Archiv der Kategorie: Gedanken darüberhinaus…

Warum Social-Media eine analoge Aufgabe ist – und warum wir mehr Gamescom brauchen

Liebe Leser,

ich bin gerade in Olsberg in Nordrhein-Westfalen. Morgen werde ich wieder einen kleinen Verbund von drei sehr kleinen Kultur- und Bildungsinstitutionen auf Ihrem Weg in die digitale Welt begleiten. Morgen ist der Kick-Off-Workshop und der Abend vor so einem Workshop ist immer besonders spannend für mich. Wie werden die Teilnehmer reagieren? Welchen Weg werden wir einschlagen? Funktionieren die technischen Ressourcen? Und wie sehen dann die nächsten Monate aus? Ich werde diese Institutionen nämlich das ganze Jahr begleiten.

Mein vorletzter Blogbeitrag war sehr erfolgreich. Es gab eine Vielzahl an Diskussionen. Zum kleinen Teil fand die Diskussion hier auf meinem Blog und zum großen Teil auf Facebook, Twitter und Google+ statt. Warum dieses mal so wild diskutiert wurde kann ich ehrlich gesagt gar nicht nachvollziehen. Gewiss die Thesen mögen dem Einen oder Anderen etwas provokant erscheinen, aber letztlich habe ich diese Ideen schon seit mehr als zwei Jahren kommuniziert. Und sie sind seit dieser Zeit die gedankliche Basis meiner Arbeit. Die Grundgedanken, dass die digitale Welt keine neue Technologie sondern eine völlig neue Kultur darstellt vertrete ich schon lange und die damit verbundenen Herausforderungen und Fragestellungen gelten sowohl für Bibliotheken als auch für alle anderen Institutionen und ebenso für Unternehmen.

Ich bin immer mehr der Meinung, dass wir nun (endlich) in die Phase der Veränderung kommen. Immer mehr Institutionen und Unternehmen sind in der digitalen Welt aktiv. Und immer mehr Menschen setzen sich mit den damit verbundenen Konsequenzen auseinander. So langsam versteht man den Impact auf unsere Lebensrealität. Man versteht, dass man die klassischen PR- und Marketingwerkzeuge nicht mehr nutzen kann. Und das beschränkt sich nicht mehr alleine auf das Social Web. Offenheit, Transparenz, Kooperation, Community-Building und viele weitere Begriffe und Themen stehen nicht für eine abgeschlossene Enklave, welche sich digitale Welt nennt. Diese neuen Denk- und Arbeitsweisen werden in Zukunft nicht nur die Basis der Arbeit in der digitalen sondern auch der analogen Welt sein. Die Plattformen (Facebook, Twitter, Google+, Blogs, Wikis) die Technologien (Smartphones, Tablet-PC’s, Netbooks etc.) sind nur die Hülle für die Aktivitäten der Menschen. Sie sind nur die Werkzeuge. Das bedeutet, wer diese Plattformen verstanden hat, kann noch lange nicht erfolgreich mit ihnen umgehen. Deshalb ist es z.B. für viele Werbeagenturen so schwer, erfolgreich im Social Web zu agieren. Ihre Modelle und Herangehensweisen funktionieren im Social Web nicht mehr. Und auch Institutionen stehen vor neuen Herausforderungen. Gab es noch vor ein paar Jahren den Mythos der Deutungshoheit geht es heute darum, neue Kommunikations- und Arbeitsformen zu verstehen, zu entwickeln und umzusetzen. Und diese neuen Wege lassen sich nur schwer beschreiten, wenn die Strukturen und Ressourcen darauf nicht vorbereitet sind.

Aber ist dies wirklich eine digitale Revolution? Ich glaube nicht. Sicher, wir haben große Veränderungen bezüglich unsere Medien- und Kommunikationsformen und ja, das verändert alles. Andererseits kann die digitale Welt keine reale Bedeutung entfachen, wenn sie nicht in der analogen Welt verankert ist. Alle was wir im Internet sehen, alle Inhalte auf Facebook, Twitter, Google+ und Co. ist von Menschen gemacht. Die Inhalte entstehen in den Köpfen der Menschen und nicht in den Einsen und Nullen des Internets. Das Web verändert alles aber es ist nur ein Werkzeug. Die Herausforderungen, die sich aus der digitalen Welt ergeben sind letztlich nur ein Spiegelbild der Herausforderungen in der analogen Welt. Der digitale Wandel macht sichtbar und erfahrbar, wo die Probleme in der analogen Welt liegen.

Immer wenn ich das folgende Video sehe, wird mir klar, dass es um einen viel größeren Wandel geht. Und jenseits von drittklassigen Werbefilmchen und Möchtegern-PR-Agenturen entstehen neue Berufe, neue Plattformen und neue Inhalte. Schaut Euch dieses Video an und Ihr versteht (hoffentlich) was ich meine.

Die Diskussion über die Zukunft der Bibliotheken kann und werde ich auch über die Zukunft der Museen, der Schulen, der Unternehmen und der Verwaltungen führen. Und wir werden erkennen, dass sich die Herausforderungen ähneln. Wenn uns aber ein von Menschen gelebtes und mit Inhalten gefülltes System zeigt, wo unsere Probleme liegen, dann sollten wir zuerst beginnen, besser zu zu hören. Mich würde interessieren, wie viele Besucher des kommenden Bibliothekskongresses in Leipzig zuhören? Man muss keine großen Studien in Auftrag geben. Man muss nur die Diskussionen auf Google+ und Twitter über meinen Blogbeitrag verfolgen, um zu sehen was die Menschen denken. Der Bibliothekskongress ist aber kein Ort des Zuhörens. Es ist ein geschlossenes System. So wie sich die Bibliothekswelt zurecht über geschlossene Systeme wie z.B. Amazon aufregt, ist sie selber nicht offen. In Leipzig reden wir mal wieder über die Menschen, aber nicht mit ihnen. Dabei wäre es so einfach: Öffnet den Kongress für die Kunden, Nutzer, Nicht-Kunden und Nicht-Nutzer. Erlasst jedem Kunden/Nutzer die Jahresgebühr für ein Jahr, wenn er auch nach Leipzig kommt. Natürlich ohne Eintritt zu zahlen. Lasset die Kultur- und Bildungskonferenzen zur Gamescom 2.0 werden. Und wenn das nicht geht: Mieten wir doch einfach eine Halle der Köln-Messe während der Gamescom und schauen wir was passiert.

In diesem Sinne eine schöne Nacht

Christoph Deeg

Willkommen im Jahr 2013 – das Jahr von Social-Media und Gaming?

Liebe Leser,

ich hoffe Ihr seid alle gut ins neue Jahr gekommen? Ich sitze gerade bei guten Freunden und genieße einen entspannten Start in das Jahr 2013. Ich möchte in diesem Beitrag über mein Jahr 2012 schreiben. Was lief gut? Was könnte man noch besser machen?

Der Rückblick auf das Vergangene ist für mich immer sehr wichtig. Dabei geht es nicht nur um eine Evaluation oder ein internes Monitoring. Es geht auch darum zu sehen, was man alles schon erreicht hat. Viele meiner Kunden begleite ich über einen längeren Zeitraum. Einmalige Workshops bringen in der Regel eher wenig. Viele Fragen entstehen erst dann, wenn man das Erlernte umsetzen möchte. Wenn man ein Unternehmen oder eine Institution über einen längeren Zeitraum begleitet, indem man z.B. alle vier Monate einen Social-Media-Coaching-Workshop durchführt, kann man weitaus mehr erreichen. Dies hat auch damit zu tun, dass Social-Media nicht nur die Arbeit auf Plattformen wie Facebook oder Twitter bedeutet. Es geht ebenso um die Wirkung von Social-Media nach innen. Social-Media und Gaming sind keine Technologien. Sie stehen für eine neue Kultur und Unternehmen und Institutionen werden in der digitalen Welt nur dann nachhaltig erfolgreich sein, wenn sie in der Lage sind, diese neue Kultur zu verstehen und in die eigene Kultur zu integrieren.

Dieser Prozess dauert in der Regel mindestens ein Jahr und er hat einen Einfluss auf nahezu alle Geschäftsbereiche. Dieser „Kulturwandel“ geht aber nicht ohne Rückschläge und Schwierigkeiten vonstatten. Für viele Menschen bedeutet die digitale Welt eine sehr große Herausforderung. Es entstehen völlig neue Berufsbilder. Immer wieder erzählen mir Mitarbeiter, dass sie ihren Beruf vor 10 oder 15 Jahren gelernt haben und nun erleben, dass alles oder vieles was sie damit verbinden und was sie gelernt haben nun keine Bedeutung mehr hat. Das betrifft nicht nur die neuen Aufgaben. Vielmehr wurden und werden sehr viele Menschen bis heute in der Aus- und Weiterbildung nicht auf ein „lebenslanges Lernen“ bzw. eine lebenslange und individuelle Weiterentwicklung vorbereitet.

Viele Menschen stehen der digitalen Welt sehr kritisch gegenüber. Andere haben sogar Angst davor. Gerade für diese Gruppen bedeutet die digitale Welt eine Herausforderung, der sie sich nicht gewachsen sehen. Sie haben das Gefühl vor einer unendlich hohen Wand zu stehen, die sie nicht bewältigen können. Ich habe diesen Effekt sehr oft beobachten können und deshalb „zwinge“ ich meine Kunden dazu, am Ende eines Jahres sich eine halbe Stunde Zeit zu nehmen und sich den bereits zurückgelegten Weg anzusehen. Wir neigen sehr oft dazu, nur das zu sehen was noch alles getan werden muss und vergessen dabei das, was wir alles erreicht haben.

Also schaue auch ich zurück auf das Jahr 2012 und ja, es war ein gutes Jahr. Ich habe wieder eine Vielzahl an Unternehmen und Institutionen in die digitale Welt begleiten dürfen. Insgesamt waren es mehr als 35 Unternehmen, Institutionen sowie Städte und Gemeinden. Dabei ging es nicht nur um Social-Media sondern auch um das mobile Internet und die Welt des Gamings. Meine Mobile-Internet-Roadshow für Bibliotheken ist ein großer Erfolg. Das Social-Media-Gaming-Barbecue hat sich auch weiter entwickelt. Insgesamt habe ich mehr als 160 Nächte im Hotel verbracht und meine Bahncard glühte:-) Ich durfte auf tollen Konferenzen sprechen und habe eine Vielzahl an spannenden Menschen kennengelernt. Auch meine Aktivitäten in dem von mir mitgegründeten Verein „Zukunftswerkstatt Kultur- und Wissensvermittlung e.V.“ waren erfolgreich.

Michael Stephens “Learning Everywhere” from Zukunftswerkstatt on Vimeo.

Die Tour mit Michael Stephens, die Gaming-Liga und viele weitere Aktivitäten lassen den Verein stetig wachsen. Das besondere Highlight in diesem Bereich sind aber die stetig wachsende Zahl an Zukunftsentwicklern. Ich bin immer öfter auch im Ausland aktiv und was besonders wichtig ist: es macht mir sehr großen Spass.

Natürlich lief nicht alles perfekt. Es gab Rückschläge und Niederlagen. Sicher, ich konnte am Ende alle Probleme lösen und ich konnte zudem sehr viel lernen. Aber manches blieb liegen. Im zweiten Halbjahr haben vor allem meine eigenen Onlineaktivitäten zurückstecken müssen. Es war nicht so, dass ich überhaupt nichts gemacht habe. Aber ich hatte weitaus mehr vor. Das ganze ist ein bisschen paradox. Ich berate und begleite Unternehmen und Institutionen in der analogen Welt auf ihrem Weg in die digitale Welt und bin damit so erfolgreich, dass mir die Zeit fehlt, selber online aktiv zu sein. Damit geht auch einher, dass ich nicht so viel ausprobieren konnte wie ich wollte.

Die wichtigste Erkenntnis war für mich aber die, dass Social-Media und Gaming nur dann funktioniert, wenn man sich die damit verbundene Kultur zu eigen macht, und das dies genau das die größte Herausforderung ist. Ich weiß, dass ich dies schon sehr oft geschrieben habe und natürlich ist diese Erkenntnis nicht neu. Aber im letzten Jahr ist mir sehr oft vor Augen geführt worden, dass dies (immer noch) das Kernthema ist.

Nun also beginnt ein neues Jahr und es zeichnet sich ab, dass es viele Veränderungen geben wird. Auch in diesem Jahr werde ich wieder Unternehmen und Institutionen bezüglich Social-Media, Gaming und dem mobilen Internet begleiten. Es gibt wieder sehr spannenden Kunden. U.a. werde ich einen „Social-Media-Aussendienst“ starten. Mehr dazu in Kürze auf meinem Blog. Ich werde aber zudem sehr viel Zeit in meine eigene Weiterbildung und ein kleines Forschungsprojekt investieren. In diesem Jahr werde ich auch mein erstes Buch zum Thema Gaming veröffentlichen. Die Mobile-Internet-Roadshow wird massiv ausgebaut. Und im Januar startet auch das mobile Gaming-Lab. Das Social-Media-Gaming-Barbecue werde ich komplett umbauen. Es wird zu einer Plattform werden, auf der man Rezepte für Barbecues und Social-Media-Aktivitäten austauschen kann. Im Januar startet auch ein weiterer Blog von mir. Dieser Blog wird sich mit Zukunftsszenarien für Unternehmen und Institutionen beschäftigen und „Nachrichten aus der Zukunft“ heißen. Ich werde dort fiktive Nachrichten aus dem Jahr 2023 veröffentlichen. Diese Nachrichten beziehen sich auf Aktivitäten und Nachrichten aus der jetzigen Zeit. Im Februar darf ich mit dem US-amerikanischen Experten Eli Neiburger auf Deutschland-Tour gehen. Eli Neiburger arbeitet an der Ann Arbour District Library und beschäftigt sich mit völlig neuen Konzepten für die Kultur- und Wissensvermittlung. Sein Fokus liegt dabei auf dem Thema Gaming. Er hat u.a. den „National-Gaming-Day“ ins Leben gerufen und er ist zudem mein „Partner in Crime“ beim Aufbau der Deutsch-Amerikanischen Gaming-Liga. Diese Tour ist ein Projekt der Zukunftswerkstatt Kultur- und Wissensvermittlung e.V. und der US-Botschaft Berlin. Zusammen mit der stARTconference möchte ich in Berlin ein stARTcamp zum Thema „Scheitern“ veranstalten.

Es liegt also sehr viel Arbeit vor mir. Ihr werdet die Veränderungen und Entwicklungen online verfolgen können. Über alle Projekte werde ich berichten und ich hoffe ich schaffe mein persönliches Ziel, in diesem Jahr mindestens 100 Blogbeiträge zu schreiben.

Nun bleibt mir nur noch Danke zu sagen. Danke an meine Partnerin und meine Freunde, die mich im letzten Jahr so gut wie gar nicht mehr gesehen haben. Danke an meine Kunden für fantastische Workshops und vor allem das Vertrauen in meine Person. Vielen Dank auch an meine Kooperationspartner und die vielen Hotels, die sich so toll um mich gekümmert haben.

Ich freue mich auf ein spannendes Jahr 2013…

Beste Grüße

Christoph Deeg

Kulturvermittlung und Kulturdialog

Liebe Leser,

ich bin gerade in Grevenbroich. Morgen werde ich einen Workshop zu Kultur- und Bildungsinstitutionen in der digitalen Welt durchführen. Natürlich gehört auch eine Facebook-Beratung mit dazu:-) Heute morgen war ich noch in Basel. Ich durfte nämlich gestern auf einer sehr spannenden Konferenz zur Zukunft der Kulturvermittlung von der Stiftung Pro Helvetia und der Migros Kulturprozent sprechen. Das Thema Kulturvermittlung ist für mich immer wieder interessant. Mit Birgit Mandel habe ich 2011 ein kurzes Blog-Experiment zu diesem Thema gewagt. Und an der Uni Hildesheim darf ich mich in meinem Kurs u.a. mit der Zukunft der Kulturvermittlung befassen.

Was mich an der Einladung auf diese Konferenz besonders freute war die Tatsache, dass ich nicht über die Nutzung von Social-Media und Gaming für die Kulturvermittlung sprechen sollte. Es ging vielmehr darum, die Kultur der digitalen Welt auf die Kulturvermittlung und die Kulturinstitutionen zu übertragen. Nicht Facebook oder Twitter sondern Dialog auf Augenhöhe und Partizipation waren die Themen des Tages. In den letzten Jahren habe ich eine Vielzahl an Vorträgen gehalten und Artikel veröffentlicht, bei denen es immer wieder um die Gegenüberstellung der Kultur der digitalen Welt und der Kultur der Institutionen und Unternehmen geht. Gerade im Kultursektor kann man beobachten, wie zum Einen unglaublich spannende, offene und kreative Projekte und Programme entstehen, während die Institution an sich so bleibt wie sie ist. Ein gutes Beispiel habe ich von Janna Graham gehört. Sie ist Kuratorin an der Serpentine Gallery in London. Wir beide waren die Sprecher des Panels “Zielgruppen, Partner, Clichées: Wie findet Vermittlung ihr «Gegenüber»?” Ihre Darstellung fand ich bezeichnend. Auf der einen Seite führt die Galerie eine Vielzahl an innovativen Projekten wie zum Beispiel das “Centre of possible studies” durch. Gleichzeitig erzählte sie aber auch davon, dass diese “neuen” Projekte in der Institution eher als Addons verstanden werden. Die Institution an sich bleibt bei Ihren vorhandenen Strukturen und Arbeitsweisen. So toll die Projekte auch sind, sie wirken nicht nach innen.

Wenn wir uns über Projekte im Bereich Kunst und Kultur unterhalten geht es zumeist um die Wirkung nach außen. Wie nimmt der Rezipient das jeweilige Werk wahr? Auch die Arbeiten von Francois Matarasso und Lois Hetland gehen in diese Richtung. Dabei sind die Ideen und Erkenntnisse von beiden unbedingt lesens- und hörenswert. Was wir sehr selten untersuchen ist die Wirkung nach innen. Sei es die Wirkung der kulturellen Inhalte oder sei es die Wirkung der Kultur der Rezipienten. Wir vergessen in der Diskussion um Kulturvermittlung sehr, dass wir es quasi nie mit Menschen zu tun haben, die keine Kultur haben oder kennen. Der Begriff “kulturaffin” ist deshalb auch mehr als problematisch, sagt er doch aus, es gäbe Menschen, die mehr mit Kultur zu tun hätten als andere. Aber das stimmt nicht. Kulturaffin meint letztlich nichts anderes als, dass diese Gruppe von Menschen einer bestimmten Kulturform näher stehen soll als eine andere Gruppe. Damit einher geht die Wertung von kulturellen Inhalten. Während meines Vortrages in Basel habe ich u.a. das Publikum gefragt, wer bereit wäre zu sagen, dass ein Computerspiel die gleiche kulturelle Wertigkeit habe wie eine Oper oder ein Theaterstück oder dass die hochgeladenen Fotos von Facebook-Mitgliedern die gleiche Wertigkeit haben können wie eine kuratierte Fotoausstellung. Nur eine äußerst kleine Zahl der Zuhörer war dazu bereit.

Es geht mir nicht um ein neues Dogma oder eine Revolution. Wie bei allen Kulturformen, sei es Malerei, Theater, Computerspiel, eBook etc. geht es um die Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Inhalt bzw. um Reflektion.

Für mich bedeutet Kulturvermittlung ein Dialog auf Augenhöhe. Und beide Parteien wissen nicht, was am Ende dieses Dialogs rauskommt. Es geht auch um Offenheit und Partizipation und es geht um gegenseitiges Lernen. Kulturinstitutionen können von den Menschen lernen – wenn sie Kulturvermittlung als Dialog auf Augenhöhe verstehen. Kommen wir aber zurück zu der Frage, warum wir uns mehr mit der Wirkung der Kultur der Rezpienten auf die Kulturinstitutionen beschäftigen sollten. Wann immer eine Institution einen neuen Weg geht, ist dies zugleich ein Versprechen. Wenn ich z.B. als Museum eine Seite auf Facebook betreibe, dann ist dies mehr als eine PR-Plattform. Ich bewege mich im Kulturkreis der Menschen die ich erreichen will. In der digitalen Welt, in der es um Kooperation, Transparenz, Offenheit und Interaktion geht, wird sehr genau hingesehen. Ist die Facebook-Seite nur ein Addon oder lebt die Institution diese neue Kultur wirklich? Ist sie auch in der realen Welt offen, interaktiv und kooperativ? Das Problem für Kulturinstitutionen entsteht dann, wenn die Menschen aufgrund der Aktivitäten der Institution in der digitalen Welt kommen und dann einen Ort vorfinden, der mit dem was kommuniziert wurde nichts zu tun hat. Gewiss, die Inhalte sind da, aber die Art der Kommunikation unterscheidet sich von dem was angekündigt wurde. Mich interessiert aber nicht nur das Werk, sondern auch der damit verbundene Service bzw. die damit verbundene Umwelt. Ich möchte damit auf keinen Fall behaupten, dass Kulturinstitutionen per se nicht offen, kooperativ, interaktiv etc. sind. Aber ich glaube, dass wir akzeptieren müssen, dass es auch eine Kultur der Institutionen gibt.

In meiner Vision sind Kulturinstitutionen Plattformen für einen Dialog auf Augenhöhe. Sie stehen für spannende kulturelle Inhalte und anerkennen zugleich die ebenso wertvollen kulturellen Inhalte der Menschen. In diesem Moment brauchen wir nicht mehr von Zielgruppen zu reden, denn ein Dialog auf Augenhöhe ist kein “Special” für ausgesuchte Gruppen. Es ist vielmehr die menschlichste Variante der Kommunikation. So kann die digitale Welt den Kulturinstitutionen und Kulturvermittlern als Beispiel und Inspiration für die Weiterentwicklung der Institutionen als Ganzes dienen.

Wir brauchen also eine neue Form der Kulturvermittlung. Der Kulturvermittler der Zukunft hilft beiden Seiten, die jeweils andere zu verstehen. Vielleicht sollten Kulturvermittler nicht von den Kulturinstitutionen bezahlt werden. Vielleicht sollte es für Kulturvermittler ein eigenes Budget geben, denn auf diese Weise könnten sie offen und frei auf beiden Seiten wirken.

Diese Fragestellung, also der Umgang mit den Menschen/Kunden/Nutzern etc. ist sowohl für Unternehmen als auch für Institutionen relevant. Der beste Kulturvermittler ist der, der zuerst zuhört und lernt…

Beste Grüße

Christoph Deeg

Vom Bloggen, Social-Media-Aktivitäten und dem Problem mit der Zeit

Liebe Leser,

ich sitze gerade in Stuttgart im Hotel. Morgen werde ich einen weiteren Social-Media-Workshop für ein Unternehmen durchführen. Bis Ende des Jahres werde ich Berlin nur am Wochenende sehen. Dieses Jahr verläuft wirklich beeindruckend. Ich verbringe mehr Tage im Hotel als in Berlin. Es ist ein großartiges Jahr – aber es klappt nicht alles was ich mir vorgenommen habe. Eigentlich wollte ich mindestens jeden zweiten Tag bloggen. Mein Blog ist die für mich wichtigste und spannendste Plattform. Die Anzahl der Entwürfe für Blogbeiträge steigt nahezu täglich an. Aber ich möchte nicht irgendetwas schreiben. Ein Blog ist nicht Facebook oder Twitter. Auch viele meiner Kunden nehmen die Arbeit mit einem Blog sehr ernst. Während man auf Facebook oder Twitter verhältnismäßig schnell kommunizieren kann, möchte man sehr oft, dass der Blog etwas besonderes ist. Und so erlebe ich immer wieder, dass dieser Anspruch bei vielen meiner Kunden zu einem Problem wird. Sehr oft hat hat man noch Schwierigkeiten mit der Nutzung der Software und dann soll es inhaltlich auch noch besonders sein. Es enstehen also mindestens zwei Hürden. Und viele Menschen, die sich erst langsam dem Thema Social-Media nähern, haben das Gefühl, keinen richtigen Zugang zu diesem Thema zu finden. Ihre “anderen” Aufgaben oder genauer gesagt das klassische Tagesgeschäft erfordern Ihre ganze Energie und Aufmerksamkeit.

Für mich ist es ein bisschen anders. Ich bin durch meine Arbeit jeden Tag mit dem Thema Social-Media verbunden. Selbst wenn ich nicht blogge, arbeite ich an den Blogs meiner Kunden mit. Selbst wenn ich nicht twittere erlebe ich Twitter beinahe jeden Tag hautnah. Jeder Kunde steht für eine andere individuelle Social-Media-Strategie und so ist jeder Kunde bzw. jeder Tag anders – aber immer voller Social-Media und/oder Gaming. Ich bin also immer im Bereich Social-Media aktiv – auch wenn Ihr es auf meinen eigenen Plattformen nicht merkt. Das soll keine Entschuldigung sein. Aber ich merke immer wieder, dass ich manchmal in meine Hotel komme und nicht mehr bloggen oder twittern möchte. In diesen Momenten ist mir eher nach einem guten analogen Gespräch bei einem guten Glas Wein – oder einem guten Computergame. Oder anders ausgedrückt: Ich blogge und twittere nicht nur für meine Community sondern auch für mich. Es macht mir Spass, ich möchte es nicht missen, aber ich möchte auch nicht aktiv sein, nur weil ich es scheinbar muss.

Unabhängig davon ist aber klar: Social-Media kostet Zeit. Wenn man mit Social-Media beginnt, kann dies kein freiwilliges Add-On sein. Es ist eine Aufgabe, die gleichberechtigt zu anderen Aufgaben angesehen werden sollte. Natürlich kann es passieren, dass man für die eine oder andere Aufgabe und für einen gewissen Zeitraum mehr oder weniger Ressourcen zur Verfügung stellt. Aber es bleibt eine gleichwertige Aufgabe. Für die meisten Institutionen und Unternehmen bedeutet dies entweder, dass man hierfür weitere Ressourcen zur Verfügung stellt oder sich von anderen Aktivitäten trennt.

An meiner Situation – über die ich mich nebenbei bemerkt sehr freue – wird sich in den nächsten Monaten nichts ändern. Im Gegenteil, es scheint als würde sich mein Leben in den kommenden Monaten nachhaltig ändern. In den nächsten Wochen werde ich einige neue Projekte vorstellen und ehrlich gesagt hatte ich schon lange nicht mehr so viel Spass – und soviel Arbeit – wie in den letzten 1,5 Jahren. Aber ich werde mich trotzdem bzw. gerade aus diesem Grund auch wieder mehr um meine Social-Media-Aktivitäten insbesondere meinen Blog kümmern. Das bedeutet auf der anderen Seite, dass ich mich von anderen Aufgaben trennen werde – auch darüber werde ich berichten.

Was mich aktuell interessiert ist die Frage, wie Ihr mit der manchmal mangelnden Zeit umgeht? Bloggt und twittert Ihr nur um etwas geschrieben zu haben? Und was macht Ihr, wenn für einen gewissen Zeitraum auf einem Eurer Lieblings-Blogs nichts mehr passiert? Fragt Ihr nach?

Bevor ich diesen Blogbeitrag beende, möchte ich mich noch bei Christian Henner-Fehr für die Nachfrage bezüglich meines Blogs bedanken:-)

Beste Grüße

Christoph Deeg

Digital-Analoge Räume – mein Hotel und mein mobiles zuhause…

Liebe Leser,

ich bin wieder unterwegs. Social-Media-Workshops mit 10 Institutionen an 10 Tagen. Man kommt viel rum. Ich sitze im Zug, höre Keith Jarret und denke über Räume nach. Es mag vielleicht komisch klingen aber Räume sind in der digitalen Welt sehr wichtig. Dabei geht es nicht nur um virtuelle Räume sondern vielmehr um reale Räume, die sich mit dem Digitalen verbinden.

In den letzten Monaten konnte ich beobachten, das sowohl die digitale Welt als auch soziale Räume an Bedeutung gewinnen. Viele Unternehmen erleben gerade, dass die digitale Welt Ihren Arbeitsraum verändert. Kulturinstitutionen wie Bibliotheken erleben gerade, wie Ihr greifbarer bzw. in der Bibliothek verortbarer Bestand an Bedeutung verliert, während die Bibliothek als Service in der digitalen Welt und als Raum in der realen Welt an Bedeutung gewinnt.

Es geht dabei nicht nur um Technologie sondern vielmehr um neue Formen des Denkens, Arbeitens und Erlebens. Und es geht glaube ich weniger um Design und vielmehr um ein individuelles Erlebnis.

In meiner Arbeit bin ich sehr viel unterwegs. Im Durchschnitt bin ca. 150 Nächte pro Jahr im Hotel. Ich lebe sozusagen in virtuell-analogen Räumen. Jedes Hotelzimmer ist nicht mein Zimmer. Es ist eine Vision, eine Idee und es geht darum, mir ein Gefühl von zuhause zu geben. Es klappt nicht immer und es bedeutet nicht Luxus oder Design. Es soll Musiker geben, die sich vertraglich zusichern lassen, dass sie auf einer Tournee in jedem Hotelzimmer auf dem Kopfkissen einen grünen Apfel finden. Es ist eine Art Fixpunkt. Wenn man wie ich sehr viel reist geht es längst nicht mehr um Luxus sondern vielmehr um ein Gefühl des Wieder-Erkennens.

Manche Gegenstände bzw. manche Dinge haben für uns eine besondere Bedeutung. Wir verbinden mit Ihnen ein bestimmtes Gefühl oder auch eine bestimmte Tätigkeit. Am auffallendsten ist für mich bei Bibliotheken zu beobachten. Viele Menschen gehen mit ihren iPads, Laptops oder eBook-Readern in die Bibliothek um dort zu arbeiten bzw. zu lernen. Sie nutzen den Bestand der Bibliothek nicht. Die Bibliothek ist also ein Lernort auch wenn der Bestand gar nicht genutzt wird. Ich selber gehe gerne ins Museum. Manchmal interessieren mich die dort ausgestellten Werke gar nicht. Es ist vielmehr der Raum, der mich reizt. Natürlich gehören die ausgestellten Werke mit dazu, aber ich beschäftige mich nicht mit Ihnen.

Ich lese sehr gerne. Ehrlich gesagt kann ich nicht gut einschlafen, wenn ich vorher nicht ein paar Zeilen lesen konnte. Ich lese keine gedruckten Bücher. Ich nutze meinen Kindle-Reader. Seitdem ich dieses Gerät habe lese ich nicht nur mehr, ich gebe auch mehr Geld für Bücher aus. Für mich persönlich ist der eBook-Reader eine echte Bereicherung. Und trotzdem möchte ich nicht auf die Bücher in meinem Arbeitszimmer verzichten. Ich rühre sie nicht an aber sie verschwinden auch nicht in einem Karton im Keller. Dabei habe ich diese Bücher nahezu alle zusätzlich als eBook erworben.

Wie gesagt bin ich sehr viel unterwegs. Und neulich kam mir eine Idee. Wie wäre es wenn es Hotelzimmer gäbe, bei denen eine Wand ein riesiger Bildschirm wäre, auf dem ein Bücherregal dargestellt würde? Die Bücher in diesem Regal wären die Bücher, welche ich auf meinem Kindle habe. Ich weiß, dass es solche Wände gibt. Es wäre also technisch umsetzbar. Diese Wand wäre also der grüne Apfel, der Fixpunkt.

Es gibt tausende von Menschen, die wie ich sehr viel unterwegs sind. Und auch wenn dies kein neues Phänomen ist, gibt es z.B. von Kultur- und Bildungsinstitutionen so gut wie keine interessanten Angebote. Es gibt weder einen für alle Bibliotheken in Deutschland gültigen Bibliotheksausweis noch spezielle Angebote von Museen oder Opern. Es sind vielmehr Technologie- und Content-Anbieter die für die kulturelle Versorgung von viel reisenden Menschen sorgen.

Ich bin gespannt, was eher realisiert wird: das virtuelle Bücherregal oder der globale Bibliotheksausweis…

Beste Grüße

Christoph Deeg

Digitale Demenz und digitale Kultur

Liebe Leser,

sind wir in der Gefahr an digitaler Demenz zu erkranken? Macht die digitale Welt  dumm und süchtig? Sollten wir zurück in die vordigitale Ära wandern?

Es ist uns ein Buch erschienen. Lesen soll ja bekanntlich bilden. Manfred Spitzer ist der Autor des Buches “Digitale Demenz “und er ist der festen Überzeugung, dass die digitale Welt unser Untergang ist.

Nun gibt es viele Menschen die Angst vor der digitalen Welt haben. Für sie ist die digitale Welt gefährlich, unberechenbar und unmenschlich. Ihnen spricht Manfred Spitzer sicherlich aus der Seele.

Ich könnte jetzt seitenweise darüber schreiben, warum Herr Spitzer keine Ahnung von der digitalen Welt hat und warum es gut ist, sich die digitale Welt zu erschließen. Aber ich möchte einen anderen Autor zu Wort kommen lassen:

Allen Interessierten möchte ich das Buch “Neue Intelligenz – warum Computerspiele und TV uns klüger machen“ von Steven Johnson empfehlen.

Zudem habe ich heute noch ein Interview zum Thema gegeben, bei dem ich u.a. erkläre warum Manfred Spitzer falsch liegt und warum wir digitale Medien noch mehr in Schulen, Bibliotheken, etc. nutzen sollten.

Ich bin auf Eure Gedanken zum Thema gespannt…

Euer

Christoph Deeg

Kulturinstitutionen: Social-Media zur Kultur oder Kultur zu Social-Media?

Liebe Leser,

warum sollen wir eigentlich im Bereich Social-Media aktiv sein? Diese Frage stellen sich viele Unternehmen und Institutionen. Eine der Antworten auf diese Frage ist, dass man durch die Arbeit im Social-Web neue Zielgruppen erreichen kann. Und natürlich ist diese Antwort nicht total falsch. Social-Media steht für neue Kommunikationsformen und damit verbunden für neue Möglichkeiten der Vernetzung von Personen und/oder Inhalten. Wir können auf den verschiedenen Plattformen Menschen erreichen, die wir sonst über die klassischen Medienkanäle nicht erreichen würden. Wir können neue Services entwickeln und einen Dialog auf Augenhöhe über Produkte, kulturelle und gesellschaftliche Inhalte und Services beginnen.

Im Kultur- und Bildungssektor sowie in der freien Wirtschaft beginnt so langsam die Social-Media-Revolution. Waren es vor ein paar Jahren noch vereinzelte Institutionen und Unternehmen, die die digitale Welt gestalten wollten, ist die Bedeutung von Social-Media in der Breite zumindest verstanden worden. Es liegt noch immer ein sehr weiter Weg vor uns und natürlich bedeutet der Start eines Blogs, einer Facebook-Seite oder eines Twitter-Accounts noch nicht, dass man im Social-Web angekommen ist – die Reise beginnt jetzt erst. Aber es scheint, als würde das Thema (endlich) Fahrt aufnehmen.

Bleibt die Frage nach dem warum? In vielen Fällen geht man davon aus, Social-Media machen zu müssen. Schließlich seien dort die vermeindlich neuen Kundengruppen, schließlich müsse man mit der Zeit gehen, schließlich gibt es ja jetzt auch Geld dafür, schließlich will man ja vor allem die junge Zielgruppe erreichen. Schließlich, schließlich, schließlich.

Alle diese Argumente sind nachvollziehbar, sie greifen aber zu kurz. Es geht nicht darum, Social-Media zu nutzen weil man es muss, sondern weil man es will. Es geht darum, im Social-Web aktiv zu sein, weil man die damit verbundenen Möglichkeiten der Interaktion, der Offenheit, der Innovation, des Ausprobierens, des Dialogs auf Augenhöhe etc. für wichtig erachtet. Der Grund dafür ist einfach: Im Social-Web wird man selber aktiv sein. Man kann diese Aufgabe nicht einer externen Firma übertragen. Es geht nicht um Werbung und klassische Sender-Empfänger-Modelle. Es geht nicht um Werbeanzeigen die letztlich nichts anderes als faule Fire-and-Forgett-Systeme sind. Sicher, man kann eine Agentur beauftragen eine Social-Media-Kampagne zu beauftragen. Man kann sogar das Social-Media-Monitoring outsourcen. Aber am Schluss wird man es selbst machen müssen. Dies ist der Grund, warum ich für meine Kunden keine Accounts betreibe. Ich kann nicht im Namen eines Anderen im Social-Web nachhaltig aktiv sein. Einen Dialog auf Augenhöhe kann ich nicht mit einer dritten Person führen. Und die Community merkt früher oder später wer da spricht.

Social-Media bedeutet auch, ich brauche dafür Ressourcen. Ich brauche Personalressourcen um die Social-Media-Aktivitäten umzusetzen. Ich brauche finanzielle Ressourcen, um z.B. externe Berater und Trainer einzukaufen und kostenpflichtige Tools z.B. für das Social-Media-Monitoring zu bezahlen. Ich benötige die technischen Ressourcen wie z.B. Computer mit freiem Internetzugang, evtl. ein Samrtphone um mobil kommunizieren zu können etc. Social-Media kostet Ressourcen und es ist und war nie kostenlos zu bekommen. Zudem ist ein halbherziger Social-Media-Auftritt u.U. eher schädigend. Damit man mich nicht falsch versteht, man muss kein riesiges Feuerwerk abfeuern. Es geht vielmehr darum, mit dem vorhandenen Ressourcen das Maximum aus den Social-Media-Aktivitäten rauszuholen.

Wenn man also im Bereich Social-Media aktiv und erfolgreich sein möchte, muss man Social-Media wirklich wollen. Meine Kunden frage ich deshalb immer am Anfang eines Projektes:”Müssen Sie Social-Media oder wollen Sie es?”

Bleibt die Frage für wen mache ich Social-Media? Zumeist wird Social-Media für die Menschen gemacht, die in der digitalen Welt “leben”. Es geht um die sog. Digital Natives, eine Definition die putzig klingt aber letztlich nicht viel bringt. Natürlich klingt der Gedanke verlockend, einige hundertausend Menschen auf einer Plattform wie Facebook erreichen zu können. Also versucht man Social-Media zu nutzen um mit den Menschen, die in der digitalen Welt aktiv sind, und die in der Regel für jung und medienkompetent gehalten werden, zu kommunizieren. Aber ist das die digitale Realität? Wie reagieren wir auf die Tatsache, dass in Deutschland gerade mal 15% der Schüler täglich im Unterricht einen Computer nutzen dürfen? Was machen wir mit den Menschen, die noch nicht in der digitalen Welt angekommen sind? Wird man also Kunde 2.0 erst dann, wenn man einen Facebook-Account hat? Ist man erst dann interessant und muss man ansonsten mit den klassischen Holzmedien vorlieb nehmen?

Kommen wir zurück zu der Frage ob man Social-Media muss oder will. Wenn ich Social-Media will, dann möchte ich, dass soviele Menschen wie möglich in den Genuss der Möglichkeiten kommen, die sich aus der digitalen Welt ergeben. Und dann geht es um die Frage, wie bringe ich die Menschen in die digitale Welt, damit wir dort gemeinsam die digitale Welt gestalten können?

In den letzten Wochen habe ich einige spannende Social-Media-Projekte aus dem Kulturbereich kennengelernt. Besonders spannend fand ich die Idee der kulturellen Tweetups. Hierbei werden interessierte Twitter-Nutzer z.B. in ein Museum eingeladen und können dort an einer speziellen Führung teilnehmen. Das besondere daran ist, dass man direkt während des Museumsbesuchs twittert, d.h. man lässt die Community direkt an der Veranstaltung teilhaben. Erfunden wurde dies nach meinem Wissen von Christian Gries und seinem Team in München. Ulrike Schmid und Tanja Neumann veranstalten seit ein paar Wochen ähnliche Veranstaltungen in Frankfurt/Main. Social-Media wird hier benutzt, um neue Zielgruppen in das Museum zu bekommen. Gleichzeitig werden durch die Twitteraktivitäten der Teilnehmer eine Vielzahl an Menschen erreicht. Schließlich lässt jeder Teilnehmer seine Follower teilhaben. Zudem besteht die Möglichkeit virtuell via Twitter dabei zu sein. Man kann Fragen an die Teilnehmer stellen und sich über die kulturellen Inhalte austauschen. Ich finde diese Idee richtig gut und hoffe, dass es in naher Zukunft noch weitere solcher Ideen und Projekte geben wird.

Trotzdem fehlt mir ein wichtiger Gedanke. Im vorliegenden Fall geht es darum, mittels Social-Media-Tools Menschen für kukturelle Inhalte zu begeistern. Warum aber machen wir es mal nicht umgekehrt? Warum nutzen wir nicht kulturelle Inhalte, um Menschen für die Welt von Social-Media zu begeistern? Wenn wir als Institutionen oder Unternehmen Social-Media wollen, dann sollten wir hier der Gatekeeper sein. Wieviele Kulturinstitutionen werden von Menschen besucht, die die jeweiligen kulturellen Inhalte schätzen aber keinen Zugang zur digitalen Welt gefunden haben? Wieviele Unternehmen haben Kunden, die dem Unternehmen, seinen Produkten und Services vertrauen und gleichzeitig nie einen Einstieg in die Welt von Social-Media und Co. gefunden haben? Wieviele Menschen sind vielleicht schon im Netz aktiv oder besitzen ein Smartphone ohne die damit verbundenen Möglichkeiten verstanden zu haben?

Wenn wir die digitale Welt ernst nehmen, wenn wir sie gestalten möchten, wenn wir dort erfolgreich sein möchten, wenn wir neue Formen einer Kundenbeziehung aufbauen wollen, dann müssen wir auch damit beginnen, die Menschen mitzunehmen. Nun mag man sagen, dass das nicht die Aufgabe eines Unternehmens oder einer Institution sei. Aber ist das so? Ich glaube nicht. Denn es wird am Ende einen Return of Investment geben. Je größer meine Community ist desto mehr kann ich von ihr lernen, desto mehr Menschen kann ich erreichen. Je interessierter die Menschen in meiner Community sind und je interdisziplinärer deren Background ist, desto mehr Zielgruppen kann ich für mein Produkt oder meine kukturellen Inhalte begeistern. Je mehr Menschen ich über meine Social-Media-Kanäle erreiche, desto weniger muss ich für klassische Werbung ausgeben. Je mehr mir meine Community vertraut – und sie wird mir vor allem dann vertrauen, wenn ich derjenige war, der ihr die digitale Welt nähergebracht hat – desto mehr wird sie auch meinen anderen Aussagen Glauben schenken. Je offener und aktiver meine Community ist desto schneller kann ich auf Ihre Wünsche eingehen und die Qualität meiner Services steigern.

Was bedeutet das konkret?

Ich wünsche mir noch ganz viele Tweetups, am besten mit der Option, vor Ort ein Smartphone oder ein iPad/Android-Pad ausleihen und die Nutzung von Twitter lernen zu können. Jeder Teilnehmer, der auf diese Art und Weise Twitter erlernt sollte bei der nächsten Teilnahme einen freien Eintritt bekommen. Wie wäre es, wenn es das Ziel gibt, mittels Tweetups in ganz Deutschland innerhalb der nächsten 12 Monate 1000 neue und aktive Twitter-Accounts zu schaffen? Wie wäre es, wenn die Teilnehmer, die schon Twitterprofis sind, einen Tweetup-Newbee adoptieren und ihm helfen? Das könnte auch und vor allem die Vernetzung in der analogen Welt verstärken…

Die digitale Welt ist eine Welt voller Optionen. Wenn wir diese Optionen nutzen wollen lohnt es sich darüber nachzudenken, ob man nicht versucht, mehr Menschen für die vielfachen Möglichkeiten zu begeistern – es lohnt sich…

Beste Grüße

Christoph Deeg

Umgang mit kulturellen Lebensrealitäten: Wir sind (fast) alle Gamer

Liebe Leser,

ich gehöre zu den Menschen, für die Gaming Teil ihrer kulturellen Lebensrealität ist. Für mich hat ein gutes Computerspiel die gleiche kulturelle Wertigkeit wie eine Opernaufführung oder ein Salsakonzert. Nun glauben sehr viele Menschen immer noch, Gaming wäre etwas für ein paar Jugendliche mit zu viel Zeit. Das folgende Foto beweist das Gegenteil:

Es handelt sich dabei um das Fussball-Magazin “11Freunde” Es nennt sich Magazin für Fussballkultur und ich bin seit Jahren ein großer Fan. Das aktuelle Cover hat ein sehr eigenes Design. Es ist an das Spiel Grand Theft Auto 4 kurz GTA4 angelehnt. Für diejenigen, die sich mit Games auskennen ist das eine tolle Sache – für diejenigen die das Spiel nicht kennen ist immerhin noch eine spannende Grafik zu sehen, welche sich von der anderen Covern des Magazins abhebt.

Bleibt die Frage, was daran so besonders sein soll?

Ein Magazin wie 11Freunde hat eine Zielgruppe die sich nicht primär aus Jugendlichen rekrutiert. Wenn wir uns die Mediadaten des Magazins ansehen können wir erkennen, dass 72% der Leser zwischen 20 und 49 Jahre alt sind. 43% der Leser sind zwischen 30 und 49 Jahre alt. Das hört sich nicht nach dem klassischen Gamer-Publikum an oder? Doch! Denn Gaming ist kein Thema für ein paar Jugendliche, es ist ein Kulturgut für alle Menschen. Auf der letzten Gamescom wurde u.a. der 25 Geburtstag von Prinzessin Zelda gefeiert. Man hatte extra eine große Wand aufgestellt auf der man kleine Glückwunschkarten ausfüllen und anpinnen konnte:

Un dort standen dann erwachsene Menschen mit ihren Kindern. Sie hatten mit 10 oder 15 Jahren angefangen Zelda zu spielen und nun standen Sie da mit der nächsten Gamer-Generation. Ein Magazin wie 11Freunde hat verstanden, dass es eine große Zahl an Menschen gibt, die eine eigene Gamervergangenheit haben oder aber heute noch spielen. Eine Studie des Branchenverbandes Bitkom hat dies im Jahr 2010 ebenfalls nachgewiesen. Computergames sind ein kulturelles Massenphänomen. Ihre Symboliken sind Millionen von Menschen vertraut. Das bedeutet, dass die Modelle, die Kultur, die Denk- und Arbeitsweisen der Computerspiele einer großen Bevölkerungsgruppe ebenfalls vertraut sind. Es geht also nicht nur darum, mit Bildern oder Klängen aus Computerspielen zu arbeiten. Es lohnt sich auch die damit verbundenen Denk- und Arbeitsweisen zu analysieren. Wenn wir diese verstehen, können wir in einem nächsten Schritt versuchen, die Erkenntnisse in andere Bereiche zu adaptieren. Das erscheint sinnvoll, da wir hier defacto gezeigt bekommen, was Menschen Spass macht. Und dieser Spass, bzw. die Motivation sorgen dafür, dass hier hoch komplexe Inhalte erschlossen, kommuniziert und weiter entwickelt werden. Jedes Unternehmen, jeder Institution, die nach neuen Wegen sucht, Inhalte zu vermitteln, sollte von den Games lernen. Begriffe wie z.B. Gamification sind da nur ein erster Anfang…

Beste Grüße

Christoph

PS: Die 11Freunde hat dem gleichen Heft einen etwas anderen Bundesliga-Spielplan beigefügt:

Facebook, Zynga und der Untergang von Social-Media

Liebe Leser,

in den letzten 48 Stunden ist wieder einiges passiert. In den Wirtschaftsnachrichten konnte man es lesen: Zynga und Facebook machen Verluste, die Aktienkurse beider Unternehmen gehen in den Keller. Schon prophezeien einige Menschen den Untergang des digitalen Abendlandes. Ich bin über die Reaktionen ein bisschen verwundert und möchte ein paar Gedanken dazu formulieren:

Zuerst muss man zugeben, ja, es gibt Verluste bei den beiden Unternehmen und nicht nur dort. Und ja, die Aktienkurse dieser Unternehmen sind unter Druck geraten. Facebook machte im abgelaufenen Quartal einen Verlust von 157 Mio. Dollar bzw. 8 Cent je Aktie. Zwar konnte man den Umsatz um 32% steigern, dies reicht den Analysten aber nicht ansatzweise. Und auch Zynga hat Schwierigkeiten. Im letzten Quartal waren es 23 Millionen Dollar Verlust. Soweit zu den Zahlen. Nun zur Frage ob dies den Untergang der Social-Media-Welt bedeutet? In den letzten Stunden wurde ich gleich 2x darauf angesprochen. Es hieß, der Hype um Social-Media und Gaming wäre ja wohl jetzt vorbei. Diejenigen Unternehmen und Institutionen, die sich bis jetzt in diesen Bereichen zurückhielten hätten sehr weise gehandelt.

In der Regel werden solche Aussagen von Menschen getroffen, die selbst zu der Gruppe der passiven Kritiker gehören, d.h. sie sind gegen Social-Media, sehen in allen diesen Plattformen vor allem Gefahren und sind stolz darauf, bis jetzt darauf verzichtet zu haben. Es ist in solchen Fällen schwer zu diskutieren, trotzdem möchte ich ein paar wichtige Punkte ansprechen:

Es geht im Social-Web nicht um Plattformen, sondern um Menschen. Natürlich fokussieren sich Investoren auf Geschäftszahlen, aber in denen spiegelt sich nur der Erfolg oder Misserfolg eines Geschäftsmodells wieder. Wir bewegen uns auf diesen Plattformen, weil Sie uns eine Vielzahl an Möglichkeiten der Vernetzung, der Kommunikation, des Erschließens und Teilens von Inhalten und natürlich jede Menge Spass bieten.

Erinnert sich noch jemand an AOL oder StudiVZ? Waren wir nicht mal alle bei Myspace aktiv? Alle diese Plattformen haben an Bedeutung verloren oder sind ganz verschwunden – und niemand vermisst sie. Die Menschen wandern weiter. Heute Facebook, morgen vielleicht die ultimative Social-Media-Gaming-Barbecue-Community-Plattform. Wir wissen es nicht.

Warum glaubt man eigentlich, dass Social-Media und Gaming ein Hype seien? Schon beim Platzen der berühmten Dotcom-Blase konnte man beobachten, dass zwar sehr viele Unternehmen verschwanden – die letztlich nur existierten, weil gierige Geldgeber astronomische Gewinne erwarteten – aber die Anzahl der Internetnutzer kontinuierlich wuchs. Es war völlig egal ob da ein paar Unternehmen mehr oder weniger unterwegs waren. Die Menschen waren weiterhin aktiv und fuhren fort ihre digitale Welt zu gestalten. Gleiches gilt für das Thema Gaming.

Vor ein paar Wochen mussten wir alle den Niedergang der Drogeriekette “Schlecker” miterleben. Kommt irgendjemand auf die Idee, Drogerieketten wären out? Lassen wir unsere Autos stehen, wenn ein Automobilhersteller Verluste einfährt und steigen aufs Fahrrad um? Was nebenbei bemerkt unsere Umwelt helfen würde:-) Nein, natürlich nicht! Es ist uns egal. Wir wollen ein Auto, wir wollen Duschgel und Cremes und wenn es einen Anbieter nicht mehr gibt suchen wir uns den nächsten.

Besonders spannend: wenn man auf Tagungen und Kongressen im Rahmen eines Vortrages auf die wirtschaftliche Bedeutung von Social-Media und Gaming hinweist, wird immer wieder darauf verwiesen, dass dieses Zahlen doch keine Argumentationsgrundlage für eigene Aktivitäten auf den Plattformen seien. Schließlich würde man sich ja auch nicht einen Grill kaufen und Barbecues veranstalten, nur weil Millionen von Menschen gegrilltes mögen. Wenn aber die Quartalszahlen nicht stimmen, wird dieses Argument gerne benutzt um aufzuzeigen, dass das Thema doch gar nicht mehr wichtig wäre.

Das Web ist menschlich. Es wird von Menschen gestaltet. Facebook ist keine Community. Es ist eine Plattform mit Millionen an kleinen Communitys, die zumeist keinen Kontakt zueinander haben. Allein die Sprachbarriere erschwert eine wirkliche globale Vernetzung. Social-Media ist keine Technologie, es ist eine neue Kultur, eine neue Art zu Denken und zu Arbeiten. Diese Kultur befindet sich immer noch in der Entwicklungsphase. Wir erleben, wie neue Plattformen entstehen und andere verschwinden. An der Kultur des Web wird sich nichts ändern.

Wenn also demnächst mal wieder positive oder negative Quartalszahlen von Unternehmen aus der Social-Media- bzw. der Gaming-Welt veröffentlicht werden, können wir uns entspannt zurücklehnen und einfach weitermachen….

Beste Grüße

Christoph Deeg

Drei Gründe warum Kultur- und Bildungsinstitutionen in der digitalen Welt aktiv sein sollten

Liebe Leser,

in meinen Workshops, Beratungsgesprächen und Vorträgen werde ich immer wieder mit einer Frage konfrontiert:”Warum sollen wir eigentlich Social-Media machen?” Die Frage ist mehr als berechtigt. Einer der größten Fehler im Bereich Social-Media ist der, in diesem Feld aktiv zu sein ohne zu wissen warum. Aber natürlich geht es auch um die Frage, ob es sich überhaupt lohnt. Denn eines ist klar: Social-Media ist nicht kostenlos. Die Nutzung der meisten Plattformen mag unentgeltlich möglich sein. Aber natürlich entstehen Kosten für Personal, Hardware, Software etc. Wenn man also im Web aktiv ist soll es auch etwas bringen. Ich möchte in diesem Beitrag auf die Frage nach dem Warum eingehen und drei Gründe nennen, warum Kultur- und Bildungsinstitutionen im Social Web aktiv sein sollten:

1. PR und Öffentlichkeitsarbeit
Natürlich ist dies ein Grund im Social Web aktiv zu sein. Man kann durch Social-Media-Aktivitäten sehr viele Menschen erreichen – wenn man es denn richtig macht:-) Sehr oft werden Blogs oder Facebookseiten als Plakatwände missbraucht. Dabei sollte jedem klar sein, das das Social Web kein Platz für Presseerklärungen ist. Das Social Web ist der Ort für einen Dialog auf Augenhöhe. Und das kann bedeuten, dass man mit Kritik an den eigenen Aktivitäten konfrontiert wird. Und das ist gut so. Denn diese Kritik wird so oder so geäußert – jetzt bekommt man es mit und kann reagieren. Leider ist es so, dass sehr viele Institutionen das Web ausschließlich zur Öffentlichkeitsarbeit nutzen. Sehr oft ist es eine originäre Aufgabe des Verantwortlichen für die Öffentlichkeitsarbeit – bzw. für den Azubi oder den Praktikannten. Schließlich sind die ja Digital Natives und müssen das wissen:-) Woher das Wissen der Digital Natives kommen soll, wenn die meisten Schulen in Deutschland noch in der Kreidezeit leben ist mir schleierhaft aber Hauptsache wir sind im Social Web dabei…

2. Neue Services
PR und Öffentlichkeitsarbeit können aber nicht der einzige Grund sein. Im Gegenteil, ich behaupte, dass sie nur 30% der Social-Media-Aktivitäten einer Kultur- und Bildungsinstitution ausmachen sollten. Ein ebenso bedeutendes Thema ist die Entwicklung und Realisierung von Services, die entweder im Social Web stattfinden oder aber damit verbunden sind. PR und Öffentlichkeitsarbeit versucht sehr oft in der Welt des Social Web auf etwas aufmerksam zu machen, was außerhalb des Web stattfindet. Die digitale Welt bietet aber völlig neue Nutzungsmöglichkeiten. Es geht z.B. um neue Formen der Kultur- und Wissensvermittlung. Das bedeutet, das wir nun völlig neue Services brauchen. Eine Institution, die dies versteht und zugleich umsetzen kann, wird sich ganz anders im netz positionieren können als jemand, der “nur” PR und Öffentlichkeitsarbeit macht.

3. Verantwortung für die digitale Welt
Viele Leser mögen bei den beiden ersten gründen noch ohne weiteres zustimmen können. Ich möchte aber nun auf einen Punkt zu sprechen kommen, der m.E. kaum bzw. gar nicht diskutiert: die Verantwortung für den digitalen Raum. In vielen Publikationen und Erklärungen heißt es immer wieder, Kultur- und Bildungsinstitutionen gestalten unsere Gesellschaft. Wenn dieser Gestaltungsprozess wirklich eine Aufgabe der Institutionen ist, und wenn wir des weiteren akzeptieren, dass die digitale Welt zur Lebensrealität von Millionen von Menschen gehört und damit ebenso Teil unserer Gesellschaft ist, dann haben die Kultur- und Bildungsinstitutionen auch eine Verantwortung für die Gestaltung der digitalen Welt. Dann geht es nicht mehr um die Frage, wie viele zusätzliche Kunden/Nutzer/Besucher man durch die Social-Media-Aktivitäten generieren kann. Dann geht es vielmehr um das Verständnis, das der digitale Raum die natürliche Erweiterung einer jeden Kultur- und Bildungsinstitution ist. Bleibt die Frage, seht Ihr noch weitere Gründe, warum Kultur- und Bildungsinstitutionen die digitale Welt aktiv gestalten sollten?

Beste Grüße

Christoph Deeg