgruppendefinitionen der Games-Entwickler und Games-Publisher entscheidend. Viele asiatischen Unternehmen würden sich weniger auf die verhältnismäßig kleine Gruppe der gut ausgebildeten und zahlungskräftigen Kunden konzentrieren. Diese verfügten zwar über die Bildung um komplexe Spiele zu spielen, die notwendigen finanziellen Ressourcen z.B. für Hardware und zudem über die dafür notwendige Zeit. Allerdings seien diese Zielgruppen zu klein. Hier wird also der “Long Tail” zum Geschäftsmodell. Diese Spiele sind aber weniger komplex und haben damit einen viel geringeren Impact auf andere Lebensbereiche.

Im Anschluss an dieses Meeting ging es dann zum Goethe-Institut in HongKong. Dort durfte ich vor den Direktoren aller Nord-Ost-Asiatischen Goethe-Institute zum Thema Gaming sprechen. Dabei ging es vor allem um die Frage, wie Gaming die Kultur- und Wissensvermittlung also das Lernen unterschiedlicher Inhalte verändern kann. Zudem es auch um mögliche Projekte der Goethe-Institute in diesem Bereich. Für nahezu jede Kultur- und Bildungsinstitution sollte Gaming ein wichtiges Thema sein. Allerdings sollte man dies m.E. nicht tun, weil man glaubt, an diesem Thema komme man jetzt nicht vorbei – man müsse es also tun. Dabei sollte immer eines klar sein: wenn man sich mit Social-Media und/oder Gaming beschäftigt weil man glaubt dies tun zu müssen, und nicht weil man dieses Thema gut findet und sich damit beschäftigen will, wird es nicht funktionieren.

Leider hatte ich nur 1,5 Stunden Zeit denn dann musste ich los zum Flughafen um von Hongkong nach Shanghai zu fliegen. Es war alles sehr eng – aber ich war pünktlich am Gate zum Boarding. Ich freute mich schon auf die nächste Station meiner Reise und las noch ein bisschen mit meinem Kindle-Reader, als ich einschlief. Nach ca. einer Stunde wachte ich wieder auf, aber irgendetwas stimmte nicht. Und dann wurde ich unruhig: das Flugzeug stand immer noch am Gate. Wir waren nicht gestartet. Es dauerte eine weitere halbe Stunde und dann wurden wir gebeten, dass Flugzeug wieder zu verlassen. Und dann begann die große Odysse. Es hieß, in Shanghai sei es neblig un der Pilot habe entschieden nicht zu fliegen. Vielen Dank auch:-) Das nächste Update sollte in einer Stunde erfolgen. Und so ging es weiter bis spät in die Nacht. Die Mitarbeiter vor Ort konnten oder wollten keine eigenen Entscheidungen treffen und so blieb unser Status auf “delayed”. Ich dachte schon, die Bahn hätte eine Fluglinie gekauft:-) Nun wurden die Passagiere immer unruhiger sprich aggressiver. Es gab dann ein Angebot, welches ich nicht annehmen wollte: Man bekam ein Zimmer im Hotel und sollte dann am nächsten wieder vorbeikommen, um dann irgendwann auf einem anderen Flug mitgenommen werden zu können. Mehr und mehr Passagiere ließen sich darauf ein aber ein kleiner harter Kern blieb. Gegen 02h morgend wurde der Flug dann gecancelt – wir sollten ursprünglich um 18:35h starten. Nun versprach man uns einen Flug morgens um 07h. Dafür lohnte es ich aber nicht mehr ins Hotel zu gehen. Also durften wir in die Lounge des Flughafens (da war ich noch kein VIP). Um in die Lounge zu kommen mussten wir aber wieder nach HongKong einreisen, also dauerte es weitere 2 Stunden, bis wir endlich etwas entspannen konnten. Am nächsten Morgen ging es dann tatsächlich nach Shanghai – und war endgültig todmüde. Nun hatte ich aber den ganzen Tag Termine, also hieß es soviel Kaffee und Espresso trinken wie irgend möglich.

In Shanghai angekommen traf ich mich zum ersten mal mit Douglas Wang. Douglas Wang ist Ich könnte jetzt viele Worte finden um ihn zu beschreiben. Aber es ist besser, Ihr schaut Euch einfach seine Präsentation bzw. Visualisierung zur Frage wie Design und Innovation funktionieren an. Ihr findet sie, wenn Ihr auf diesen Link klickt. Douglas war nicht nur ein weiterer Termin. Douglas begleitete mich die ganze Zeit meines Aufenthalts in Shanghai. Er zeigte mir eine Vielzahl an spannenden Orten. Beantwortete mir alle meine Fragen und versuchte mir die chinesische Kultur näher zu bringen. Ich durfte sogar zu seinen geschäftlichen Meetings mitfahren – und ich wurde in die Geheimnisse der chinesischen Küche eingeführt. Ich habe unglaublich viel von Douglas gelernt. Und ich habe durch ihn jetzt Team von Designern und Programmierern in meinem Netzwerk. In Zukunft kann ich also die Entwicklung und Realisierung nahezu jeder Plattform inkl. Augmented Reality und 3D-Animationen anbieten:-) Ich werde meinen Blog mal wieder umbauen müssen um diesen neuen Bereich sinnvoll präsentieren zu können. Wie gesagt, ich habe von Douglas sehr viel gelernt. Ich möchte beispielhaft zwei Punkte nennen: Zum Einen sei es für die Chinesen (Ich weiß das es nicht “die Chinesen” gibt – aber ich verallgemeinere jetzt mal) sehr schwer eine eigene Spielkultur zu entwickeln. Die Kulturrevolution habe die Verbindung zur chinesischen Tradition und Kultur in weiten Teilen der Bevölkerung nachhaltig in Frage gestellt. Die Suche nach einer eigenen chinesisichen Identität habe gerade erst begonnen. Zwar würden Millionen von Chinesen Computerspiele spielen, jedoch würde sich die Form des Spielens stark von anderen Kulturen unterscheiden. Spielen sei hier zumeist ein Mittel um Zeit tot zu schlagen. Es ginge nicht darum zu denken (im Sinne von Reflexion) sondern um zu handeln (Im Sinne von aktiv sein). So würden die meisten Spiele auf dem Smartphone/Handy in der U-Bahn etc. gespielt. Ein anderer wichtiger Punkt sei die bildhafte Wahrnehmung von Inhalten. Die Gemälde der chinesischen Tradition – und diese erlebe wie gesagt eine schleichende Renaissance – würden den jeweiligen Ort des Geschehens aus einer Art “göttlichen Perspektive” darstellen.

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Man kann auf dem Bild, welches ich in einem restaurierten Haus in Shanghai aufgenommen habe eine alte Zeichnung erkennen. Die Darstellung ist auf den ersten Blick stimmig. Schaut Euch aber mal die Proportionen der einzelnen Figuren an. Hier wird 2D mit 3D vermischt. Die Figuren müssten eine unterschiedliche Größe haben, damit sie in die 3D-Welt passen – sie sind aber alle gleich groß. Es gibt bestimmte Spiele wie z.B. Ego-Shooter, die eine komplett andere Darstellung haben. Diese sind lauf Douglas für die meisten Chinesen weniger interessant. Anders ausgedrückt: Wenn die Renaissance der chinesischen Kultur in der Bevölkerung immer mehr Teil der Lebensrealität wird, verändert sich deren Wahrnehmung und ebenso ihre visuelle Erwartungshaltung. Ich könnte wie gesagt noch vielmehr über Douglas schreiben – und ich werde dies auch tun.

Am Abend gab es dann ein Dinner mit Douglas Wang und JinGe. JinGe ist u.a. Kommunikations-Experte und beschäftigt sich intensiv mit dem Thema Gaming. Neben vielen weiteren Projekten hat er das Projekt “Chinese Gold Farmers” ins Leben gerufen. Dieses Projekt beschäftigt sich mit neuen “Wirtschaftsbereichen”, welche in der Welt des Gamings entstehen. In diesem Fall geht es darum, dass in China Menschen beruflich Computerspiele spielen. Es handelt sich um ganz bestimmte Spiele, nämlich solche, bei denen der Spieler über einen langen Zeitraum seine Figur bzw. seinen Avatar entwickelt. Mit jedem erfolgreich abgeschlossenen Level (es geht dabei um Online-Rollenspiele, bei denen tausende Spieler zusammen bzw. gegeneinander spielen) entwickelt sich die Figur weiter. Sie erlernt neue Fähigkeiten, bekommt neue Werkzeuge, Kräfte, Macht etc. Manche Spieler möchten aber nicht so lange warten, andere haben noch andere Dinge zu tun. Für diese Spieler spielen nun die beruflichen Spieler. Am Ende bekommt wird der fertige Avatar also an einen neuen Eigentümer verkauft oder zurückgegeben. Für diese “Dienstleistung” wird mit realem Geld bezahlt, und zwar soviel, dass es sich anscheinend lohnt, hierfür ganze Unternehmen aufzubauen. Dieses Thema bzw. dieses Projekt war das Hauptthema des Abends, denn auch hier stellt sich die Frage, ob die es in China einen besonderen Umgang mit der Idee der professionellen Entwicklung bzw. Züchtung von Avataren gibt.

Am nächsten Tag traf ich mich dann mit Douglas Wang und Pei-Chun Chen. Sie arbeitet ebenfalls in Shanghai und hat sich lange mit der Frage beschäftigt, wie neue Formen der Zusammenarbeit durch Gaming verbessert werden können. Ausgehend von dem Wissen, dass in einigen westlichen Ländern bereits Versuche mit der Implementierung von Gaming-Elementen in Co-Design-Methoden durchgeführt wurden, hat sich sich Gedanken über die Frage gemacht, wie solche Prozesse in China aussehen könnten. Hier gäbe es einige Unterschiede wie z.B. ein streng hierarchisches System, welches dem Individuum so gut wie keine eigenen Gestaltungsmöglichkeiten einräumt. Gaming als Kultur bzw. als Denk- und Arbeitsweise ist dazu im ersten Schritt nur bedingt kompatibel. Es stellt sich also die Frage, wie man die vorhandenen Methoden und Konzepte an die Lebensrealität der Menschen in China anpassen kann und muss.

Am Abend ging es dann um etwas komplett anderes: Das Nachtleben von Shanghai… Und nein, dies wird nicht Teil dieses Blogbeitrages;-) Ok, ein Bild dürft Ihr sehen:

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Am nächsten Tag ging es dann sofort weiter. An diesem Tag habe ich mir vormittags ein paar Orte angesehen, die wir auch bei uns kennen, wie z.B. den Apple-Tempel. Die Gottheit Apple wird hier genauso wie in allen anderen Ländern angebetet. Nun mögen sich manche von euch fragen, warum man ein solches Gerät braucht, wenn man doch ein zensiertes Web hat? Unabhängig von gewissen technischen Möglichkeiten, ist das Netz auch für die Chinesen immer noch riesig. Und Sie haben eigene spannende Plattformen – auf denen ich mir gerade auch ein Profil einrichte. Zum Lunch ging es dann in einen anderen Stadtteil. Ich traf mich mit Liu Yan vom ersten chinesischen Co-Working-Space in China: Xin Dan Wei. Es war ein tolles Gespräch. Wir redeten vor allem über die Frage, wie Gaming die Arbeit in Co-Working-Spaces verändern kann und wird. Auch hier ist man der Überzeugung, dass Gaming (bzw. die Methoden, die Kultur und das Design) völlig neue Arbeitsformen hervorbringen wird. Diese Modelle sind dann vielleicht sogar global nutzbar, da zumindest in der ersten Phase eine ganz bestimmte Klientel aktiv werden wird, die weniger national und mehr international denkt und handelt. Vielleicht wird Gaming ja zum Schlüssel für neue Formen der interkulturellen bzw. interdisziplinären Zusammenarbeit.

Und dann war es vorbei mit Shanghai. Heute morgen ging es dann nach Tokio. Und als ich morgens um 06h am Flughafen ankam, wollte man mich nicht abfertigen denn: ich war ein VIP-Gast der China Eastern Airlines. ich hatte ab da eine persönliche Begleiterin damit ich dieses mal auf keinen Fall irgendwelche Kritikpunkte habe. Tokio selber ist unglaublich! Aber darüber werde ich später schreiben. Nur eines vorweg: ich habe mich sofort in diese Stadt verliebt – und es gibt hier ein Gaming-Restaurant mit einer echten Elfe als Bedienung. Mehr davon im nächsten Post.

Beste Grüße

Euer

Christoph

Erster Bericht zu meiner Forschungsreise in Asien zum Thema Gaming

Liebe Leser,

ich sitze gerade im Hotel in Hongkong. Von meinem Schreibtisch habe ich eine tolle Aussicht auf die Skyline dieser beeindruckenden Stadt. Ok ich könnte jetzt gemein sein und darüber schreiben, wie angenehm sich die frühlingshaften Temperaturen anfüllen aber das lasse ich mal lieber. Aber ich möchte Euch gerne über den ersten Tag berichten. Mein Flug startete heute morgen in Berlin. Zuerst musste ich nach Paris und dann ging es von dort aus auf die große Reise nach Hongkong. Natürlich konnte ich in Paris einen Ort zum spielen finden. Im Flughafen gibt es einige Playstation-Stationen. Ich konnte mich also langsam eingrooven.

Gaming im Flugzeug

Im Flugzeug ging es dann weiter. Der Medienplayer war vielmehr eine multioptionale Medienplattform. Man konnte den Controller rausnehmen und hatte dann einen Gamecontroler. Das musste ich natürlich ausprobieren:-) Was mich besonders faszinierte war der Aufbau des Bildschirmmenüs. Es gab dort Filme, Musik, TV etc. und: Angebote für Kids und “Games and Learning”. Hier hat Air-France einen weisen Entschluss gefasst. Gaming ist nicht das Kinderprogramm und es ist zudem gleich zu setzen mit Lernen. Das würde ich gerne auch in deutschen Bibliotheken, Museen und Schulen sehen…

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Angekommen in HonKong ging es nun auf das “Barcamp Hongkong”. Es ist ein Barcamp zu sehr vielen Themen. Am Sonntag ging es vor allem um das Thema Gaming. In Hongkong ist es so warm, dass ein Teil des Barcamps Open Air stattfand. Das war eine sehr angenehme Situation. Auf dem Barcamp habe ich dann auch Aram Armstrong getroffen. Er ist Games-Designer, Designer und hat sich u.a. auch mit Lernmodellen und Motivationsmodellen in Spielen befasst. Wir sprachen über Gaming, Lernen und natürlich über Asien.

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Wenn man auf einem Barcamp ist und Menschen kennenlernen möchte sollte man am besten was tun? Genau, eine eigene Session anbieten. Was mit Schlafmangel auf der einen Seite und Begeisterung für die Stadt und Kultur auch sehr gut geht. Ich habe also eine eigene Session zum Thema Gaming in Deutschland angeboten. Es gab viele tolle Diskussionen und Gespräche. Ich hätte noch den ganzen Tag so weiter machen können aber ich ich musste ins Hotel um mich umzuziehen denn dann gab es ein Abendessen, wieder mit spannenden Menschen und Gesprächen.

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Ich glaube die inhaltliche Aufarbeitung dieser Reise wird sehr lange dauern. Momentan ist dies alles sehr beeindruckend. Diese Stadt und ihre Menschen haben einen unglaublich Energie und Offenheit. Und sie haben ein unglaubliches Potential. Alleine die Eindrücke dieses ersten Tages reichen glaube ich aus, um ein ganzes Buch zu schreiben.

Nun aber heißt es erstmal frühstücken und dann geht’s weiter zu einer Design-Hochschule und danach darf ich heute meinen Gaming-Vortrag im Goethe-Institut in Hongkong halten, um danach das Flugzeug nach Shanghai zu nehmen.

Beste Grüße

Christoph Deeg

Willkommen auf meiner Forschungsreise nach Asien zum Thema “Gaming”

Liebe Leser,

es ist Samstag der 23.02.2013 und ich sitze am Flughafen in Berlin-Tegel. In den letzten zwei Wochen war es auf meinem Blog wieder etwas ruhiger. Mein Ziel, in diesem Jahr 100 Blogbeiträge zu posten verfolge ich weiter, aber in den letzten Wochen musste ich einiges in der analogen Welt vorbereiten. Neben meinen Beratungstätigkeiten in den Bereichen Social-Media und Gamification für Unternehmen und Institutionen und der Tatsache, dass ich gerade mein erstes Buch schreibe (nein, es ist kein Buch über Barbecue sondern über Gaming) musste ich vor allem eine Reise vorbereiten, die heute beginnt: Meine Forschungsreise zum Thema „Gaming in Ost-Asien“.

Worum geht es genau?

In den nächsten 16 Tagen werde ich nach Hongkong, Shanghai, Tokio, Osaka und Seoul reisen um im Auftrag des Goethe-Instituts zum Thema Gaming in Asien zu forschen. Diese Reise ist der Auftakt zu einer längeren Forschungsarbeit und wenn alles gut läuft ist es nicht die letzte Reise nach Asien.

Warum Gaming in Asien?

Ich werde während meiner Reise sehr viele Menschen, Unternehmen, Institutionen und Orte kennenlernen. Ich möchte herausfinden, wie sich in diesen Ländern Gaming, Bildung, Wirtschaft und Kultur gegenseitig beeinflussen. Das Thema Gaming verbinden viele Menschen noch immer mit jungen männlichen Teenagern, Suchtgefahren und Gewaltdarstellungen. Aber Gaming ist viel mehr. Gaming ist ein Teil der digitalen Kultur und diese Kultur steht für neue Denk- und Arbeitsweisen, neue Formen der Kultur- und Wissensvermittlung, neues Lernen, neue Management-Modelle und jede Menge Spass. Wenn Social-Media Web 2.0 ist, dann ist Gaming Social-Media 2.0. Alle Themen, alle Ziele, alle Herangehensweisen, welche wir aus dem Bereich Social-Media kennen bzw. andenken sind im Gaming bereits seit Jahren vorhanden. Gaming bedeutet Lernen, Wissensmanagement, Marketing, Spielen, Austauch etc. Die besten Community-Manager können wir in der Gaming-Branche finden. Storytelling, Augmented Reality, Vernetzung, Recherchekompetenz, Leseförderung – all das ist in Gaming vorhanden. Wenn wir diese Kultur verstehen und uns zu eigen machen, wenn wir uns dieser Kultur öffnen, dann können diese Modelle helfen, bessere Kultur- und Bildungsinstitutionen, bessere Unternehmen und bessere Communitys zu entwickeln.

Natürlich ist in Asien nicht alles besser – aber ich glaube es ist anders. Dies betrifft auch die möglichen negativen Konsequenzen. Meine Asienreise basiert also nicht auf der Idee, den asiatischen Weg – wenn es dies überhaupt gibt – in Deutschland zu kopieren. Aber ich glaube, wir können voneinander lernen.

Für mich sind Social-Media und Gaming die zwei Seiten der selben Münze. Niemand braucht eine Social-Media-Strategie. Was wir benötigen sind digitale Strategien, die sowohl Social-Media als auch Gaming beinhalten.

In den nächsten Tagen werde ich sehr viele Fotos und Videos aufnehmen, sehr viele Menschen treffen und sehr viele Eindrücke sammeln. Ich bin gespannt auf das was mich erwartet. Natürlich werde ich versuchen, so oft wie irgend möglich zu bloggen. Ansonsten könnt Ihr mir natürlich auch auf Twitter, Facebook etc. folgen.

Beste Grüße

Christoph Deeg

Mein Vortrag zur Zukunft der Kulturvermittlung…

Liebe Leser,

vor ein paar Wochen durfte ich auf dem Symposium zur Kulturvermittlung der Stiftung Pro Helvetia und der Migros Kulturprozent in Basel sprechen. Über diese tolle Konferenz habe ich schon in einem anderen Beitrag berichtet. Heute möchte ich Euch nun das Video zum Vortrag präsentieren. Ich gebe zu, ich bin ein bisschen stolz auf das Ergebnis und ich freue mich über Eure Kritik..

Beste Grüße

Christoph Deeg

Kulturvermittlung und Kulturdialog

Liebe Leser,

ich bin gerade in Grevenbroich. Morgen werde ich einen Workshop zu Kultur- und Bildungsinstitutionen in der digitalen Welt durchführen. Natürlich gehört auch eine Facebook-Beratung mit dazu:-) Heute morgen war ich noch in Basel. Ich durfte nämlich gestern auf einer sehr spannenden Konferenz zur Zukunft der Kulturvermittlung von der Stiftung Pro Helvetia und der Migros Kulturprozent sprechen. Das Thema Kulturvermittlung ist für mich immer wieder interessant. Mit Birgit Mandel habe ich 2011 ein kurzes Blog-Experiment zu diesem Thema gewagt. Und an der Uni Hildesheim darf ich mich in meinem Kurs u.a. mit der Zukunft der Kulturvermittlung befassen.

Was mich an der Einladung auf diese Konferenz besonders freute war die Tatsache, dass ich nicht über die Nutzung von Social-Media und Gaming für die Kulturvermittlung sprechen sollte. Es ging vielmehr darum, die Kultur der digitalen Welt auf die Kulturvermittlung und die Kulturinstitutionen zu übertragen. Nicht Facebook oder Twitter sondern Dialog auf Augenhöhe und Partizipation waren die Themen des Tages. In den letzten Jahren habe ich eine Vielzahl an Vorträgen gehalten und Artikel veröffentlicht, bei denen es immer wieder um die Gegenüberstellung der Kultur der digitalen Welt und der Kultur der Institutionen und Unternehmen geht. Gerade im Kultursektor kann man beobachten, wie zum Einen unglaublich spannende, offene und kreative Projekte und Programme entstehen, während die Institution an sich so bleibt wie sie ist. Ein gutes Beispiel habe ich von Janna Graham gehört. Sie ist Kuratorin an der Serpentine Gallery in London. Wir beide waren die Sprecher des Panels “Zielgruppen, Partner, Clichées: Wie findet Vermittlung ihr «Gegenüber»?” Ihre Darstellung fand ich bezeichnend. Auf der einen Seite führt die Galerie eine Vielzahl an innovativen Projekten wie zum Beispiel das “Centre of possible studies” durch. Gleichzeitig erzählte sie aber auch davon, dass diese “neuen” Projekte in der Institution eher als Addons verstanden werden. Die Institution an sich bleibt bei Ihren vorhandenen Strukturen und Arbeitsweisen. So toll die Projekte auch sind, sie wirken nicht nach innen.

Wenn wir uns über Projekte im Bereich Kunst und Kultur unterhalten geht es zumeist um die Wirkung nach außen. Wie nimmt der Rezipient das jeweilige Werk wahr? Auch die Arbeiten von Francois Matarasso und Lois Hetland gehen in diese Richtung. Dabei sind die Ideen und Erkenntnisse von beiden unbedingt lesens- und hörenswert. Was wir sehr selten untersuchen ist die Wirkung nach innen. Sei es die Wirkung der kulturellen Inhalte oder sei es die Wirkung der Kultur der Rezipienten. Wir vergessen in der Diskussion um Kulturvermittlung sehr, dass wir es quasi nie mit Menschen zu tun haben, die keine Kultur haben oder kennen. Der Begriff “kulturaffin” ist deshalb auch mehr als problematisch, sagt er doch aus, es gäbe Menschen, die mehr mit Kultur zu tun hätten als andere. Aber das stimmt nicht. Kulturaffin meint letztlich nichts anderes als, dass diese Gruppe von Menschen einer bestimmten Kulturform näher stehen soll als eine andere Gruppe. Damit einher geht die Wertung von kulturellen Inhalten. Während meines Vortrages in Basel habe ich u.a. das Publikum gefragt, wer bereit wäre zu sagen, dass ein Computerspiel die gleiche kulturelle Wertigkeit habe wie eine Oper oder ein Theaterstück oder dass die hochgeladenen Fotos von Facebook-Mitgliedern die gleiche Wertigkeit haben können wie eine kuratierte Fotoausstellung. Nur eine äußerst kleine Zahl der Zuhörer war dazu bereit.

Es geht mir nicht um ein neues Dogma oder eine Revolution. Wie bei allen Kulturformen, sei es Malerei, Theater, Computerspiel, eBook etc. geht es um die Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Inhalt bzw. um Reflektion.

Für mich bedeutet Kulturvermittlung ein Dialog auf Augenhöhe. Und beide Parteien wissen nicht, was am Ende dieses Dialogs rauskommt. Es geht auch um Offenheit und Partizipation und es geht um gegenseitiges Lernen. Kulturinstitutionen können von den Menschen lernen – wenn sie Kulturvermittlung als Dialog auf Augenhöhe verstehen. Kommen wir aber zurück zu der Frage, warum wir uns mehr mit der Wirkung der Kultur der Rezpienten auf die Kulturinstitutionen beschäftigen sollten. Wann immer eine Institution einen neuen Weg geht, ist dies zugleich ein Versprechen. Wenn ich z.B. als Museum eine Seite auf Facebook betreibe, dann ist dies mehr als eine PR-Plattform. Ich bewege mich im Kulturkreis der Menschen die ich erreichen will. In der digitalen Welt, in der es um Kooperation, Transparenz, Offenheit und Interaktion geht, wird sehr genau hingesehen. Ist die Facebook-Seite nur ein Addon oder lebt die Institution diese neue Kultur wirklich? Ist sie auch in der realen Welt offen, interaktiv und kooperativ? Das Problem für Kulturinstitutionen entsteht dann, wenn die Menschen aufgrund der Aktivitäten der Institution in der digitalen Welt kommen und dann einen Ort vorfinden, der mit dem was kommuniziert wurde nichts zu tun hat. Gewiss, die Inhalte sind da, aber die Art der Kommunikation unterscheidet sich von dem was angekündigt wurde. Mich interessiert aber nicht nur das Werk, sondern auch der damit verbundene Service bzw. die damit verbundene Umwelt. Ich möchte damit auf keinen Fall behaupten, dass Kulturinstitutionen per se nicht offen, kooperativ, interaktiv etc. sind. Aber ich glaube, dass wir akzeptieren müssen, dass es auch eine Kultur der Institutionen gibt.

In meiner Vision sind Kulturinstitutionen Plattformen für einen Dialog auf Augenhöhe. Sie stehen für spannende kulturelle Inhalte und anerkennen zugleich die ebenso wertvollen kulturellen Inhalte der Menschen. In diesem Moment brauchen wir nicht mehr von Zielgruppen zu reden, denn ein Dialog auf Augenhöhe ist kein “Special” für ausgesuchte Gruppen. Es ist vielmehr die menschlichste Variante der Kommunikation. So kann die digitale Welt den Kulturinstitutionen und Kulturvermittlern als Beispiel und Inspiration für die Weiterentwicklung der Institutionen als Ganzes dienen.

Wir brauchen also eine neue Form der Kulturvermittlung. Der Kulturvermittler der Zukunft hilft beiden Seiten, die jeweils andere zu verstehen. Vielleicht sollten Kulturvermittler nicht von den Kulturinstitutionen bezahlt werden. Vielleicht sollte es für Kulturvermittler ein eigenes Budget geben, denn auf diese Weise könnten sie offen und frei auf beiden Seiten wirken.

Diese Fragestellung, also der Umgang mit den Menschen/Kunden/Nutzern etc. ist sowohl für Unternehmen als auch für Institutionen relevant. Der beste Kulturvermittler ist der, der zuerst zuhört und lernt…

Beste Grüße

Christoph Deeg

Social-Media oder wir haben doch keine Zeit…

Liebe Leser,

ich sitze gerade im Zug zum Flughafen Düsseldorf. In der letzten Woche war ich wieder im im Rahmen des Projektes “Lernort Bibliothek” der Landesregierung NRW und der Bezirksregierung Düsseldorf unterwegs um Bibliotheken in Nordrhein-Westfalen auf ihrem Weg in die Social-Media-Welt zu begleiten.

Heute Abend geht es noch nach Wien, damit ich morgen in Linz einen Vortrag zum Thema “Mobiles Internet” halten kann. Dabei wird es vor allem um die Frage gehen, wie eBooks, iPads, Smartphones und Co. die Arbeit von Kulturinstitutionen wie z.B. Biliotheken verändern werden.

Mit dieser Konferenz gehen drei Wochen Reisen vorbei. Ok, ich war dabei fünf Tage in Kroatien, aber es war vor allem sehr viel Arbeit. Ich merke immer wieviel Arbeit es gerade ist, wenn ich meinen Blog ansehe. Mittlerweile vergehen manchmal bis zu zehn Tage bis ich einen neuen Beitrag veröffentlichen kann. Ich lebe nicht von diesem Blog, sondern von meinen Beratungstätigkeiten vor Ort. Ich arbeite mit Menschen in der analogen um Ihnen die digitale Welt näher zu bringen. Auf Twitter und Facebook bin ich in solchen Zeiten immer aktiver. Diese Plattformen lassen sich schneller nutzen. Und gerade Twitter habe ich sehr gut organisiert. Müsste ich mich zwischen Twitter und Facebook entscheiden, ich würde mich ohne Bedenken für Twitter entscheiden, denn hier bekomme ich weitaus größere Mehrwerte. Dies ist aber eine individuelle Entscheidung. Für Unternehmen und Institutionen kann es da schon ganz anders aussehen.

Aber egal wie man es auch dreht und wendet, Social-Media kostet Zeit. Und sehr viele meiner Kunden haben genau das nicht. Zeit ist ein wertvolles, ein kostbares Gut. Ein wesentliches Erfolgskriterim meiner Arbeit ist das Konzept, möglichst alle Menschen eines Teams in die Social-Media-Aktivitäten zu integrieren. Es macht wenig Sinn, Social-Media-Aktivitäten nur von einer Person umsetzen zu lassen. Vor allem wenn man wie ich der Meinung ist, dass Social-Media nur in Teilen ein PR-Thema ist. Es geht m.E. vor allem darum einen Dialog mit Kunden, Nutzern, Freunden etc. zu beginnen um möglichst alle Bereiche des Unternehmens bzw. der Institution durch Social-Media-Aktivitäten zu erweitern bzw. zu verbessern.

Gerade in Institutionen ist Zeit eigentlich gar nicht vorhanden. Die meisten Teams arbeiten breits mit 110% Arbeitsleistung und sind sehr oft überlastet. Und nun kommt auch noch das Thema Social-Media dazu, welches nicht nur aber auch zeitliche Ressourcen erfordert. Die Arbeit im Bereich Social-Media führt sehr oft dazu, dass alle strukturellen Probleme einer Institution sichtbar werden. Wenn wir es mit starren und unflexiblen Hierachien zu tun haben, kann Social-Media nicht funktionieren. Die klassischen Pyramidenmodelle sind spätestens jetzt nicht mehr sinnvoll. Ich kann nicht offen, kreativ, interaktiv und flexibel reagieren, wenn ich es nicht bin.

Aber es sind nicht nur veraltete Hierachiemodelle, die wertvolle Zeit kosten. Ich erlebe immer wieder, dass sich die Mitarbeiter einer Institution oder eines Unternehmens nicht trauen zuzugeben, dass sie noch immer technische Schwierigkeiten im Umgang mit den verschiedenen Plattformen haben. Es fehlt hierfür schlichtweg der Raum um sich auszuprobieren. Dabei ist es ganz einfach. Ich kann geschlossene Blogs, Wikis und Facebookseiten einrichten. Diese für die Öffentlichkeit unsichtbaren Spielwiesen ermöglichen ein ausprobieren und Lernen. Und bei Twitter kann ich “Spass-Accounts” anlegen, also Accounts zu bestimmten Themen, die mit meiner eigentlichen Arbeit nichts zu tun haben. Aber auch dann muss den Mitarbeitern die Zeit gegeben werden, die Palltformen zu nutzen. Diese Investition lohnt sich aber, denn je mehr Mitarbeiter in die Social-Media-Aktivitäten eingebunden werden, desto mehr kann ich erreichen.

Ein weiterer Aspekt ist das Problem, dass viele Mitarbeiter meinen, sie würden keine spannenden Themen finden können. Man möchte ganz besondere, am besten perfekte Beiträge erstellen und verkrampft dabei zusehends. Hier können z.B. gemeinsame Treffen helfen, bei denen die Teilnehmer spielerisch mit verschiedenen Inhalten umgehen.

Letzlich sind auf seiten der Leiutungsebene zwei Dinge zu beachten. Zum Einen muss den Mitarbeitern der nötige inhaltliche und strukturelle Freiraum gegeben werden. Zum Anderen muss klar sein, dass Social-Media Ressourcen kostet und das man mittelfristig entweder weitere Ressourcen benötigt, oder aber sich von anderen Aufgaben trennt.

Beste Grüße

Christoph Deeg

Kulturinstitutionen: Social-Media zur Kultur oder Kultur zu Social-Media?

Liebe Leser,

warum sollen wir eigentlich im Bereich Social-Media aktiv sein? Diese Frage stellen sich viele Unternehmen und Institutionen. Eine der Antworten auf diese Frage ist, dass man durch die Arbeit im Social-Web neue Zielgruppen erreichen kann. Und natürlich ist diese Antwort nicht total falsch. Social-Media steht für neue Kommunikationsformen und damit verbunden für neue Möglichkeiten der Vernetzung von Personen und/oder Inhalten. Wir können auf den verschiedenen Plattformen Menschen erreichen, die wir sonst über die klassischen Medienkanäle nicht erreichen würden. Wir können neue Services entwickeln und einen Dialog auf Augenhöhe über Produkte, kulturelle und gesellschaftliche Inhalte und Services beginnen.

Im Kultur- und Bildungssektor sowie in der freien Wirtschaft beginnt so langsam die Social-Media-Revolution. Waren es vor ein paar Jahren noch vereinzelte Institutionen und Unternehmen, die die digitale Welt gestalten wollten, ist die Bedeutung von Social-Media in der Breite zumindest verstanden worden. Es liegt noch immer ein sehr weiter Weg vor uns und natürlich bedeutet der Start eines Blogs, einer Facebook-Seite oder eines Twitter-Accounts noch nicht, dass man im Social-Web angekommen ist – die Reise beginnt jetzt erst. Aber es scheint, als würde das Thema (endlich) Fahrt aufnehmen.

Bleibt die Frage nach dem warum? In vielen Fällen geht man davon aus, Social-Media machen zu müssen. Schließlich seien dort die vermeindlich neuen Kundengruppen, schließlich müsse man mit der Zeit gehen, schließlich gibt es ja jetzt auch Geld dafür, schließlich will man ja vor allem die junge Zielgruppe erreichen. Schließlich, schließlich, schließlich.

Alle diese Argumente sind nachvollziehbar, sie greifen aber zu kurz. Es geht nicht darum, Social-Media zu nutzen weil man es muss, sondern weil man es will. Es geht darum, im Social-Web aktiv zu sein, weil man die damit verbundenen Möglichkeiten der Interaktion, der Offenheit, der Innovation, des Ausprobierens, des Dialogs auf Augenhöhe etc. für wichtig erachtet. Der Grund dafür ist einfach: Im Social-Web wird man selber aktiv sein. Man kann diese Aufgabe nicht einer externen Firma übertragen. Es geht nicht um Werbung und klassische Sender-Empfänger-Modelle. Es geht nicht um Werbeanzeigen die letztlich nichts anderes als faule Fire-and-Forgett-Systeme sind. Sicher, man kann eine Agentur beauftragen eine Social-Media-Kampagne zu beauftragen. Man kann sogar das Social-Media-Monitoring outsourcen. Aber am Schluss wird man es selbst machen müssen. Dies ist der Grund, warum ich für meine Kunden keine Accounts betreibe. Ich kann nicht im Namen eines Anderen im Social-Web nachhaltig aktiv sein. Einen Dialog auf Augenhöhe kann ich nicht mit einer dritten Person führen. Und die Community merkt früher oder später wer da spricht.

Social-Media bedeutet auch, ich brauche dafür Ressourcen. Ich brauche Personalressourcen um die Social-Media-Aktivitäten umzusetzen. Ich brauche finanzielle Ressourcen, um z.B. externe Berater und Trainer einzukaufen und kostenpflichtige Tools z.B. für das Social-Media-Monitoring zu bezahlen. Ich benötige die technischen Ressourcen wie z.B. Computer mit freiem Internetzugang, evtl. ein Samrtphone um mobil kommunizieren zu können etc. Social-Media kostet Ressourcen und es ist und war nie kostenlos zu bekommen. Zudem ist ein halbherziger Social-Media-Auftritt u.U. eher schädigend. Damit man mich nicht falsch versteht, man muss kein riesiges Feuerwerk abfeuern. Es geht vielmehr darum, mit dem vorhandenen Ressourcen das Maximum aus den Social-Media-Aktivitäten rauszuholen.

Wenn man also im Bereich Social-Media aktiv und erfolgreich sein möchte, muss man Social-Media wirklich wollen. Meine Kunden frage ich deshalb immer am Anfang eines Projektes:”Müssen Sie Social-Media oder wollen Sie es?”

Bleibt die Frage für wen mache ich Social-Media? Zumeist wird Social-Media für die Menschen gemacht, die in der digitalen Welt “leben”. Es geht um die sog. Digital Natives, eine Definition die putzig klingt aber letztlich nicht viel bringt. Natürlich klingt der Gedanke verlockend, einige hundertausend Menschen auf einer Plattform wie Facebook erreichen zu können. Also versucht man Social-Media zu nutzen um mit den Menschen, die in der digitalen Welt aktiv sind, und die in der Regel für jung und medienkompetent gehalten werden, zu kommunizieren. Aber ist das die digitale Realität? Wie reagieren wir auf die Tatsache, dass in Deutschland gerade mal 15% der Schüler täglich im Unterricht einen Computer nutzen dürfen? Was machen wir mit den Menschen, die noch nicht in der digitalen Welt angekommen sind? Wird man also Kunde 2.0 erst dann, wenn man einen Facebook-Account hat? Ist man erst dann interessant und muss man ansonsten mit den klassischen Holzmedien vorlieb nehmen?

Kommen wir zurück zu der Frage ob man Social-Media muss oder will. Wenn ich Social-Media will, dann möchte ich, dass soviele Menschen wie möglich in den Genuss der Möglichkeiten kommen, die sich aus der digitalen Welt ergeben. Und dann geht es um die Frage, wie bringe ich die Menschen in die digitale Welt, damit wir dort gemeinsam die digitale Welt gestalten können?

In den letzten Wochen habe ich einige spannende Social-Media-Projekte aus dem Kulturbereich kennengelernt. Besonders spannend fand ich die Idee der kulturellen Tweetups. Hierbei werden interessierte Twitter-Nutzer z.B. in ein Museum eingeladen und können dort an einer speziellen Führung teilnehmen. Das besondere daran ist, dass man direkt während des Museumsbesuchs twittert, d.h. man lässt die Community direkt an der Veranstaltung teilhaben. Erfunden wurde dies nach meinem Wissen von Christian Gries und seinem Team in München. Ulrike Schmid und Tanja Neumann veranstalten seit ein paar Wochen ähnliche Veranstaltungen in Frankfurt/Main. Social-Media wird hier benutzt, um neue Zielgruppen in das Museum zu bekommen. Gleichzeitig werden durch die Twitteraktivitäten der Teilnehmer eine Vielzahl an Menschen erreicht. Schließlich lässt jeder Teilnehmer seine Follower teilhaben. Zudem besteht die Möglichkeit virtuell via Twitter dabei zu sein. Man kann Fragen an die Teilnehmer stellen und sich über die kulturellen Inhalte austauschen. Ich finde diese Idee richtig gut und hoffe, dass es in naher Zukunft noch weitere solcher Ideen und Projekte geben wird.

Trotzdem fehlt mir ein wichtiger Gedanke. Im vorliegenden Fall geht es darum, mittels Social-Media-Tools Menschen für kukturelle Inhalte zu begeistern. Warum aber machen wir es mal nicht umgekehrt? Warum nutzen wir nicht kulturelle Inhalte, um Menschen für die Welt von Social-Media zu begeistern? Wenn wir als Institutionen oder Unternehmen Social-Media wollen, dann sollten wir hier der Gatekeeper sein. Wieviele Kulturinstitutionen werden von Menschen besucht, die die jeweiligen kulturellen Inhalte schätzen aber keinen Zugang zur digitalen Welt gefunden haben? Wieviele Unternehmen haben Kunden, die dem Unternehmen, seinen Produkten und Services vertrauen und gleichzeitig nie einen Einstieg in die Welt von Social-Media und Co. gefunden haben? Wieviele Menschen sind vielleicht schon im Netz aktiv oder besitzen ein Smartphone ohne die damit verbundenen Möglichkeiten verstanden zu haben?

Wenn wir die digitale Welt ernst nehmen, wenn wir sie gestalten möchten, wenn wir dort erfolgreich sein möchten, wenn wir neue Formen einer Kundenbeziehung aufbauen wollen, dann müssen wir auch damit beginnen, die Menschen mitzunehmen. Nun mag man sagen, dass das nicht die Aufgabe eines Unternehmens oder einer Institution sei. Aber ist das so? Ich glaube nicht. Denn es wird am Ende einen Return of Investment geben. Je größer meine Community ist desto mehr kann ich von ihr lernen, desto mehr Menschen kann ich erreichen. Je interessierter die Menschen in meiner Community sind und je interdisziplinärer deren Background ist, desto mehr Zielgruppen kann ich für mein Produkt oder meine kukturellen Inhalte begeistern. Je mehr Menschen ich über meine Social-Media-Kanäle erreiche, desto weniger muss ich für klassische Werbung ausgeben. Je mehr mir meine Community vertraut – und sie wird mir vor allem dann vertrauen, wenn ich derjenige war, der ihr die digitale Welt nähergebracht hat – desto mehr wird sie auch meinen anderen Aussagen Glauben schenken. Je offener und aktiver meine Community ist desto schneller kann ich auf Ihre Wünsche eingehen und die Qualität meiner Services steigern.

Was bedeutet das konkret?

Ich wünsche mir noch ganz viele Tweetups, am besten mit der Option, vor Ort ein Smartphone oder ein iPad/Android-Pad ausleihen und die Nutzung von Twitter lernen zu können. Jeder Teilnehmer, der auf diese Art und Weise Twitter erlernt sollte bei der nächsten Teilnahme einen freien Eintritt bekommen. Wie wäre es, wenn es das Ziel gibt, mittels Tweetups in ganz Deutschland innerhalb der nächsten 12 Monate 1000 neue und aktive Twitter-Accounts zu schaffen? Wie wäre es, wenn die Teilnehmer, die schon Twitterprofis sind, einen Tweetup-Newbee adoptieren und ihm helfen? Das könnte auch und vor allem die Vernetzung in der analogen Welt verstärken…

Die digitale Welt ist eine Welt voller Optionen. Wenn wir diese Optionen nutzen wollen lohnt es sich darüber nachzudenken, ob man nicht versucht, mehr Menschen für die vielfachen Möglichkeiten zu begeistern – es lohnt sich…

Beste Grüße

Christoph Deeg