Archiv der Kategorie: Bildung

Vortrag zum Thema “Gaming in Bibliotheken”

Liebe Leser,

vor ein paar Tagen habe ich auf dem Berliner Bibliothekswissenschaftlichen Kolloquium über das Thema “Gaming in Bibliotheken” gesprochen. Dabei ging es nicht nur um die Nutzung von Games in öffentlichen sondern auch un wissenschaftlichen Bibliotheken. Die Grundgedanken sind bei beiden Bibliotheksformen gleich, jedoch ist die konkrete Umsetzung unterschiedlich.

Was mir an diesem Tag mal wieder aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass schon wieder keine Grundsatzdiskussionen gab. Die Zeiten, in denen Gaming in Bibliotheken quasi ein Kulturbruch war, sind nun endgültig vorbei. Es geht nicht mehr um das ob sondern nur noch um das wie:-)

Mein Vortrag war als Einstieg gedacht – es gibt natürlich noch mehr Vorträge, Workshops etc. von mir – in Kürze werdet Ihr eine Liste dazu auf meinem Blog finden können.

Nun aber viel Spass mit dem Video – ich freue mich auf Euer Feedback…

Beste Grüße

Christoph Deeg

Willkommen bei der Social-Media-Academy-Berlin…

Liebe Leser,

ich hoffe Ihr seid alle gut ins Jahr 2014 gekommen? Seit meinem letzten Blogbeitrag ist mal wieder etwas Zeit vergangen. Ich war im Herbst/Winter 2013 18 Wochen am Stück unterwegs und habe Institutionen und Unternehmen auf ihrem Weg in die digitale Welt beraten und begleitet. Nun steht ein neues Jahr an und es sieht so aus, als würde dieses Jahr das Jahr der großen Veränderungen für mich werden. Es stehen unglaublich spannende Projekte an und wenn alles gut läuft, werde ich am Ende des Jahres auf ein paar ziemlich große Dinge zurückblicken können.

Das vielleicht größte Projekt ist die Social-Media-Academy-Berlin. Mit diesem Projekt verwirkliche ich einen meiner Träume. Seitdem ich im Bereich „Digitale Welten“ unterwegs ´bin, habe ich mit dem Gedanken gespielt, eine eigene Academy aufzubauen. Dabei ging es mir weniger darum, einfach eine weitere Ausbildungseinrichtung im Bereich Social-Media zu starten. Es gibt schon heute viele Möglichkeiten, sich in diesem Bereich weiter zu bilden. Aber es gab und gibt ein paar Punkte bzw. Inhalte, die mir bei den meisten dieser Einrichtungen fehlen. In vielen Fällen geht es beim Thema Social-Media um eine Aufgabe der PR-Abteilung oder des Marketing. Ich glaube aber, dass dieser Ansatz nicht ausreicht. Social-Media ist mehr als nur ein weiteres Kommunikationstool. Social-Media steht weniger für Plattformen und Technologien als vielmehr für eine neue Kultur bzw. neue Formen zu Arbeiten und zu Denken. Diese neuen Denk- und Arbeitsweisen haben einen tiefgreifenden Einfluss auch auf die analoge Welt. Möchte ein Unternehmen oder eine  Institution in diesem Bereich erfolgreich sein, geht es letztlich um die Frage, ob man mit dieser „Social-Media-Kultur“ als Ganzes kompatibel ist oder nicht.

Wenn man diese Zusammenhänge akzeptiert dann ist Social-Media keine Aufgabe einer oder mehrerer Abteilungen sondern eine Querschnittsfunktion des Unternehmens bzw. des Managements. Darüber hinaus ist Social-Media letztlich für jede Abteilung eines Unternehmens potentiell relevant. Dies betrifft also nicht nur Marketing und PR sondern ebenso Sales, HR, Entwicklung, Interne Revision etc. Zudem geht es um die interne und die externe Nutzung von Social-Media.

Wenn Social-Media eine Querschnittsfunktion eines Unternehmens ist, dann wird dieses Thema das Unternehmen verändern. Dieser Veränderungsprozess mag sehr unterschiedlich verlaufen aber stattfinden wird er auf jeden Fall. Wenn ein Unternehmen oder eine Institution Social-Media erfolgreich nutzen möchte, dann müssen diejenigen Mitarbeiter, die mit dieser Aufgabe primär vertraut werden, nicht nur auf die externe Nutzung als Kommunikationswerkzeug sondern ebenso auf den damit verbundenen Veränderungsprozess vorbereitet werden. Und genau dies möchten wir mit der Social-Media-Academy-Berlin erreichen.

Das Angebot der Academy umfasst in einem ersten Schritt vier Bereiche:

-          Die Ausbildung zum Social-Media-Koordinator

-          Die Ausbildung zum Social-Media-Manager

-          Workshops für Führungskräfte

-          Social-Media-Consulting

Alle Veranstaltungen sind Präsenzveranstaltungen, welche in Berlin durchgeführt werden. Wir starten am 01. April mit den ersten Kursen. Man kann die Academy auch auf Facebook, Twitter und Youtube finden.

Ich bin sehr gespannt wie sich die Academy entwickeln wird. Es liegt auf jeden Fall ein spannender Weg vor mir und ich werde im Laufe dieses Jahres immer wieder über den aktuellen Stand berichten…

 

Beste Grüße

 

 

Christoph Deeg

Das mobile Gaming-Labor für Bibliotheken, Museen und Archive auf Tour

Liebe Leser,

wie Ihr alle wisst bin ich nicht nur im Bereich Social-Media aktiv. Natürlich ist Social-Media ein wichtiges Thema und es macht mir großen Spass, Unternehmen, Bibliotheken und weitere Kultur- und Bildungseinrichtungen bei diesem Thema zu beraten und zu begleiten. Neben dem Thema Social-Media beschäftige ich mich ebenso mit dem Thema Gaming. Das Thema Gaming ist in manchen Punkten sogar noch spannender und wichtiger für Unternehmen und Institutionen, weil die Nutzungsmöglichkeiten noch vielfältiger sind. In den Bereichen Kultur- und Wissensvermittlung ermöglicht Gaming völlig neue Wege. Dabei geht es nicht nur darum, Games anzubieten oder gar selber zu produzieren. Bibliotheken können z.B. Gaming als Inhalt für neue Services und Veranstaltungskonzepte wie z.B. “Bibcraft” nutzen. Auf diese Art und Weise lassen sich völlig neue Kundengruppen erreichen – wenn man als Bibliothek nicht den Fehler macht, Games nutzen zu wollen, um auf diesem Wege die Kunden zum Lesen von Büchern zu begeistern:-)

20131020_185821Gaming macht großen Spass. Aber Gaming ist nicht nur ein spaßiger Zeitvertreib. Gaming ist Lernen! Gaming ist Leseförderung! Gaming kann helfen, Unternehmen und Institutionen als Ganzes besser zu machen. Und Gaming ist kein Jugendthema – es gibt mehr weibliche Gamer über 55 als männliche Gamer im Teenager-Alter! Das Durchschnittsalter von Gamern beträgt 32 Jahre! Gaming ist für viele Menschen der erste Kontakt zu modernen Kommunikations- und Medientechnologien und Gaming ist ebenso ein Gradmesser für den Zustand einer digital-analogen Gesellschaft. Gaming wird sowohl die Welt der Bibliotheken, Museen und Archive als auch die Lebensrealität der Unternehmen ändern. Es mag Organisationen geben, bei denen der Impact nur gering ist. Wir werden aber ebenso erleben, dass das Thema Gaming Organisationen von Grund auf ändert.

Nun mag das alles ganz spannend klingen. Aber wie geht man nun mit dieser Situation um? Wie kann man Mitarbeiter, Führungskräfte, Träger etc. für das Thema begeistern? Was können Bibliotheken mit dem Thema Gaming anfangen – wenn wir wissen, dass es in der Zukunft weniger ein Bestandsthema ist? Wie könnte eine Gaming-Strategie aussehen? Und wie wird diese dann Teil der digitalen Gesamtstrategie? Was müssen Bibliotheken, Museen und Archive sowie Unternehmen jetzt tun, damit sie erfolgreich mit dem Thema Gaming umgehen können?

Ich möchte das Thema Gaming als elementaren Bestandteil in der Arbeit von Bibliotheken, Museen und Archiven sowie Unternehmen verankern. Aus diesem Grund habe ich das “mobile Gaming-Labor” aufgebaut. Es handelt sich dabei um eine Reihe von Workshops, vom Anfänger bis zum Fortgeschrittenen, die es den Institutionen und Unternehmen ermöglichen sollen, aktiv und umfassend im Bereich Gaming aktiv zu sein. Es gibt zum jetzigen Zeitpunkt drei verschiedene Workshops:

1. Einführungsworkshop zum Thema Gaming in Bibliotheken, Museen und Archiven:

20131021_142512In diesem Workshop bekommen die Teilnehmer einen ersten Einblick in die Welt des Gamings. Sie erfahren, was Gaming eigentlich bedeutet und was ihre Institution damit machen kann – und was nicht. Der Workshop besteht aus einem theoretischen und einem praktischen Teil. Nachdem ich im Rahmen eines Vortrages mit anschließender Diskussion einen Einblick in das Thema inkl. Nutzungsmöglichkeiten z.B. für eine Bibliothek gegeben habe, werden die Teilnehmer im praktischen Teil selbst aktiv, d.h. sie probieren selber verschiedene Spiele und Hardware aus. Hierfür bringe ich verschiedene voll ausgestattete Gaming-Stationen mit. Das Gaming-Labor verfügt u.a. über folgende Hardware:

  • Playstation 3 inkl. Move
  • XBOX360 inkl. Kinect
  • WiiU
  • Nintendo NES
  • Nintendo DS
  • iPad
  • Android-Pad
  • Smartphones
  • Gaming-Notebook

Alle Systeme stehen inkl. Monitoren, Controllern etc. und natürlich jeder Menge Games zur Verfügung.

2. Fortgeschrittenen-Workshop zum Thema Gaming in Bibliotheken, Museen und Archiven:

Dieser Workshop richtet sich an Personen, die schon eigene Erfahrungen mit dem Thema Gaming sammeln konnten bzw. die bereits erste Projekte im Bereich Gaming in ihrer Institution umgesetzt haben. Im Rahmen dieses Workshops wird gemeinsam an der Entwicklung und Umsetzung von individuellen Gaming-Strategien gearbeitet.

Auch hier gibt es auf Wunsch die Möglichkeit, praktisch Games auszuprobieren.

3. Gaming-Events von und mit Bibliotheken

Das mobile Gaming-Labor kann ebenso genutzt werden, um in Bibliotheken, Museen und Archiven Gaming-Veranstaltungen durchzuführen. In diesem Fall entwickeln wir gemeinsam eine Veranstaltung und setzen diese dann mit den Ressourcen des Gaming-Labors um.

20131021_172516Das mobile Gaming-Labor ist bereits aktiv und unterwegs:-) Ich habe damit schon das “Kulturcamp” der Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel gestaltet, war in München auf einer Fortbildung für Bibliotheken aktiv und habe Workshops in Nordrhein-Westfalen umgesetzt. Ende November werde ich mit dem Gaming-Labor auf Tournee in Ost-Westfalen gehen. Dann bin ich 10 Tage im Auftrag des Gaming-Herrn unterwegs:-)

Was mich aber besonders freut ist, dass ich mit dem Labor Teil der “Langen Nacht der Bibliotheken” in Berlin werde. am 24.10. ab 20h kann man in der Bibliothek der TU Berlin und in der Zentral- und Landesbibliothek Berlin aktiv spielen. Die Bibliothek der TU Berlin (Volkswagenhaus) und die ZLB (Zentral- und Landesbibliothek Berlin) veranstalten gemeinsam eine Gaming-Nacht. An diesem Abend werden Menschen in der TU-Bibliothek und der ZLB gegeneinander einfache Spiele auf der WiiU, der PS3 und der XBOX360 spielen können. Darüber hinaus wird es Interviews und einen regen Austausch auf Twitter und Facebook geben. Ziel ist die Menschen dafür zu sensibilisieren, das Gaming in allen Bibliotheksbereichen relevant sein kann – auch im Kontext von wissenschaftlichen Bibliotheken.

Darüber hinaus werden wir auch “Bibcraft” von und mit Kelvin Autenrieth spielen. Es lohnt sich auf jeden Fall vorbei zu kommen!!!

In den nächsten Wochen werde ich vermehrt über das mobile Gaming-Labor berichten. Und natürlich gibt es hier auch bald noch weitere Informationen zu meinem neuen Netzwerk “games4culture”.

Beste Grüße

Christoph Deeg

Nehmt den Bibliotheken die Bücher weg!!!

Liebe Leser,

bevor jetzt Bibliotheksmitarbeiter oder Bibliothekskunden Schnappatmung bekommen möchte ich Euch beruhigen: Ich möchte auf keinen Fall den Bibliotheken die Bücher oder andere Medien wegnehmen. Und wenn jemand diese Forderung ernst meinen würde, wäre die Ablehnung zur recht riesengroß. Aber je mehr ich mir über die Zukunft und Gegenwart von Bibliotheken Gedanken mache, desto mehr habe ich das Gefühl, dass wir im Moment etwas vergleichbares tun.

In den letzten 15 Jahren hat sich die Welt der Bibliotheken rasant verändert. Vor allem die öffentlichen Bibliotheken sind von diesem Wandel betroffen. Dabei geht nicht nur aber auch um die Herausforderungen, welche sich aus der digitalen Welt ergeben. Ich habe in vielen Beiträgen auf diese Situation hingewiesen. Immer mehr Medien und Informationen lassen sich nicht mehr in Bibliotheken verorten. Dies liegt zum Einen daran, dass sie nur noch digital zur Verfügung stehen. Zum Anderen sind die damit verbundenen Vertriebsmodelle mit der klassischen Bibliothekswelt wenig kompatibel. Entweder sie sind online frei zugänglich oder aber sie werden in kommerziell-geschlossenen Systemen zur Verfügung gestellt. Oder anders ausgedrückt: Sowohl Blogs und Youtube-Videos als auch Musik bei iTunes und eBooks bei Amazon lassen sich von Bibliotheken nicht mehr in der klassischen Form bearbeiten. Dabei haben Sie heute die gleiche Relevanz wie gedruckte Bücher.

Immer mehr Bibliotheken machen sich auf den Weg und versuchen neue Aufgaben zu finden. Und da passiert so einiges. Bibliotheken sind längst mehr als bloße Verleihstationen. Der klassische Bestand einer öffentlichen Bibliothek verliert an Bedeutung – nun geht es darum, dass die Bedeutung von Bibliotheken trotzdem zunimmt. Für mich bedeutet dies u.a. dass Bibliotheken einen Weg finden müssen, mit den Medien zu arbeiten, die nicht mehr exklusiv über die Bibliothek zugänglich gemacht werden können. In einem anderen Beitrag hatte ich vor einigen Monaten bereits darauf verwiesen. Und sie sollten zu Orten werden, bei denen die digitale mit der analogen Welt vernetzt werden. Öffentliche Bibliotheken sind dann quasi das analoge “Facebook” einer Stadt oder einer Gemeinde. Und was immer die Menschen auch interessiert, was immer sie auch ausprobieren und lernen möchten, die Bibliothek hilft ihnen dabei. Bibliotheken sind also nicht mehr die Informations- und Medienexperten. Sie sind vielmehr analog-digitale Plattformen und ihr Bestand ist ein Teil davon. Die Alleinstellungsmerkmale öffentlicher Bibliotheken wären dann u.a. 1. Der Ort; 2. Die Menschen die in der Bibliothek arbeiten und 3. die Neutralität, d.h. die Bibliothek ist ein un-kommerzieller Raum.

Was hat dies alles mit der Überschrift dieses Beitrages zu tun? Sehr viele Bibliotheken – vor allem öffentliche – haben sich auf den Weg in die Zukunft gemacht. Und man kann mit Sicherheit einiges an den Bibliotheken verbessern und kritisieren. Was mich im Moment aber am meisten “nervt” ist das Umfeld der Bibliotheken. Wie bereits in meinem letzten Beitrag angedeutet, gibt es noch immer sehr viele Bibliotheken die keinen freien Zugang zum Internet haben. Von der Möglichkeit den Bibliothekskunden WLAN anzubieten ganz zu schweigen. Andere Bibliotheken müssen bei jeder Plattform, sei es Facebook, Twitter, Youtube oder ähnliches um einen Zugang betteln und sich dafür rechtfertigen, warum sie den nun auf diese Plattformen zugreifen möchten. Und selbst wenn das möglich ist, dürfen noch immer viele Bibliotheken nicht frei im Web agieren. Im Gegenteil, sie werden von ihren Trägern kontrolliert und müssen auch hier immer wieder Rechenschaft ablegen.

Und auch die Unternehmen, die Online-Services für Bibliotheken entwickeln sind nicht immer starke Partner. Gerade erst mussten viele öffentliche Bibliotheken, welche die Onleihe anbieten erleben, dass die dazugehörigen Apps fehlerhaft sind. Die Onleihe ist eine Plattform, auf der man als Bibliothekskunde eBooks ausleihen kann. Die Idee an sich ist wirklich toll aber die technische Umsetzung lässt zu Wünschen übrig. Die dazugehörigen Apps, damit man die Onleihe auch auf dem iPad oder einem Android-Tablet nutzen kann, verfügen weder über eine hinreichend funktionierende Suchfunktion noch sind sie übersichtlich gestaltet. In den Apps befand sich bis vor kurzem ein Button für Musik, der aber keine Funktion innehatte. Dieser wurde dann plötzlich durch einen Button mit der Aufschrift “SAP” ersetzt, hinter dem sich zwar eine Ordnerstruktur aber keine Inhalte befanden. Warum dies so ist kann ich nur erahnen. Ich denke, die App wird wohl nicht nur den Bibliotheken angeboten worden sein. Für Bibliotheken bedeutet diese Situation aber einen erheblichen Mehraufwand. Sie müssen nicht nur dafür sorgen, dass alle Mitarbeiter die verschiedenen Funktionalitäten und Abläufe der Apps kennen und vermitteln können. Sie müssen zudem die jeweiligen Apps kontinuierlich beobachten. Gerade in kleinen Bibliotheken mit einer geringen Personaldecke sollte der Arbeitsaufwand für Angebote, die Bibliotheken unbedingt brauchen und für die sie sehr viel Geld bezahlen, so gering wie möglich sein. Und auch wenn seit heute zumindest die iOS-App ein Update bekommen hat: Im Bereich eBooks setzen im Moment kommerzielle Unternehmen die Standards.

Wenn wir die Ergebnisse der PIAAC-Studie ernst nehmen, und wenn wir zudem von den öffentlichen Bibliotheken erwarten, dass sie hier noch aktiver werden als sie es schon sind, dann muss auch das Umfeld stimmen. Dann müssen alle Bibliotheken endlich und in kurzer Zeit komplett auf das gesamte Internet zugreifen können. Dann müssen sie zudem im Web überall eigenständig aktiv sein dürfen und dann müssen die Unternehmen, die für die Bibliotheken Software entwickeln darauf achten, dass sowas wie die Situation bei der Onleihe nicht wieder passiert. Wenn wir dies nicht ändern, ist die Situation letztlich vergleichbar mit einem Verbot, mit Büchern zu arbeiten. Denn wenn die Arbeit mit Büchern die gleiche Restriktionen und Probleme mit sich gebracht hätte, wie wir sie beim Web und Plattformen wie der Onleihe finden, hätte sich die Bibliothek als Ganzes nie durchgesetzt.

Und natürlich lässt sich diese Situation auf den gesamten Bildungs- und Kulturbereich sowie auf Unternehmen übertragen. Die hier angesprochenen Punkte erlebe ich in ähnlicher Form in Theatern, Museen, Verwaltungen und Unternehmen. Und dadurch bleiben so viele Chancen und Möglichkeiten, die sich aus der Vernetzung der digitalen mit der analogen Welt ergeben ungenutzt. Oder aber sie werden von kommerziellen Unternehmen erschlossen, entwickelt und umgesetzt…

Beste Grüße

Christoph Deeg

Deutschland ein digitaler Bildungs-Unfall?

Liebe Leser,

man mag es kaum glauben. Man mag wütend sein. Man mag sich schämen. Es ändert aber nichts: Deutschland hat ein tiefgreifendes Bildungsproblem. Und dieses mal sind es nicht die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die Probleme bereiten. Es sind vor allem die Erwachsenen, die offensichtlich ein großes Problem mit modernen Kommunikation- und Medientechnologien und dem Lesen und Verstehen von Texten haben. Im Rahmen der PIAAC-Studie der OECD wurden 166.000 Menschen im Alter zwischen 16 und 65 in 24 Ländern befragt bzw. getestet. Das Ergebnis ist niederschmetternd: 17,5% der Deutschen verfügen nur über die Lesekompetenz eines 10-Jährigen. Das allein reicht m.E. schon aus um sich zu fragen, ob sich eine der reichsten Industrienationen der Welt darüber bewusst ist, dass unser Reichtum kein Automatismus bzw. kein Naturgesetz ist.

Noch erschreckender ist für mich aber das Ergebnis im Bereich der digitalen Problemlösungskompetenz, also der Fähigkeit, den Computer zu nutzen: Gerade mal 7% der Deutschen verfügen über eine hohe Kompetenz in diesem Bereich. 45% verfügen nur über geringe Kenntnisse. 11,6% haben in diesem Bereich gar keine Erfahrung. Man könnte es auch anders ausdrücken: Deutschland hat eine sehr große Zahl an digitalen Analphabeten. Nur zum Verständnis: In einer Zeit, in der Social-Media und Co. unsere Gesellschaft nachhaltig verändern, leistet sich eine der größten Industrienationen der Welt den Luxus, ihre Bewohner in der Kreidezeit zu belassen.

Fast schon faszinierend ist die Reaktion der wichtigen und zumindest in Teilen verantwortlichen Institutionen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung sieht offensichtlich überhaupt keinen Bedarf für Veränderungen. Es handelt ganz klar nach der Devise “Weiter so!”. Weder die mangelnde Lesekompetenz der Älteren noch deren extreme Schwächen im Bereich der Nutzung digitaler Medien scheint hier eine Bedeutung zu haben. Dabei sind es die Älteren, die die jüngere Generation auf dem Weg in die digitale Welt begleiten müssten. In vielen Bildungsinstitutionen, seien es Schulen, Bibliotheken oder Universitäten ist der Altersdurchschnitt sehr hoch… Wo ist der Aufschrei des Deutschen Bibliotheksverband? Wo melden sich die Lehrer? Wäre nicht jetzt der ideale Zeitpunkt um öffentlich diese Herausforderung anzunehmen?

Die digitale Infrastruktur in Deutschland ist noch immer in einem desaströsen Zustand – das ist bekannt. Und ich habe schon vor einigen Monaten nach meiner Asienreise darauf hingewiesen, dass uns Länder wie Süd-Korea zeigen, wie man digitale Infrastruktur denkt, entwickelt und realisiert:

Das Beispiel Süd-Korea zeigt aber auch, dass es nicht nur um den Aufbau einer technischen Infrastruktur gehen kann. Man muss den Menschen die Möglichkeit geben, die digitale Welt kennen zu lernen und auch hier ist Süd-Korea ein gutes Beispiel: Im Rahmen des 1995 beschlossenen “Framework act of information” wurde nicht nur der Aufbau der digitalen Infrastruktur beschlossen. Es wurde ebenso ein Schulungsprogramm für bis zu 10.000.000 Koreaner gestartet, welches den Menschen, die durch ihren Beruf, Ihr Alter oder aus anderen Gründen, keinen intensiven Zugang zu digitalen Welt haben, einen Weg in ihre digitale Zukunft zu ermöglichen.

In Deutschland haben wir leider nichts vergleichbares. Im Gegenteil: unser Bildungssektor lebt in der Breite noch immer in der Kreidezeit. Und dieser Zustand hat leider viele erschütternde Facetten. Da gibt es die offenen und innovativen Lehrer wie Andre Spang, die versuchen, neue Wege in der Bildung zu gehen. Und immer mehr LehrerInnen möchten endlich etwas neues ausprobieren und die digitale Welt zu einer Querschnittsfunktion des Unterrichts werden lassen. Aber es gibt – zumindest nach meinen Erfahrungen – eine viel größere Zahl an Lehrern, die sich massiv dagegen wehren. Und nicht wenige Lehrer verfügen nicht ansatzweise über das dafür notwendige Know-How. Und noch immer ist der Zustand der digitalen Infrastruktur in vielen Schulen problematisch. Zudem erleben wir, wie in einigen Bundesländern die Nutzung von sozialen Netzwerken und anderen Angeboten verboten wird. So wird Schule zum Anti-Lernort. Dabei müssten wir die Lehrer unterstützen, die sich der digitalen Welt öffnen möchten und sie nicht ausbremsen. Denn in diesem Moment bremsen wir nicht die Lehrer sondern die Schüler aus. Sie verlieren damit die Chance, die digitalen Medien in all ihrer Breite zu nutzen. Schule ohne die digitale Welt als Querschnittsfunktion des Unterrichts ist möglich, aber in der heutigen Zeit sinnlos.

Oder nehmen wir als anderes Beispiel die öffentlichen Bibliotheken. Sie sind die wahrscheinlich wichtigsten Bildungs- und Kulturinstitutionen unserer Gesellschaft. Aber sie sind längst nicht mehr die Informations- und Medienexperten, für die man sie hält. Ihre digitale Infrastruktur ist in der Breite katastrophal. Und selbst wenn ein Zugang zum Internet vorhanden ist, bedeutet dies nicht, dass man dann wirklich Zugriff auf das Internet hat. Sehr viele Bibliotheken können eben nicht auf Plattformen wie Youtube, Facebook, Twitter etc. zugreifen. Bibliotheken den komplett freien Zugriff auf das Internet zu verwehren ist so als würde man ihnen die Arbeit mit Büchern verbieten. Und ja, auch im Bibliothekswesen mangelt es in der Breite an dem notwendigen Know-How. Im Bereich der öffentlichen Bildungs- und Kulturinstitutionen ist den Mitarbeitern in den letzten 20 Jahren in der Breite das so wichtige IT-Basiswissen vorenthalten worden. Aber wie wollen Bibliotheken Informations- und Medienexperten sein, wenn noch immer ein großer Teil Ihrer Mitarbeiter weder über den Zugang zur digitalen Welt noch über das damit verbundene notwendige Know-How verfügen? Ja es stimmt, die Berufsbilder von Bibliotheksmitarbeitern haben sich tiefgreifend verändert. Bibliotheksmitarbeiter ist ein IT-Job und viele Mitarbeiter haben diesen Beruf gewählt, um eben nichts mit diesen ganzen Technologien zu tun zu haben. Und ja, die Aus- und Weiterbildung von Bibliotheksmitarbeitern ist noch immer nicht auf einem Stand, der es den zukünftigen Bibliotheksmitarbeitern ermöglichen wird, die Bibliotheken zu Gestaltern von Bildung und Kultur umzubauen. Wir können aber an so vielen Stellen erleben, welches Potential diese Institutionen haben, wenn…

Der aktuelle Zustand sollte aber auch Warnschuss für Unternehmen sein. Noch immer ist die Weiterbildung von Mitarbeitern in Unternehmen schlecht aufgestellt. Auch hier fehlt es sehr oft an IT-Basiswissen. Sehr oft geht es nur darum, eine neue Software zu lernen. Schulungen und Workshops orientieren sich zu oft einzig und allein an einem konkreten Problem bzw. einer konkreten Aufgabenstellung. Dabei ist ein möglichst breites Wissen im Bereich der digitalen Welt bei allen Mitarbeitern sehr wichtig. Das mag manchem Vorgesetzten nicht gefallen, verliert er doch u.U. seine Deutungshoheit über manche Themen und Inhalte. Aber wenn unsere Unternehmen nicht irgendwann aufwachen und die digitale Welt als Querschnittsfunktion des Managements verstehen, kommen wir nicht weiter. Wie wollen Unternehmen Fachkräfte finden, wenn ihre Struktur und ihre Ressourcen unprofessionell sind?

Die Ergebnisse der OECD-Studie zeigen vor allem eines: es gibt noch sehr viel zu tun. Und wir stehen erst am Anfang einer langen Reise. Es ist kein Erfolg, durchschnittlich zu sein. Und die junge Generation wird es nicht richten können, wenn die ältere Generation weiterhin so dermaßen auf die Bremse drückt…

Beste Grüße

Christoph Deeg

Zu Hilfe, der Deeg kommt!

Christoph Deeg:

Liebe Leser,

mein Job macht wirklich großen Spass und obwohl ich immer wieder blogge und poste etc. ist es immer nur meine Sicht der Dinge, die Euch erreicht. Hier mal ein Blogbeitrag einer Institution, die ich berate und begleitet. Mittlerweile sind wir schon beim nächsten Schritt und bauen die ganze Bibliothek um…

Ganz liebe Grüße

Christoph Deeg

Ursprünglich veröffentlicht auf Leseoase:

Liebe Leser,

wie ihr ja wisst, sind wir seit einigen Monaten schwer beschäftigt, dass Internet für uns zu gewinnen und haben für Euch diesen Blog ins Leben gerufen. Das ist aber noch nicht alles: Wir haben inzwischen eine kleine Fangemeinde bei Facebook und seit einigen Wochen sind wir auch noch fleißig am twittern.

Damit wir das auch alles gut hinbekommen, haben wir von der Bezirksregierung Düsseldorf einen Coach zur Seite bekommen: Christoph Deeg. Er hat uns innerhalb der letzten zwölf Monate dreimal besucht und uns einige Tipps und Tricks verraten, wie wir uns noch besser in der Social-Media-Welt zurecht finden – und was wir alles können sollten, um Euch, liebe Leser, zu interessieren und vielleicht manchmal auch zu inspirieren.

… Im Grunde kommen wir klar …

das war die Aussage, mit der wir Herrn Deeg im vergangenen August begrüßt haben. Inzwischen sind wieder einige Monate vergangen, und im Dezember…

Original ansehen noch 899 Wörter

Der digitale Bildungs-GAU und was wir dagegen tun sollten…

Liebe Leser,

im Bereich der digitalen Welt ist in den letzten Wochen wieder Einiges passiert. Neben der Geheimdienst-Datenschutzaffäre ist vor allem die Diskussion um das Facebook- bzw. Social-Media-Verbot für Lehrer in einigen Bundesländern ein spannendes Thema. Ich habe bereits über das Thema geschrieben. In diesem Beitrag möchte ich jedoch auf ein paar Punkte eingehen, die meiner Meinung nach in der Diskussion zu wenig diskutiert wurden.

Beginnen wir mit ein paar grundsätzlichen Gedanken:

  1. Die digitale Welt ist eine Welt voller Chancen und Möglichkeiten – sie ist nicht nur eine Welt voller Gefahren und Risiken
  2. Der kompetente Umgang mit sozialen Medien bedeutet nicht nur die Vermeidung von Gefahren sondern vor allem das Verstehen und konsequente Nutzen der verschiedenen Werkzeuge – ganz egal ob es sich dabei um Wikis, Facebook, Twitter, Google+, Evernote, Pinterest oder WordPress handelt. Alle Seminare, Workshops und Vorträge, die sich primär oder ausschließlich mit der Frage nach Gefahren und Risiken beschäftigen, sind sinnlos, denn Sie behandeln nur einen Teil des ganzen Themas
  3. Die digitale Welt ist kein fremder Planet. Sie ist Teil unserer Lebensrealität. Es ist dabei völlig egal, ob alle Menschen in diesem Land online sind oder nur 50%. Es ist auch völlig egal, wie man selber zu Facebook oder Twitter steht. Aber alle diese Plattformen sind Teil unserer Gesellschaft und es ist unsere Aufgabe, sie aktiv mit zu gestalten.
  4. Auch wenn Facebook, Twitter, Smartphones etc. in allen Schulen und anderen Bildungseinrichtungen verboten werden würden. Ihr massenhafte Nutzung wird sich dadurch nicht verhindern lassen. Das bedeutet, wenn Lehrer mit Ihren Schülern nicht in Facebook-Gruppen arbeiten dürfen, wird dies nicht verhindern, dass sich die Schüler in solchen Gruppen z.B. über Lehrinhalte austauschen werden.

Natürlich darf kein Schüler gezwungen werden, einen Account bei Facebook oder Twitter anzulegen. Und natürlich sollen Lehrer auf Facebook mit Ihren Schülern nicht „befreundet“ sein. Ebenso sollen Lehrer keine Schulnoten oder andere Inhalte über Facebook verbreiten. Die Richtlinien und Verbote einiger Bundesländer gehen aber weit darüber hinaus und sie zeigen zudem, wie wenig diese „Bildungspolitiker“ von der digitalen Welt verstehen. Wie ließe sich sonst erklären, dass in einigen dieser Richtlinien sogar das gegenseitige Folgen (zwischen Lehrer und Schülern) auf Twitter verboten wird:-)

Kommen wir aber zurück zum Thema „Bildung und Lernen“. Auch wenn man es nicht glauben mag: Facebook, Twitter, Youtube und Co. sind nicht nicht nur Komunikationsplattformen. Sie sind ebenso die größten Bildungsplattformen auf diesem Planeten. Nicht nur in den Klassenräumen sondern ebenso im Internet wird global Wissen erschlossen, vermittelt, kommuniziert und weiter entwickelt. Die digitale Welt ist kein lustiges Freizeitvergnügen – sie ist Kommunikationsraum und Lernort zugleich. Und sie ist nicht(!) virtuell, sondern sie ist real. Wenn wir Lehrern verbieten, Teil dieser Welt zu werden, schließen wir sie nicht nur aus diesen Lernorten aus. Wir stigmatisieren damit auch die Lern- und Kommunikationswelt der Schüler. Verbote und Einschränkungen sagen nichts anderes aus als:“Wir wollen Eure Kommunikationswelt nicht“.

Schon lange bevor es Social Media etc. gab, genauer in den 70ern und 80ern wurde in pädagogischen Fachkreisen darüber diskutiert, ob es in einer modernen Informationswelt überhaupt noch um das Lernen von Fakten gehen kann. Muss Schule gerade in heutiger Zeit nicht vor allem dafür sorgen, dass die Schüler lernen, mit dieser digitalen Informationswelt umzugehen? Versteht mich nicht falsch. Natürlich sollen Schüler Lesen, Schreiben, Rechnen lernen. Aber das reicht nicht mehr.

Die digitale Welt ist keine Parallelwelt. Die digitale Welt ist menschlich. Die Inhalte, die Kommunikation, alles das ist von Menschen gemacht. Innerhalb von ein paar Jahren ist Google zu einem Verb geworden und mit der Wikipedia wurde die weltgrößte Enzyklopädie von Menschen in deren Freizeit erstellt. Unser technisches Wissen verdoppelt sich aktuell alle zwei Jahre und in einer Stunde werden beinahe 3.000 Stunden Videomaterial zu Youtube hochgeladen. Was macht Schule damit? Weder Lehrer noch Bibliothekare noch irgendjemand anderes ist in der Lage diese Datenmengen zu überblicken. Aber heute und noch mehr in der Zukunft wird der Umgang mit diesen Plattformen ein elementarer Bestandteil der Arbeitswelt sein.

Aber es geht nicht nur um Daten auf Servern. Das Social Web steht weniger für Technologien als vielmehr für eine neuen Kultur bzw. neue Denk- und Arbeitsweisen. Es geht um neue Formen gemeinsam zu Arbeiten und zu Lernen. Es geht um neue Berufe. Es geht um neue Sozialsysteme. Es geht um neue Hierachiemodelle und neue Formen der Zusammenarbeit. Das alles ist keine Science Fiction. Es passiert hier und jetzt und es ist längst kein Nischenthema mehr. Schule kann und muss die Schüler auf diese Zukunft vorbereiten. Tut sie das nicht, ist sie letztlich wertlos.

Nun mag man einwenden, dass man diese Denkmuster auch ohne Facebook und Twitter erlernen kann. Schließlich kann auch mit einem Wiki lernen, wie man Inhalte teilt, diskutiert und wie man offen, interaktiv und transparent handelt. Aber dies ist ein Denkfehler. Auf Facebook, Twitter und Co. Findet sowohl die private als auch die berufliche bzw. schulische Kommunikation zwischen den Schülern statt. Und die Nutzung dieser Plattformen verändert sich stetig. Ob Facebook in fünf Jahren noch die gleiche Relevanz hat und auf welche Art und Weise die Plattform dann genutzt wird, kann heute niemand sagen. Aber die Vernetzung der Kommunikation mit dem Lernen ist ein Bestandteil des Lernens – ob und das gefällt oder nicht.

Was bedeutet das?

Die Nutzung der digitalen Welt muss ein Bestandteil des Lernens an Schulen werden. Am besten wäre es, wenn es keine(!) Seminare zu Facebook und Co. geben würde, sondern stattdessen die sozialen Medien in ihrer Breite zu einer Querschnittsfunktion des Unterrichts werden würden.

Lernen ist kein individueller Prozess. Er findet in individuellen Lernnetzwerken statt. Zu diesen Netzwerken gehören sowohl die Institutionen als auch Freunde bzw. das persönliche Netzwerk. Die Verbindung zwischen diesen Elementen der Lernnetzwerke ist in zunehmendem Maße die digitale Welt. Schließen wir die digitale Welt aus den Schulen bzw. dem Unterricht aus. Es geht also nicht um die Frage, ob ein Lehrer auf Facebook mit Schülern befreundet ist – er sollte es auf keinen Fall! Es geht vielmehr um die Frage, ob Schule auch in Zukunft eine Verbindung mit der Lebensrealtität der Menschen haben soll oder nicht. Es geht dabei aber nicht um die Institutionen sondern um das Lernen an sich.

Was also muss passieren?

Wir müssen die vorhandenen Lernnetzwerke, zu denen nicht nur Schulen sondern auch die Eltern und Institutionen wie Bibliotheken gehören, zu einem Teil der digitalen Welt machen. Wir müssen dafür sorgen, dass die Ressourcen mit denen Lehrer und Schüler arbeiten online verfügbar und zudem im Social-Web nutzbar sind. Datenbanken, deren Inhalte ich nicht teilen kann, machen in heutigen Lernwelten keinen Sinn mehr. Wenn Schulen in manchen Bundesländern auch weiterhin nicht Teil des Social Web werden dürfen, müssen wir Netzwerke aufbauen, in denen die Schüler bei der Nutzung von sozialen Medientechnologien unterstützt werden. Hierzu gehören Eltern, Jugendclubs und vor allem die Bibliotheken. Unterstützung heißt in diesem Fall Aktivierung, Support, gemeinsames Ausprobieren, Risikovermeidung etc. Der Fokus liegt dabei auf dem Aktivieren und dem gemeinsamen Ausprobieren. Sollten Bibliotheken und weitere Institutionen diesen Weg nicht gehen dürfen, werden Eltern und letztlich Unternehmen in diesem Bereich aktiv werden müssen. Ich weiß, dass dieser Gedanke für viele Leser problematisch ist. Die Angst vor der radikalen Kommerzialisierung unserer Gesellschaft ist groß und nachvollziehbar. Aber in wenigen Jahren werden die Anforderungen für Mitarbeiter in Unternehmen direkt mit der digitalen Welt zusammenhängen. Dies betrifft sowohl das Verstehen der Technologien als auch der damit verbundenen Denk- und Arbeitsweisen. Das Wissen und Verstehen der digitalen Welt und der damit verbundenen Kultur wird bei der Suche nach einem Arbeitsplatz bei einem Großteil der Bevölkerung eine große Rolle spielen. Wenn unser Bildungssystem, wenn wir nicht in der Lage sind, Lernen an die Realität anzupassen werden die Folgen für alle tiefgreifend sein. Unternehmen suchen kompetente Mitarbeiter. Wenn Schulen und Universitäten wesentliche Kompetenzen nicht vermitteln dürfen oder wollen, werden Unternehmen in ihrem eigenen Interesse diese Lücke füllen müssen.

Besonders wichtig ist, dass wir alle die Lehrer, Bibliothekare etc., die bereits heute die digitale Welt in ihrer Breite aktiv nutzen, intensiv und aktiv unterstützen

Aus diesem Grund ist das Verhalten der Kultusministerien in den genannten Bundesländern nicht nur ärgerlich – es stellt ein Problem dar. Also wie sieht die Lösung aus, bzw. was werden wir nun tun?

Beste Grüße

Christoph Deeg